📖 Transkripte
Staffel 1 – Der Galaktische Käseladen · Alle 14 Folgen
#1 Ballettflamingo
Der galaktische Käseladen, mit der kleinen galaktischen Käsemaus.
Ring, ring, ring!
»Ahhhhh!«, ruft die Maus. »Was ist los, was ist los?«
»Guten Morgen«, sagt die Fee.
»Was ist passiert?«
»Das ist dein Wecker, dein Wecker hat geklingelt. Du musst aufstehen, der Käseladen geht weiter.«
»Käseladen? Ach ja, Käseladen. – Und du, kommst mit?«
»Natürlich komm’ ich mit. Ich komm’ zumindest mit in die Stadt und dann kannst du in’ Käseladen.«
»Gut, komm, wir frühstücken erstmal was.«
Und die Fee und die Maus gehen zum Frühstück.
»Was frühstückst du denn da?«, sagt die Fee.
»Na Körner, wie jeden Morgen«, sagt die Maus. »Ich bin ’ne Maus.«
Da sagt die Fee: »Ich esse lieber Käse.«
»Bahhhhh!«, ruft die Maus. »Käse! Uaaar. – Pfui, bäh!«
»Du lebst vom Käse.«
»Ich leb’ vom Käse?«
»Du verkaufst Käse – beruflich.«
»Beruflich? Ich hab’ doch nur ’n Käseladen. -- Ah, ich hab’ ’nen Käseladen, der muss gleich öffnen. Ich muss los.«
»Komm, wir nehmen unsere … fliegenden Skateboards.«
Und die Fee und die Maus sausen los, zum Käseladen.
Der Käseladen öffnet um(?) … 7 …? – 8 Uhr.
Viertel vor 8 sind die beiden beim Käseladen, schließen ihre Skateboards an und die Maus schließt in Windeseile die Tür auf.
»Wir müssen aufbauen!«, ruft sie. »Aufbauen!«
Und sie rollen dicke Käselaibe aus dem Käselager nach vorne, in die Verkaufstheke.
Um 10 vor 8 kommt der erste Kunde in den Laden.
»Guten Tag«, sagt er.
»Guten Tag«, sagt die Maus. »Wir öffnen in 10 Minuten.«
»Keine Zeit!«
»Sie sehen aus wie ein Gecko.«
»Ich bin ’n Gecko.«
»Schön für Sie. Geckos essen keinen Käse. Tschüss.«
»Ich brauch’ den Käse ja nicht für mich«, sagt der Gecko. »Aber ich brauch’ ihn jetzt.«
»Wir öffnen in zehn-Mi-nu-ten«, sagt die Maus.
»Ich brauch’ den Käse jetzt«, sagt der Gecko. »Her damit!«
»Bululululu«, sagt die Maus: »Schnickschnack, raus hier aus dem Laden!«
»Selber Schnickschnack«, ruft der Gecko. »Ich glaube, Sie wissen nicht, wer ich bin!«
»Ich hab’ überhaupt keine Ahnung, wer Sie sind, und ich will’s auch nicht wissen«, sagt die Maus.
»Das sollten Sie aber wissen wollen!«
»Gewollt haben, wollen, tollen«, ruft die Fee aus dem Hintergrund.
»Wie bitte?«, ruft der Gecko.
»Ach nichts«, sagt die Fee – und macht sich ’ne Brause auf.
»Es ist vor 8 Uhr«, ruft der Gecko. »Sie trinken ’ne Brause vor 8?«
»Ich bin eine Wunschfee. Ich darf alles«, ruft die Fee von hinten.
»Gut, dann erklären Sie mir mal eins«, sagt der Gecko. »Wie macht man so einen Käselaib?«
»Hm«, sagt die Fee. »Müssen Sie die Maus fragen, hab’ ich keine Ahnung von. Bin ich der Käseverkäufer oder ‘s sie die Käseverkäuferin?«
»Sie ist … keine Ahnung, wer hier wer ist. – Ich brauch’ einen Laib Käse und zwar jetzt.«
»Prschrrrrrr«, sagt die Maus, »noch sieben Minuten, dann öffnen wir den Laden.«
»Nix da sieben Minuten«, ruft der Gecko. »Her mit dem Käselaib, ich zahl’, was Sie wollen.«
Br-r-r-r-r-r-r.
Die Ohren der Maus geh’n nach oben.
»Sie zahl’n was ich will?«, sagt die Maus. »Auch in Gold?«
»Natürlich in Gold«, ruft der Gecko. »Wie denn sonst?«
»Oh«, sagt die Maus. »Herzlich willkommen. Der Laden ist plötzlich geöffnet.«
»Herrje, warum nich’ gleich so«, sagt der Gecko.
»Ich hatte ja keine Ahnung, wer Sie sind«, sagt die Maus.
»Sie wissen, wer ich bin?«, fragt der Gecko.
»Nein, ich habe keine Ahnung, wer Sie sind. Und es interessiert mich auch nicht.«
»Ich bin«, sagt der Gecko, »ich bin …«
»Was wollen Sie denn für Käse haben?«, sagt die Maus.
»Einen Laib Käse«, sagt der Gecko.
»Ja, na klar, einen Laib Käse. Wollen Sie lieber einen Gouda, einen Tilsiter, einen Maasdamer, einen Parmesankäse? Soll’s ein Reibekäse sein, ein Weichkäse?«
Der Gecko ist völlig verwirrt und dreht mit den Augen.
»Häähmmschja!? Käse. K-K-Käse«, sagt er. »Ich will einfach Käse kaufen.«
»Hör mal«, sagt die Fee und stellt ihre Brause auf’n Tresen. »Es gibt verschiedene Sorten Käse, mein Lieber. Schon mal gehört?«
Ungläubig guckt sie der Gecko an.
»Es gibt Sorten-Käse? Was? Dann hätte ich gern’ einen Laib Sorten-Käse, bitte.«
»Nein, nein, nein. Es gibt verschiedene Käsesorten. Es gibt so einen Käse und noch einen anderen Käse. Wissen Sie, das ist wie bei … Geckos. Es gibt die einen Geckos und noch die anderen Geckos.«
Der Gecko guckt sie verwirrt an.
»Wir sind alle klein und grün. Wir sind Geckos.«
»Nein, es gibt auch beige Geckos und geriffelte Geckos, und …«
»Es sind alles Geckos«, ruft der Käse … äh, ruft der Gecko. »Geben Sie mir endlich einen Laib Käse! In vier Minuten geht mein Zug!«
»Ihr Zug geht um 7:58 Uhr?«, sagt die Maus.
»Ja, um 7:58 Uhr!«, ruft der Gecko.
»Das ist ja, bevor mein Laden öffnet.«
»Verdammt!«, ruft der Gecko. »Geben Sie mir endlich den Käselaib! Was kostet der denn?«
»Ööööö«, sagt die Maus und guckt fragend zur, äh, Fee.
»Ich glaub’, der kostet …«
»Öchhöö«, sagt die Fee, »öchhöö, öchhöö … fünfh…hust, fünfhundä…ggg, fünfhundä-fünftausen…ggg … fünfhundert…fünf-tausend Euro.«
»Wie bitte?«, sagt der Gecko. »Ich hatte ja keine Ahnung, dass Käse so teuer is’.«
»500 Mill-Mill-Millionen Euro, Dollar, Mäuse, Käse, Maus, Taler«, ruft die Fee.
»Wie bitte?«, sagt der Gecko. »Kann ich auch mit Karte zahlen?«
»Kommt auf die Karte an«, sagt die Maus. »Is’ es ’ne goldene Karte?«
»Ja, selbstverständlich«, sagt der Gecko. »Sie ham’ wohl keine Ahnung, wer ich bin. Ich bin …«
»Ihr Zug geht gleich«, sagt die Maus.
»Ich bin in Eile. Ich brauch’ Käse.«
»Ja, zahlen Sie hier? Das macht einfach 5.000 Euro und dann kriegen Sie den Laib Käse hier. Es handelt sich um ’nen fantastischen Tilsiter. – Für wen soll ’n der Käse überhaupt sein?«
»Für meine Frau«, sagt der Gecko.
»Für Ihre Frau? Is’ die nich’ auch ’n Gecko? Geckos essen keinen Käse.«
Der Gecko guckt sich irritiert um.
»Meine Frau? … is’ natürlich kein Gecko, ’s ’ne Ziege und die isst sehr gern Käse, am liebsten von Kühen.«
»Oh«, sagt die Maus, »da ham’ Sie Glück, das is’ ’n Käse aus Kuhmilch.«
»Ja«, sagt der Gecko, »deswegen bin ich hier. Käse aus Kuhmilch, geben Sie her! Bitteschön …«, sagt er, »… hier is’ meine goldene Kreditkarte. Ich zahle Ihnen 5.000 Euro.«
Da entdeckt er das Preisschild am Käse. An dem Käselaib steht dran: ›125 Euro‹.
»Ugh!«, sagt der Gecko. »Hier is’ ’n Schild dran und darauf steht, dieser Laib Käse kostet 125 Euro – und gar keine 5.000!?«
»Äh«, sagt die Fee und nippt an ihrer Brause. »Öööh. Sie sehen ja, das Schild is’ da an der einen Ecke reingesteckt. Der Preis gilt für ’n Stück Käse.«
Ungläubig guckt die Maus zu ihr rüber.
»Für einn Stück Käse?«, wiederholt sie.
»Für einn Stück Käse«, nickt die Fee, »und der Laib kostet, wie gesagt, 5.000 Euro.«
»Gut«, sagt der Gecko, »was auch immer. Her damit!«
Er klemmt sich den Laib Käse unter’n Arm und will loslaufen.
»Uhg!«, sagt er: »Uhrg, der’s ja schwer!«
»Na klar«, sagt die Maus.
»Öh, – wie krieg’ ich denn den transportiert?«
Da kommt ein kleiner Hund in den Laden. »Morgen«, sagt er.
»Ach«, sagt die Maus, »guten Morgen, Bruno! Das Gleiche wie immer?«
»Das Gleiche wie immer.«
Die Maus wirft dem Hund drei kleine Käsekügelchen über den Tresen und der Hund schnappt sie mit seinem Mund. Rrrmp, rrrmp, rrrmp.
Er wirft ein Geldstück über die Theke. »Dankeschön.«
»Könn’ Sie mir?«, ruft der Gecko. »Könn’ Sie mir?«
»Was?«, sagt der Hund, »isch hab’ grad’ Käse im Mund.«
»Können Sie mir beim Tragen helfen?«
»Seh’ ich aus wie ’n Frachthund?«, sagt der Hund.
Der Gecko mustert den Hund.
»Ich glaub’, Sie ham’ keine Ahnung, wer ich bin.«
»Ich hab’ keine Ahnung, wer ich bin, äh, wer Sie sind. Kommen Sie, ich will gerade zum Bahnhof. Wohin wollen Sie?«
»Zum Bahnhof«, krächzt der Gecko.
»Na dann legen Sie den Käse einfach auf meinen Rücken«, sagt der Hund.
»Ühhhhhrrr«, sagt der Gecko. »Kann ich nich’, is’ zu schwer.«
»Papperlapapp!«, ruft die Fee.
Die Fee hebt den Käselaib mit einer Hand hoch, knallt ihn auf den Hund drauf und sagt: »Abmarsch!«
»Uhrrr«, macht Bruno.
»Uhh! Danke«, sagt der Gecko. »Mensch, das war stark von Ihnen. Wie machen Sie das?«
»Ich bin ’ne Wunschfee, ich kann alles. Tschüss, viel Spaß im Zug. Vielen Dank für den Einkauf. Besuchen Sie uns mal wieder, bis zum nächsten Mal. Ciao, ciao.«
»Ciao, ciao«, sagt der Gecko.
»Vielen Dank für den … für den …«
»… günstigen Käse!«, ruft die Maus.
»… für den, für den günstigen Käse.«
Der Hund trabt los und der Gecko setzt sich noch auf den Käse obendrauf und sie traben zum Bahnhof und kriegen den Zug um 7 Uhr 58.
»Guter Umsatz für heute«, ruft die Maus. »Meine Güte, wie kamst du denn auf den Preis?«
»Keine Ahnung«, sagt die Fee. »Da hinten war so ’ne 5 an der Wand und da hab’ ich gedacht ›5‹ und wie viele Nullen kann man dranhängen, ohne dass er in Ohnmacht fällt? Naja, und der Herr, der sah doch recht gesittet aus, da dachte ich mir, ich mach’ den Käse einfach mal viel zu teuer.«
»Meine Güte«, sagt die Maus, »jetzt ham’ wir richtig viel Geld verdient. Ich hoffe, wir ham’ ihm das nich’ weggenommen.«
»Gewissermaßen ham’ wa’s ihm weggenommen«, sagt die Fee. »Aber, du siehst ja, ’s hat ihn nich’ interessiert, der hat einfach so viel für ’n Stück Käse gezahlt, dann war’s schon okay, glaub’ ich.«
»Meine Güte«, sagt die Maus, »ich bin ganz schön ins Schwitzen gekommen. 125 für den ganzen Käselaib und meistens kaufen die Leute ja nur ’n Stückchen für zwei, drei Euro.«
»Ja. Jetzt könn’ wir den Laden eigentlich für heut’ wieder dichtmachen«, sagt die Fee. Und als sie es sagt, kommt ein Flamingo in den Raum stolziert.
Dü-döm, dü-döm.
»Einen wunderschönen guten Morgen«, trällert der Flamingo.
»Morgen«, sagt die Maus, »wie könn’ wa Ihnen helfen? Hier is’ kein Fischladen.«
»Guten Morgen«, sagt der Flamingo, »das seh’ ich. Ich befinde mich ja wohl in ’nem Obstgeschäft.« Er guckt sich fragend um. »Wo gibt’s denn hier Weintrauben?«
Die Maus und die Fee gucken sich an.
›Oh mein Gott, so einer schon wieder.‹
»War nur ’n Spaß«, ruft der Flamingo. »Käse her oder es knallt!«
»Wie bitte?«, sagt die Maus. »Das ham’ Sie doch nich’ ernsthaft gesagt.«
»Ich brauche ’ne Käseplatte für ’ne große Flamingo-Party.«
»Sie machen, was?«
»Flamingo-Party in meinem Ballettstudio.«
»Wie bitte?«, sagt die Fee.
»Schauen Sie mich an. Ich bin gertenschlank. Ich tanze Ballett. Wollen Sie sehen?«
Die Maus guckt die Fee an.
»Mmmmmm, ja?«, sagt die Maus und kringelt sich vor Lachen in die Ecke.
Der Flamingo stellt sich auf ein Bein und beginnt sich leicht zu drehen. Und dann hüpft er hoch und summt dabei: Dö-dö-dö-dö, dö-dö-dö-dö. Er knickt sein Bein leicht ein und hüpft durch den Raum – wie ein kleiner Flummiball.
»Tolle Aufführung«, sagt die Fee.
»Ich bin noch nich’ fertig.« Der Flamingo hüpft hoch und macht einen Salto.
»Meine Güte«, ruft die Maus. »Vorsicht mit der Decke.«
Der Flamingo hüpft nochmal hoch und kratzt mit seiner Pfote … wie heißt das beim Flamingo? … Kratzt mit seinen Krallen an der Decke entlang.
»Aber«, ruft die Maus, »meine schöne Decke! Der Laden darf nich’ beschädigt werden. An der Decke is’ ’n Kratzer. So, nun is’ aber Schluss mit dem Zauber hier. Was wollen Sie für ’ne Käseplatte ham’? Schnell!«
»Ich hätte gern«, sagt der Flamingo, »kleine Figuren aus Käse geschnitzt. Es sollen alles Flamingos sein, die auf ’nem Bein stehen.«
»Bitte?«, sagt die Maus. »Das geht nich’.«
»Was meinen Sie mit ›Das geht nicht‹?«, sagt der Flamingo.
»Na, es geht nicht. Sie könn’ aus Käse keine Flamingos schnitzen, die auf ’nem Bein stehen.«
Der Flamingo kramt in seinem Gefieder. Er wühlt und wühlt und zwei seiner Federn fallen auf den Boden. Da zieht er unter seinem Flügel ein kleines Stückchen Käse hervor, das als Flamingo auf einem Bein geschnitzt is’.
»Uh«, sagt die Maus. »Wo ham’ Sie das denn her?«
»Hab’ ich hier gekauft.«
»Bitte?«, sagt die Maus. Sie guckt vorwurfsvoll zur Fee.
»Hm«, sagt die Fee. »Du warst kurz auf Toilette. Da hab’ ich dem Herrn Flamingo …«
»Frau Flamingo, wenn ich bitten darf«, sagt der Flamingo.
»… hab’ ich mal was ausprobiert«, sagt die Fee.
»Du hast einen Flamingo aus Käse geschnitzt?«, sagt die Maus.
»Ich glaub’, ja«, sagt die Fee.
»Gut, also wenn das so is’.« Die Maus geht ins Lager und rollt einen riesen Laib Käse ran.
»Nein, nein, nein, nich’ den, nich’ den!«, ruft die Fee. »Das is’ doch ’n Gouda, bist du wahnsinnig?«
»Geben Sie das mal her.« Die Maus schnappt die Figur vom Flamingo und mustert die Figur. Sie klopft dagegen. »Tock, tock, tock! Hartkäse! Du Verräterin!«
»Bitte!?«, sagt die Fee.
»Hartkäse is’ mega teuer«, sagt die Maus.
»Ich weiß«, sagt die Fee. »Du weißt ja noch nich’, was er für die Figur bezahlt hat.«
»Bitte?«, sagt die Maus. »Was denn nun?«
»Nun ja, is’ ja auch einerlei«, sagt der Flamingo. »Auf jeden Fall brauche ich davon 140 Stück.«
»Wie bitte?«, sagen die Fee und die Maus zeitgleich.
»Das geht nich’«, sagen jetzt beide.
»Wieso, Sie ham’ doch gerade gesagt, dass es geht«, sagt der Flamingo.
»Ja, aber doch nich’ 140 Stück. Da brauchen wir …«
»Ich brauch’ sie morgen um zwölf«, sagt der Flamingo.
»Bitte?«, rufen die beiden noch einmal entsetzt. »Das geht nich’, wir kriegen das nich’ hin.«
»Ja, dann denken Sie sich was aus. Also, der Preis bleibt wie gehabt: 55 Euro pro Figur und ich komme morgen um elf und hol’ die alle ab. Verpacken Sie sie gut. Bis morgen!«, ruft der Flamingo und flattert ungeschickt aus dem Laden heraus. Dabei stolpert er dreimal über seine eigenen Füße und poltert auf die Straße, bevor er abhebt und doch noch davonfliegt. Flap, flap, flap, flap.
»Herrjemine«, sagt die Maus. »Was machen wir denn jetzt?«
»Ähhh…«, sagt die Fee, »ähhh, du hast drei Wünsche frei?«
»Ach, lass den Quatsch«, ruft die Maus. »Du weißt doch selber, dass du gar keine echte Wunschfee bist.«
»Ich muss doch sehr bitten«, sagt die Wunschfee. »Ich muss doch sehr bitten.
»Ja, gut, gut, gut. Also natürlich bist du ’ne echte Wunschfee, aber bei mir funktioniert das Wünschen halt nich’ mehr, weil wir schon zu lange zusammen wohnen. Wir müssen uns also etwas Echtes ausdenken, wie wir 140 Flamingos …«
»139«, korrigiert die Fee. »Er hat die eine Figur hier gelassen.«
»… wie wir 139 Flamingos aus Parmesankäse bis morgen früh um elf schnitzen.«
»Ja«, sagt die Wunschfee, »das wird gar nich’ so einfach. – Ühm-hühm«, überlegt sie. »Ich glaube, wir machen uns erstmal … wir machen uns erstmal ’ne Brause auf«
»Gut«, sagt die Maus, »und dann überlegen wir.«
Die beiden setzen sich auf die gemütliche Bank vor dem Käseladen in die Sonne und beginnen zu überlegen. Da kommt eine Horde Hamster vorbei.
»Oh là là, ist das ein Gepolter und Gemurmel!«, ruft die Fee. »Diese Hamster, die knabbern aber auch wirklich alles an, was ihnen in den Weg kommt.«
Die Maus lässt ihre Brause fallen. Pschh. »Knabbern alles an«, sagt sie. »Das ist die Idee! – Ey!«, brüllt sie über die Straße. »Eyyy! – Ihr kommt jetzt alle mal rüber hier!«
Die Hamster bleiben erschrocken stehen. »Wie bitte?«, sagen die Hamster.
»Ihr da drüben mit den langen Zähnen, hier rüber! Und zwar fix!«
»Äh …«, sagen die Hamster, »wir wissen nich’ … wer sind Sie überhaupt?«
»Ich bin die galaktische Käsemaus und ich befehle euch, hier rüber zu kommen.«
»Ähh«, sagen die Hamster, »aber wir sind gerade aufm Weg …«
»… zum Bahnhof, oder was?«
»Nee, wir wollten gerade … wir wollten grad ’n bisschen … Holz kaufen?«
»Holz kaufen könnt ihr später machen. Ihr könnt zehnmal so viel Holz kaufen, wenn ihr bei uns Geld verdient.«
»Bitte?«, sagen die Hamster. »Wir wollen gar kein Geld verdienen. Wir ham’ eigentlich genug Geld.«
»Nix da!«, ruft die Maus. »Wir brauchen eure Hilfe!«
»Ähh…«, sagen die Hamster.
»Wie viele seid ihr?«
Die Hamster zählen durch. »Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechzehn, siebenundzwanzig, achtzehn, neunzehn. Jetzt noch mal ganz in Ruhe.«
»Sechsundzwanzig!«, ruft die Fee. »Schon durchgezählt, ihr könnt aufhören zu zählen. Also, hier is’ der Job«, ruft die Fee. »Rein in diesen Laden!«
»Ähh…«, sagen die Hamster.
»Rein mit euch und zwar fix.«
Die Hamster reihen sich im galaktischen Käseladen auf.
»Seht ihr diese Figur?« Die Fee hebt die Figur aus Parmesankäse hoch.
Die Hamster nicken. »Sehen wir, was is’ das? Sieht aus wie ’n Flamingo auf ’nem Bein«, ruft einer der Hamster. »Aber er ist aus …« (Hamster schnüffelt) »… aus Parmesankäse. Was ist das für ’n Quatsch? Seid ihr verrückt oder so?«
Die Maus und die Fee gucken sich an. »Weiß nich’, Fee, bist du verrückt?«
»Manchmal ’n bisschen«, sagt die Fee. »Wenn ich 26 Hamster sehe, die nich’ sofort etwas aus Käse schnitzen.«
»Aus Käse schnitzen?«, sagen die Hamster.
»Wir müssen 140 Figuren b…«
»139«, korrigiert die Maus. »So schlimm is’ es auch nich’.«
»… 139 Figuren, bis morgen um elf aus diesem Parmesankäse hier schnitzen. Und aus diesem und aus diesem und aus diesem.« Die Fee zeigt auf die Laibe aus Parmesankäse, aus denen geschnitzt werden soll. »Hier is’ die Vorlage, so soll es aussehen. Los!«
»Ähh…«, sagen die Hamster, »dürfen die Figuren haarig werden?«
»Haarig?« Die Maus guckt sich verwirrt um. »Auf gar keinen Fall, warum haarig?«
»Na ja, beim Anknabbern von Sachen, da verlier’n wir manchmal Haare und dann kleben die Haare vielleicht im Käse und vielleicht is’ das ja auch … öh, öh, eine Delikatesse?«
»Eine Delikatesse?«, sagt die Maus. »Ihr meint, es soll besonders lecker sein, wenn eure Haare da drin sind?«
»Ähh, vielleicht?«, sagen die Hamster.
»Nix da! Ihr braucht Masken zum Schnitzen.«
»Was?«, sagen die Hamster, »wir brauchen Masken?«
»Schnell, schnell!« Die Maus rennt hinter die Theke und besorgt ein paar alte Lappen, die sie mit Gummibändern um die Hamster rumbindet. Dazu macht sie jeweils ein Loch in die Lappen rein, sodass die Münder noch durchkommen. »Und jetzt geht’s los, jetzt wird geschnitzt!«
Die Hamster nagen wie die Verrückten auf den Parmesankäse ein und nach wenigen Minuten hat jeder der Hamster Unmengen von Parmesanspänen produziert. Der ganze Laden is’ voll und die Maus und die Fee fegen die ganze Zeit die Parmesan-Reste weg. Nach ungefähr sechseinhalb Minuten hat jeder der Hamster die erste Figur gebastelt.
»Uuuuh«, ruft die Maus. »26 ham’ wir schon!«
»Klar«, sagen die Hamster, »wir sind fix. Wir wollen hier auch wieder raus, eines Tages. Bis wann müssen die denn produziert sein, diese Dinger? Ham’ wir noch ’ne Stunde Zeit?«
»Ähhh«, sagt die Maus, »… eigentlich bis morgen früh um elf.«
»Morgen früh um elf!«, kreischen die Hamster. »Wir müssen schlafen!«
»Ich muss auch schlafen«, sagt die Maus. »Also wenn wir es schneller schaffen …«
»Her mit dem Käse!«, rufen die Hamster. Und sie nagen weiter und in sechseinhalb Minuten sind die nächsten 26 fertig. Macht schon 52, und so geht’s weiter und innerhalb weniger Minuten (Gähnen) hab’n sie die 139 Figuren zusammengeschnitzt und noch ’n paar mehr, falls der Flamingo mehr haben möchte.
Der Käseladen ist über und über gefüllt mit Parmesanspänen. Überall liegen Käse-Reste rum und die Maus und die Fee haben Mühe, die Figuren von den Käse-Resten zu unterscheiden. Die Hamster sind mit Käse eingeschmiert und vollgekrümelt. Überall fliegen Hamsterhaare herum und zerfetzte Lappen liegen in der Gegend. Die Hamster ham’ angefangen zu schwitzen, als sie genagt hab’n.
»Können wir jetzt gehen?«, keuchen die Hamster.
»Moment«, sagt die Maus. »Ihr kriegt noch euren Anteil.« Sie drückt jedem der Hamster ’nen riesengroßen Goldtaler auf die Stirn und lässt die Hamster weitergehen zum Holz kaufen. »Jetzt seid ihr gewissermaßen Goldhamster!«, ruft die Maus den Hamstern hinterher. Aber das hören sie schon nich’ mehr, als sie im Baumarkt verschwinden.
»Puh, war das ein Tag«, sagt die Maus. »Morgen um elf sind wir wieder hier und dann verkaufen wir die 140 Figuren an den durchgeknallten Flamingo. Bis morgen, Fee!«
»Bis morgen«, sagt die Fee. »Meine Güte, wir müssen hier nur noch aufräumen.«
»Das machen wir später«, ruft die Maus. »Ich mach’ erstmal ’n Mittagsschlaf.«
#2 Das Wunschkind
Der galaktische Käseladen mit der kleinen galaktischen Käsemaus. Ühm. Die Wunsch-Penguin-Familie.
A-Rumms! – Die Maus schlägt unsanft auf den Boden auf. Als sie aufwacht, blickt sie sich um und liegt nicht mehr in ihrem Bett, sondern vor ihrem Bett, auf dem Boden.
»Was ist los?«, sagt die Maus.
»Du bist aus dem Bett gefallen«, sagt die Fee.
»Bitte?«, sagt die Maus. »Du hast mich aus dem Bett geworfen!«
»Oder so«, sagt die Fee, »oder so.«
»Bitte? Du hast mich aus dem Bett geworfen, um mich aufzuwecken?«
»Nun ja«, sagt die Fee, »(hust, hust, hust) dein Wecker ist kaputt.«
»Das ist kein Grund, mich aus dem Bett zu werfen. Bist du wahnsinnig?«
»Ühm… Lass mich überlegen«, sagt die Fee, »das Frühstück ist fertig.«
»Das beantwortet nicht meine Frage«, sagt die Maus.
»Das Frühstück ist trotzdem fertig«, sagt die Fee.
»Komm, wir frühstücken«, sagt die Maus. »Schmeiß mich nicht wieder aus dem Bett. Das tut ja höllisch weh.« Die Maus reibt sich einen Arm.
Die beiden frühstücken.
»Hm, Lecker«, sagt die Fee, »ein leckeres Käsebrötchen …«
»Du hast Brötchen besorgt …«, sagt die Maus.
»Oh ja.«
»Ich will ein Brötchen mit Avocado-Creme!«, ruft die Maus.
»Avocado-Creme, buäh«, ruft die Fee.
»Käse, buäh«, sagt die Maus.
»Schon vergessen?«, sagt die Fee.
»Ja, nein, nein, ich weiß«, sagt die Maus. »Komm, wir geh’n los zum Käseladen.«
Die beiden schnappen sich ihre fliegenden Skateboards und rasen los zum Käseladen. Sie fliegen über den Wald und durch die Stadt und durch die Fußgängerzone, die schon … äh, die noch gar nicht prall gefüllt ist, weil es viel zu früh dafür ist. (Gähnen.)
Die Maus schließt den Laden auf. 20 Minuten vor 8 – es ist noch genügend Zeit, den Laden aufzubauen. Die beiden gehen ins Lager und rollen die Käselaibe in den Käseladen rein und bauen die Käsetheke auf.
»So«, sagt die Maus, »das wäre geschafft. Komm, wir trinken noch einen Frappuccino mit extra Eiskaffee-Milch…A-Vanille-Eis drin.«
»Wie bitte?«, sagt die Fee. »Wir haben doch gar kein Vanille-Eis hier.«
»Denkst du«, sagt die Maus. »Schau mal in den Kühlschrank.«
Die Fee öffnet den kleinen Kühlschrank im Lager des Käseladens.
»Tatsächlich«, sagt die Fee und entdeckt eine Kugel Vanille-Eis. »Aber wie kriegen wir die geteilt?«
»Pah«, sagt die Maus. »Wir haben 140 Käsemesser hier, da werden wir ja wohl ein …«
»Wir können doch nicht die Käsemesser nehmen, um die Vanille-Eiskugel durchzuschneiden! Es wird verunreinigt, das Messer!«
»Ach, Papperlapapp«, sagt die Maus. »Wir nehmen das Messer, dann kochen wir das einmal ab, dann is’ wieder fertig.«
[Fee, schockiert?] »Wir kochen das Messer ab?« [Kichern im Hintergrund ...]
»Ja, was glaubst du denn«, sagt die Maus, »wie solche Vanille-Eis-Bakterien getötet werden können?«
»Vanille-Eis-Bakterien?«
»Na, oder was auch immer da dran ist, das weiß doch kein Mensch. Nimm das Messer, schneid die Kugel durch und mach’ uns endlich einen geeisten Frappuccino-Schnackodino.« [Kind amüsiert sich ...]
»Einen was?«, sagt die Fee.
»Na, du weißt schon … du weißt schon, so’n Zuckerschlürfgetränk.«
»Zuckerschlürfgetränk?«
»Ich hätt’ gern noch Sirup rein«, sagt die Maus.
»Üääh«, sagt die Fee. »Vanille-Eis mit Sirup, das ist ja doppelt süß. Auf keinen Fall mach’ ich dir so etwas.«
Da hören die beiden aus dem Laden eine leise Stimme.
»Hallo?«, fragt eine Stimme.
Die beiden fahren erschrocken herum.
»Is’ es schon acht?«, sagt die Maus.
»Fünf nach acht«, sagt die Fee.
»Wir ham uns 20 Minuten über Kaffee unterhalten?«, sagt die Maus
»… Und über Vanille-Eis. Ich weiß auch nicht, wie das passieren konnte.«
»Du machst den Frappuccino-Gemixti-Eis-ti-Vanillo-Sirup mit allem drum und dran, so süß wie’s geht für mich … und was auch immer du trinkst – und ich werd’ mal unsere Kundschaft begrüßen.«
Die Maus rennt in den Laden und bindet sich ihre Käseverkäuferinnen-Schürze um.
»Morgen«, sagt die Maus. Drei Pinguine stehen vor ihr.
»Um Himmels willen«, sagt die Maus. »Was ist denn mit Ihnen passiert?«
Die Pinguine gucken an sich runter.
»Sie tragen ja alle Anzüge. Und … wollen Sie in die Kirche gehen? Die Kirche ist dort entlang, die Straße runter, zweimal links, dreimal rechts, durch den Ort durch, noch einmal weiter. Die Kirche haben wir hier weit weg platziert, glauben Sie mir.«
»Wie bitte?«, sagt die Frau. »Wir wollen nicht in die Kirche.«
»Ach so«, sagt die Maus. »Sie wollen gar nicht. Sie sehen so aus wie … Wollen Sie zu einer Feier?«
Die Pinguine gucken nochmal an sich runter.
»Wir sehen immer so aus«, sagt das Kind.
»Äh, wie?«, sagt die Maus. »Wie meinen?«
»Wir sehen immer so aus«, sagt das Pinguin-Kind. »Wir tragen keine Anzüge, wir haben nur ein lustiges Fell.«
»Sie ham ein Fell?«, sagt die Maus. »Ich auch, aber ich seh’ doch trotzdem nicht aus, als wollte ich in die Kirche gehen – oder?«
Die Familie mustert die Maus.
»Hm. – Etwas Fellpflege könnte Ihnen nicht schaden«, sagt die Frau.
Die Maus guckt an sich herunter (Husten/Räuspern) … und reibt sich über ihr Fell. »Äh, nun ja, haben Sie einen Tipp?«
»Klar«, sagt die Frau. »Sie sollten sich mal ein neues Shampoo besorgen, mit einer Weichspülung.«
»Eine Weichspülung für mein Fell?«, sagt die Maus. »Pfui bäh!«
»Aber es würde dann schön glänzen«, sagt die Frau. »Und es wäre zauberweich.«
Da kommt die Fee mit zwei geeisten Super-Frappuccino-Vanillesirup extrabonussüß um die Ecke.
»Hab’ ich das Wort ›Zaubern‹ gehört?«, sagt die Fee.
»Wie bitte? Wer sind Sie denn?«, fragt die Frau.
»Ich bin die Wunschfee, ich helf’ hier aus und bringe Kaffee. Wo soll’n das verdreckte Messer hin, das mit den Vanille-Eis-Bakterien?«, sagt die Fee.
»Pscht!«, sagt die Maus.
Der Vater mischt sich ein. »Was denn für Vanille-Eis-Bakterien?«
»Äh, nichts«, sagt die Maus, »gaar nichts.«
Da kommt die Fee mit dem Messer wieder.
»Aha«, sagt der Vater. »Sie haben ein Käsemesser benutzt, um Vanille-Eis zu schneiden. Ühm-hm. Ich weiß nicht, ob das den Hygienevorschriften entspricht …«
»Ahr … oje«, sagt die Maus, »oje, oje, wir kochen es ab.«
Da sagt die Familie, alle drei sagen zusammen: »Sie kochen das Messer ab?«
»Was glauben Sie denn?«, sagt die Maus. »Wie sollen wir es denn sonst machen?«
»Mit Desinfektionsmittel?«, sagt die Mutter.
»Na klar, mit Desinfektionsmittel«, sagt das kleine Kind.
»Mit Desinfektionsmittel?«, sagt die Maus, »aber das stinkt doch. Wir kochen das Ding ab und fertig is’.« [Lachen]
»Ihr Käse stinkt auch«, sagt das Kind.
»Ich muss doch sehr bitten!«, sagt die Maus. »Mein Käse duftet. Willst du ein Stück probieren?«
»Pfui, Käse!«, sagt das Kind.
»Oh ja, das kenne ich«, sagt die Maus. »Ich mag auch keinen Käse.«
Alle gucken die Maus an. »Bitte?«
»Äh … äh … Berufskrankheit«, sagt die Maus. »Käse ist natürlich total, äh, lecker. Jeder sollte Käse essen, also fast jeder. Äh, ühm. Vielleicht alle außer mir.«
»Alle außer dir«, kommentiert die Fee. »Was wollen denn die Kunden überhaupt kaufen? Oder wollen die sich etwa was wünschen?«
»Oh ja, was wünschen!«, sagt das Kind.
»Das sind aber nette Herrschaften«, sagt die Fee. »Wollen Sie später noch auf eine Feier? Die Kirche ist übrigens da drüben, hinter dem Ort … Also, wenn Sie zur Kirche wollen …
»Hab’ ich schon versucht«, sagt die Maus, »hab’ ich schon versucht.«
»Die Herrschaften wollen nicht zur Kirche? Warum sind Sie so fein gekleidet?«
»Wir sind nicht fein gekleidet. Wir haben so’n lauschiges, flauschiges Fell«, sagt der Papa. »Shampoo und danach Weichspüler rein und fertig is’ es. Dann glänzt es und ist auch noch weich …«
»Hab’ ich schon versucht«, sagt die Mutter zum Vater. »Hilft nix, bei den beiden Zotteligen.«
Die Fee und die Maus gucken empört an sich runter.
»Bei den beiden Zotteligen? Ich muss doch sehr bitten! Ich bin eine Wunschfee«, sagt die Fee. »Ich sehe … ich sehe … graziös aus und exzellent.«
»Ja, äh, natürlich«, sagt die Mutter, »das war ja nicht so gemeint. Natürlich sehen Sie exzellent aus, ganz fantastisch. Und Ihre Haare, ein Traum in, äh … ein Traum, in, in, in …«
Die Fee mustert ihre Haare. »Stimmt was mit meinen Haaren nicht?«
»Doch, doch«, sagt die Mutter, »alles in bester Ordnung.«
»Ach«, sagt die Fee zur Maus, »das sind aber wirklich nette Leute. Wo wollen Sie denn nun hin?«
[Pinguin-Kind] »Wir gehen unser’n Onkel besuchen«, sagt der Pinguin. »Der wohnt hier in der Stadt und er mag so gern Käse.«
»Ach so«, sagt die Fee, »wo wohnt denn Ihr Onkel?«
»In der Schnuffli-Duffli-Straße«, sagt das kleine Kind.
»Die Schnuffli-Duffli-Straße«, sagt die Fee, »da habe ich meine ganze Jugend verbracht und da war ich auch im Studium.«
Die Maus blickt sich zur Fee um. »Du hast studiert? Ich wusste nicht mal, dass du ’nen Schulabschluss hast.«
»Ich muss doch sehr bitten«, sagt die Fee, »selbstverständlich hab’ ich studiert.«
»Was hast du studiert?«, sagt die Maus.
»Feenkunde«, sagt die Fee empört. »Feenkunde, was sonst?«
»Feenkunde ist doch kein Studienfach«, sagt die Maus.
»Wieso«, sagt die Fee, »was hast du denn studiert?«
Die Maus guckt sich um. »Käsekunde, was denn sonst?«
»Käsekunde«, sagt der Vater, »ich bin auch ein Käse-Kunde.«
Die Maus und die Fee gucken sich an.
»Nicht schlecht«, sagt die Fee. »Käsekunde, Käse-Kunde.«
»Was woll’n Sie sich denn nun wünschen?«, sagt die Fee.
»Also, ich hätte gern’ drei Wünsche frei«, sagt das kleine Kind.
»Äh … pscht!«, sagt die Maus.
»Pscht!«, sagt die Mama zum Kind. [Flüstert] »Das ist doch nur eine Marketing-Idee, dass diese Dame eine Wunschfee ist. Du weißt doch genau, dass d…«
[Plärrt] »Was is’ eine Marketing-Idee?«, sagt das Kind.
»Ich muss doch sehr bitten!«, funkt da die Fee dazwischen. »Ich bin keine Marketing-Idee, ich bin eine Wunschfee, verstehen Sie das? Wenn Sie sich was wünschen, dann ham’ S’e – holterdiepolter – ham’ S’e aber den Wunsch in Erfüllung, das könn’ S’e mir glauben.«
»So ein Unfug«, murmelt der Vater.
[Quiekt empört] »Das ist kein Unfug!«, sagt die Mau… sagt die … Fee.
»Also, ich hätt’ gern’ immer noch drei Wünsche frei«, sagt das kleine Kind.
»Na gut«, sagt die Fee, »schauen Sie, Sie sind so liebe Leute, ich werd’ es Ihnen alles beweisen. [Feierlich deklamierend] Und hiermit haben Sie alle drei, drei Wünsche frei.«
»Ich wünsch’ mir unendlich viele weitere Wünsche«, sagt das Kind.
»Oh«, sagt die Wunschfee, »oh, oh, der Superjoker, oh nein.«
»Bist du verrückt?«, sagt die Mama zum Kind. »Du kannst doch nicht die Wunschfee austricksen.«
»Kann ich doch«, sagt das Kind. »Ich hab’ mir grad’ unendlich viele weitere Wünsche gewünscht.«
»Oh nein«, murmelt die Wunschfee, »ein Wunschkind.«
»Ich bin ein Wunschkind?«, sagt das Kind.
Die Mama und der Papa gucken sich an. »Hmm, na ja, äh, Wunschkind hin oder her, also sagen wir so, jetzt bist du ein Wunschkind, gewissermaßen.«
[Kind] »Was bedeutet das?«
Der Vater guckt die Fee an.
Die Fee sagt: »Na ja, Ihr Kind hat den Trick rausgefunden. Drei Wünsche frei, und gleich beim ersten hat es sich unendlich viele weitere gewünscht. Ihr Kind kann sich jetzt auf Lebenszeit immer Dinge wünschen, denn unendlich … Sie wissen ja, diese liegende Acht, das ist wirklich unendlich. Und ich bin eine Wunschfee und …«
Die Mutter guckt sie mitleidig an.
»Sie sind eine Wunschfee«, sagt die Mutter. »Natürlich sind Sie eine Wunschfee …«
[Kind plärrt] »Ich wünsch’ mir, dass eine Herde von 22 weißen Elefanten an diesem Käseladen vorbeitrabt und dass der Staub nur so aufwirbelt!«, ruft das Kind.
In der Ferne beginnt das Getrappel von 22 weißen Elefanten.
»Oh nein«, sagt das …, sagt die Fee, »ein Kind mit Fantasie.«
»Natürlich«, sagt die Mutter. »Wir haben alle Kreativkurse besucht, die wir finden konnten.«
Ihre letzten Worte gehen in dem Lärm unter, der vor dem Käseladen beginnt.
»Um Himmels willen«, sagt der Vater. »Was passiert da draußen?«
»Was glauben Sie?«, sagt die Wunschfee. »Da draußen galoppieren 22 weiße Elefanten.«
[Mitleidig] »Ja«, sagt die Mutter, »natürlich, die Elefanten.«
Doch ihre Worte werden schon von dem Lärm übertönt. Vor dem Käseladen rasen 22 Elefanten vorbei. Alle sind schneeweiß und es wirbelt unendlich viel Staub auf.
»Mach die Tür zu!«, schreit die Maus. »Mach schnell die Tür zu und leg eine Decke vor den Türspalt!«
Die Wunschfee eilt zur Tür, knallt sie zu und legt eine Decke vor den Türspalt. Draußen gibt’s eine riesige Staubwolke und die Elefanten galoppieren vorbei.
Die Mutter guckt sich fassungslos um. Sie guckt zur Wunschfee und sagt: »Hören Sie, das war Zufall, richtig? Erzählen Sie mir nix anderes.«
Die Fee guckt jetzt die Mutter mitleidig an.
»Zufall?«, sagt die Fee. »Sie meinen, es war Zufall, dass vor unserem Laden 22 weiße Elefanten vorbeigaloppiert sind und dabei eine Staubwolke aufgewirbelt haben, nachdem Ihr Sohn genau das gerufen hat?«
»Ähh …«, sagt die Mutter. »Hört sich jetzt nicht nach einem typischen Zufall an, aber dann ist es halt ein untypischer Zufall.«
»Ein untypischer Zufall«, sagt die Fee. »Wann haben Sie zuletzt eine Herde aus 22 Elefanten in dieser Gegend gesehen?«
»Ähh …«, sagt die Mutter, »ich hab’ noch nie einen Elefanten in dieser Gegend gesehen.«
»Richtig«, sagt die Fee, [regt sich auf] »es gibt auch gar keine Elefanten in dieser Gegend!«
»Wo kamen die dann her?«, sagt die Mutter.
»Keine Ahnung«, sagt die Fee. »Ich bin nur die Wunschfee, weiter mach’ ich nichts.«
»Wie meinen Sie, Sie sind nur die Wunschfee? Sie meinen, Sie hatten diese Marketing … Habt ihr das alles abgesprochen?«, ruft die Mutter.
[Plärrt] »Ham wir was abgesprochen?«, sagt das Kind. »Ich wünsche mir …«
»Pscht!«, sagt die Wunschfee, »Vorsichtig, vorsichtig!«
»Ich wünsche mir«, sagt das Kind, »ich wünsche mir einen Lastwagen voller Eis, und der soll genau in diesem Käseladen ausgekippt werden!«
»Nein!«, ruft die Maus.
»Nein!«, ruft die Fee. »Um Himmels Will’n! … Schnell die Käselaibe weg!«
Die beiden beginnen in Windeseile, die Käselaibe ins Lager zu stellen.
»Können wir das Lager abdichten?«, ruft die Maus. »Um Himmels willen!«
Ein Lastwagen fährt vor dem Käseladen vorbei. »Aaaaaah!!«, kreischen sie … »Ein Lastwagen!«
Der Lastwagenfahrer guckt sich um. »Was is’ los?«, sagt er.
»Was haben Sie geladen?«, kreischt die Wunschfee.
»Eier habe ich geladen, warum?«
Der Lastwagen fährt weiter.
»Huh! Nochmal gut gegangen«, sagt die Fee. »Gut, vielleicht funktioniert das mit dem Wünschen auch nicht immer.«
Die Familie guckt sich irritiert um.
»Haben wir eigentlich auch Wünsche frei?«, sagt der Vater.
»Äh, äh«, sagt die Wunschfee: »Ich weiß nicht mehr genau, was ich gesagt habe. Vielleicht nur Ihr Sohn, vielleicht auch Sie.«
»Ich wünsche mir«, sagt der Vater, »dass der Laster nicht kommt. Hö-hö-hö-hö. Stattdessen kaufen wir nachher in der Fußgängerzone ein Eis.«
Das Kind beginnt zu kreischen. [Undeutlich; hoch] »Neeein! – Ich will, dass der verdammte Laster kommt!«
Die Maus rollt panisch die Käselaibe weg und hängt die Bilder im Käseladen ab. Sie versucht, ein paar Gegenstände ins Lager zu schaffen.
»Wie, wie können wir das Lager abdichten? Wie können wir das Lager abdichten?«
»Ich wünsche mir«, ruft der kleine Junge, »ein bisschen Knetmasse für die Maus zum Lager abdichten. Vielleicht vier Kilo …«
»Mach zwei Kilo!«, ruft die Fee. »Zwei Kilo reichen!«
Da knallt ein Vier-Kilo-Sack Knete hinter die Käsetheke.
»Danke«, sagt die Maus, »jetzt aber schnell.«
Die Maus und die Fee verschwinden im Käselager.
»Verlassen Sie den Laden!«, ruft die Maus. »Hier fliegt gleich ein Laster voller Eis rein!«
»Eis«, sagt der Papa. »Wir sind Pinguine, wir ham kein Problem mit Eis.«
»Es ist Speiseeis«, sagt die Maus. »Welche Sorte überhaupt?«
»Keine Ahnung«, sagt der Junge, »hab’ ich nicht gesagt. Vielleicht kommen gemischte Sorten, ich weiß es nicht.«
Die Fee und die Maus verschanzen sich im Käselager. … Verschanzen sich im Käselager. Draußen hören sie ein riesiges Getöse. Der Lastwagen setzt rückwärts in das Fenster des Käseladens hinein, das Fenster zerscheppert, der Laster hebt seine Ladefläche, und ein riesiger Berg Softeis rutscht in den Käseladen.
Der Laden wird zunächst vollgeflutet. Die Pinguine holen kurz Luft, der Papa nimmt den kleinen Pinguin auf den Arm.
»Luft anhalten!«, ruft die Mama, und alle drei halten die Luft an.
Das Softeis donnert über sie rüber und fließt dann zur guten Hälfte wieder raus, aus der zerbrochenen Scheibe, verschmiert alle Pinguine, verschmiert den Lastwagen und verschmiert den Gehweg vor dem Käseladen, läuft bis auf die Straße und das Eis läuft schon teilweise in die Kanalisation hinein.
Draußen ist es warm und das Eis beginnt in Kürze zu schmelzen. Die Maus und die Fee lauschen gespannt. Sie hören, wie der Lastwagen wegfährt und es blubbert im Käseladen.
Die Maus und die Fee versuchen die Tür zu öffnen. – Keine Chance.
»Um Himmels willen«, sagt die Maus, »gefangen in der Eishölle.«
»Eishöhle?«, sagt die Fee
»Ich sagte: Eishölle.«
»Komm, wir nehmen den Hinterausgang«, sagt die Fee.
»Es gibt keinen Hinterausgang!«, sagt die Maus.
[Unverständlich, gequiekt, hinter dem Eis] »Ic wünche mr«, hören sie von draußen.
»Oh nein«, sagt die Fee.
»… wünsche mir, dass die doch noch einen Hinterausgang finden«, hören sie von hinter der Tür.
»Wie kann das Kind uns hören?«, sagt die Maus zur Fee.
»Keine Ahnung, vielleicht hat es sich unendlich tolle Ohren gewünscht, oder Katzenohren oder irgendwie sowas.«
Die Fee dreht sich um. »Da hinten ist noch eine Tür.«
»Da ist keine Tür«, sagt die Maus. »Ich kenn’ diesen Käseladen seit 140 Jahren.«
»So alt bist du doch nicht«, sagt die Fee.
»Hast du eine Ahnung«, sagt die Maus. »Komm, wir geh’n raus.«
Die beiden öffnen den neu erschienenen, äh, Notausgang und gehen aus dem Käselager raus. Sie gehen einmal um den Laden rum und kommen bei der Straße wieder an. Auf der Straße liegt überall Eis herum. Es ist aus dem Käseladen herausgelaufen und das Eis beginnt zu schmelzen.
Der Junge steht fassungslos daneben, hat eine Hand in das Eis gehalten, einmal abgeschleckt und wollte dann kein Eis mehr essen.
»Oje, oje, oje«, sagt die Mutter, die völlig über-…, äh, völlig vollgeschmiert mit Eis ist.
Die Pinguine haben die Eisladung einmal voll abbekommen, und dann ist das Eis zum Glück nicht so hoch gestiegen, dass sie darin ertrunken wären. Aber vollgeschmiert sind sie trotzdem.
»Wie konnte das passieren?«, sagt die Mutter. »Wie konnte das passieren?«
Die Fee guckt die Mutter an und sagt: »Lassen Sie mich kurz überlegen. Ich glaub’ ... ich glaub’ es war Zufall.«
»Das war kein Zufall!«, ruft die Mutter. »Das ist alles geplant, Sie haben das ausgeheckt.«
»Ich bin eine verdammte Wunschfee«, sagt die Wunschfee. »Und ich wollte es Ihnen beweisen. Jetzt ham Sie den Beweis.«
»Ich wünsche mir …«, sagt der Sohn.
»Du bist still!«, sagt die Mutter.
»Pscht, nix weiter wünschen«, sagt der Vater.
»Ich wünsche mir«, sagt der Junge, »dass meine Eltern …«
»Nein!«, sagt … kreischt die Mutter.
»Ich wünsche mir, dass meine Eltern wieder zufrieden sind, dass ich ein Wunschkind geworden bin!«, kreischt der Junge – und die Eltern verstummen augenblicklich.
[Gefasst] »Wissen Sie was«, sagt die Dame. »Wissen Sie was? Vielen Dank für die vielen Wünsche. Da werden wir sicherlich noch viel mit anfangen können. Öh. Ah, es passt auch schon so. Vielen Dank, dass Sie sich so liebevoll um unser Kind gekümmert haben.«
»Oh«, sagt die Fee, »das klingt ja schon ganz anders.«
[Gefasst] »Also«, sagt der Vater, »vielen Dank nochmal für Ihre Hilfe. Und wir hoffen, dass es Ihnen weiterhin gut geht mit Ihrem Käseladen. – Sag mal, mein lieber Konstantin …«
»Ja?«, sagt der Junge.
»… Willst du dir nicht vielleicht wünschen, dass der Käseladen auch wieder in Ordnung kommt? Du hast gerade den ganzen Laden zerstören lassen mit deinem Eiswunsch.«
»Hm«, sagt der Junge, »ich weiß nicht, mir gefällt’s ganz gut so.«
[Ängstlich] »Nein«, sagt die Maus, »mir gefällt es aber nicht gut so.«
»Hm«, sagt der Junge, »das ’s mir egal.«
Alle gucken den Jungen an.
»Hör mal«, sagt die Wunschfee. »Ich bin ja eine ganz gute Handwerkerin. Aber ich selbst kann mir ja nix wünschen.«
»Kannst du schon«, sagt die Maus. »Immer wenn es wichtig ist, machst du es irgendwie.«
»Ja, aber es geht nicht für handwerkliche Tätigkeiten«, sagt die Fee.
»Dir fällt auch immer was Neues ein«, sagt die Maus.
»Na ja.«
»Na gut«, sagt Konstantin, »ich wünsche mir, dass anstelle des Käseladens dort …«
Die Fee ergänzt seinen Satz: »Oh nein, er wünscht sich einen Jahrmarkt. Alle Kinder wünschen sich einen Jahrmarkt.«
Konstantin verstummt. »Woher weißt du das?«
»Puh«, sagt die Fee. »Schau mal, mein Lieber, ihr fahrt doch heut’ zu deinem Onkel.«
»Cousin«, sagt der Junge. »Ich glaube, wir fahr’n zu meinem Cousin.«
»Ich glaub’, es war der Onkel«, sagt die Fee.
»Ich wünsche mir«, sagt der Junge, »äh, äh, äh, dass der Käseladen so in Ordnung kommt, dass auch die Maus und die Fee wieder zufrieden sind.«
Da kommen 40 Handwerker:innen die Straße heruntergeschlendert. Sie ziehen einen riesigen Bollerwagen mit einer Menge Holz drauf und an dem Bollerwagen hängt noch ein Anhänger. Auf dem Anhänger ist eine riesige Glasscheibe drauf. Sie beginnen, ohne weitere Fragen, das Eis aus dem Eisladen rauszuwischen und fangen an, den Käseladen wieder aufzubauen.
»Meine Güte«, sagt die Maus. »Was machen wir den Rest des Tages? Das wird hier ja noch ’n bisschen dauern.«
»Tschü-üss«, sagt die Pinguinfamilie. »Wir hau’n mal ab, bis demnächst.«
»Tschüss«, sagt die Fee. »Uns bleibt nichts weiter übrig. Wir müssen uns in ein Café setzen.«
»In ein Ka-Fee?«, sagt die Maus.
»Ja, in ein Café. Und da trinken wir dann erst mal einen geeisten Frappuccino mit Vanille-Eis oder was auch immer dazukommt. Denn unsere Eiskaffees sind im Eis ertrunken.«
»Das ist auch ein Satz, den man selten sagt«, sagt die Maus. »Unsere Eiskaffees sind im Eis ertrunken.«
»In dem Fall stimmt’s aber«, sagt die Fee und blickt in den völlig verwüsteten Käseladen. »Komm, wir hauen ab und machen uns einen freien Tag. Morgen wird es hoffentlich besser.«
»Gut, gut«, sagt die Maus. »Dann gehen wir rüber zu Ernas.«
»Gut, gut. Tschüüss, Pinguinfamilie«, sagen die beiden und gehen rüber zu Ernas.
#3 Käsefant
Der galaktische Käseladen mit der galaktischen Käsemaus.
Der Käseelefant. – Der Käsefant.
»Guten Morgen!«, sagt die Maus. »*Uä-uä-uä … Guten Morgen! … Uä-uä-uä … Guten Morgen, kleine Fee!«, ruft die Maus in der schrecklichsten Stimme, die sie sich nur vorstellen kann.
[Maus: streng; Fee: im Halbschlaf] »Has-se drei Wünsche frei, h-see, okaay.«
»Aufstehen!«, piept die Maus.
»Was ist los?«, sagt die Fee.
»Du willst wohl verschlafen«, ruft die Maus.
»Verschlafen?«, sagt die Fee. »Wie spät ist es?«
»Kurz vor fünf«, sagt die Maus.
[Entgeistert] »Kurz vor fünf?«, sagt die Fee. »Dein Käseladen macht um acht auf.«
»Nur der frühe Vogel fängt den Wurm«, ruft die Maus.
»Was für ein Wurm?«, sagt die Fee. »Du hast drei Wünsche frei.«
»Ich?«, sagt die Maus.
»Ach nee, geht nicht«, sagt die Fee.
»So, kleine Fee, einmal wollte ich dich auch wecken.«
»Äh, ja-ja, vielen Dank. Kann ich jetzt weiterschlafen?«
»Wecken! Was hast du daran nicht verstanden?«
[seuftzend/abwesend] »Häh...« Sagt die Fee: »...ns-wei, du hast drei Wünsche frei.«
»Das funktioniert nicht!«
»Also«, sagt die Maus, »bringst du mir Kaffee ans Bett?«
»Was?«, sagt die Fee. »Kaffee ans Bett? Aber du stehst doch an meinem Bett.«
»Ja, noch«, sagt die Maus. »Aber ich lege mich zurück in mein Bett. Tschüss, bis gleich.«
»Ich glaub’, die spinnt ’n bisschen«, sagt die Fee.
Die Fee dreht sich wieder um und schläft ein.
[Hohe Stimme] »Guten Morgen!«, kreischt die Maus noch mal. Die Fee schreckt hoch.
»Was ist los? Was zur Hölle ist los?«
»Zeit zum Aufstehen«, ruft die Maus.
»Wie spät ist es?«, sagt die Fee.
»9:30 Uhr«, ruft die Maus.
»Was?«, sagt die Fee und springt aus dem Bett.
»War nur ein Spaß. Kurz vor 6.«
»Was?«, sagt die Fee. »Wie spät ist es denn nun?«
»Kurz vor 6, sag ich doch. Eben war es noch 9:30 Uhr. War nur ’n Spaß. Leg’ dich wieder hin. Ach nee, ich hab’s mir anders überlegt.«
Die Maus huscht in das Bett von der Fee.
»Waaaas? – Raus da, das Bett ist viel zu klein für dich!«
»Passt schon«, sagt die Maus.
Die Beine von der Maus hängen über das Bett. Der Kopf von der Maus hängt über das Bett hinaus. Die Arme hängen links und rechts über das Bett von der kleinen Wunschfee.
[Unschuldig, fordernd] »Kaffee ans Bett«, sagt die Maus.
»Hey, wie wär’s mit ’nem ganzen Satz?«, sagt die Wunschfee.
»Ich wünsche mir einen ganzen Satz?«, sagt die Maus.
»Ja, von mir aus, ich wünsche mir einen ganzen Satz«, sagt die Wunschfee.
»Na, das ist ja mal ein besonderer Wunsch. Den kann sogar ich erfüllen«, sagt die Maus. »Also, kleine Schmuddelfee, ich hätt’ gern einen Kaffee an meinem Bett.«
»Wie bitte?«, sagt die Wunschfee. »Ich bin doch keine Schmuddelfee!«
»Oh, Entschuldigung, ich meinte Knuddelfee«, sagt die Maus.
»Du hast aber Schmuddelfee gesagt.«
»Ach, ging mir gerade so durch ’n Kopf«, sagt die Maus.
»Raus aus meinem Bett!«, kreischt die Fee.
»Wieso? Ist es schon so spät?«
»Weiß ich doch nicht«, sagt die Fee. [Stimme aus dem Off: »Lustig.«] [Fee:] »Sind die Handwerker überhaupt schon fertig, oder müssen wir heute wieder im Café verbringen?«
»Keine Ahnung«, sagt die Maus. »Wir werden mal nachschauen, würde ich sagen. Aber erstmal würd’ ich ja so gerne einen Kaffee in meinem Bett trinken.«
»Ja«, sagt die Fee, »in deinem Bett solltest du ihn trinken und nicht in meinem Bett. Guck dich doch an.« Die Mau…, die Fee rüttelt an einem Mau…, äh, Fuß von der Maus und zeigt ihr: »Du bist viel zu groß für das Bett. Viel zu groß, deine Beine hängen rüber. Du langer Lulatsch.«
»Langer Lulatsch?«, triumphiert die Maus. »So hat mich noch niemand genannt! Langer Lulatsch, das muss ich mir merken. Das gefällt mir.« [Stimme aus dem Off: »Lustig.«]
Die Fee schaut auf die Maus herab. »Du bist viel zu groß für mein Bett. Reg’ dich ab.«
»Frühstücken wir jetzt?«, sagt die Maus.
»Ich denke, es ist kurz vor 6«, sagt die Fee, »sonst frühstücken wir immer um 7.«
»Na dann frühstücken wir heute eben ein bisschen länger«, sagt die Maus.
»Ein bisschen länger?«, sagt die Fee. »Ich habe gerade so schön geschlafen.«
»Ich auch«, sagt die Maus.
[Verschlafen] »Wieso bist du überhaupt schon wach?«, sagt die Fee.
»Ich wollte dich wecken«, sagt die Maus. »Einmal in meinem Leben wollte auch ich dich wecken.«
»Das ist dir gelungen«, sagt die Fee. »Ich mache uns mal ’nen Kaffee.«
»Na endlich«, sagt die Maus.
»Ey«, sagt die Fee. »So war das nicht gemeint.«
»Also vielen Dank, liebe Fee«, sagt die Maus.
»Na bitte«, sagt die Fee. »Immerhin war des ’n ganzer Satz.«
Die Fee trottet runter in die Küche, macht einen Kaffee und bringt ihn wieder hoch ans Bett. Die Maus bedankt sich herzlich und sagt: »Oah. Vielen Dank, liebe Fee.«
Sie setzt sich in das viel zu kleine Bett und schlürft einen Kaffee.
[Lautes Geräusch, wie ausspucken] »*Pfürrrrarr!*«, ruft die Maus: »Was ist das?«
»Kaffee«, sagt die Fee.
»Das schmeckt nicht wie Kaffee«, sagt die Maus.
»Hm. – Is’ vielleicht ’n bisschen Salz drin«, sagt die Fee.
»Salz im Kaffee?«, sagt die Maus. »Bist du verrückt?«
Die Fee überlegt kurz. »Hm, lass mich überlegen. Du hast drei Wünsche frei. Ach nee, doch nicht.«
»Wie viel Salz hast du da drin?«
»Hm … In deiner Tasse oder in meiner?«, sagt die Fee.
»Wie? In deiner oder in meiner?«
»Na also, in meiner Tasse ist gar kein Salz«, sagt die Fee und schlürft an ihrem Kaffee.
»Und in meiner Tasse?«, sagt die Maus.
»Hmm … acht Esslöffel.«
[Entsetzt, hoch] »Was?«, ruft die Maus. »Bist du verrückt geworden?«
»Du hast mich geweckt«, sagt die Fee.
»Das ist gemein von dir«, sagt die Maus.
»Du warst auch gemein zu mir«, sagt die Fee. »Fahren wir jetzt endlich zum Käseladen und gucken, ob die Handwerkerinnen fertig sind?«
»Was für Handwerkerinnen?«
»Na, ich glaube, da waren auch einige Frauen dabei, bei den Handwerkern, die da gestern die Straße runter kamen.«
»Ach so«, sagt die Maus. »Jaja. Häh. [Überlegt.] Also mir ist sowieso der Appetit vergangen«, sagt die Maus.
»Hm, dachte ich mir«, sagt die Fee und holt ein Käsebrot aus ihrem Kleid heraus. »Hm, lecker Käsebrot«, sagt die Fee und hält ihr Käsebrot demonstrativ und provozierend in die Luft.
»Käse, buäh«, sagt die Maus. »Komm, wir schlafen noch eine Runde.«
»Jetzt is’ es auch zu spät«, sagt die Fee.
»Du meinst zu früh«, sagt die Maus.
»Ja, wie auch immer«, sagt die Fee.
[Versöhnlich.] »Also, hm, komm Fee«, sagt die Maus. »Wir machen es so. Es tut mir leid mit dem Wecken.«
»Es tut mir leid mit dem Kaffee«, sagt die Fee. Hm, und grinst dabei ein bisschen.
»Es tut mir wirklich leid, kleine Fee.«
»Es tut mir wirklich leid, langer Lulatsch«, sagt die Fee.
»Langer Lulatsch«, sagt die Maus. »Hm, hm, komm, wir frühstücken nochmal richtig.«
Die beiden frühstücken nochmal richtig und ganz in Ruhe. Und dann schwingen sie sich auf ihre fliegenden Skateboards. Sie brettern über den Wald und fahren extra schnell durch die Straßen zum Käseladen.
Es ist erst zehn Minuten nach sieben, als sie ankommen. Einige erschreckte Handwerkerinnen und Handwerker gucken den beiden entgegen.
»Was machen Sie denn hier?«, ruft eine Frau.
»Wir wollen Käse verkaufen«, ruft die Fee.
»Sie meinen, Sie wollen Käse kaufen«, sagt die Handwerkerin.
»Nein, wir wollen Käse verkaufen«, sagt die Fee.
»Ja, aber es ist noch zu früh«, sagt die Handwerkerin. »Nach unseren Informationen macht der Laden um acht Uhr auf und nicht um sieben.«
Die Fee guckt auf ihre Uhr, die gar nicht um ihren Arm herum ist. Die Fee trägt keine Uhr. Sie weiß trotzdem, wie spät es ist, weil sie eine Wunschfee ist.
»Hm, für sieben Uhr ist es schon zu spät«, sagt die Fee. »Meinen Sie, wir würden zu spät zu unserem Laden kommen?«
»Das weiß ich doch nicht«, sagt die Handwerkerin. »Auf jeden Fall macht der Laden erst um acht Uhr auf.«
[Feierlich] »Und wir haben uns überlegt«, sagt die Wunschfee, »dass wir Ihnen allen Kaffee servieren.«
»Was?«, sagt die Handwerkerin. »Wieso denn Kaffee?«
»Na, einfach nur, weil es dann vielleicht ein schönerer Morgen wird.«
»Schönerer Morgen, Sie ham Nerven«, sagt die Handwerkerin. »Wir arbeiten hier.«
Die Fee guckt sich um. »Wir arbeiten hier auch.«
»Ja, aber noch nicht«, sagt die Handwerkerin. »Noch arbeiten wir hier.«
»Ja, das sehe ich«, sagt die Fee. Die ganze Baustelle sieht völlig verwüstet aus und als wäre noch kaum etwas passiert.
»Sagen Sie mal«, sagt die Fee. »Sind Sie sicher, dass Sie bis acht Uhr fertig werden?«
[Handwerkerstimme.] »Punkt acht Uhr!«, ruft ein Handwerker von weiter hinten. »Um acht Uhr macht der Laden auf.« Er schwingt einen Hammer und eine Stichsäge und werkelt irgendwas an der Käsetheke herum.
»Ich hoffe nur, es wird alles so wie früher«, sagt die Maus. »Nicht, dass da irgendwas nicht stimmt. Irgendwelche Falltüren im Boden oder sowas.«
»Oder ein extra Notausgang in der Käsekammer«, sagt die Fee und zwinkert der Maus zu.
»Apropos Notausgang in der Käsekammer«, sagt die Maus. »Ist der jetzt eigentlich noch da, oder ist er wieder weg? Ich meine, er war ja nie da, aber dann war er da, gestern, und … und …«
»Wir gucken später nach«, sagt die Fee.
Die Fee und die Maus gehen zur Bäckerin, ein paar Häuser weiter, und gehen in den Laden rein.
»Nanu«, sagt die Bäckerin. »Was macht ihr beiden denn hier? Seid ihr nicht im Käseladen?«
[Lässig.] »Der macht erst um acht auf«, sagt die Maus, »wir haben noch Zeit. Wir bräuchten übrigens … ühm … 42 Kaffee, bitte.«
»Was?«, sagt die Bäckerin. »Es ist kurz nach sieben.«
»Sehr gern«, wiederholt die Maus, »42 Kaffee – und nennen Sie mich gern Langer Lulatsch.«
»Was?«, sagt die Bäckerin. »Ist das eine neue Kaffeespezialität, der Lange Lulatsch in der Tasse zum Umrühren oder wie?«
»Nein«, sagt die Maus, »das ist mein neuer Spitzname.«
»Wünscht sie sich«, sagt die Fee zur Bäckerin, »wünscht sie sich.«
»Also gut, Sie hätten also gern zwei Kaffee, kein Problem«, wiederholt die Bäckerin.
»[Lässig.] Ja, äh, zwei zum Hier-Trinken, gern – [mit Nachdruck] und 40 zum Mitnehmen!«, ruft die Maus extra laut.
»Na klar«, wiederholt die Bäckerin, »zwei Kaffee zum Hier-Trinken und vier zum Mitnehmen.«
Die Fee holt ein Stück Kreide aus ihrem Kleid raus. Die Wand ist weiß, die Kreide ist schwarz, sie schreibt an die Wand eine 4 und eine 0.
[Eindringlich flüsternd.] »Sehen Sie das?«, haucht die Fee. »40 – Kaffee – zum Mitnehmen«, sagt sie bestimmt.
»Verstehe«, sagt die Bäckerin. »Gut, äh, und die Becher, die bringen Sie mir später zurück?«
»Die Becher bringen wir Ihnen zurück«, sagt die Fee. »Wir brauchen dazu bitte Milch, und einige nehmen auch Zucker dazu. Auf jeden Fall brauchen wir Löffel zum Umrühren. Und gerne in einem langen Glas, als Langer Lulatsch«, sagt die Fee.
»Was?«, sagt die Bäckerin. »Was?«, sagt die Bäckerin? »In einem langen Glas?«
»Na, Sie wissen doch, der Lange Lulatsch.«
»Was auch immer«, sagt die Bäckerin. »Also setzen Sie sich doch erstmal, ich bin völlig überfordert. Wollen Sie auch Brötchen kaufen?«
»Mit Käse etwa?«, sagt die Maus: »Büah! Auf keinen Fall.«
»Mögen Sie unsere Brötchen nicht?«, sagt die Bäckereiverkäuferin.
»Die Brötchen schon«, sagt die Maus, »aber keinen Käse.«
»Sie mögen keinen Käse? Ich denke, Sie sind die Besitzerin des Käseladens!?«
[Kurz nachdenklich.] »Ääääh«, sagt die Maus. »Nun ja, jeder sollte Käse essen, außer mir.«
»Außer mir«, sagt die Fee.
»Du auch nicht mehr?«
»Nein, 'außer mir', sagt man so.«
»Ach so, alle sollten Käse essen, außer mir«, sagt die Maus. Und lässt sich in einen Sessel in der Bäckerei fallen. [Leicht besorgt.] »Ich hoffe nur, die sind bis acht Uhr wirklich fertig.«
[Lässig.] »Und ich hoffe nur«, sagt die Fee. »Oh, es wird ’n schönes Wochenende.«
»Wochenende?«, sagt die Maus. »Die Woche hat grad erst begonnen.«
Da kommen die zwei Kaffee an ihren Tisch. Beide Kaffees sind in einem extra hohen Glas gemacht. Und mit einem langen Stiellöffel dran.
»Was ’n das?«, sagt die Maus und guckt die hohen Kaffeegläser an.
»Na, Sie wollten doch einen Langen Lulatsch«, sagt die Bäckereiverkäuferin. »Meinen Sie, wir sind hier nicht flexibel oder was?«
»Danke«, sagt die Maus. »Sehr aufmerksam, vielen Dank.«
Die beiden schlürfen ihre Kaffees, nehmen ein riesiges Tablett mit und gleiten rüber zum Käseladen.
Es ist drei Minuten vor acht. Im Käseladen sitzen 42 völlig verschwitzte Handwerker:innen und gucken sich prüfend um. Der Laden glänzt, und ein Handwerker rennt noch durch den Raum und wischt die letzten kleinen Fleckchen von den frisch gebauten Teilen ab.
Alles glänzt und ist neu gemacht. Es sieht fast aus wie früher. Möglicherweise stimmen einige Details nicht.
»Sag mal«, sagt die Maus zur Fee. »Irgendwie sieht hier einiges verändert aus.« Sie guckt sich um. »Na ja, wir werden es schon noch herausfinden.«
»Äh … Kaffee?!«, ruft die Fee.
Alle gucken sich erstaunt um.
»Es ist kurz vor acht«, sagt ein Handwerker.
[Fee:] »Ja, eben. Feierabend.«
»In drei Minuten«, sagt der Handwerker.
»Ach, Papperlapapp!«, ruft die Fee. »Der Laden ist fertig, auf geht’s! Ich hoffe, wir haben hier Baufreiheit, ich mein’ Kau-Freiheit, ich meine Kauf-Freiheit, ich meine Käsefreiheit. Also auf jeden Fall irgendeine Freiheit.«
Die Handwerker:innen gucken auf das große Tablett in der Hand der Fee.
»Das sieht aus wie Limonade«, sagt eine Handwerkerin. »Det sind ja so hohe Gläser mit so langen Löffeln drin. Was sind das für Getränke? Ist doch kein Kaffee.«
»Öäääääh, Kaffeespezialität. Hier vom Saturn, extra selten. Langer Lulatsch, lange Geschichte. Ääh. Trinken sich sehr einfach, öh, äh, is’ lecker. Öh, ist nicht mal Salz drin.«
»Häh?«, sagt die Handwerkerin: »In Kaffee kommt doch kein Salz rein!«
»Na ja«, sagt die Maus, »manchmal schon.«
Alle schnappen sich einen Kaffee, schlürfen ihn aus, und um eine Minute vor acht verlassen alle geordnet den Laden. Alle geben der Fee und der Maus nochmal die Hand, bedanken sich und flitzen los zur nächsten Baustelle.
»Hier ist noch unsere Nummer«, sagt eine Handwerkerin und hinterlässt ihre Telefonnummer, »falls Sie irgendwelche Fragen haben. Wir haben versucht, einige Dinge zu optimieren. Öh. Herzlichen Dank und bis demnä-hächst.« [Flötend.]
»Tschüss«, sagt die Maus, »bis die Tage, dann.«
»Eine Minute vor acht«, sagt die Maus, »um Himmels willen, wir haben völlig vergessen, den Laden zu eröffnen! Ich hoffe nur, hier kommt kein großer Kunde rein – oder sogar [kurzes Räuspern] ein Großkunde.«
[Tief.] Draußen vor der Tür hören die Fee und die Maus ein Stampfen. [Langsam: Bumm – bumm – bumm – bumm – bumm – bumm …] Die Fee guckt aus dem Laden heraus, guckt links, guckt rechts, sieht nichts.
Dann kommt um die Ecke ein Elefant gestapft.
»Herrjemine«, sagt die Fee, »der is’ ja viel zu groß! Ich hoffe, der passt hier rein. Sonst ist der Laden gleich wieder Matsch. U-lalalala.«
»Äh, Herr Elefant!«, ruft sie dem Elefanten entgegen.
[Gedämpft/Hand vorm Mund: Törööö.] … trötet der Elefant aus der Ferne.
»Äh, äh, äh …«, sagt die Fee und rennt zwischen der Käsetheke und dem Eingang hin und her.
»Sag’ mal, Maus …«
»Joa«, sagt die Maus.
»… hing hier schon immer ein Glaskronleuchter, in diesem Käseladen?«
»Öhm, nein«, sagt die Maus, »aber gefällt mir. Ist ein bisschen imposanter als die früheren kleinen Neon-Lichtchen. Vielleicht eine der Optimierungen, von denen hier gesprochen wurde.«
[Kurzes Überlegen.] »Grm. Öh. … So«, sagt die Maus, »ich fahr’ erstmal die Kasse hoch.«
Die Maus dreht sich zur Kasse, doch da, wo mal die Kasse war, ist keine Kasse mehr.
[Verdattert.] »Äh-hähähä«, sagt die Maus: »Was is’ das? …«
[Förmlich, freundlich, korrekt.] »Guten Morgen! …«, sagt eine Stimme.
»Häh?«, sagt die Maus. »Wer is’ ›Guten Morgen‹? …«
»… Ich bin Ihr persönliches Kassensystem. Carla Kasse.«
»Was?«, sagt die Maus. »
»… Sie hatten hier noch so eine alte Rumpelkasse rumstehen …«
[Empärt.] »Ich muss doch sehr bitten«, sagt die Maus. »Ich hatte hier doch keine Rumpelkasse.«
»Hmm, hmm, hmm … In Fachkreisen, hmm, hmm, genauer genommen, hm, schon. [Räusper, räusper.] Ich bin Carla Kasse … äh … und herzlich willkommen«, sagt das System noch einmal.
»Wieso können Sie sprechen?«, sagt die Maus.
»Ich bin ein modernes Computersystem«, sagt Carla Kasse. »Sie können mich auch stumm schalten.«
[Interessiert.] »Oh, wo geht das denn?«, sagt die Maus.
»Hier, aber das würde ich Ihnen nicht empfehlen.« [Schnell weiter]
[Hefig: Dussch!] Die Maus klickt auf den Schalter. Und Carla Kasse ist stumm.
»Ich muss hier nur ’n paar Zahl’n eintippen«, sagt die Maus, »ich brauch’ doch kein modernes Kassensystem.«
[Wie geknebelt: Hmff, hmff, hmff], sagt Carla Kasse.
»Na gut, was denn noch?«
Die Maus schaltet Carla Kasse wieder frei, sodass Carla wieder sprechen kann.
»Sie kriegen von mir statistische Auswertungen und Tipps, wie Sie mehr Käse verkaufen, und …«
[Hefig: Dussch!] Die Maus schaltet das System wieder stumm.
»Is’ mir völlig schnuurz!«, sagt die Maus. »Ich verkauf’ hier so viel Käse, davon können Sie nur träumen.«
[Hmff, hmff, hmff], sagt Carla Kasse.
»Ach, wir sprechen uns später«, sagt die Maus. »Erstmal muss ich hier noch’n bisschen Kleinkram verrechnen. Später können wir uns über den Rest unterhalten. Schick sehen Sie aus, Carla Kasse.«
Der Computer, der dort steht, wo früher mal eine Kasse stand, sieht hochmodern aus und entspricht allen Ansprüchen, die man sich so vorstellen kann. Ein brandaktuelles Touchpad und der Computer reagiert auf Bewegungen. Keine Tastatur mehr dran, keine Maus, nichts dergleichen. Das Kassensystem ist topmodern.
Der Elefant schaut durch die Tür, nur sein Kopf passt rein, und sein Rüssel ragt einmal durch den Laden. Der Rüssel ist gerade so lang, dass er damit an die Scheibe der Käsetheke wischen könnte, aber er lässt den Rüssen brav liegen.
[Lässig, fast süffisant.] »Morgen«, sagt der Elefant.
[Zurückhaltend, fast ängstlich.] »Guten Morgen«, sagt die Maus. »Kommen Sie bitte nicht rein.«
»Nee«, sagt der Elefant. »Sie sind mir sowieso ’n bisschen unheimlich.«
»Wie bitte?«, sagt die Maus.
»Na ja«, sagt der Elefant. »Sie wissen ja, manchmal haben auch Elefanten Angst vor Mäusen.«
»Papperlapapp«, sagt die Maus, »das is’ doch ’n Märchen.«
»Ja, aber bei mir stimmt das Märchen«, sagt der Elefant. »Ich lieg’ da manchmal bei meiner Therapeutin auf der Liege und dann sprech’ ich darüber, was für … was ich über Mäuse denke, und da kann ich Ihnen nur sagen …«
[Tief] »Sie …«, sagt die Maus, »… liegen auf einer Liege?«
»Ja«, sagt der Elefant, »was dagegen?«
»Das ist dann aber ’ne große Liege«, sagt die Maus.
»Ja«, sagt der Elefant, »und bei Ihnen ist es dann wohl ’ne kleine Liege.«
[Flüsternd.] »Hey, Vorsicht«, sagt die Fee, »beleidigen Sie nicht den Langen Lulatsch.«
Der Elefant rüttelt seinen Kopf ein bisschen von links nach rechts, soweit es in der Tür halt geht.
»Welchen Langen Lulatsch?« Der Elefant guckt sich fragend um. »Ich sehe hier keinen Lulatsch.«
»Pssscht!«, sagt die Fee, »Pssscht!« [Laut flüsternd, aufgewühlt.] »Da … Die kleine … die kleine Käsemaus … sie ist der Lange Lulatsch.«
»Sie ist der kleine … sie ist der Lange Lulatsch?«, sagt der Elefant. »Das soll wohl ein Scherz sein.«
[Gepresst.] »Tz-tz-buh. – Was wollen Sie denn nun kaufen?«, zischt die Fee.
»Käse«, sagt der Elefant, »ich hätt’ gern Käse.«
»Klar, woll’n Sie Käse haben«, sagt die Fee, »aber was für Käse?«
»Wer ist denn nun der Lange Lulatsch?«, sagt der Elefant.
»Pssscht!«, sagt die Fee, »da hinter der Theke steht der Lange Lulatsch.«
»Sie sind der Lange Lulatsch?«, sagt der Elefant.
»Höchstpersönlich«, sagt die Maus und reckt sich so lang, wie sie kann.
»Imposant«, sagt der Elefant. »Sie sind ja richtig [ironisch, zögernd] hochgewachsen.«
Die Fee zeigt zwei Daumen nach oben. »Ja, genau.«
[Murmelnd zur Fee] »Mache ich das richtig?«, sagt der Elefant.
[Murmelnd] »Jaja, weiter so.«
»Ich habe ja selten«, sagt der Elefant und kratzt sich mit seinem Hinterbein am Kopf, »ich habe ja selten eine [ironisch, zögerlich] so große Maus gesehen wie Sie … öh-hö-hö …«
[Feierlich verkündend] »Oh ja«, sagt die Maus, »ich bin eine der größten Denkerinnen unserer Generation.«
»Denkerin sind Sie auch noch?«, sagt der Elefant. »Ich denke, Sie sind nur körperlich groß.«
[Eingebildet] »Auch geistig, was glauben Sie denn?«
»Und deswegen sind Sie auch Käseverkäuferin und betreiben einen Käseladen?«
[Laut, trotzdem süss] »Potzblitz«, ruft die Maus. »Ich habe Käsekunde studiert!«
»Apropos Käsekunde«, flötet die Fee. »Da draußen vor der Tür steht ein Elefant, und der steckt seinen Kopf hier rein. Es ist unser neuer Käsekunde. Er möchte Käse kaufen.«
»Was für Käse woll’n Se denn kaufen?«, ruft die Maus quer durch den Laden.
»Na, wenn Sie haben«, ruft der Elefant, »Elefantenkäse.«
Die Maus guckt sich um. »Elefantenkäse?«
»Na ja«, sagt der Elefant. »Wir Elefanten, wir geben ja auch, äh, Milch. Also zumindest wir Elefantenkühe.«
»Elefantenkühe?«, sagt die Maus. »Ich glaub’, Sie spinnen ’n bisschen. Ich habe hier Kuhkäse, ich habe Ziegenkäse, Schafskäse, alle möglichen anderen Käsesorten. Aber Elefantenkäse … habe ich ja noch nie von gehört.«
»Na, dann sollten Sie mal davon hören«, sagt der Elefant.
»Also«, sagt die Maus zweifelnd, »ich glaube, ich glaube, ich muss Sie enttäuschen. Ich hab’ hier Käse mit Honig, Käse mit Wurst gemischt, – äh, äh, äh – hier gibt’s auch einen Frischkäseaufstrich. Vielleicht ist das was, was Sie gebrauchen könnten?«
»Nee«, sagt der Elefant, »ich glaube, ich glaube, das passt alles nicht.«
Da schiebt sich ein kleiner Fischotter unter dem Elefanten durch und huscht in den Laden.
»Hey«, sagt der Elefant, »was machen Sie denn da?«
»’Tschuldigung«, sagt der Fischotter. »Ich hab’ es brandeilig. Wenn Sie mich kurz vorlassen würden, es würde mir, würde mir sehr helfen.«
»Jut«, sagt der Elefant, »gut, gut. Vielleicht fragen Sie beim nächsten Mal, ob Sie vorbeidürfen.«
»Oh ja, entschuldigen Sie bitte, ich bin so in Eile.«
»Gut, äääh, ja«, sagt die Maus, »eigentlich kommen hier alle der Reihe nach dran, aber wenn es für Sie in Ordnung ist …«
[Lässig] »Joa, ja«, sagt der Elefant und beginnt zu nicken.
»Vorsicht, nicht nicken«, sagt die Fee, »nicht nicken!« Die Tür wackelt bedenklich. »Hier ist gerade alles frisch renoviert!«
»Ach so«, sagt der Elefant und hört auf zu nicken. »Na dann, werd’ ich mal hier vorsichtig …« Der Elefant dreht seinen Kopf ein bisschen.
»Ua-a-a-a-a, vorsicht«, sagt die Fee.
»Also«, sagt die Maus, um die Sache zu beschleunigen. »Was wollen Sie denn nun haben?« Dreht sich zum Fischotter.
»Ich hätte gerne ein Käseboot.«
»Sie meinen …«, sagt die Maus.
»Ich hätt’ gerne ein Käseboot, ich bin in Eile, ich hab's eilig«, sagt der Fischotter.
»Gut, was soll denn drauf sein?«
»Wie meinen Sie, was soll drauf sein?«
»Na ja – äh, äh – ich hab hier Gouda, ich hab Streichkäse, ich hab Frischkäse, ich hab auch Parmesan, wenn Sie wollen, wäre ein bisschen ungewöhnlich, hier gibt’s auch Blauschimmel.«
Der Fischotter guckt die Maus völlig entgeistert an.
»Sie haben mich wohl nicht verstanden«, sagt der Otter. »Ich hätte gerne ein Käseboot.«
Die Maus guckt von hinterm Tresen zum Otter. »Sie meinen ein Käsebrrot. Richtig, Sie wollen eine Schnitte haben, ein Käsebrot.«
»Um Himmels willen, nein«, sagt der Otter. »Ich brauch ein Käseboot. Ich brauch ein Fahrzeug, mit dem ich auf dem Wasser fahren kann.«
»Was drauf sein soll? Na ja, wie wär’s mit einer Reling? Wie wär’s mit einem Steuer? Wie wär’s mit einem Sitz für den Kapitän? So etwas soll auf dem Boot drauf sein. Also, welche Farben gibt es? Welche TÜV-Klassen haben Sie? Und wann kann ich das Boot erhalten?«
Die Maus guckt sich zweifelnd in ihrem Laden um. »Sagen Sie«, sagt die Maus, »wie sieht das hier aus?«
Der Otter guckt sich um. »Keine Ahnung. Ich weiß nicht mal, wo ich hier bin.«
»Sie sind in einem Käseladen gelandet«, sagt die Maus.
»Um Himmels willen«, sagt der Otter. »Was mach’ ich denn in einem Käseladen? Ich möchte in ein Bootsfachgeschäft.«
»Dann«, sagt die Maus, »müssten Sie vielleicht ein Bootsfachgeschäft aufsuchen.«
»Wo bin ich denn hier gelandet?«, sagt der Otter.
»Das hatten wir grad’ schon«, sagt die Maus. »Sie befinden sich in einem Käseladen. Sie dürfen gerne ein Käsebrot kaufen. Aber ein Käseboot? Erhalten Sie hier leider nicht.«
»Was? Ist das überhaupt, ein Käseboot?«
»Der neueste Schrei aus Japan«, sagt der Otter. »Sagen Sie mir nicht, Sie haben noch nie was von Käsebooten gehört!«
[Bedaure] »N-nein«, sagt die Maus. »Was sind das? Boote mit Löchern? Oder wie hab ich mir das vorzustellen?«
»Ach«, sagt der Fischotter, »Sie haben ja überhaupt keine Ahnung von moderner Bootstechnologie.«
»Äh, nein«, sagt die Maus. »Kein Stück. Aber sagen Sie mal, sind Sie nicht sowieso ein Otter? Sie könn’ doch schwimmen wie ein Wiesel. Äh, ich meine, schwimmen wie ein Fisch.«
»Ich muss doch sehr bitten«, sagt der Otter. »Ich bin kein Wiesel, ich bin ein Otter.«
»Jaja. Na, auf jeden Fall können Sie doch schwimmen wie ein Fisch. Oder wie ein Pinguin. Sie sind doch ein exzellenter Schwimmer.«
»Eine Schwimmerin«, sagt die Otterin.
»Gut, gut, eine Schwimmerin«, sagt die Käsemaus. »Also, wo hier der nächste Bootsladen ist, das kann ich Ihnen beim besten Willen nicht sagen. Da müssten Sie vielleicht mal …«
[Gemütlich, tief] »Kann ich Ihnen sagen«, sagt der Elefant. »Ich geh’ häufiger mal segeln.« Alle gucken den Elefanten an.
[Schockiert, breit] »Sie gehen segeln?«
»Na sicher, haben Sie was dagegen, oder was?«
»Ui, ui, ui«, sagt die Fee. »Da kentern Sie doch ständig.«
»Ich muss doch sehr bitten«, sagt der Elefant. »Wollen Sie etwa sagen, ich bin nicht mehr das kleine Schnuckelchen?«
»Bitte wie?«, sagt die Fee. »Sie sind doch kein kleines …«
[Süss, leicht beleidigt] »Wieso bin ich denn kein kleines Schnuckelchen?«, sagt der Elefant.
[So einer schon wieder] »Um Himmels willen«, sagt die Maus.
»Du bist still, Langer Lulatsch«, sagt die Fee. »Ich glaub’, wir haben hier zwei Probleme im Raum.«
»Ich bin gar nicht im Raum«, sagt der Elefant, »also muss die Fee wohl Sie meinen«, und guckt zur Otterin.
»Sie meinen ich bin ein Problem in diesem Raum?«, sagt die Otterfrau.
»Ääh«, sagt die Fee. »Ich trink’ noch ein Schlückchen von meinem Lulatsch.«
»Sie trinken ’nen Schluck von Ihrem Langen Lulatsch?«, sagt der Elefant verwirrt. »Was wird das hier für ’ne Geschichte?«
[Otterin] »Ach, vergessen Sie’s. Also, sagen Sie doch bitte, wo das nächste Bootsfachgeschäft ist. Dann kann ja schon mal eine Kundin den Laden verlassen und … und für Sie finden wir sicherlich auch was Passendes.«
»Also«, sagt der Elefant, »der nächste Bootsverleih, gleich hinter der Kirche, zweimal links und dann im Hinterhof. Da finden Sie ’ne riesige Lagerhalle und dort können Sie alles kaufen, was Sie sich nur vorstellen können. Vom Seemannstau bis zum Seemannsgarn [Erzähler maunzt: *ruar*] bis hin zum Schiffsmotor, und ganze Yachten können Sie dort erwerben.«
»Wunderbar, und wo ist die Kirche?«
»Oh je«, sagt die Maus. »Also, äh, äh, also immer die Straße runter, 23 mal rechts insgesamt. Ich habe Ihnen hier eine kleine Planzeichnung vorbereitet. Nehmen Sie diesen Plan und dann kommen Sie schon mal zur Kirche, und dann, wie gesagt, zweimal links und dann in den Hinterhof. Dann sind Sie beim Bootsfachgeschäft.«
»Vielen Dank«, sagt die Otterfrau. »Na dann, dann werde ich mal losflitzen. Flink wie ein Wiesel«, sagt die Otterfrau.
[Murmelnd] »Flink wie ein Wiesel«, wiederholt die Fee.
[Deutlich] »Ham’ Sie was gesagt?«, sagt die Otterfrau.
[Beschwichtigend] »Nee, nee, nix gesagt«, sagt die Fee. »Dann flitzen Sie mal los, Sie Wiesel-Otterfrau. – Bis die Tage …«
»Bis die Tage«, sagt die Otterfrau, nimmt den Plan und flitzt los zum Bootsfachgeschäft.
»Also«, sagt der Elefant, »wie steht’s denn nun hier mit Elefantenkäse?«
»Äh, nein, aber wenn Sie was Außergewöhnliches wollen, wie wär’s mit Ziegenkäse?«
»Sehr gern, auch das, wenn Sie gar nichts anderes haben«, sagt der Elefant.
»Also, wie viel darf’s denn sein?«
»Hmm…«, überlegt der Elefant, »also, heute, morgen und übermorgen … naja, so 18 Laibe könnten es schon werden.«
»18 Laibe?«, sagt die Maus. »Ich weiß nicht, ob ich 18 Laibe Ziegenkäse hier habe.«
[Lässig] »Doch, ham’ wir«, sagt die Fee.
»Ham’ wir?«, wiederholt die Maus.
»Im Käselager, da haben wir 18 Laibe Ziegenkäse.«
»Was du so alles weißt«, sagt die Maus.
Die Fee flitzt ins Käselager, rollt 18 Laibe Ziegenkäse raus und rollt sie dem Elefanten hin.
Der Elefant schnappt alle mit seinem Rüssel und stapelt sie auf der Straße.
»Was macht denn das? Kann ich hier mit Karte zahlen?«, sagt der Elefant.
»Sehr gern, da muss ich mal kurz durchrechnen. 125 Euro pro Käselaib.«
»Ach, des’ aber günstig! Ich hab’ gehört, die wär’n hier viel teurer. 5.000 habe ich gehört.«
»Ach, ham’ Sie das?«, sagt die Fee.
»Jaja, wirklich«, sagt der Elefant.
»Na ja, also«, sagt die Maus, »äh, Ziegenkäse ist ja, öh, öh, auf jeden Fall 125 pro Laib. Und dann hier, bitteschön.«
[Gepresst] »Hmm, hmm, hmm«, sagt Carla Kasse. »Hmm, hmm, hmm.«
[Lässig, herablassend] »Du bist still da hinten! Verbuch’ einfach den Preis auf die Karte«, sagt die Maus zum Kassensystem, »und gut ist.«
»Mit wem sprechen Sie da?«, fragt der Elefant.
»Mit unser’m neuen Kassensystem«, sagt die Maus.
»Mit Ihrem neuen, was?«, sagt der Elefant. »Seit wann können Kassen sprechen?«
»Ach, schon lange«, sagt die Maus.
»Schon lange«, wiederholt die Fee, die mittlerweile in der Ecke sitzt und noch einen Cappuccino trinkt.
»Also, vielen Dank für den guten Service. Und, öh, bis bald mal wieder. Und, öh, ach so, überlegen Sie sich mal gut, ob Sie vielleicht doch ’n bisschen Elefantenkäse brauchen. Hier is’ meine Visitenkarte. Wir treffen uns demnächst«, sagt der Elefant. »Ich werd’ mal losgehen und werd’ noch schauen, dass ich pünktlich ins Büro komme.«
»Ins Büro?«, wiederholt die Fee.
[Maus] »Viel Spaß im, äh, im Büro, Herr … Frau Elefant. Ich weiß ja nicht mal, wer Sie genau sind.«
»Viel Spaß mit dem Ziegenkäse!«, ruft die Fee dem Elefanten hinterher.
»Bis die Tage!«, ruft der Elefant. »Ciao, ciao!«
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#4 Hai auf Stelzen
[Lässig] Ring, ring, ring.
Die Maus steht auf, der Wecker hat geklingelt. Die Maus setzt sich in ihrem Bett auf und schaut aus dem Fenster.
»Gähn«, macht die Maus.
[Übertrieben laut: *FLATSCH*!]Da fliegt ihr ein Eimer Wasser ins Gesicht. Die Maus purzelt zurück in ihr Bett.
[Unverständlich: „*Wsch ww ds*!“], kreischt die Maus, »Was war das?«
[Frisch, gut gelaunt] »Wasser«, sagt die Fee. »Frisches Quellwasser. Guten Morgen.«
»Bist du völlig wahnsinnig?«, keift die Maus durch das Wasser hindurch. »Mein ganzes Bett ist nass!«
»Meins auch«, sagt die Fee.
»Du hast dich selbst mit Wasser geweckt?«
»Nee, hab’ ich nur so gesagt«, sagt die Fee.
»Warum hast du mir Wasser ins Gesicht gekippt?«, sagt die Maus.
»Ich wollt’ dir beim Aufwachen helfen.«
»Aber ich war schon wach!«, sagt die Maus.
»Man kann nie wach genug sein«, sagt die Fee.
»Nie wach genug sein?«, sagt die Maus.
[Übrtrieben laut] *Flatsch!*
Die Fee klatscht ihr einen weiteren 10-Liter-Eimer ins Gesicht.
[Hoch, gepiepst, in Rage] »Bist du völlig geisteskrank!?«, sagt die Maus.
[Lässig, höhnisch] »Ich dachte, du hast drei Wünsche frei«, sagt die Fee.
»Und ich dachte, das funktioniert nicht. Hast du etwa noch ’nen dritten Eimer Wasser?«
»Vielleicht«, sagt die Fee. – »… Vielleicht …« – [Pause] »Komm, wir gehen frühstücken.«
»Ich muss mir erst mal was Trockenes anziehen«, sagt die Maus.
[Lässig] »Äh, warte damit noch«, sagt die Fee.
»Warum soll ich damit warten?«, sagt die Maus. [Kurze Pause.]
Flatsch!
Die Maus und die Fee sitzen tropfend am Frühstückstisch. Die Maus hat die kleine Fee zur Strafe unter die Dusche gestellt und sie kalt abgeduscht. Jetzt sind beide nass. Die Fee hat sich geweigert, ihr Feenkleid auszuziehen, und die Maus hat ihr Fell … deswegen tropfen beide und essen tropfend ihr Müsli.
[Weinerlich] »Tut mir leid«, sagt die Maus. »Ich wollte dich nie im Feenkleid mit kaltem Wasser abduschen.«
[Getrübt] »Tut mir auch leid«, sagt die Fee. »Ich wollte dir nicht … 14 Eimer kaltes Wasser ins Gesicht schütten.«
»Aber es waren nur 3«, sagt die Maus.
»Ach ja, das war mein ursprünglicher Plan mit den 14.«
»Bitte?«, sagt die Maus.
»Na ja, dann dachte ich mir, du bist ja nur eine Maus. Du bist ja kein Elef…«
»Was sollte das heißen«, sagt die Maus, »nur ’ne Maus? Übrigens schmeckt der Kaffee heute Morgen miserabel«, sagt die Maus, »woran liegt das?«
»Keine Ahnung«, sagt die Fee. »Kann ich zaubern?«
»Äh, manchmal ja«, sagt die Maus.
»Na gut, ich weiß trotzdem nicht, warum der Kaffee miserabel schmeckt. Ich finde ihn auch vorzüglich, muss ich sagen.«
»Vorzüglich?«, sagt die Maus. »Lass mich mal probieren.« Die Maus nimmt einen großen Schluck aus der Kaffeetasse der Fee.
»Hey!«, sagt die Fee. »Was soll das?«
»Hmmmmmm …«, sagt die Maus. »Vorzüglich! Das ist ja ein fantastischer Kaffee. Ist das ein anderer als meiner?«
[Abwesend, unschuldig.] »Wie bitte?«, sagt die Fee.
»Ob das ein anderer Kaffee ist als meiner? Probier mal meinen.«
»Ähhhhhh«, sagt die Fee, »deinen? … Soll ich probieren?«
»Ja«, sagt die Maus. »Probier mal, dann wirst du merken, dass der anders schmeckt. … Aber … wir kriegen doch immer Kaffee aus der gleichen Kanne, oder?«
»Ähhhhhh«, sagt die Fee. »Ja, sicher.«
Die Maus schaut die Fee an. »Wir kriegen doch den Kaffee aus der gleichen Kanne, oder?«
»Ähhhhh«, sagt die Fee.
Die Maus springt vom Tisch auf und hüpft um die Fee herum. Da entdeckt sie, dass hinter dem Platz der Fee eine zweite Kaffeekanne steht, die genauso aussieht wie die erste Kaffeekanne auf dem Tisch.
»Sag mal, Potzblitz!«, sagt die Maus. »Du schenkst mir anderen Kaffee ein als dir?«
»Ähhhhh«, sagt die Fee. »Ist ’ne … religiöse Maßnahme.«
»Was ist das bitte?«
Sagt die Fee: »Äääh, ich mein’ eine wirtschaftliche Maßnahme.«
[Aufgebracht]»Eine was?«, sagt die Maus. »Eine wirtschaftliche was? … Du meinst, der eine Kaffee ist billig und der andere Kaffee is’ teuer?«
»Öh, öh, öh … auf jeden Fall sind ja auch beide … äh … etwas Besonderes«, sagt die Fee.
»Ja, meiner ist besonders fürchterlich«, sagt die Maus, »und deiner ist besonders lecker.«
[Abwiegelnd] »Äääähhhh … hä, hä hee …«, sagt die Fee. »Nun ja, auf jeden Fall. Ab morgen trinken wir natürlich beide den besonders besonderen Kaffee. Oder wir mixen beide zusammen, was hältst du davon?«
»Bpfüah«, sagt die Maus. »Auf gar keinen Fall. Jetzt, wo ich weiß, dass es hier zwei Sorten Kaffee im Haus gibt. Wie kamst du denn überhaupt auf die Idee?«
»Na ja«, sagt die Fee, »och, nur so ein Gedanke.«
»Nur so ein Gedanke?«, sagt die Maus. »Manchmal bist du ’n bisschen komisch, kleine Fee.«
»Ich muss doch sehr bitten«, sagt die kleine Fee. »Außerdem bin ich gar nicht so klein.«
Die Maus guckt an der Fee herunter. »Du, du bist so groß wie eine Menschenhand oder so. Du bist klein.«
»Nicht so klein wie eine Ameise«, sagt die Fee.
»Ja gut«, sagt die Maus. »So klein wie eine Ameise bist du nicht. Die erfüllt aber auch keine Wünsche.«
»Sag mal«, sagt die Fee, »wie spät is’ ‘n das eigentlich?«
Die Maus guckt auf die Uhr.
[Panik] »Zehn Minuten vor acht«, sagt die Maus. »Wir müssen los!«
»Um Himmels willen!«, sagt die Fee und schmeißt ihren Kaffee durch die Gegend.
»Auf die Skateboards!«, ruft die Fee.
»Auf die Skateboards!«, ruft die Maus.
»Das hab’ ich schon gesagt«, sagt die Fee.
»Ich hab’s auch grad gesagt«, sagt die Maus.
Die beiden flitzen los und düsen zum Käseladen. Um eine Minute vor acht kommen sie gehetzt am Käseladen an. Die Maus schließt die Tür auf und rennt durch den Laden ins Lager. Und beide rollen die großen Käselaibe in Richtung Käsetheke. Die Maus schaut panisch auf die Uhr. – Zwei Minuten nach acht.
»Oje-oje-oje«, sagt die Maus. »Wir müssen den Laden schnell aufbauen. Hier kommen doch immer schon so früh Kund:innen.«
Flatsch, flatsch, flatsch, flatsch.
»Was ist das?«, sagt die Fee. »Klingt, als würde jemand ’nen Wischmopp durch die Straße schleudern.«
Flatsch, flatsch, flatsch.
»Klingt tatsächlich wie ein Wischmopp«, sagt die Maus. »Hat hier jemand seinen Wischmopp zum Leben erweckt?« Die Maus schaut die Fee an. [Vorwurfsvoll] »Fee, hat hier jemand seinen Wischmopp …?«
»Ich weiß von nichts«, sagt die Fee. »Ich weiß von nichts.«
[Inquisitiv] »Wo ist der Wunschjunge?«, sagt die Maus.
»Welcher Wunschjunge?«
»Na, das Wunschkind«, sagt die Maus. »Du weißt doch noch, der kleine Junge, dem du versehentlich unendlich viele Wünsche erfüllen musstest.«
»Ich erfüll’ gar keine Wünsche«, sagt die Fee. »Ich hab’s ja nur, äh, vermittelt. Äh. Na, auf jeden Fall: Vielleicht hat er einen Wischmopp verzaubert. Der läuft jetzt durch die Straßen.«
Flatsch, flatsch, flatsch, flatsch.
Die Fee und die Maus starren zur Tür.
»Hai«, sagt die Fee.
»Hai«, sagt die Maus.
»Hallo«, sagt der Hai. »Guten Morgen.«
»G-g-g-g-g-g-g«, sagt die Maus.
»S-s-s-s-s-s-s«, sagt die Fee. »Sie, Sie, … Sie bringen da Wasser mit rein.«
Der Hai läuft auf Stelzen und auf Krücken. Von seinen Flossen flatscht das Wasser nur so runter. Und um ihn herum ist eine große Wasserlache, die schon in den Käseladen reinläuft.
»Äh … äh, also mit den Schuhen komm’ Sie mir hier nicht in den Laden!«, ruft die Maus.
»Was für Schuhe?«, sagt der Hai. »Das sind Flossen, seh’n Sie das nicht?«
»Warum laufen Sie auf Stelzen?«, sagt die Maus.
»Das geht Sie gar nichts an«, sagt der Hai. »Warum laufen Sie auf Beinen?«
»Äh, äh, weil ich Beine hab’?«, sagt die Maus.
»Na bitte, – weil ich Stelzen hab’«, sagt der Hai.
»Äh«, sagt die Fee. »Aber die Stelzen gehör’n ja gar nicht zu Ihrem Körper.«
Der Hai guckt an sich herunter. »Und worauf soll ich sonst laufen, wenn nicht auf den Stelzen?«
»Warum haben Sie eigentlich Stelzen und dazu auch noch Krücken?«
»Äh … hab’ mir die Gräten gebrochen«, sagt der Hai.
[Erstaunt] »Sie haben sich die Gräten gebrochen?«, sagt die Maus.
»Ja, Füße … kann ich ja wohl schlecht sagen, sind ja nur Flossen.« Der Hai guckt an sich herunter. »Auf jeden Fall hab’ ich gehört, gibt es hier den besten Kur… den besten Käse des ganzen Saturns.«
»Na, da haben Sie aber richtig gehört.« Jetzt wird die Maus neugierig. »Äh, kommen Sie doch rein, Herr … Herr … Herr, kommen Sie doch rein. … Herr …«
»Herr Kubinski«, sagt der Hai.
»Kommen Sie rein, Herr Kub...inski. Das ist aber ein ungewöhnlicher Nachname für einen Meeresbewohner.«
»Wieso ungewöhnlich?«, sagt der Hai. »Es gibt tausende Haie, die so heißen.«
»Öh, öh«, sagt die Maus. »Nun ja, Sie müssen verzeihen. Äh, äh, hm. Ich treff’ nicht so häufig Haie in dieser, äh, Gegend.« Die Maus guckt sich um und guckt über die Straße. »In dieser … in dieser sehr trockenen Gegend, ohne... – Warum können Sie überhaupt atmen?«
»Betriebsgeheimnis«, sagt der Hai.
»Betriebsgeheimnis?«, sagt die Maus. »Sie sind doch kein Betrieb.«
»Äh, äh, äh – Privatgeheimnis«, sagt der Hai.
[Fee] »Privatgeheimnis?«, sagt die Fee. »Wie machen Sie das?«
»Mit Kiemen«, sagt der Hai und deutet auf seinen Hals. »Kie-men.«
»Ja«, sagt die Fee, »aber normalerweise müssten Sie doch Wasser atmen. Sie könn’ doch keine Luft atmen.«
»Sie sehen doch, dass das geht«, sagt der Hai. »Wo gibt es denn hier nun den besten Käse?«
»Ich will mal was ausprobieren«, sagt die Maus.
Sie nimmt drei Käsekugeln, die sonst immer Bruno kriegt, und hält die erste Kugel prüfend hin, um dem Hai anzudeuten, dass sie ihm gleich eine ins Maul werfen möchte. Der Hai guckt irritiert.
»Was wird das?«, sagt der Hai.
Ohne weiteren Kommentar wirft die Maus die erste Käsekugel los.
[Übertrieben laut + lustig] Whrimp-hühm!, macht das Haimaul, und die Käsekugel verschwindet.
[Kauend] »Mh. Vielen Dank«, sagt der Hai. »Ganz schön klein. Is’ ja was für’n hohlen Zahn. Hö hö hö.«
»Sie haben hohle Zähne?«, sagt die Maus.
»Ich habe gefährliche Zähne«, sagt der Hai.
»Äh … Ich auch«, sagt die Maus.
Die Fee und der Hai gucken die Maus an.
[Trocken] »Hö hö hö«, sagt der Hai.
»Genau«, sagt die Fee. »Hö hö hö.«
»Muss du grad’ sagen!«, sagt die Maus. »Was hast du denn für Zähne?«
Die Fee macht ihren Mund auf. Kleine, schicke, weiße Zähne werden sichtbar.
»Damit kannst du doch keiner Fliege was zuleide tun«, sagt die Maus und hält einen Finger zwischen die Zähne der Fee.
Krrrrk!, macht die Fee.
»Autschi! – Autschi!«, sagt die Maus.
[Lässig] »Woll’n Sie das hier drüben auch nochmal probieren?«, sagt Herr Kubinski.
»Äh, äh«, sagt die Maus und hält sich ihren schmerzenden Finger fest. »Nee, nee, lieber nich’.«
Die Maus nimmt noch eine Käsekugel und wirft sie diesmal schneller in Richtung Haimaul.
[Heftig! Laut!] Wrrrrrrmp!, macht der Hai.
[Angst] »Wuaaah!«, machen die Fee und die Maus. »Um Himmels willen!«
»Was denn? Was denn?«, sagt der Hai und kaut die Käsekugel und das Stück Regal, das er versehentlich mit abgebissen hat.
»Uaaaahaaaa…«, sagt die Maus: »Sie haben da drüben ein Stück Regal …«
»Mh. Schmeckt wie’n Surfbrett«, sagt der Hai. »Tut mir leid«, sagt der Hai.
[Fee] »War keine Absicht«, sagt die Fee. »Sie könnten mich ja mit einem Haps …«
Der Hai guckt die Fee an. »Ich könnte zwanzig von Ihnen mit einem Haps …«
»Aaahaaah«, sagt die Fee. »Also, Herr Kubinski, was darf's denn sein von der Käsetheke?«
Der Hai nähert sich der Käsetheke. Der Maus und der Fee wird ein bisschen unwohl. Der Hai kommt immer näher und berührt schließlich die Käsetheke.
»Flossen weg!«, ruft die Maus.
»Wie bitte?«, ruft der Hai.
»Flossen weg von der Käsetheke!«
»Wie meinen Sie das?«, sagt der Hai.
»Äh … äh … äh … Ich meine: Hände weg!«, sagt die Maus.
Der Hai guckt an sich runter. »Ich hab’ keine Hände.«
»Äh-ja, deswegen Flossen weg«, sagt die Maus.
»Also unter uns Haien gilt das als Beleidigung, wenn jemand ruft: Flossen weg.«
»Häh-häh… Was soll ich denn sonst rufen?«, ruft die Maus.
»Äääh«, sagt der Hai: »Ööh, gar nichts!? Vielleicht: ›Komm’ Sie näher‹, könnten Sie rufen.«
»Aber, aber«, sagt die Maus, »ich möchte gar nicht, dass Sie näher kommen.«
[Nüchtern] »Wieso wollen Sie denn nicht, dass ich näher komme?«, sagt der Hai und nähert sich bedrohlich nah der Maus.
[Ängstlich] »Weil, weil, weil«, sagt die Maus, »äh, äh, äh«, sagt die Maus.
»Weil ich auf Stelzen laufe?«, sagt der Hai.
»Äh … apffff … Quatsch«, sagt die Maus. [Ironisch] »Nein, nein, das irritiert mich gar nicht.«
[Sachlich] »Wissen Sie, was mich irritiert?«, sagt der Hai.
»Nein«, sagt die Maus. »Was denn?«
»Dass Sie drei Käsekugeln hatten und ich hab nur zwei bekommen.«
»Oh«, sagt die Maus. »Stimmt.« Sie wirft die dritte Käsekugel, sodass der Hai zwei Schritte zurückgehen muss, um danach zu schnappen.
Wrrrrrp!, macht das Haimaul, und der Hai purzelt versehentlich auf den Rücken.
»Au, au, au, au!«, ruft der Hai. »Ich hab mir meine Flosse gebrochen! Ich hab’ mir meine Heckflosse gebrochen!«
»Ach, Unfug«, sagt die Maus. »So empfindlich sind Sie nun auch nicht.«
»Doch, doch, doch«, sagt der Hai. »Au, au, au, Sie ham’ ja keine Ahnung.«
»Äh«, sagt die Maus. »Doch. Gewisse Ahnung hab’ ich von empfindlichen … äh, äh, Lebewesen. Schau’n Sie, ich lebe mit einer Fee zusammen.«
[Wie selbstverständlich] »Ich auch«, sagt der Hai.
[Erstaunt] »Wie bitte?«, sagt die Maus.
»Na, meine beste Freundin ist eine Fee.«
»Wie bitte?«, sagt die Fee. »Wie heißt sie?«
»Mirella«, sagt der Hai.
[Fee, erstaunt] »Mirella? Mirella, die Märchenfee?«
»Mirella, die Märchenfee«, sagt der Hai.
»Das kann doch nicht sein«, sagt die Fee.
»Warum nicht?«, sagt der Hai.
»Mirella ist ein großer Star!«
»Ich weiß«, sagt der Hai. »Wir sind ein Star-Paar.«
»Sie sind ein Star-Paar?«, wiederholt die Fee.
»Ja, wir sind ein Star-Paar. [Stolz] Ich bin der einzige Hai des ganzen Saturns, der auf Stelzen und auf Krücken laufen kann – und das sogar mit gebrochenen Gräten.«
»Und Mirella, sie kann Märchenschlösser zaubern«, sagt die Wunschfee. »Und sie hat einen eigenen Kanal im Internet. Und alle folgen ihr. Sie ist ein Vorbild für uns alle. Sie ist so galant und so charmant. Und niemand weiß, wer ihr Lebenspartner ist.«
Die Fee guckt den Hai an. »Und niemand weiß …«, sagt die Fee noch mal. [Realisierend] »Um Himmels willen«, sagt die Fee.
»Ganz genau«, sagt der Hai. »Und das müssen Sie für immer für sich behalten.«
»Wie bitte?«, sagt die Fee.
»Ansonsten …«, sagt der Fee… sagt der Hai und öffnet sein Maul.
Die Maus nimmt einen mittelgroßen Käselaib und pfeffert den Käselaib in das Maul des Haies.
[Maul gestopft] »Ung, ung, ung«, sagt der Hai. »Ung, ung, ung.«
»Äh. Äh. Das ist ein besonders würziger, äh, Ziegenkäse mit, äh, Oregano und besonders viel Rosmarin [hust, hust]«, sagt die Maus entschuldigend. »Und das ist unser, äh, äh, Probierhäppchen für mittelgroße Meeresbewohner.«
»Hnnnngug«, sagt der Hai. Schließlich schluckt er den ganzen Käselaib mit einem Bissen herunter.
»Vielen Dank«, sagt der Hai. »Was kostet der pro Kilo?«
»18,50 Euro«, sagt die Maus.
»Ühmm. Is’ ja ’n Schnäppchen«, sagt der Hai. »Davon hätte ich gern zwei Laibe. Ham’ Sie noch ’ne Probe?«
Die Maus pfeffert einen Basilikumkäse in das Maul des Haies. Der Hai stutzt wieder. »Hm-gng-gng-gng.«
»Ist ja eine ungewöhnliche Verköstigung hier heute«, sagt die Fee.
In dem Moment kommt eine Maus durch die Tür.
»Aaaaaaah!«, kreischt die Maus: »Hai!«
Der Hai dreht sich mit dem Riesen-Käselaib im Mund zur Maus um.
»Hmmmmmmmmg«, sagt der Hai.
»Uiuiui!«, sagt die Maus. »Ich geh’ lieber wieder.«
»Nein!«, ruft die Käsemaus. »Bleib hier!«
Die Kundenmaus dreht wieder um und nähert sich vorsichtig dem Hai, tänzelt einmal um ihn herum und stellt sich dann sicherheitshalber hinter den Cappuccino-Trinktisch.
[Kundenmaus] »Öh, öh, öh, ich warte noch. Ich bin hier nur in der Schlange. Ich stehe hier nur an … ühm, ühm [räusper]«, sagt die Kundenmaus.
»Hmm«, sagt der Hai. »Basilikum? Nich’ so mein Fall. Ich nehm’ noch was von dem Ziegenkäse mit Rosmarin und, ähhhh, und Oregano. Davon hätt’ ich gerne 18 Laibe. Könn’ Sie mir den in so ’nen einfachen Jutesack packen? Dann nehm’ ich den auf den Rücken.«
»Äh … klar«, sagt die Maus. »Selbstverständlich. Das macht … äh, äh, mh, das macht … äh, äh, mh.«
Die Fee rollt schon die ersten Käselaibe aus dem Lager nach vorn und holt auch einen großen Jutesack dazu.
»Das macht 150 Euro«, sagt die Maus.
»150 Euro für 18 Käselaibe?«, sagt der Hai. »Ist das nicht ein bisschen billig?«
»Stimmt. Äh. Da ham’ Sie verdammt nochmal recht. Ich meine 150 Euro pro Käselaib.«
»Aha«, sagt der Hai. »Now we’re talking.«
»Wie bitte?«, sagt die Maus.
»Now we’re talking«, sagt der Hai.
»Was reden Sie da?«, sagt die Maus.
»Äh, das war Italienisch«, sagt der Hai. »Äh, ich meine Englisch. Ich meine Holländisch. Ich weiß es auch nicht.«
»Was bedeutet das?«, sagt die Maus.
»Keine Ahnung. Kann ich mit Karte zahlen?«, sagt der Hai.
»Äh, klar«, sagt die Maus. »Äh, Sie können bei unserem, äh, neuen Kassensystem, das allerdings das Sprechen verlernt hat …«
»Ihr Kassensystem konnte sprechen und hat’s verlernt?«, sagt der Hai.
»Ja, genau«, sagt die Maus. »Äh, auf jeden Fall können Sie die Karte einfach hier vorne an den Sensor halten und dann …« [klingend] *Biiing*, macht die Karte. – »Oh«, sagt die Maus. »Wir brauchen von Ihnen eine Unterschrift.«
Der Hai guckt die Maus irritiert an. »Sie brauchen von mir … was?«
»Äh…äh…äh, ’nen Flossenabdruck?«, sagt die Maus.
»’Nen Flossenabdruck?«, sagt der Hai. »Kein Problem«, und wedelt mit seiner Flosse.
»Nee«, sagt die Maus. »Es muss tatsächlich eine Unterschrift sein. Ähh. Können Sie schreiben?«
Der Hai guckt die Maus an. »Sehe ich so aus, als könnte ich schreiben?«
»Äh, äh, äh …«, sagt die Maus. »Nun ja, Sie sind ja ein gebildeter …«
[Mahnend] »Selbstverständlich kann ich schreiben!«, ruft der Hai. »Ich hab’ einen Doktortitel.«
»Sie haben einen Doktortitel?«, sagt die Maus. »Warum ham’ Sie denn einen Doktortitel?«
»Ich habe mit der Fee zusammen studiert.«
»Mit welcher Fee?«, sagt die Fee.
»Mit Mirella, der Märchenfee«, sagt der Hai. »Mit meiner Lebenspartnerin.«
Die Fee legt sich quer auf die Käsetheke und schnappt nach Luft. »Ich kann nicht mehr«, sagt die Fee. »Ich kann nicht mehr. Der Hai kommt auf Krücken rein und erzählt dann, dass er mit Mirella zusammen wohnt. Und ich darf es niemandem sagen, weil er mich sonst frisst.«
»Wie bitte?«, sagt die Maus, die Kundenmaus. »Das ist ja grässlich. Sag mal, was machst du eigentlich hier?«, ruft die Kundenmaus zur Käsemaus.
Die Käsemaus mustert die Kundenmaus. »Was soll denn das heißen?«, sagt die Maus. »Normalerweise siezen wir uns hier im Laden.«
»Ja, aber wir kennen uns doch vom Marktplatz«, sagt die Kundenmaus. »Ich bin Antonella. Erinnerst du dich nicht?«
Die Käsemaus kratzt sich am Kopf. »Keine Ahnung«, sagt die Käsemaus und nimmt in Gedanken eine Käsekugel von Bruno und wirft sie zur Kundenmaus.
Die Kundenmaus schnappt danach, aber kriegt den Käseball nicht. Der Käseball landet neben ihr auf der Bank. Sie nimmt ihn mit der Hand und beginnt daran zu knabbern wie an einem Brötchen.
[Mit vollem Mund] »Auf jedem Fall«, sagt die Kundenmaus, »war’s total nett mit dir Cappuccino mit Milcho-Frappuccino und extra Vanillecreme zu trinken«, sagt Antonella.
»Wann kommen denn nun endlich meine Käselaibe?«, sagt Herr Kubinski.
»Schon fast alle da«, sagt die Fee, steht wieder von der Käsetheke auf und beginnt den vierten Laib rüberzurollen.
»Und ’nen Jutesack brauch’ ich auch noch«, sagt der Hai.
»Ja, ja, kommt sofort«, sagt die Fee.
»Und außerdem«, sagt der Hai, »ist heute Ihr Glückstag!« Er guckt in die Runde, guckt zu Antonella, zur Käsemaus und zur Fee. »Wir gehen gemeinsam zelten.«
Alle gucken ihn völlig irritiert an.
»Wir gehen gemeinsam …was?«, sagt die Käsemaus.
»Wann haben Sie Feierabend?«, ruft der Hai mit feierlicher und fröhlicher Stimme.
Die Fee legt sich augenblicklich auf den Boden und beginnt, äh, nach Luft zu schnappen. »Ich kann nicht mehr«, ruft die kleine Fee. »Ich kann nicht mehr.«
»Ich kann auch nicht mehr«, sagt Antonella. »Gibt’s hier eigentlich ’n Cappuccino?«
»Ich mach’ Ihnen einen«, sagt der Hai und beginnt sich hinter die Käsetheke zu bewegen.
[Aufgebracht] »Nein!«, ruft die Maus. »Hier ist der Personalbereich. Sie arbeiten nicht hier!«
»Ach nein?«, sagt der Hai und drängelt weiter in Richtung Käsetheke.
[Laut, hoch] »Nix da!«, ruft die Fee. »Jetzt ist aber Schluss, Herr Kubicki.«
»Kubinski«, sagt der Hai.
»Kubinski?«, sagt die Fee. »Vorhin ham’ Sie Kubicki gesagt.«
»Hab’ ich mich geirrt«, sagt der Hai.
»Sie haben sich mit Ihrem eigenen Namen geirrt?«
»Ja«, sagt der Hai, »kann nochmal passieren. Außerdem …«, er pfeffert die Krücken in die Ecke, »brauch’ ich die überhaupt nicht. Und die hier …«, er flitscht die beiden Stelzen weg, die unter seinen Flossen angebracht waren, »brauch’ ich auch nicht.«
Er beginnt akrobatisch wie ein Balletttänzer auf seinen Flossen durch den Laden zu schlittern. Dabei schlittert er nur auf der Heckflosse und sein Kopf hält sich oben, als wäre er ein Mensch.
»Huiuiui«, sagt die Maus.
Es gibt ein glitschiges Geräusch auf dem Boden. [*Glitsch-Geräusch* machen.] Der Hai bewegt sich elegant, als hätte er eine Ballettausbildung.
»Sagen Sie«, sagt Antonella, »das sieht ja fantastisch aus.«
»Das sagt meine Freundin auch immer«, sagt der Hai.
»So langsam verstehe ich«, sagt die, sagt die Fee, »so langsam verstehe ich, warum Sie mit Mirella, der Märchenfee zusammen sind.«
Antonella spuckt das Stückchen Käsekugel aus. »Pfdä-pptt-pfft-pptft«, sagt Antonella. »[Unverständlich, hustet … ’rella?!] »Wie bitte?«, sagt die Kundenmaus. »Dieser Grobian ist mit Mirella, der Märchenfee zusammen?«
[Galant, höflich] »Nennen Sie mich keinen Grobian«, sagt der Hai, gleitet zu Antonella und streicht ihr sanft mit einer Flosse über die Wange.
Antonella ist völlig verwirrt. »Was reden Sie überhaupt? Kann ich jetzt endlich ’n Cappuccino bekommen?«
Die Fee fliegt herüber und bringt ihr einen Cappuccino.
»Also«, sagt Antonella und nimmt einen ersten Schluck aus dem Cappuccino. »Hatten Sie nicht gerade was von Zelten erzählt?«
»Wie bitte?«, sagt der Hai und tänzelt immer noch vor sich hin. »Hatte ich was erzählt?«
»Na, Sie sagten gerade – völlig irritierenderweise – wir sollten zusammen zelten gehen.«
»Ja?«, sagt der Hai. »Oh, da hab’ ich mich wohl geirrt.«
»Sie haben sich geirrt?«, sagt Antonella.
»Ja, da hab’ ich mich wohl geirrt«, sagt der Hai.
»Also«, sagt die kleine … sagt die Wunschfee. »Ihre Käselaibe sind jetzt da und Ihr Jutebeutel auch. Sie können nun alles mitnehmen, äh, und wie Sie wollten, können Sie’s auf’m Rücken tragen.«
»Wie bitte?«, sagt der Hai. »Welche Käselaibe?«
»Na, die Käselaibe«, sagt die Maus, »die Sie gerade mit Ihrer Karte hier bezahlt haben. Sie wollten 18 Käselaibe haben … von dem guten Ziegenkäse mit Rosmarin und Oregano.«
»Ach ja?«, sagt der Hai. »Ja, dann nehme ich die«, sagt der Hai.
»Aber die haben Sie doch gerade bestellt«, sagt die Maus.
»Ja, äh«, sagt der Hai. »Naja, ich muss, äh, auch zurück nach Hause, äh, zu meiner Frau Anna.«
Alle gucken den Hai an.
»Momentchen mal«, sagt Antonella. »Sagten Sie nicht, Sie sind mit Mirella, der Fee zusammen?«
»Ach ja, sagte ich das?«, sagt der Hai.
»Ja, das sagten Sie«, sagen alle drei zusammen. »Und wir waren schon ganz erstaunt.«
»Ach so«, sagt der Hai. »Naja, auf jeden Fall heißt meine Frau Anna.«
»Um Himmels willen«, sagt die Fee. »Dieser Hai ist völlig verrückt geworden.«
»Also auf jeden Fall bin ich mit Anna schon lange nicht mehr zusammen«, sagt der Hai, »sondern mit Mirella, der Märchenfee.«
»Um Himmels willen«, sagt die Fee, legt sich wieder auf die Käsetheke und schnappt nach Luft. Dabei pustet sie eine der Käsekugeln in die Luft und liegt dabei auf dem Rücken.
»Wie machst du das?«, sagt die Maus.
[Außer Atem, abwesend] »Wie mache ich was?«, sagt die Fee. [Energisch] »Pfffffffttt, pfffffffttt, pfffffffttt.«
»Du pustest eine Käsekugel in die Luft«, sagt die Maus.
»Mache ich das?«, sagt die Fee und starrt an die Decke.
Antonella hüpft kurz zur Käsetheke, schnappt sich die herumfliegende Käsekugel, steckt sie in den Mund und isst sie auf.
[Mit vollem Mund] »Nee, machst du nicht mehr«, sagt Antonella schmatzend.
»So, Herr Kubicki, war schön, Sie kennengelernt zu haben.«
»Ebenso«, sagt Herr Kubicki. »Und vielen Dank, äh, für den ganzen Blauschimmelkäse mit Pfeffer.«
Die beiden Mäuse und die Fee gucken sich irritiert an.
»Äh, bitte schön!«, ruft Antonella schnell. »Bitte schön, Herr Kubicki, und kommen Sie bald wieder, kaufen Sie bald wieder bei uns ein … Und, äh, wunderbar, schöne Grüße an Ihre Frau, äh, Mirella …«
»Richte ich aus«, sagt Herr Kubicki und gleitet aus dem Raum heraus.
»Huiuiui«, sagt die Käsemaus. »Was war denn das für’n Kunde?«
»Wie meinen?«, sagt der Hai und steckt den Kopf nochmal durch die Tür.
»Äh, nichts«, sagt die Maus. »Ich sagte nur … was für eine illustre Runde.«
»Illustre Runde?«
»Ja, was für eine schöne Runde, wollte ich damit sagen.«
»Ach so«, sagt der Hai. »Dann bis die Tage, machen Sie’s gut!«
»Machen Sie’s gut!«, rufen die Maus, die Maus und die Fee.
»So«, sagt die Käsemaus zu Antonella. »Und jetzt nochmal langsam. Woher kennen wir uns?«
»Wir?«, sagt Antonella, »wir ham’ uns auf dem Marktplatz getroffen, als wir beide beim Porree-Stand waren … also ich meine, beim Gemüsestand, und dort Porree kaufen wollten. Und dann kamen wir irgendwie auf das Thema Kaffee. Und haben uns darüber unterhalten, dass wir ja mal einen Cappuccino zusammen trinken gehen könnten. Und dann sind wir zum Gasthaus bei Sabine gegangen. Und haben dort im Straßencafé gemeinsam einen Cappucci…«
[Aha-Effekt] »Ach ja«, sagt die Käsemaus. »Jetzt erinnere ich mich. Du bist die kleine Maus, die immer in den Kletterverein geht.«
»Ganz genau so ist es«, sagt Antonella. »Nun gut, aber ich muss auch wieder los. Hab’ noch eine Verabredung«, sagt Antonella. »Es war schön, mal hier gewesen zu sein. Vielleicht komm’ ich nochmal wieder.«
»Gut, gut«, ruft die Käsemaus. »Dann bis die Tage.«
»Bis die Tage«, ruft die Fee, die noch immer auf der gläsernen Käsetheke liegt und nach Luft schnappt. »Bis die Tage.«
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#5 Die Weihnachtsmaus
Der galaktische Käseladen mit der kleinen galaktischen Käsemaus.
Rrrrumms! Rrrrumms! Ring, ring, ring, rumms! Ring, ring, ring, rumms!
»Rrrrumms!«, sagt die Maus.
Rrrrumms!
Die Maus öffnet ein Auge.
Rrumms!
»Hä, wer bist denn du?«
Rrrrumms!
Ein kleines Blechauto, ein großes Blechspielzeugauto, rumst immer wieder gegen ihr Bett, aber es ist keiner weit und breit zu sehen. Das Auto setzt zurück und fährt wieder gegen ihr Bett.
Rrrrumms!
»Was soll das?«, sagt die Maus, »was soll dieser Quatsch? He, du Auto!«
Mit aller Kraft hebt sie das Auto hoch, das viel zu groß für sie ist, und dreht es auf den Rücken, sodass das Auto nicht mehr weiterfahren kann.
»Höhöhöhö«, macht die Maus.
Das Auto macht Rrrrumms! Die Räder drehen durch. Rrrrumms!
»Was ist denn da los?«, hört die Maus von hinter der Ecke aus dem Flur.
»Wusste ich's doch«, sagt die Maus. »Komm raus, Fee, du bist umzingelt!«
»Bitte wie?«, sagt die Fee.
»Du bist umzingelt!«, schreit die Maus. »Von einer Mäusearmee!«
»Was?«, sagt die Fee. »Was für eine Mäusefee?«
»Keine Mäusefee. Eine Mäusearmee!«
»Ade? Tschüss.«
»Nicht ade. Komm einfach raus, Fee, das kann doch wohl nicht wahr sein.«
»Von Mäuseschnee?«
»Nein, es gibt keinen Mäuseschnee! Ich sagte: eine Mäusearmee!«, sagt die Maus, so böse sie kann.
»Uiuiui«, sagt die Fee. »Ich komm lieber raus. Sonst werd ich noch mit Sand beworfen.«
»Ganz genau so ist es«, sagt die Maus. »Was fällt dir eigentlich ein, mich jeden Morgen zu wecken?«
»Na ja«, sagt die Fee. »Du musst ja schließlich auch jeden Morgen aufstehen, nicht wahr?«
»Ja, aber ich stell mir doch immer einen Wecker und ich wach doch immer auf.«
»Meistens aber nicht vom Wecker«, sagt die Fee.
»Ja, weil du mich immer früher weckst!«
»Ganz genau«, sagt die Fee und grinst. »Aber dafür hab ich schon Kaffee gekocht.«
Die Maus mustert die Fee. »Du hast Kaffee gekocht? Hast du eine Kanne oder zwei Kannen Kaffee gekocht?«
»Äh«, sagt die Fee. »Eine, selbstverständlich.«
»Und was für Kaffee ist in dieser einen Kanne drin?«
»Äh«, sagt die Fee. »Nun ja«, sagt die Fee. »Nun hör mir mal gut zu.«
»Ich hör dir gut zu«, sagt die Maus.
»Es ist ja so, du weißt ja, dass ich ungern Dinge wegschmeiße.«
Die Maus verdreht die Augen. »Oh nein.«
»Und deswegen habe ich die Blumenerde aus dem Garten noch unter den Kaffee gemischt. Ich hoffe, das ist okay für dich.«
»Du hast was gemacht?«, sagt die Maus. »Blumenerde in unseren Kaffee gemischt?«
»Nein, Quatsch«, sagt die Fee. »So ein Unsinn würde ja selbst ich nicht machen. Ich hab die beiden Kaffeesorten zusammengemischt. Ich kann die doch nicht einfach wegwerfen.«
»Oh nein«, sagt die Maus. »Na gut, dann gehen wir mal zum Frühstück.«
Die beiden frühstücken in Ruhe. Und die Maus tunkt ein Croissant in ihren Kaffee rein und isst dann das nasse Croissant.
»M-m-m-m«, sagt die Maus. »Lecker.«
Die Fee isst genüsslich ein Käsebrot. »Käsebrot«, sagt die Fee. »Sowas Leckeres.«
»Bäh«, sagt die Maus. »Besonders lecker. Wie spät ist denn das überhaupt?«, sagt die Maus.
»7:40 Uhr«, sagt die Fee.
»Oh nein«, sagt die Maus. »Zeit zum Losfliegen. Auf geht's.«
Die beiden räumen den Frühstückstisch ab und fliegen los auf ihren fliegenden Skateboards. Sie fliegen über den Wald, sie fliegen durch die Stadt, und schließlich kommen sie beim Käseladen an.
»Zehn vor 8, alles klar«, ruft die Maus. »Heute sind wir ausnahmsweise mal pünktlich.«
Die Maus holt den Schlüssel aus der Tasche. »Oh«, sagt die Maus. »Ich glaube, ich habe einen falschen Schlüssel dabei.«
»Ach, du Übel«, sagt die Fee. »Tja, dann muss wohl einer von uns nochmal zurückfliegen«, sagt die Fee und deutet mit ihrem kleinen Finger auf die Maus.
»Nix da«, sagt die Maus. »Wozu habe ich eine Wunschfee dabei?«
»Ich weiß nicht«, sagt die Wunschfee. »Wozu hast du eine dabei?«
»Na komm schon, zauber das Schloss auf.«
»Ich soll was?«, sagt die Fee.
»Na komm schon, zauber das Schloss auf. Das kannst du doch«, sagt die Maus.
»Aber das ist gegen den Feenkodex!«
»Gegen was?«
»Den Feenkodex.«
»Was zur Hölle ist denn ein Feenkodex?«
»Naja, so ein Ehrenkodex, an den sich alle Feen halten. Da darf man nur Kinderwünsche erfüllen und solche Sachen. Und nur Sachen, die gut sind für die Menschheit und solche Sachen. Andere Wünsche dürfen wir gar nicht erfüllen.«
»Und was ist, wenn ihr jemandem Wünsche freigebt?«
»Ja«, sagt die Fee. »Das ist so ein kleiner Fehler im Feensystem.«
»Du hast kürzlich unendlich viele Wünsche an einen Jungen freigegeben!«
»Ja«, sagt die Fee. »Ich weiß, das ist noch so ein Fehler im Feensystem.«
»Eieiei«, sagt die Maus. »Aber wenn es doch schon so viele Fehler gibt, wer würde sich denn dann über eine geöffnete Käseladentür beschweren? Außerdem ist doch der Käseladen gut für die Menschheit, oder nicht?«
»Eieiei«, sagt die Fee. »Naja, wie viele Menschen hatten wir in den letzten Wochen als Kunden? Drei? Sonst waren ja nur Tiere bei uns.«
»Na, dann ist der Käseladen halt gut für die Tierwelt. Das ist doch auch was«, sagt die Maus. »Nun komm schon, ich will nicht extra zurückfliegen wegen dieses kleinen Schlüssels.«
Die Maus tritt verärgert gegen die Tür.
»Gut, gut, ist ja schon gut«, sagt die Fee.
Die Maus tritt nochmal gegen die Tür. Die Tür beginnt bedenklich zu wackeln.
»Ich glaube, wenn ich nochmal gegentrete …«, sagt die Maus.
»Ist ja gut, ist ja gut«, sagt die Fee.
Die Maus nimmt Anlauf und rennt auf die Tür zu.
»Hokus, Pokus, Fidibus. Ich spring auf mein Ross und auf springt dieses Schloss. Hex, hex«, sagt die Fee. »Oder sowas.«
Die Maus rennt mit voller Wucht gegen die aufspringende Tür und fliegt in den Käseladen rein. Sie poltert auf den Boden.
»Eieiei«, sagt die Maus. »Autschi, bautschi.«
Die Maus purzelt einmal quer durch den Laden und gegen den Cappuccino-Tisch.
»Au«, sagt die Maus. »Au, au, au. Was fällt dir ein, die Tür aufzumachen?«
»Gerade wolltest du noch, dass ich die Tür aufmache«, sagt die Fee.
»Ja, aber doch nicht so schnell!«
»Du wolltest das schnell«, sagt die Fee.
»Nein, das habe ich nicht gesagt«, sagt die Maus. »Auf jeden Fall ist sie jetzt offen. Nun freu dich doch. Ja, danke«, sagt die Maus. »Nun hilf mir schon, den Laden aufzubauen.«
In dem Moment stolziert ein Kater in den Käseladen rein.
»Au, au, au«, kreischt die Fee. »Ein Kater!«
»Bitte was?«, sagt die Maus. »Au, au, au!«, kreischt die Maus. »Ein Kater, raus hier!«
Die beiden versuchen den Kater zu verscheuchen. Der schnüffelt neugierig in der Gegend herum. Es ist ein weiß-schwarz gescheckter kleiner Kater, der sehr jung ist.
»Wer bist denn du?«, sagt die Maus. »Wer bist denn du? Raus hier!«
»Mein Name ist Gustavsson«, sagt Gustavsson.
»Hallo Gusti«, sagt die Fee.
»Mein Name ist nicht Gusti«, sagt Gustavsson. »Mein Name ist Gustavsson.«
»Hallo Gusti«, wiederholt die Fee.
»Gustavsson ist mein Name.«
»Nun komm schon«, sagt die Maus zur Fee. »Sag einmal seinen vollständigen Namen, sonst wird er vielleicht böse.«
»Wie ist sein vollständiger Name?«, sagt die Fee. »Ich höre immer Gusti.«
»Oje«, sagt die Maus. »Hallo Gustavsson«, sagt die Maus mit Betonung. »Was können wir für dich tun, damit du diesen Laden schnellstmöglich wieder verlässt?«
Der Kater fletscht die Zähne. »Ihr sollt mich tun? Was kann ich für euch tun«, sagt der Kater.
Sagt die Maus: »Am besten gar nichts. Wonach bist du denn auf der Suche? Die nächsten Leckerlis für Katzen, die gibt's da hinten. Weit, weit, weit die Straße runter. Bis die Tage, tschüss.«
»Habt ihr hier auch veganen Käse?«, sagt Gusti.
»Äh«, sagt die Maus. »Wie, wie, was?«
»Veganen Käse«, sagt der Kater. »Ich bin kürzlich Veganer geworden. Und da dachte ich, in diesem Käseladen, das sieht ja hier recht modern aus, da werden sie ja wohl auch kuh- und tierfreien Käse haben.«
»Äh«, sagt die Maus.
»Na klar, haben wir sowas«, sagt die Fee. Unter dem Tisch macht sie ein paar hektische Handbewegungen. »Gehst du mit dem Herd? Gehst du mit dem Käse? Fahr ich mit der Bahn? Der Käse sei vegan.«
»Was faselst du da?«, sagt die Maus.
»Nix, nix. Ich meinte hex, hex. Hex, hex. Ich meinte nix, nix«, sagt die Fee und guckt prüfend unter den Tisch. Die Maus guckt auch unter den Tisch und sieht nichts.
»Na, auf jeden Fall«, sagt die Fee, »wir haben auf jeden Fall sowas da.«
Es macht viermal Fump unter dem Tisch, wo die Fee sitzt.
»Was machst du da?«, sagt die Maus.
»Ich trete gegen die Theke.«
»Du trittst gegen die Theke?«, sagt die Maus. »Nein, tu ich nicht. Aber was soll ich denn sagen? Du benutzt deine Zauberkräfte, um veganen Käse zu machen, den wir vorher gar nicht hatten?«
»Ja«, sagt die Fee.
»Warum denn das? Das ist doch gegen den Dings da. Wie heißt das Ding noch?«
»Gegen den Feen-Ehrenkodex«, sagt die Fee.
»Ja, aber du verstößt dagegen!«
»Nein«, sagt die Fee. »Das ist doch gut für die Menschheit, dachte ich.«
»Gut für die Menschheit? Was soll daran gut für die Menschheit sein? Mensch, ich verkaufe hier weniger Käse.«
»Du hast ja keine Ahnung«, sagt die Fee. »Du hast ja keine Ahnung. Und außerdem«, sagt die Fee, »ich nehm mir die Mais und ich brauch noch Preise.«
»Was faselst du da?«, sagt die Maus.
Unter dem Tisch macht es nochmal Flup, flup, flup, flup.
»So«, sagt die Fee, »was für veganer Käse darf's denn sein?«
»Ich hätt' gerne einen mit Mäusegeschmack«, sagt Gusti.
»Oh je, oh je, kleiner Feinschmecker, der Gusti, ein kleiner Gourmet, Gusti der Gourmet«, sagt die Maus. »Mit Mäusegeschmack also, sehr gerne.«
»Habe ich es mir doch gedacht«, sagt die Fee. »Also bitteschön, das wäre hier dieses Modell.« Die Fee rollt einen der Käselaibe, die unter dem Tisch entstanden sind, zu Gustavsson rüber. »Und natürlich«, sagt die Fee, »verzeihen Sie, wir sind heute nicht so schnell.«
»Kein Problem«, sagt Gusti, »ich habe Zeit und hier gibt es ja auch viele spannende Sachen zu sehen.« Gusti starrt die Maus an.
Sagt die Maus: »Viele spannende Sachen zu sehen, nicht wahr?«
»Sie haben aber einen hübschen Hals«, sagt Gusti zur Maus.
»Bitte?«, sagt die Maus. »Sie haben was?«
»Sie haben mich schon verstanden«, sagt Gusti.
»Ich hole mal schnell ein Messer«, sagt die Fee.
»Ach danke, ich brauche kein Messer«, sagt Gusti.
Sagt die Maus: »Ich hole trotzdem ein Messer«, sagt die Fee. »Maus, komm du doch einfach mal mit.«
Die beiden gehen kurz ins Käselager. »Du bleibst besser hier«, sagt die Fee zur Maus. »Hier bist du in Sicherheit.«
»Danke«, sagt die Maus.
»Gern geschehen.«
Die Fee kommt alleine wieder raus mit dem Messer in der Hand und schneidet ein Stück aus dem Käselaib raus. »Hier zum Probieren«, sagt sie. Sie schneidet drei Kugeln raus und wirft sie dem Kater ins Maul.
Sagt Gusti: »Schmeckt nach Maus in schmierig.«
Die Maus sitzt hinter der Holztür im Lager. »Veganer Käse mit Mäusegeschmack. Was soll das alles werden?«
»Gar nicht so übel«, sagt Gusti. »Haben Sie auch Käse mit Thunfischgeschmack?«
»Yes«, sagt die Fee. »Ich habe es mir gedacht.«
»Was haben Sie sich gedacht?«, sagt Gusti.
»Nichts, nichts habe ich mir gedacht.« Die Fee holt den zweiten Käselaib, der nach Thunfisch schmeckt. Auch dort schneidet sie drei Kügelchen raus und wirft sie Gusti zu.
Sagt Gusti: »Vorzüglich, das ist ja ganz vorzüglich.«
In dem Moment huscht eine kleine Maus durch die Tür.
»Hallöchen zusammen«, flötet sie. »Fröhliche Weihnachten!«
Gusti und die Fee drehen sich zur Maus um.
»Fröhliche Weihnachten«, sagt Gusti. »Haben Sie mal in den Kalender geguckt?«
»Ach so, ist nur so eine Gewohnheit«, sagt die Maus. »Guten Tag, wollte ich sagen.«
»Guten Tag«, sagt Gusti. »Weihnachten ist aber noch eine ganze Weile hin. Und Sie sehen mir ein bisschen aus wie ein kleines Weihnachtshäppchen.«
»Wie bitte?«, sagt die Maus. »Ich muss doch sehr bitten.«
Da deklamiert der Kater: »Da liegen Weihnachtshäppchen. Die sehen aber lecker aus.«
»Oh, das ist ja mein Text«, sagt die kleine Weihnachtsmaus. »Das ist doch mein Text. Woher kennen Sie das?«
»Ach«, sagt Gusti. »Keine Sorge. Ich hab mich mal gut in der Mäuseszene umgehört und da bin ich auch auf Sie gestoßen. Sie sind ja ein kleiner Star in der Szene.«
»Oh, dankeschön«, sagt die kleine Weihnachtsmaus. Und reckt ihren Rücken stolz durch. »Ein kleiner Star, das hört man aber gern.« Sie fährt sich durch die Haare. »Wie wunderbar.«
»Was darf's denn sein?«, sagt die Fee von hinter der Theke.
»Die Weihnachtsmaus ist da!«, sagt die Käsemaus.
»Du bleibst, wo du bist«, sagt die Fee. »Du bleibst lieber in der Kammer.«
»Wer war das?«, sagt die Weihnachtsmaus.
»Das war nur ein Gast, der hier kurz verweilt und sich hinter dieser Tür da wohler fühlt«, sagt die Fee.
»Ein Gast, der hier kurz verweilt und sich hinter dieser Tür wohler fühlt?«
Gusti stellt sich in den Raum und spricht laut: »Tripp, tripp, trapp aus ihrem Häuschen. Eine kleine …«
In dem Moment kommt die Käsemaus aus der Holztür heraus, stolziert und ruft: »Eine kleine, süße Maus!«
»Oh«, sagt die Weihnachtsmaus. »Das ist ja schon wieder mein Text.«
»Ganz genau«, sagt die Käsemaus und blickt die Weihnachtsmaus bewundernd an. »Oh, Sie glitzern ja sogar.« Die Käsemaus begutachtet das Fell von der Weihnachtsmaus.
»Ich glitzere?« Die Weihnachtsmaus guckt an sich herunter. »Tatsächlich, mein Fell glitzert immer noch ein bisschen. Ach, verzeihen Sie, ist eine Berufskrankheit.«
»Oh, Sie sind so wunderbar«, sagt die Käsemaus. »Was können wir für Sie tun?«
»Na, ich such Weihnachtskäse«, sagt die Maus. »Wer kann denn schon den ganzen Tag Plätzchen essen?«
»Ganz genau«, sagt Gusti und lehnt sich zur Weihnachtsmaus rüber.
»Du bleibst, wo du bist!«, die kleine Weihnachtsmaus haut Gusti auf die Nase. Gusti springt zurück. »Pfoten weg!«, ruft die Weihnachtsmaus. »Ich bin ein Star in der Mäuseszene, das haben Sie selbst gesagt!«
»Und ich hab' so einige Mäuse-Zähne«, sagt Gusti.
»Ich sag' 'ne Mäuse-Szene«, sagt die Maus. »Und wenn Sie mir noch einmal zu nahe kommen, dann schneide ich Ihnen Ihre Schnurrbarthaare ab!«
»Was?«, sagt Gusti. »Auf gar keinen Fall. Das ist strengstens verboten. Das darf man niemals machen.«
»Gute Idee«, ruft die Fee.
»Was ist eine gute Idee?«, sagt Gusti.
»Hier in diesem Haus«, sagt die Fee mit dem Messer in der Hand. »Hier in diesem Haus wird niemand verletzt und es schnurrt gar keine Maus.«
»Oh, das reimt sich«, sagt Gusti. »Schreiben Sie die Texte für die Weihnachtsmaus?«
»Leider nein«, sagt die Fee. »Aber würde ich gern.«
»Oh, danke, danke«, sagt die Weihnachtsmaus. »Zu gütig. Das ist ja alles ganz fantastisch. Und ich dachte schon, hier wären alle schon zu Bett gegangen.«
»Wie bitte?«, sagt Gusti.
»Ach, ist nur so eine Angewohnheit«, sagt die Maus. »Also wie steht's denn nun mit Weihnachtskäse?«
»Also eigentlich war erst der Kater dran«, sagt die Fee.
»Ich lass die Dame gerne vor«, sagt Gusti gönnerhaft.
»Die Dame«, sagt die Weihnachtsmaus und läuft rot an. »Die Dame, wie charmant.«
»Also Weihnachtskäse«, sagt die Käsemaus. »Das ist ja schon eine Weile her. Da muss ich erst mal gucken. Also hier haben wir Käse mit Trüffel. Das würde doch schon mal ein bisschen passen. Und hier haben wir Käse mit Koriander und hier haben wir noch Käse mit Zimt.«
»Uiuiuiuiuiuiui. Oh«, sagt die Weihnachtsmaus. »Das klingt ja tatsächlich weihnachtlich.«
»Ja«, sagt die Maus. »Und hier gibt es noch ein Experiment, aber das hat noch nie jemand probiert. Also nicht mal ich habe mich getraut«, sagt die Käsemaus.
»Oh«, sagt die Weihnachtsmaus. »Was denn?«
»Es ist Lebkuchenkäse«, sagt die Käsemaus. »Und den Gedanken fanden wir bisher alle so abscheulich.«
Die Fee rennt in das Lager und kann gar nicht schnell genug die Tür hinter sich zumachen.
Würg, macht die Fee.
»Alles okay mit dir, Fee?«, fragt die Maus.
»Ja, ich hoffe, das stimmt so«, sagt die Fee. Die Fee kommt wieder raus und wischt sich den Mund ab. »Ich musste nur … ich musste nur ein paar Wünsche für mich behalten.«
»Klingt nicht so, als hättest du viel für dich behalten«, sagt die Maus zur Fee.
»Nee, ich hab mich vielleicht ein kleines bisschen … Ach, vergessen wir das. Das können wir auch später noch klären. Hihihi.«
»Also Lebkuchenkäse, wo waren wir stehen geblieben?«
»Genau da«, sagt die Weihnachtsmaus. »Sie haben Lebkuchenkäse?«
»Ja«, sagt die Käsemaus. »Aber wie gesagt, ungekostet und der ist auch schon ein bisschen älter.«
»Älterer Käse«, sagt die Maus. »Das heißt, er ist besonders stark?«
»Ja, das kann man so sagen«, sagt die Käsemaus. »Möglicherweise ist es sogar der stärkste Käse des Saturns.«
»Uiuiui«, sagt die Weihnachtsmaus. »Her damit, ich möchte probieren. Der sieht aber lecker aus.«
Gusti guckt die Käsemaus an. »Haben Sie das gerade wirklich gesagt?«
»Ja, ja, ist so eine Angewohnheit«, sagt die Maus. »Na dann probieren Sie mal.«
Da probiert die kleine Maus. Die Käsemaus nimmt ein Messer und will in den Lebkuchenkäse reinstechen, doch das Messer dringt nicht in den Käselaib ein.
»Oh«, sagt die Käsemaus. »Ich komme da nicht mal rein mit einem Messer, so hart ist der Käse. Warte, ich hole einen Bohrer. Wir haben einen Bohrer hier«, sagt die Käsemaus.
»Na klar haben wir einen Bohrer hier«, sagt die Fee.
Die Fee geht ins Lager und kommt mit einem kleinen Handbohrer wieder raus. Die Käsemaus guckt sie ungläubig an. »Wo hast du denn den her?«
Sagt die Fee: »Dachte, aus dem Werkzeugkasten?«
»Der war nicht im Werkzeugkasten«, sagt die Maus.
»Ich habe ihn auf jeden Fall da gefunden«, sagt die Fee und beginnt, in den Lebkuchenkäse reinzubohren. Kleine Käsekrümel fallen hinter die Käsetheke, in die Käsetheke rein. Die Käsemaus fegt die Krümel zusammen und übergibt sie auf einer kleinen Porzellan-Untertasse an die Weihnachtsmaus.
»Hier, bitteschön zum Probieren«, sagt die Käsemaus, und die Weihnachtsmaus probiert.
»Kommt mir irgendwie alles bekannt vor«, sagt Gusti zu den beiden Mäusen. »Sagen Sie. Was haben Sie denn so morgen Vormittag vor? Sollen wir vielleicht mal so eine leckere Milch zusammen trinken gehen?«, sagt Gusti zu den beiden Mäusen.
Die Fee winkt sofort mit dem Finger durch den Raum.
Sagt die Käsemaus: »Ich muss morgen arbeiten.«
Sagt die Weihnachtsmaus: »Ich auch.«
Gusti guckt die Weihnachtsmaus an. »Morgen ist aber nicht Weihnachten.«
Sagt die Weihnachtsmaus: »Vorbereitungen, Sie wissen ja. Es muss alles noch eingekauft werden.«
»Das sind noch Monate bis Weihnachten«, sagt Gusti.
»Ja, Sie wissen ja. Da ist immer viel vorzubereiten. Ich kann morgen nicht«, sagt die Weihnachtsmaus mit Nachdruck.
»Na gut, na gut«, sagt Gusti. »War ja nur eine Idee. Dann trinke ich meine Milch halt alleine.«
Die Weihnachtsmaus probiert den Lebkuchenkäse.
»Fantastisch«, sagt sie. Sagt die Weihnachtsmaus: »Das ist ja der beste Käse, den ich je gegessen habe.«
»Oh«, sagt die Käsemaus. »Na, das ist aber auch gut.«
Die Fee guckt irritiert durch den Raum. »Wann haben wir diesen Käse noch mal gemacht?«, sagt sie zur Maus.
»Keine Ahnung«, sagt die Maus. »Muss schon ein paar Jahre her sein.«
»Ein paar Jahre«, sagt die Fee. »Ich hoffe, wir vergiften das kleine Mäuschen nicht.«
Und die Weihnachtsmaus beginnt zu husten.
»Oh nein«, sagt die Fee. »Ich glaube, wir haben sie vergiftet.«
»Wir haben was?«, sagt Gusti. »Sie meinen, die Maus hier stirbt? Dann muss sie wohl schnell verspeist werden.«
»Um Himmels willen, nein!«, kreischen beide Mäuse.
»Mir geht's schon wieder gut«, sagt die Weihnachtsmaus. »Äh, äh, kam nur ein bisschen Staub in meinen Mund rein.«
»Na gut, wunderbar. So, äh, Herr Gusti, wie steht es denn nun mit Ihrem Käse?«
»Ja«, sagt Gusti. »Also, diese zwei Sorten sind ja ganz fantastisch. Davon hätte ich auf jeden Fall gern zwei Laibe. Und sagen Sie, wie viel veganen Käse haben Sie denn noch im Haus?«
»Naja, zwei Sorten hätte ich noch«, sagt die Fee. »Aber da bin ich mir nicht ganz so sicher, ob Sie die vielleicht auch mögen. Die sind eher etwas experimentell.«
»Experimentell?«, sagt Gusti. »Na, warum nicht? Lassen Sie mal hören. Was haben Sie denn für Sorten?«
»Also, Sie haben ja schon probiert, den Käse mit Mäusegeschmack.«
»Oh ja«, sagt der Kater.
»Und Sie haben schon probiert, den Käse mit Thunfischgeschmack.«
»Fantastisch«, sagt der Kater.
»Und nun habe ich noch einen Käse mit Aubergine-Geschmack und einen Basilikum-Käse.«
»Boah«, sagt der Kater. »Pfui bäh. Ich denke, Sie sind Veganer geworden?«
»Ach ja«, sagt der Kater. »Vielleicht probiere ich die auch mal.«
»Na dann, probieren Sie mal. Hier ist der mit Aubergine.«
Gusti kriegt wieder drei Kugeln in seinen Mund und probiert sie. »Hm«, sagt er. »Hm, hm, hm. Auch ganz lecker. Hm, ich glaube, ich nehme auch einen davon.«
»Und jetzt der mit Basilikum. Ich habe noch etwas Chili reingetan«, sagt die Fee.
»Chili?«, sagt die Käsemaus. »Um Himmels Willen.«
»Chili?«, sagt Gusti. »Was ist denn Chili?«
»Ach«, sagt die Weihnachtsmaus. »Auf jeden Fall was, was man nicht so sehr zu Weihnachten essen würde.«
»Hm, hm«, sagt Gusti. »Geben Sie mal her.«
Die Fee schneidet drei Kugeln ab und wirft sie Gusti zu. Gusti schnappt die Kugeln mit dem Maul, schließt sein Maul, spürt die Schärfe im Mund und läuft rot an. Ihm kommt Dampf aus den Ohren raus.
»Buh, buh, buh«, sagt Gusti. »Buh, buh, buh«, sagt Gusti. Er geht in die Knie und sein Kopf ist puterrot. Er macht Würg, aber er spuckt die Kugeln nicht aus.
Die kleine Weihnachtsmaus zieht Gusti am Schwanz. Macht Gusti Haps und schluckt die drei Chili-Kugeln runter.
»Bist du wahnsinnig?«, sagt Gusti zur Weihnachtsmaus. »Mach das nicht nochmal!«
»Jetzt sind wir quitt«, sagt die Weihnachtsmaus.
»Wir waren schon vorher quitt«, sagt Gusti.
»Waren wir nicht«, sagt die Weihnachtsmaus. »Sonst gibt es keine Geschenke zu Weihnachten.«
»Hmm«, sagt Gusti. »Okay, okay. Also«, sagt Gusti, »fantastisch.«
Die Fee und die Käsemaus gucken sich an. »Fantastisch?«
»Fantastisch«, wiederholt Gusti. »Ich hätte gern alle drei Käselaibe. Alle vier Käselaibe. Kann ich die hier in Katzenfutter zahlen?«
Die Maus guckt Gusti an. »Ob Sie hier in Katzenfutter zahlen können? Nee, können Sie nicht«, sagt die Käsemaus.
»Oh«, sagt Gusti. »Dann weiß ich gar nicht, wie ich Sie bezahlen soll.«
»Wie meinen Sie das?«, sagt die Käsemaus.
»Wie wäre es mit Goldstückchen«, sagt Gusti, »oder mit Kieselsteinen, oder wie steht's?«
»Äh«, sagt die Maus. »Nun ja, vielleicht machen wir da mal eine Ausnahme.«
Die Fee knufft die Käsemaus in die Seite. »Wir machen da keine Ausnahme!«
»Also auf jeden Fall, war nur ein Scherz«, sagt Gusti. »Ich zahle mit Karte.«
»Ich zahle mit Karte«, sagt die Maus erleichtert. »Wunderbar, das macht, das macht … 125 pro Käselaib.«
Die Fee knufft die Käsemaus stark in die Seite. »Nix da!«, ruft die Fee hinter der Theke. »Das ist veganer Käse, der wurde gerade extra hergezaubert. Der ist viel teurer als der normale.«
»Mh-hm«, sagt die Fee zur Käsemaus. »Wir nehmen den vierfachen Preis«, sagt die Fee.
»Den vierfachen Preis?«, sagt die Käsemaus. »Aber das macht ja 250, 500 Euro pro Käselaib. Das können wir nicht machen«, sagt die Maus zur Fee.
»Was reden Sie denn da?«, sagt Gusti.
»Nix, nix«, sagt die Fee. »Auf jeden Fall, alle vier Käselaibe, macht 2000 Euro«, sagt die Fee und bleibt wie angewurzelt stehen.
Alle gucken sich einen Moment lang an.
»Okay«, sagt Gusti. »Hier ist meine Karte, bitteschön.«
»2000 Euro«, sagt die Maus. »Oh Mann, ich will jetzt wühlen. Mh-hm, wir werden hier noch reich, wenn wir weiter so Käse verkaufen.«
»Das ist doch der Plan oder nicht?«, sagt die Fee zur Käsemaus.
Gusti holt seine Karte unterm Fell vor, zahlt die 2000 Euro, nimmt die vier Käselaibe und geht aus dem Laden.
»Puh«, sagen die Mäuse. »Puh, jetzt erstmal einen Cappuccino.«
»Mh-hm, Fee, würdest du uns einen Cappuccino machen?«
Die Fee flitzt los und macht für die beiden kleinen Mäuse einen Cappuccino.
»Mit extra Körnermilch drin?«, fragt die Fee.
»Mit extra Körnermilch drin«, sagen die beiden Mäuse und genießen ihr Getränk.
#6 Das Stunthörnchen
Die Maus öffnet ein Auge. Die Fee trägt eine Schutzbrille und ist völlig verstaubt. Im Boden vom Schlafzimmer der Maus ist ein Loch. Die Fee kommt mit einem Presslufthammer aus dem Loch rausgestiegen.
»Entschuldigung«, sagt die Fee.
»Was?«, sagt die Maus. »Was?«
»Ich habe einen Tunnel gegraben«, sagt die Fee.
»Was?«, sagt die Maus. »Von deinem Schlafzimmer direkt in die Küche?«
»Wie bitte?«, sagt die Maus.
»Du bist jetzt wach«, sagt die Fee.
»Oh, danke«, sagt die Maus. »Sehr rücksichtsvoll, mich mit einem Presslufthammer zu wecken.«
»Cooles Modell, oder?« Die Fee hält den Presslufthammer in beiden Händen. »Ich habe einen Tunnel gegraben, das sagtest du bereits.«
»Lass mich raten«, sagt die Maus.
»Ja?«, sagt die Fee.
»Du hast diesen Tunnel gegraben, um mich zu wecken.«
»Hm«, sagt die Fee. »Nein, das stimmt nicht.«
»Das stimmt sehr wohl«, sagt die Maus. »Du hast den Tunnel gegraben, um mich zu wecken.«
»Ich habe den Tunnel gegraben, damit du schneller zum Frühstück kommen kannst«, sagt die Fee. »Ich habe schon Kaffee gekocht, aus nur einer Kanne.«
»Oh«, sagt die Maus, »wie rücksichtsvoll von dir. Das ist aber lieb. Und zu Ehren meines kurzen Schlafes hast du diesen Presslufthammer angeschmissen und einen Tunnel gegraben. Von der Küche bis in mein Schlafzimmer.«
»Ja«, sagt die Fee, »das ist nett von mir, oder?«
»Ja, naja, ich weiß nicht«, sagt die Maus. »Ich weiß nicht, ob das nett von dir ist. Wie spät ist es überhaupt?«
»Nun ja«, sagt die Fee. »Es hat sich alles etwas verzögert.«
»Was meinst du mit verzögert?« Plötzlich sitzt die Maus im Bett und ist hellwach. »Was meinst du mit verzögert?«
»Es ist Viertel nach neun.«
»Was?«, sagt die Maus. »Was? Was?!«
Die Maus flitzt auf. »Mach Platz, mach Platz, weg da mit diesem verdammten Presslufthammer, ich muss in die Küche!«
Die Maus flitzt in die Küche, schnappt sich die beiden Kaffees. Einen in die linke Hand, einen in die rechte Hand, und trinkt die Kaffees runter.
»Vorsicht, die sind heiß!«, ruft die Fee.
»Au!«, ruft die Maus, »die sind so heiß! Schnell«, sagt die Maus. »Wir müssen heute schneller sein.«
Die Fee kommt schon an und bringt die beiden Skateboards, die fliegenden Skateboards.
»Quatsch«, sagt die Maus. »Ich sagte, wir müssen schneller sein.« Die Maus schaut auf die Uhr. »Es ist Viertel nach neun, neun Uhr fünfzehn. Wir nehmen heute den Düsenjet.«
»Was?«, sagt die Fee. »Was?«, sagt die Fee. »Wir haben gar keinen Düsenjet.«
»Ich wünsche mir einen Düsenjet!« Die Maus schubst die Fee so doll, dass sie auf den Popo fällt. Plumps.
»Ah«, sagt die Fee. »Das ist verboten.«
»Ich wünsche mir einen Düsenjet!«, wiederholt die Maus. »Ich wünsche mir verdammt nochmal …« Die Maus nimmt die Fee und schüttelt sie an den Schultern.
»Ja, ja«, sagt die Fee. Draußen im Garten erscheint ein Düsenjet.
»Na bitte«, sagt die Maus, »und Fliegerbrillen dazu.«
»Okay, okay«, sagt die Fee. Zwei Fliegerbrillen fallen aus dem Himmel in den Garten.
»Auf geht's«, sagt die Maus. »Du fliegst.«
»Ich kann nicht fliegen!«
»Ich wünsche mir, dass du fliegen kannst«, sagt die Maus.
»Ich kann nicht fliegen«, sagt die Fee.
»Ich wünsche mir verdammt nochmal …« Die Maus rennt in den Garten und schnappt sich beide Fliegerbrillen. Sie schnappt die Fee und setzt ihr eine Fliegerbrille auf. »Du fliegst!«, wiederholt die Maus.
»Ich kann nicht fliegen!«, sagt die Fee.
»Du kannst fliegen«, sagt die Maus. »Du setzt dich hier auf den Beifahrersitz. Das nennt sich Co-Piloten-Sitz in einem Düsenjet.«
»Und mir wird immer schlecht, wenn ein Flugzeug …«
Die Maus setzt sich ins Cockpit des Düsenjets und drückt alle Knöpfe hintereinander. »Ich glaube, das ist das Steuer«, sagt die Maus.
Der Jet beschleunigt extrem.
»Du musst hochziehen!«, sagt die Fee.
»Ich denke, du kannst nicht fliegen?«, sagt die Maus.
»Du musst den Jet hochziehen!«
Der Jet rast durch den Garten von der Maus und der Knoblauchfee.
»Was für eine Knoblauchfee? Die Wunschfee! Das sind meine Tomatenpflanzen!«, ruft die Fee.
»Das waren unsere Gurken«, sagt die Maus.
Sie brettern durch den Garten.
»Du musst hochziehen!«, sagt die Maus. Die Maus zieht am Steuerrad.
Und der Düsenjet rast in die Luft und reißt den Schornstein vom Haus.
»Herrjemine!«, ruft die Maus, als sie mit dem Düsenjet über das Haus rüberfliegen und über den Wald. Sie können sich kaum umgucken, da landen sie im Käseladen. Sie krachen mit der Spitze des Düsenjets in den Käseladen.
Nach der Landung, die mehr ein Unfall war, guckt die Maus auf die Uhr.
»Zehn vor acht.«
»Was?«, sagt die Fee.
»Zehn vor acht!«, ruft die Maus triumphierend. »Wir sind in der Zeit rückwärts geflogen.«
»Das geht nicht«, sagt die Fee. »Ich bin eine Wunschfee, ich weiß, was geht und was nicht geht.«
Die Maus nimmt ihre Uhr ab und knallt sie der Fee hin. »Hier, bitteschön.«
Die Fee guckt fassungslos auf die Uhr. »Zehn vor acht. Wie spät ist es? Wie spät ist es? Zehn vor acht.«
»Raus aus dem Jet. Räum verdammt nochmal die Käselaibe raus!«
»Sag mal«, sagt die Wunschfee. »Wer von uns beiden ist die Wunschfee? Wir können doch nicht in der Zeit zurückreisen. Das geht nicht, Maus. Es ist absolut unmöglich.«
»Du siehst doch, dass es möglich war. Ich mach meinen Käseladen pünktlich auf. Da kommt mir nichts dazwischen.«
»In Ordnung«, sagt die Fee. »Ich bin heute Morgen, weil ich mit einem Presslufthammer geweckt wurde und ein Tunnel von meinem Schlafzimmer in die Küche gegraben wurde …«
»Genau genommen«, sagt die Fee. »Genau genommen …«
»Was ist genau genommen?«
»Genau genommen wurde der Tunnel von der Küche in dein Schlafzimmer gebuddelt. So herum. Sonst wäre gar nicht so viel Staub in deinem Schlafzimmer. Und dann wärst du vielleicht nicht so gut aufgewacht«, sagt die Maus.
»Genau, aufgewacht. Willst du noch einen Cappuccino?«, fragt die Wunschfee.
»Ich hatte gerade zwei Kaffee, aber gern«, sagt die Maus.
»Ich hatte noch gar keinen«, sagt die Fee.
»Hast du davon, wenn du so langsam bist.«
»Ich bin nicht langsam«, sagt die Wunschfee. »Ich hab heute Morgen schon einen Tunnel von der Küche bis in …«
»Ich weiß«, sagt die Maus. »Aber du hast ihn zu langsam gebuddelt, sodass es Viertel nach Neun wurde.«
»Ja«, sagt die Fee. »Da kann immer mal was dazwischenkommen.«
»Auf geht's, Käselaibe aufrollen.«
Der Düsenjet hängt noch immer mit der Spitze in der Holztür vom Käseladen und versperrt den ganzen Weg. Als sie die Käselaibe in den Laden rollen und die Fee genüsslich die Cappuccino-Maschine anschmeißt, hören sie in der Ferne ein Tuckern.
»Hm«, sagt die Maus. »Ich glaube, es gibt heute noch Gewitter.«
»Vielleicht gibt es auch kein Gewitter«, sagt die Märchenfee. »Vielleicht ist auch das Wunschkind zurück und hat sich eine Kettensäge gewünscht.«
Die Maus guckt die Märchenfee fassungslos an. »Hat sich eine Kettensäge gewünscht? Du weißt schon, dass unser Laden gerade neu aufgebaut wurde?«, sagt die Maus, »oder?«
»Das weiß ich sehr wohl«, sagt die Märchenfee. »Beim letzten Mal ist ja hier ein Lastwagen reingefahren und hat den Laden geflutet. Ich weiß gar nicht mehr so genau, warum.«
»Ich glaube, es nähert sich ein Hubschrauber«, sagt die Maus. »Ich schaue mal nach draußen.«
Die Maus drängelt sich am Düsenjet vorbei und guckt nach draußen. In der Ferne sieht sie einen rotglänzenden Monstertruck auf sie zufahren. Der Monstertruck hat keinen Fahrer.
»Oh je«, sagt die Maus. »Was ist das? Fee, komm mal raus hier!«
Der Monstertruck steuert genau auf den Käseladen zu.
»Um Himmels willen«, sagt die Käsemaus. »Da ist kein Fahrer drin. Ich glaube, der Truck ist völlig außer Kontrolle!«
Der Truck macht eine scharfe Linkskurve, macht eine scharfe Rechtskurve und steuert wieder auf den Käseladen zu.
»Ah«, sagt die Fee.
Der Truck nähert sich dem Käseladen. In letzter Sekunde sehen die Maus und die Fee, während sie zur Seite springen, ein rotbraunes Fell aufblitzen, das aus dem Truck herausspringt. Und der Truck kracht in die Glasscheibe des Käseladens.
»Oh nein!«, ruft die Maus.
»Oh nein!«, ruft die Fee. »Das kann doch nicht wahr sein.«
Der Monstertruck bleibt in der Glasscheibe des Käseladens hängen, und die Scheibe ist schon wieder kaputt. Der Käseladen ist völlig verwüstet, aber diesmal ist die Einrichtung heil geblieben.
»Oh mein Gott«, sagt die Maus.
»Oh mein Gott«, sagt die Fee.
»Oh mein Gott«, sagt das Eichhörnchen. Und steckt sich einen kleinen Bleistift in den Mund. Es beginnt daran zu kauen.
»Was machst du da?«, sagt die Fee zum Eichhörnchen.
»Das beruhigt mich immer.«
»Das beruhigt mich immer«, sagt das Eichhörnchen.
»Das beruhigt dich?«
»Ja, ich bin ein Stunthörnchen. Und nach einem heißen Stunt, da kaue ich gerne mal auf einem Bleistift herum. Ich bereite mich gerade auf Filmarbeiten vor.«
»Filmarbeiten?«, sagt die Fee.
»Ja, der Regisseur ist ein Hai und außerdem wird mit Miranda, der Märchenfee, gedreht. Oder Mirella, ich weiß auch nicht. Mirella, die Märchenfee, es wird gedreht. Sie spielt die Hauptrolle. Es wird eine Verfilmung ihres Lebens.«
»Eine Verfilmung ihres Lebens? Und was hat der Monstertruck damit zu tun?«
»Da musst du die Raupe fragen«, sagt das Eichhörnchen.
»Was für eine Raupe?«, sagt die Märchenfee. »Bist du völlig wahnsinnig?«
Das Eichhörnchen deutet auf seine Schulter. Auf der Schulter sitzt eine kleine Raupe und guckt in die Runde.
»Morgen allerseits«, sagt die Raupe.
»Wie bitte? Wer spricht da?«, sagt die Käsemaus.
»Ich bin's, hier auf der Schulter.«
»Auf der Schulter des Eichhörnchens?«, sagt die Käsemaus.
»Sehr wohl.«
Die Käsemaus geht nah an das Eichhörnchen heran und betrachtet eine kleine Raupe, die ebenfalls an einem Bleistift kaut. Der Bleistift ist so klein, dass die Käsemaus den Bleistift kaum sehen kann.
»Das beruhigt mich immer«, sagt die Raupe.
»Was bist du für ein Viech?«, sagt die Maus.
»Ich bin eine Raupe. Eines Tages bin ich ein Schmetterling. Und du?«
»Äh«, sagt die Käsemaus.
»Und du?«, sagt sie provozierend zur Fee.
»Ich, äh, ich, äh«, sagt die Fee. »Ich kann schon fliegen, ich bin eine Märchenfee.«
»Und was wird aus dir?«, sagt die Raupe provozierend.
»Äh«, sagt die Märchenfee. »Ich bin eine Wunschfee.«
»Eine Wunschfee? Was denn noch?«
»Tja«, sagt die Raupe. »Ich werde eines Tages ein wunderschöner Schmetterling. Und du?«, sagt sie zur Maus.
»Ich«, sagt die Maus. »Ich, ich, ich bin, ich bin eine Maus. Ich bin eine Käsemaus. Ich, ich bin die galaktische Käsemaus, und ich mache den besten Käse des ganzen Saturns.«
»Du meinst, du verkaufst den besten Käse des ganzen Saturns.«
»Äh«, sagt die Maus. »Und was wird aus dir?«
»Was wird aus mir?«
»Ich, ich, ich weiß nicht«, sagt die Maus. »Wie meinst du das?«
»Das sagtest du bereits«, sagt die Maus.
»Aus mir wird ein wunderschöner Schmetterling«, sagt die kleine Raupe.
»In Ordnung«, sagt die Wunschfee. »Wer ersetzt uns jetzt unsere Scheibe?«
»Keine Ahnung«, sagt die Raupe. »Äh. Was für eine Scheibe überhaupt?«
»Die Glasscheibe in unserem Käseladen!«
»Was ist ein Käseladen?«, sagt die Raupe. »Ich habe gar keine Ahnung.«
»Ich habe sehr viel Ahnung«, sagt die Raupe. »Ich weiß, was Blätter sind. Grüne Blätter, gelbe Blätter. Ich kenne auch braune Blätter. Ich habe auch schon Wurzeln gesehen. Ich kenne alle Pflanzen. Also zumindest die zwei, die im Garten von Sabine stehen, wo ich aufgewachsen bin.«
»Und das meinst du«, sagt die Maus, »das meinst du, ist eine ganze Menge?«
»Für eine Raupe ist das schon eine ganze Menge. Das glaub mir mal, meine Liebe«, sagt die Raupe.
»Okay«, sagt die Maus, »aber damit weißt du noch überhaupt nicht viel. Pass mal auf«, sagt die Maus. »Ich zeige dir mal, was du alles nicht weißt.«
»Wie bitte?«, sagt das Eichhörnchen. »Ich fasse es ja wohl nicht. Ich bin ein Stunthörnchen.«
»Ja, ja«, sagt die Käsemaus. Die Käsemaus rennt in den Käseladen und holt ein großes Stück Käse, das sie in Windeseile aus einem Käselaib rausschneidet. Ein Käse, der gefüllt ist mit Pfeffer. »Hier«, sagt sie, »probier mal.« Sie gibt ein kleines Stückchen Käse an das Eichhörnchen. Und gleich noch etwas Größeres hinterher, als sie merkt, dass das Eichhörnchen es sofort in den Mund steckt.
Das Eichhörnchen steckt auch das zweite größere Stück Käse in den Mund. Und sofort bricht die Maus noch einen kleinen Krümel ab und gibt ihn dem Eichhörnchen.
»Hier, gib das mal der Raupe. Ich komme da nicht so richtig ran. Die ist ja viel zu klein für mich.«
Das Eichhörnchen nimmt das kleine Stückchen Käse und gibt es der Raupe. Beide essen den Käse.
»So, nun wollen wir ja mal sehen.« Die Maus beobachtet die Raupe sehr genau.
Aus der Raupe kommt Rauch raus. Hust, sagt die Raupe.
»Was ist mit dir?«, sagt das Eichhörnchen und kaut den Käse zu Ende. Hust, sagt das Eichhörnchen.
»Was ist los?«, sagt die Wunschfee, die ganz genau weiß, was los ist.
»Das ist scharf«, sagt das Eichhörnchen.
»Das ist scharf«, sagt die Käsemaus. »Das ist scharfer Käse, der ist richtig lecker, nicht wahr?«
»Ich weiß nicht«, sagt das Eichhörnchen. »Sowas habe ich noch nie gegessen. Ich esse sonst immer nur trockenes Brot. Und Eicheln esse ich auch.«
»Siehst du«, schwärmt die kleine Raupe. »Was war das?« Aus ihrer Seite, also die Raupe beginnt sich zu verpuppen. Plötzlich wächst ihr ein kleiner Extra-Körper über den Körper. Und aus der kleinen weißen Raupe wird eine dickere braune Raupe. »Kruhuhu«, sagt die Raupe. »Kruhuhu, das war der beste Käse … das war das Beste, was ich je gegessen habe. Dagegen kann man Sabines Blätter ja vergessen.«
»Vergiss Sabines Blätter«, sagt die Käsemaus. »Du bist hier im besten Käseladen des Saturns gelandet.«
»Streng genommen«, sagt die Raupe, kurz bevor sie in ihrem Kokon verschwindet. »Streng genommen bin ich noch nicht mal im Käseladen. Wir haben uns ja nur auf der Straße getroffen.«
Die Maus guckt auf ihren zertrümmerten Käseladen. »Stimmt.«
Die Raupe ist fertig verpuppt. Ein kleiner brauner Kokon liegt jetzt auf der Schulter des Eichhörnchens.
»So«, sagt das Eichhörnchen. »Ich glaube, die muss sich erstmal ausruhen.« Sie legt die verpuppte Raupe auf die Ladefläche ihres Monstertrucks. »Eigentlich«, sagt das Eichhörnchen, »bin ich nicht nur hier, um mich auf Filmarbeiten vorzubereiten. Sondern«, sagt das Eichhörnchen, »ich möchte auch Käse kaufen.«
»Ach wirklich?«, sagt die Käsemaus.
»Ach wirklich?«, sagt das Eichhörnchen. »Und zwar viel Käse. Sehen Sie diese Ladefläche?« Das Eichhörnchen deutet auf die Ladefläche des Monstertrucks.
Schluck, macht die Fee. Schluck, macht die Maus.
»In Ordnung, kommen Sie rein«, sagt die Maus. »Verzeihen Sie jetzt schon, dass die Rechnung etwas höher ausfallen wird. Denn Sie werden wohl verstehen, dass ich Ihnen die Glasscheibe auch noch in Rechnung stellen werde.«
»Selbstverständlich«, sagt das Eichhörnchen, »gar keine Ursache. Wir vom Film, wir kennen sowas. Das geht unter Spesen durch.«
»Geht unter Spesen durch?«, sagt die Maus. »Was zur Hölle sind denn Spesen? Meinen Sie Spätzle?«
»Nein, ich meine Spesen«, sagt das Eichhörnchen. »Spätzle, das sind doch so Nudeln. Spesen, ich meine, wenn man nur ein bisschen Geld bezahlt, das geht so. Spesen. Naja, Sie wissen schon, wenn man sich beim Bäcker mal ein Brötchen kauft, obwohl man eigentlich am Filmset ist. Spesen. Kennen Sie keine Spesen?«
»Ich kenne einen Besen«, sagt die Fee. »Manche Leute wünschen sich was mit einem Besen.«
»Was soll der Schabernack? Gesundheit. Was soll der Schabernack?«, sagt das Eichhörnchen und niest viermal.
»Gesundheit!«, ruft die Fee.
»Danke«, sagt das Eichhörnchen. »Hab mir wohl einen Schnupfen eingefangen am Filmset. Auf jeden Fall«, sagt die Fee, »was für Käse wollen Sie denn haben?«
»Ach«, sagt das Eichhörnchen, »ist mir völlig egal. Geben Sie mir irgendwas, was Sie noch auf Lager haben. Hauptsache, die Ladefläche wird voll. Ich habe heute eine große Käseparty versprochen.«
»Oh«, sagt die Maus. »Wissen Sie, was wir neu im Programm haben?«
»Nee«, sagt das Eichhörnchen. »Was haben Sie neu im Programm?«
»Veganen Käse. Sie vom Film. Sie sind doch bestimmt alle auf dem veganen Trip.«
»Wo sind wir?«, sagt das Eichhörnchen.
»Na, ich meine, Sie essen doch bestimmt alle keine Milchprodukte, kein Fleisch und so Zeug mehr. Sie essen doch bestimmt nur noch pflanzliche Produkte.«
»Mach ich sowieso«, sagt das Eichhörnchen. »Ich bin ein Eichhörnchen.«
»Ja«, sagt die Maus, »aber ich meine ja nur.«
»Packen Sie mir ein, was Sie meinen«, sagt das Eichhörnchen. »In Ordnung.«
»Wären Sie vielleicht so freundlich und würden Sie vielleicht Ihren riesigen Truck aus unserer Glasscheibe herausfahren, sodass wir Ihren Truck beladen können?«, sagt die Maus.
»Na klar, mach ich sofort«, sagt das Eichhörnchen und setzt den großen Wagen zurück.
Das Eichhörnchen steigt aus und stellt zwei Warndreiecke auf. Ein Warndreieck auf die eine Seite, ein Warndreieck auf die andere Seite. Die Fee und die Käsemaus beladen den großen Monstertruck mit Käse für die Filmleute.
»So«, sagt die Fee. »Das ist die Gelegenheit. Wir können endlich die ganzen alten Käse hier aus dem Lager aussortieren. Die ganzen Basilikum-Käse-Stückchen, die jahrelang keiner gekauft hat.«
»Na ja«, sagt die Maus, »nun übertreib mal nicht. Es waren ein paar Monate, der Käse ist umso besser geworden. Auf jeden Fall kann jetzt alles raus, was nie jemand haben wollte. Ist doch fantastisch. Und das Eichhörnchen ist auch noch zufrieden damit.«
»Weißt du was«, sagt da die Käsemaus. »Ich erinnere mich noch daran, neulich, da war doch mal so ein komischer Hamster hier oder so. Und der hat uns gebeten, dass wir einen Käse mit Weizen und Roggenkörnern drin machen. Damit er sich den über den Winter aufsparen kann. Also den tun wir auch auf jeden Fall noch dazu. Und weißt du noch, was dann passiert ist?«, sagt die Käsemaus zur Fee.
»Ja«, sagt die Fee. »Ich erinnere mich jetzt. Wir haben versehentlich drei der Käselaibe mit Eicheln gemacht, weil wir keine Weizenkörner und keine Roggenkörner mehr kriegen konnten. Da sind wir einfach auf die Straße gegangen oder durch den Wald und haben Eicheln gesammelt.«
»Das ist ja ein verrückter Zufall, den Käse wollte nie jemand haben!«
»Perfekt«, sagt die Maus. Sie schneidet ein großes Stück Käse, in dem Eicheln eingearbeitet sind, aus einem Käselaib raus und geht triumphierend zum Eichhörnchen.
»Hier, probieren Sie das mal«, sagt sie zum Eichhörnchen.
»Wie bitte?«, sagt das Eichhörnchen. »Probieren Sie mal diesen Käse? Ich bin ein Eichhörnchen, ich mag gar keinen Käse.«
»Eben haben Sie schon Pfefferkäse gegessen«, sagt die Käsemaus. »Probieren Sie diesen hier. Wissen Sie, was drin ist?«
Das Eichhörnchen mustert den Käse. »Das sieht aus … das sieht aus wie meine Lieblingsspeise«, sagt das Eichhörnchen.
»Es sind Eicheln!«, sagt die Maus triumphierend und mit viel Glanz in den Augen.
»Wo haben Sie den denn so schnell herbekommen?«, sagt das Eichhörnchen. »Haben Sie mit mir als Kundschaft gerechnet?«
»Ich kann hellsehen«, sagt die Maus.
»So ein Quatsch, kann sie nicht«, sagt die Märchenfee.
»Du bist ruhig da hinten«, sagt die Maus. »Das ist mein Geschäftsgeheimnis, dass ich hellsehen kann.«
»Sie kann nicht hellsehen«, sagt die Fee. »Wenn Sie Wünsche erfüllt haben möchten, müssen Sie zu mir kommen.«
»Und das bringt auch nicht viel«, sagt die Maus. »Die Fee erfüllt nämlich kaum Wünsche, außer man schüttelt sie ein bisschen.«
»Man schüttelt sie ein bisschen?«, sagt das Eichhörnchen.
»Strengstens verboten!«, ruft die Märchenfee. »Ich darf nicht geschüttelt werden. Außer wenn man in der Zeit zurückreisen muss.«
»Sind Sie beide geisteskrank?«, sagt das Eichhörnchen.
»Probieren Sie endlich den Käse«, sagt die Käsemaus.
Das Eichhörnchen nimmt einen großen Bissen von dem Käse mit den Eicheln drin. Es knuspert und es cremt zugleich im Mund des Eichhörnchens. Das Eichhörnchen sieht Regenbogen vor seinen eigenen Augen und kann sein eigenes Glück nicht fassen.
In dem Moment knackst es leise auf der Ladefläche des Monstertrucks, und die Raupe windet sich aus ihrem Kokon heraus. Ein wunderschöner Schmetterling mit roten und orangen und gelben und weißen Flügeln schält sich aus dem Kokon, breitet langsam seine Flügel aus und fliegt in den Abendhimmel.
Flatter, flatter, macht der Schmetterling.
»Ich hab's euch doch gesagt!«, ruft die Raupe von oben.
»Was hast du uns gesagt?«, sagt die Käsemaus.
»Dass ich ein wunderschöner Schmetterling werde!«
Der Schmetterling hat auf beiden seinen Flügeln kleine schwarze Punkte.
»Was ist das?«, sagt das Eichhörnchen und zeigt auf die kleinen schwarzen Punkte.
»Die Punkte«, sagt der Schmetterling, »das ist der Pfeffer aus dem Käse. Meine Güte, war der scharf. Der ist durch mein ganzes Raupensystem durchgegangen, und jetzt sind die Pfefferkörnchen in die Flügel eingewachsen.«
»Meine Güte«, sagt die Käsemaus, »was ist denn das für ein verrückter Tag.«
»Das ist der beste Käse«, sagt das Eichhörnchen, »den ich je gegessen habe. Wo kann ich bezahlen?«, sagt das Eichhörnchen, »und wie?«
Das Eichhörnchen holt aus dem Handschuhfach des Monstertrucks eine überdimensional große, goldene Kreditkarte heraus.
Schluck, macht die Fee. Schluck, macht die Maus. »Was ist denn das?«
»Was? Ich bin Stuntfrau, habe ich das noch nicht erzählt?«, sagt das Eichhörnchen.
»Doch, doch, das haben Sie, seit Sie hier sind, schon ungefähr 100 mal erzählt.«
»Stimmt gar nicht«, sagt das Eichhörnchen, »vielleicht 3 oder 4 mal.«
»Wie auch immer«, sagt die Fee, »Sie können hier bezahlen. Das macht 6.800 Euro inklusive Glasscheibe.«
»Uh«, sagt das Eichhörnchen. »Ich weiß nicht, ob das noch unter Spesen durchgeht. Ich glaube, ich muss kurz die Produktionsleitung anrufen.«
»Sie müssen die Glasscheibe bezahlen«, sagt die Maus.
»Ok, ok«, sagt das Eichhörnchen. »Trotzdem muss ich kurz die Produktionsleitung anrufen.«
Das Eichhörnchen holt aus dem Handschuhfach des Monstertrucks ein kleines Eichhörnchen-Handy raus. Das Handy sieht aus wie eine überdimensionale Eichel. Das Eichhörnchen klappt die überdimensionale Eichel auf und telefoniert mit der Produktionsleitung.
»Eine Glasscheibe?«, sagt die Produktionsleitung verärgert.
Schnatter, schnatter, schnatter, sagt das Eichhörnchen in einer komischen, unverständlichen Eichhörnchensprache.
»Sprechen Sie nicht unsere Sprache am Set?«, fragt die Maus dazwischen.
Schnatter, schnatter, macht das Eichhörnchen. »Also«, sagt das Eichhörnchen und drückt auf die überdimensionale Eichel. »Alles in Ordnung. Die Produktionsleitung war zwar etwas irritiert, aber die Glasscheibe wird ersetzt.«
»Was sagten Sie noch? 6.800 Euro«, sagt die Märchenfee. »Und wir müssen auch bald Feierabend machen. Oh ja, das Verladen hat ganz schön lange gedauert.«
»Vielen Dank«, sagt das Eichhörnchen. »Und ich fahre mal zurück. Möglicherweise begleitet mich auf dem Rückweg ein wunderschöner Schmetterling.«
Die Raupe dreht eine Runde und fliegt zurück. Und als der Monstertruck losfährt, fliegt sie so gut sie kann hinter dem schnellen Truck hinterher.
»Meine Güte«, sagt die Maus. »Jetzt müssen wir nur noch eine Glaserin finden.«
»Oder einen Glaser«, sagt die Märchenfee.
»Genau«, sagt die Maus, »die uns hier diese Glasscheibe repariert.«
»Oder der«, sagt die Märchenfee. »Also ich«, sagt die Märchenfee. »Ich trinke jetzt erstmal meinen Cappuccino, denn ich hatte heute noch gar keinen. Und ich verspreche dir, liebe Maus, morgen werde ich keinen Tunnel mit einem Presslufthammer in dein Schlafzimmer reinbohren.«
»Oh, das ist lieb«, sagt die Maus. »Heute haben wir aber auch eine Menge erlebt. Na gut, komm, wir machen den Laden zu. Der Umsatz war super heute. Bis die Tage.«
#7 Die Voodoomauspuppe
Z-flitsch, z-flatsch, z-flitsch, z-flatsch, z-flitsch!
Die Maus macht ein Auge auf.
Z-flatsch, z-flitsch!
»Aua«, sagt die Maus.
Z-flatsch!
»Aua«, sagt die Maus.
Z-flitsch!
»Aua«, sagt die Maus.
Z-flatsch!
Die Maus rutscht in ihrem Bett hin und her und stößt immer oben gegen das Bett und unten gegen das Bett. Das Bett ist klitschnass und die Maus ist mit Creme eingecremt, damit sie besser über das Bett rutscht.
Z-flitsch! »Argh!« Z-flatsch!
Niemand ist weit und breit zu sehen. »Was soll das?«, ruft die Maus.
»Was denn?«, sagt die Fee unten aus der Küche.
Z-flitsch!
»Aua!«
Z-flatsch!
Die Maus knallt mit den Füßen gegen das Bettende. »Was machst du da, verdammt nochmal?«, ruft die Maus.
»Es funktioniert, es funktioniert!«, triumphiert die Fee.
»Was funktioniert?«
»Das hier«, sagt die Fee.
Die Maus kriegt einen unangenehmen Knuff in den Bauch. »Uff!«, ruft die Maus. Niemand ist weit und breit zu sehen.
»Und das hier.« Plötzlich kitzelt es die Maus fürchterlich am Hals.
»Aua, aua, aua«, sagt die Maus. »Was machst du da?«
»Ich habe eine Voodoo-Puppe von dir gebaut«, sagt die Fee.
»Du hast was gemacht?«, sagt die Maus. »Was zur Hölle ist eine Voodoo-Puppe?«
»Du kennst keine Voodoo-Puppe?«, sagt die Fee und steckt ihren Kopf zur Tür rein. »Das ist eine Voodoo-Puppe.« Die Fee hält eine kleine Mäusepuppe aus Stroh in der Hand und tippt ihr unsanft gegen die Nase.
»Autsch«, sagt die Maus, die gar nicht berührt wurde, aber trotzdem spürt sie es an ihrer Nase.
»Und das hier.« Die Fee legt die Voodoo-Puppe in den Türeingang und schiebt sie testweise ein bisschen hin und her. Die Maus rutscht, ohne dass sie es möchte, auf dem Bett herum.
»Alles, was ich mit der Puppe mache, passiert auch mit dir«, sagt die Fee triumphierend.
»Bitte wie?«, sagt die Maus. »Wie hast du das gemacht?«
»Mit Magie und sehr viel Kaffee.«
»Wie bitte?«, sagt die Maus.
»Ich bin schon seit 3:30 Uhr wach und bastle an dieser Puppe.« Die Fee hält die Puppe hoch. Sie sieht fürchterlich aus. Es sind einfach ein paar zusammengebundene Strohhalme, und da drauf sind mit Knöpfen ein paar Augen geklebt. Die Puppe sieht ein minibisschen aus wie eine Maus, aber nicht wirklich. »Fantastisch, oder?«, sagt die Fee. »Ich wusste nicht, dass ich sowas kann.«
»Woher kennst du das?«, sagt die Maus.
»Ich habe da so ein Buch gelesen.« Die Fee holt ein Buch aus ihrem Feenkleid hervor. Das Buch ist dreimal so groß wie die ganze Fee.
Sagt die Maus: »Wo kam denn das jetzt her?«
»Aus meinem Feenkleid«, sagt die Fee. »Hast du doch gesehen.«
»Aber das passt doch gar nicht rein«, sagt die Maus.
»Ich habe dir schon Kaffee gekocht«, sagt die Fee.
»Aus einer Kanne oder aus zweien?«, sagt die Maus.
»Heute habe ich zwei Kannen nur für dich gekocht«, sagt die Fee.
»Das ist gelogen. Du hast gerade gesagt, du hast schon total viel getrunken heute Morgen.«
Sagt die Fee: »Ich weiß auch nicht mehr so ganz. Ich bin eigentlich so müde, dass ich nicht weiß, wo mir der Kopf steht.«
»Sag mal, Fee, warum baust du denn nicht eine Voodoo-Puppe von dir und legst die schlafen?«, sagt die Maus.
»Na, du bist mir eine. Du bist ein langer Lulatsch«, sagt die Fee. »Komm, wir gehen frühstücken.«
»Ich kann es nicht fassen«, sagt die Maus. »Die Fee hat eine Voodoo-Puppe von mir gebaut, und es funktioniert auch noch. Eine Voodoo-Puppe ist eine Puppe, die man baut, und dann macht man was mit der Puppe, und es passiert dann das mit der Person, die man danach gebaut hat. Aber das ist eine Geschichte, das gibt es gar nicht in Wirklichkeit! Das ist eine Geschichte, so eine Geschichte wie Findus und Pettersson, so eine Geschichte wie Vampire und so weiter. So eine Geschichte wie Roboter, die die Weltherrschaft an sich reißen wollen und so weiter. So eine Geschichte wie die Weihnachtsmaus, die aufsteht und so. Und so gibt es auch die Geschichte von einer Voodoo-Puppe.«
Die Maus und die Fee gehen runter und trinken ihre Cappuccinos.
»Sag mal«, sagt die Maus, »wie spät ist es überhaupt?«
»Keine Ahnung«, sagt die Fee. »Ich habe seit Ewigkeiten nicht auf die Uhr geguckt.«
»6:05 Uhr«, sagt die Maus und guckt auf die Uhr. »Ist ja noch viel zu früh, ich lege mich nochmal schlafen.«
»Das glaube ich nicht«, sagt die Fee und hält die Voodoo-Puppe hoch.
Die Maus sitzt plötzlich kerzengerade am Tisch.
»He!«, ruft die Maus, die umherbewegt wird wie eine Puppe.
»Heute spazieren wir zum Käseladen«, sagt die Fee.
»Was?«, sagt die Maus. »Ist doch viel zu weit.«
»Nicht, wenn ich dich bewege«, sagt die Fee und bewegt testweise die Beine der Voodoo-Puppe. Die Maus verschüttet ein bisschen von ihrem Kaffee.
»Warte, warte, warte! Wie wäre es, wenn du noch ein fliegendes Skateboard für die Puppe baust? Wie wäre es damit? Oder wir fliegen heute mit was anderem«, sagt die Maus.
»Wie wäre es denn damit?«, sagt die Fee.
»Von mir aus. Womit könnten wir denn fliegen?«, sagt die Maus.
Die Fee kramt in der Küche und holt ein paar alte Töpfe, zwei Gabeln und vier Messer aus dem Schrank. Dann holt sie etwas Klebeband und klebt alles notdürftig zusammen. Der Topf und die Gabeln und die vier Messer werden verklebt. Unten an den komischen Topf baut die Fee noch zwei Bratenwender ran, die beide nach vorne zeigen.
»Was zur Hölle ist das?«, sagt die Maus.
»Sieht man doch«, sagt die Fee. »Ist ein Hubschrauber.« Sie setzt die Voodoo-Puppe in den Hubschrauber. Die Maus setzt sich augenblicklich hin.
»Aber hier ist kein Hubschrauber«, sagt die Maus.
»Noch nicht.« Die Fee gibt den vier Messern, die als Propeller oben an den Topf ranmontiert sind, einen kräftigen Schwung. Die Messer drehen sich ein bisschen hin und her. Die Maus fliegt auf einmal im Zimmer herum. Von irgendwoher kommt ein Hubschraubergeräusch.
»Das kann doch alles nicht sein«, sagt die Maus.
»Komm schon«, sagt die Fee. »Ich steig mit ein.« Die Fee setzt sich in die Luft neben die Maus, und beide fliegen mit dem unsichtbaren Hubschrauber los.
»Das geht nicht«, sagt die Maus. »Das geht doch alles nicht.« Sie hält immer noch ihre Cappuccino-Tasse in der Hand, als sie aus dem Wohnzimmer herausfliegen. Versehentlich fliegen sie in die falsche Richtung und bemerken das erst nach einer Stunde. Und so kommen sie um Punkt 8 Uhr beim Käseladen an.
»Meine Güte«, sagt die Maus, als sie endlich wieder festen Boden unter den Füßen hat. »Was war das denn für eine komische Geschichte? Die ganzen Vögel haben uns angeguckt, als wären wir wahnsinnig geworden. Normalerweise fliegt man doch nur mit einem Fluggerät, und wir hatten gar kein Fluggerät.«
»Wir hatten sehr wohl ein Fluggerät«, sagt die Fee. »Das steht bei uns in der Küche. Es ist wunderbar.«
»Fee, ich weiß nicht, was ich davon halten soll«, sagt die Maus. »Dieser Hubschrauber, den hast du doch nur erfunden.«
»Dafür flog er ganz gut«, sagt die Fee.
»Ja, das stimmt«, sagt die Maus. »Dafür flog er ganz gut. Wo ist jetzt eigentlich die Voodoo-Puppe hin?«
»Die habe ich zu Hause in der Küche abgestellt, in ihren kleinen Käseladen, damit sie Käse verkaufen kann.«
»Ach, wirklich«, sagt die Maus.
»Ja, wirklich«, sagt die Fee. »Auf geht's, mach den Laden auf.«
»In Ordnung«, sagt die Maus.
Die beiden rollen die Käselaibe raus. Darunter ist auch ein neuer, roter Käse. Ein Käse, der nur mit roten Sachen gemacht ist. Käse mit Paprika, mit Tomate drin und mit allen anderen roten Sachen, die die Maus und die Fee so gefunden haben. Die Maus nimmt drei Käsekugeln in die Hand.
»Was machst du da?«, sagt die Fee.
»Bruno kommt«, sagt die Maus.
Da tappst der kleine Hund Bruno durch die Tür des Käseladens. »Guten Morgen«, sagt Bruno.
Die Maus wirft die drei Käsekugeln zu Bruno.
Haps, haps, haps, macht der und legt eine kleine Münze auf den Tisch.
»Vielen Dank«, ruft Bruno. »Gibt es noch was zu tragen? Ich bin auf dem Weg zum Bahnhof.«
»Momentan nicht«, sagt die Maus. »Hier ist alles ruhig soweit.«
»Gut, viel Spaß noch.« Bruno verlässt den Laden.
Sagt die Maus: »Komm, wir trinken noch eine Brause.« Die beiden schenken sich noch eine Brause ein. »Es ist ein ruhiger Tag heute, was?«
»Geht so«, sagt die Fee. »Also ich für meinen Teil habe schon eine ganze Menge gemacht.«
»Was machst du da am Kassensystem?«, sagt die Maus zur Fee.
»Ich?«, sagt die Fee. »Gar nichts.«
»Ich habe das doch gesehen. Du bist doch am Kassensystem zugange«, sagt die Maus.
»Ich? Ich habe einen Blog eröffnet.«
»Du hast was?«, sagt die Maus.
»Ich habe einen Blog eröffnet. Voodoo-Puppen basteln für Anfänger.«
»Was ist ein Blog?«, sagt die Maus.
»Das ist so eine Art Tagebuch im Internet, und da schreibe ich rein, was ich so den Tag über mache.«
»Und was schreibst du da so rein? Heute?«
»'Lieber Blog, heute habe ich eine Voodoo-Puppe gebastelt und habe meine Chefin damit unsanft aus dem Schlaf geweckt.'«
»Hä?«, sagt die Maus. »Aber ich bin doch gar nicht deine Chefin.«
»Ja, aber so klingt es dramatischer«, sagt die Fee.
»Du belügst das Internet!«, sagt die Maus.
»Oh, das ist ja was ganz Neues«, sagt die Fee. »Ich belüge das Internet. Im Internet stehen nur Lügen«, sagt die Fee.
»Das stimmt nicht«, sagt die Maus. »Da gibt es auch ganz vernünftige Sachen.«
»So ein Unfug«, sagt die Fee. »Wenn ich ins Internet gehe und da was reinschreibe, dann schreibe ich dort nur Unfug rein.«
»Aber Fee«, sagt die Maus. »Das kannst du doch nicht machen.«
»Kann ich sehr wohl. Ich schreibe gleich den nächsten Unfug.«
»Bitte? Was schreibst du denn da rein?«
»'Danach habe ich einen Hubschrauber gebaut, und er ist zum Mond geflogen, ohne dass ich es wollte, und dreimal rum. Und außerdem habe ich die Gabeln mit den Messern vertauscht, und das funktionierte trotzdem.'«
»Aber das stimmt doch alles gar nicht, liebe Fee. Du hast doch die Gabeln gar nicht mit den Messern vertauscht.«
»Aber das weiß doch niemand, der meinen Blog liest.«
»Ja, aber liebe Fee, vielleicht möchte diesen Hubschrauber hier jemand nachbauen.«
»Meinst du, jemand hat so magische Kräfte wie ich?«
»Wieso wie du?«, sagt die Maus. »Ich denke, es liegt an der Voodoo-Puppe und an dem Hubschrauber, den du gebaut hast.«
»Und an meinen magischen Kräften«, sagt die Fee.
»Ach, auf einmal gibt es wieder welche«, sagt die Maus. »Auf einmal gibt es wieder welche.«
»Aber davon erwähne ich natürlich nichts in meinem Blog.«
»Bitte? Warum das denn nicht?«, sagt die Maus.
»Na, damit die Leute sich noch mehr wundern.«
»Wundern worüber?«, sagt die Maus.
In dem Moment hören sie einen Hubschrauber näher kommen.
»Oje«, sagt die Fee. »Was ist denn jetzt passiert?«
»Wieso oje?«, sagt die Maus. »Da draußen fliegt ein Hubschrauber.«
»Den habe ich aber nicht gemacht«, sagt die Fee. »Den habe ich aber nicht gemacht. Oje, oje. Vielleicht ist die Voodoo-Puppe außer Rand und Band, außer Kontrolle geraten.«
»Kann schon sein«, sagt die Maus. »Und was passiert dann?«
»Weiß ich auch nicht«, sagt die Fee. »Ich schreibe mal weiter in meinem Blog. 'Dann ging ich mit meinem lila Regenschirm durch den Park, und es regnete in Strömen. Es regnete Katzen und Hunde.'«
»Was schreibst du da rein?«, sagt die Maus.
»Das ist nur so eine Redewendung, das ist keine Lüge.«
»Doch, das ist eine Lüge«, sagt die Maus. »Du hast gar keinen lila Regenschirm, du bist auch nicht durch einen Park gegangen.«
»'Schöne Grüße', schreibt die Märchenfee. 'Eure Märchenfee.' Oh, jemand schreibt einen Kommentar unter dem Blog. 'Bist du wirklich eine Märchenfee?' 'Nö', schreibt die Märchenfee darunter. 'Das war gelogen, alles andere stimmt.'«
»Oje, oje, oje«, sagt die Maus. »Fee, das kannst du doch nicht machen. Ich glaube, ich muss deinen Blog bei Gelegenheit löschen.«
»Kannst du nicht, du hast das Passwort nicht«, sagt die Fee.
»Ich glaube, dein Passwort ist 1-2-3-4.«
Die Fee läuft rot an. »Ist es nicht«, sagt die Fee.
»Fee«, sagt die Maus. »Soll ich mal versuchen, ob dein Passwort 1-2-3-4 lautet?«
»Nein, das wäre doch die blödeste Idee, dieses Passwort zu benutzen. Das benutzt doch kein Mensch mehr!«
Die Maus tippt auf die Tastatur. »1-2-3-4. Passwort erkannt.«
»Oh nein«, sagt die Fee, »ich bin enttarnt. Ich glaube, ich muss mein Passwort ändern.«
»Das musst du wohl«, sagt die Maus.
Plötzlich kommt ein völlig in Leder bekleidetes Tier in den Raum reingerannt. Es trägt einen Helm. Offenbar ist es gerade aus dem Hubschrauber ausgestiegen, der vor dem Käseladen gelandet ist. Das Tier ist ein Gorilla. Der Gorilla zieht sich den Lederanzug aus, der sein Fliegeranzug ist, und setzt sich den Flughelm ab.
»Hulala«, sagt die Maus. »Na, Sie sind ja ein imposantes Exemplar.«
»Na, Sie aber auch«, sagt der Gorilla.
»Sie haben ja eine ungewöhnliche Stimme«, sagt die Maus.
»Na, Sie aber auch«, sagt der Gorilla. »Wer sind Sie denn?«, sagt der Gorilla.
»Ich bin der lange Lulatsch«, sagt die Maus stolz.
Die Märchenfee guckt sich kurz um und mustert den Gorilla. »Sie sind wohl nicht von hier«, sagt die Wunschfee.
»Sie wohl auch nicht«, sagt der Gorilla.
»Von wo kommen Sie?«, sagt die Fee.
»Aus der Stadt zwei Städte weiter«, sagt der Gorilla.
»Was treibt Sie hierher?«
»Ich habe gehört, hier ist der beste Käseladen der Stadt«, sagt der Gorilla. »Und ich möchte gern mal sehen, ob ich für meine Frau einen besonderen Käse ergattern kann.«
»Einen besonderen Käse«, sagt die Maus. »Was findet denn Ihre Frau besonders gut?«
»Nun ja«, sagt der Gorilla. »Schauen Sie. Meine Frau ist ein Papagei, und ihre Lieblingsfarbe ist rot.«
»Oh«, sagt die Maus. »Wie günstig.«
»Bitte wie?«, sagt der Gorilla.
»Wie günstig. Eine Papageienfrau. Und leben Sie zusammen auf einem Baum oder leben Sie zusammen in einer Höhle, wenn ich fragen darf?«
»Was sollen denn da diese Fragen?«, sagt der Gorilla. »Wissen Sie was?«, sagt der Gorilla. »Heute Morgen ist mir was Verrücktes passiert. Ich habe ein bisschen im Internet gestöbert, und da habe ich so einen Blog entdeckt.«
»Oh nein«, sagt die Maus. Die Fee kriegt große Ohren.
»Wissen Sie, was da drin stand?«, sagt der Gorilla. »Da stand drin, dass man Voodoo-Puppen basteln kann und dass man damit alle Menschen, die man so kennt, beeinflussen kann.«
»Beeinflussen?«, sagt die Maus. »Wie meinen Sie das denn?«
»Nun ja«, sagt der Gorilla und holt eine kleine Strohpuppe aus seinem Fell hervor, die ein bisschen aussieht wie ein Papagei.
»Sie wollen Ihre Frau beeinflussen?«, sagt die Maus zum Gorilla.
»Nun ja«, sagt der Gorilla. »Warum denn nicht? Ich wollte ihr ein bisschen beim Fliegen helfen.« Der Gorilla bewegt die Flügel des Papageis.
Sagt die Maus: »Und Sie sind sich sicher, dass das nicht funktioniert?«
»Ach pff, völliger Quatsch«, sagt der Gorilla. »So ein Unfug. Ich habe nur den Spaß mitgemacht. Da gab es wohl irgendso einen Hype im Internet.«
»Was ist denn ein Hype?«, sagt die Maus. »Ich lerne heute so viele neue Worte.«
»Na ja, wenn die Leute was machen und dann machen auf einmal alle mit. Das nennt man einen Hype. Na ja, und diese coole Blogautorin, die nennt sich Märchenfee. Können Sie sich das vorstellen?«
»Märchenfee?«, sagt die Wunschfee. »Das ist aber ein schöner Name.«
»Ja«, sagt der Gorilla. »Und Sie? Sie sehen tatsächlich aus wie eine Märchenfee«, sagt der Gorilla. »Aber keine Sorge, sie hat in ihren Blog reingeschrieben, dass das nicht stimmt, dass sie eine Wunschfee ist.«
»Ach so«, sagt die Wunschfee. »Na, dann ist ja alles in Ordnung. Was stand denn noch in dem Blog so drin?«
»Äh, da stand drin«, sagt der Gorilla, »man solle sich auf jeden Fall eins der vielen Feenkleider aus eigener Fertigung kaufen. Für nur 550 Euro das Stück.«
»Wie bitte?«, sagt die Maus. »Was stand da drin?«
»Ja«, sagt der Gorilla. »Ich hätte mir ja sehr gern so ein Feenkleidchen bestellt. Aber das ist mir wahrscheinlich viel zu klein.«
»Irgendein Haken ist doch immer dran«, sagt die Fee.
»Und deswegen«, sagt der Gorilla, »habe ich 48 Stück für meine Frau bestellt, weil ich den Blog so lustig fand.«
»Sie haben was?«, sagt die Maus. »Aber sind Sie sicher, dass diese Kleider auch geliefert werden?«
»Ganz sicher«, flötet die Fee.
»Ich weiß nicht«, sagt der Gorilla. »Die Blogautorin, die wird doch wohl keine Kleider verkaufen, die nicht wirklich da sind.«
Die Maus dreht sich zur Fee um. »Die wird doch wohl keine Kleider verkaufen, die nicht wirklich da sind, liebe Fee?«
»Äh, äh, äh«, sagt die Fee und tapst von einem Fuß auf den anderen.
»Fee, du kommst jetzt mal mit in den Lagerraum. Entschuldigen Sie uns bitte«, sagt die Käsemaus zum Gorilla.
»Was ist denn plötzlich los?«, sagt der Gorilla. »Ich habe doch nur von dem Blog-Eintrag erzählt.«
Die Maus nimmt die Fee mit ins Lager und schließt die Tür. »Fee, du musst mir jetzt mal zuhören. Wenn du im Internet irgendwelchen Quatsch erzählst, ist das die eine Sache. Das ist schlimm genug. Aber wenn du dort Kleider verkaufst, die es gar nicht gibt …« In dem Moment fällt der Blick der Maus auf die Kleidersammlung, die sich im Käselager angesammelt hat. »Herrjemine!«
Im Regal liegen hunderte kleine Feenkleider.
»Und mit wem …«, sagt die Maus, »wo kommen die denn her?«
»Wir erweitern unser Geschäftsmodell«, sagt die Fee. »Wollte ich dir gerade sagen.«
»Wolltest du mir was?«, sagt die Maus.
»Wollte ich dir gerade sagen.«
»Und wie stellst du dir das vor? Wir sind doch gar nicht spezialisiert auf …«
»Jetzt sind wir spezialisiert«, sagt die Fee.
»Wann hast du diese ganzen Kleider genäht?«
»Hab ich nicht«, sagt die Fee. »Ich hab gar nichts gemacht.«
»Du hast gar nichts gemacht?«, sagt die Maus. »Und plötzlich sind hier hunderte von Kleidern?«
»Erinnerst du dich an die Hamster, die uns neulich die Flamingos aus Käse genagt haben?«
»Natürlich«, sagt die Maus. »Na klar.«
»Und stellt sich raus«, sagt die Fee, »nach einer kleinen Schulung konnten diese Hamster sogar nähen.«
»Du hast die Hamster hergeholt, damit sie hier in der Nacht nähen konnten?«
»Ganz genau«, sagt die Fee.
»Woher hast du den Schlüssel überhaupt?«, sagt die Maus zur Fee.
»Der Schlüssel«, sagt die Fee und wird rot. »Der hängt doch immer in deinem Zimmer, wenn du schläfst.«
»Du hast den Schlüssel genommen, als ich geschlafen habe? Das ist ja unerhört, Fee, das darfst du nicht. Du sagst doch immer, das ist *unser* Käseladen. Und wenn es was besonders Wichtiges gibt …«
»Ja, wenn es was besonders Wichtiges gibt, was den Käse betrifft, aber doch nicht die Feenkleidchen. Wie viele dieser Kleidchen hast du überhaupt schon verkauft?«, sagt die Maus.
»Da muss ich mal kurz nachgucken«, sagt die Fee und guckt auf das Kassensystem. Sie guckt durch das Schlüsselloch der Käsekammer auf das Kassensystem. »2028.«
»2028 Kleider?«, sagt die Maus. »Aber so viele sind hier ja gar nicht.«
»Noch nicht«, sagt die Fee.
»Um Himmels willen, wir machen ein Vermögen mit diesen Kleidern! Der Käse ist ja nur noch Makulatur.«
»Was ist denn eine Makulatur?«, sagt die Fee.
»Na, das solltest du aber wissen als gebildete Frau. Das bedeutet, wenn man sozusagen Kosmetik auf eine Situation draufschmiert.«
»Wenn man Kosmetik auf eine Situation draufschmiert?«
»Ja, wenn man nur so tut als ob, dann ist das eine Makulatur.«
»Aha«, sagt die Fee. »Also das wird mir jetzt zu kompliziert.«
»Ist dir bewusst, dass wir dort noch einen Kunden haben und dass du ihm eben den roten Käse versprochen hast?«
»Ja.«
»Und über die Kleider müssen wir später nochmal reden«, sagt die Maus. »Wie willst du die überhaupt versenden?«
»Ich verpacke sie in Käselaiben«, sagt die Fee.
»Du machst was?«, sagt die Maus. »Auf keinen Fall werden die Kleider in Käselaiben verpackt!«
»Wieso nicht?«, sagt die Fee. »Das wird doch eine prima Werbung für unseren Laden.«
»Darüber reden wir noch«, sagt die Maus. Die Maus rennt raus und sagt: »Verzeihen Sie bitte, Herr Gorilla.«
»Ja«, sagt der Gorilla. »Was ist denn los?«
»Ich musste kurz«, sagt die Maus, »ich musste kurz mit meiner Frau sprechen. Das kennen Sie sicherlich.«
Die Fee guckt die Maus an. »Wie bitte?«
»Das kennen Sie doch sicherlich.«
»Na klar«, sagt der Gorilla und guckt auf die Voodoo-Puppe in seiner Hand, die immer noch mit den Flügeln schlägt. Der Gorilla hat aus Langeweile die ganze Zeit die Flügel bewegt.
Plötzlich fliegt ein Papagei am Käseladen vorbei.
Der Gorilla guckt sich um. »Meine Frau!«, sagt er erschrocken.
»Na klar«, sagt die Fee.
»Wieso klar?«, sagt der Gorilla.
»Na, Sie haben doch die ganze Zeit die Voodoo-Puppe bewegt. Da ist der Papagei losgeflogen, und nun fliegt er hier am Fenster vorbei.«
»So ein Quatsch«, sagt der Gorilla. »Sie haben ja wohl einen Vogel.«
»Äh«, sagt die Fee, »genau genommen haben *Sie* den Vogel.«
»Bitte?«, sagt der Gorilla. »Bitte?«, sagt der Gorilla und blickt auf den Vogel in seiner Hand.
»Also«, sagt die Maus, »da kann ich dieses Mal nicht widersprechen.«
»Ich muss doch sehr bitten«, sagt der Gorilla.
»Was halten Sie denn nun von dem roten Käse?«, sagt die Maus.
»Was für ein roter Käse?«, sagt der Gorilla.
»Ach, das hatte ich noch gar nicht erwähnt«, sagt die Maus. »Schauen Sie mal, Ihre Frau, die mag doch alles, was besonders rot ist. Und nun ja, ich war da neulich auf so einem Käse-Workshop.«
»Was ist denn ein Käse-Workshop?«, sagt der Gorilla.
»Na ja, so wie Schule. Man lernt dort, Käse zu machen. Ein Workshop, ein Unterricht, bei dem man auch wirklich etwas macht. Das heißt Workshop. Und da war ich, und da haben wir gelernt, Käse zu machen.«
»Ich denke, Sie können schon Käse machen«, sagt der Gorilla. »Oder sind Sie in Wahrheit ein Klamottenladen?«
»Nee«, sagt die Maus und blickt unsicher zur Käsekammer. »Natürlich sind wir kein Klamottenladen.«
»Die einen sagen so, die anderen sagen so«, sagt die Märchenfee. »Ich sag, Sie sollten mal den Käse probieren.« Die Fee schneidet blitzschnell ein großes Stück Käse aus dem Käselaib und stopft das Stück dem Gorilla in den Mund.
»Und?«, sagt der Gorilla, »das kocht aber plötzlich.«
»Hier kocht so einiges plötzlich«, sagt die Käsefee.
»Fantastisch«, sagt der Gorilla. »Wie viele Laibe haben Sie davon?«
»Genau einen«, sagt die Käsemaus.
»Dann nehme ich den.«
»Und der ist angeschnitten«, ergänzt die Fee. »Kostet aber trotzdem den vollen Preis. Das Stück haben Sie ja schon gegessen.«
»Alles klar«, sagt der Gorilla. »Haupt ?????, ich kann schnell wieder nach Hause fliegen. Und wie kriege ich jetzt meine Frau zurück?«
»Na, sorgen Sie dafür, dass die Voodoo-Puppe in die andere Richtung fliegt.«
»Voodoo-Puppe?«, sagt der Gorilla, der immer noch auf dem roten Käse kaut. »Ich glaube, bei Ihnen hackt es ein bisschen. Vielleicht drückt Ihr Kleid, Sie brauchen wohl mal ein neues, damit Sie wieder anständig Luft …«
»Ich muss doch sehr bitten«, sagt die Märchenfee. »Ich bin elegant gekleidet.«
»Sind Sie«, sagt der Gorilla. »Und ich ja wohl auch.« Er streicht sich über sein zottiges Fell.
»Ja, ja«, sagt die Fee. »Gut.«
»Kann ich hier mit Karte zahlen?«, sagt der Gorilla.
»Na klar«, sagt die Maus. »War wohl ein ganz normaler Tag bisher. Ich mach mir noch einen Cappuccino.«
»Viel Spaß mit dem Hubschrauber«, sagt die Maus. »Nehmen Sie Ihre Frau mit, dann muss die nicht so weit zurückfliegen.«
»Bis die Tage.«
»Bis die Tage.«
»Bis die Tage«, sagt der Gorilla und verlässt den Laden.
#8 Checki Chackimani
Der galaktische Käseladen mit der galaktischen Käsemaus.
Die Maus schläft tief und fest. Die Maus hat einen eigenartigen Traum. Sie hat geträumt, dass ein Vogel sie verschluckt hat, ein riesiger Vogel, und dass sie jetzt mit dem Vogel herabfällt. Das träumt sie. Nein, sie träumt, dass sie aus dem Bauch des Vogels wieder herausgesprungen ist und jetzt durch die Wolken fällt. Sie fällt immer schneller.
Plötzlich gibt es einen Ruck, und die Maus fällt im Schlaf nach unten. Denkt die Maus im Schlaf. Denkt sie im Traum.
In der Ferne hört sie eine Stimme und ein lautes Rauschen. »Aufwachen! Aufwachen!«
Die Maus kriegt einen Schreck und wacht auf. Sie liegt nicht mehr in ihrem Bett, sie fällt vom Himmel, und die Fee fällt neben ihr runter.
»Aufwachen!«, schreit die Fee noch einmal. Sie ist ungefähr 20 Meter von der Maus weg. Das laute Zischen ist der Luftzug, der an den beiden vorbeizieht. Die beiden fallen herunter. Die Maus guckt nach oben und sieht ein Flugzeug über ihnen.
»Was?«, kreischt die Maus.
»Wir sind aus dem Flugzeug gesprungen!«, sagt die Fee.
»Was?«, kreischt die Maus. »Wir sind aus dem Flugzeug gesprungen?«
»Ich hab dich verstanden!«, schreit die Fee.
Die Maus reibt sich verschlafen die Augen.
»Da unten ist der Boden!«, ruft die Fee.
Die Maus guckt runter. »Ahhh!«, kreischt die Maus.
»Keine Sorge«, sagt die Fee, »ich komm zu dir rüber.« Die Fee macht ein paar komische Bewegungen in der Luft und gleitet dann ungeschickt zur Maus rüber. Sie stupst die Maus unsanft an. »Oh, Entschuldigung«, sagt die Fee, »man kann das nicht so gut kontrollieren in der Luft. Hier, du musst den Zipfel ziehen!« Die Fee fummelt am Rücken der Maus herum. »Du musst ziehen, sonst knallen wir auf den Boden!«
Die Fee deutet nach unten. Die Maus guckt nach unten.
»Ah!«, kreischt die Maus noch einmal, der Boden nähert sich bedrohlich.
»Zieh verdammt!«, ruft die Fee und reißt an der Reißleine des Fallschirms, den die Maus umhat. Dann reißt sie auch an ihrer eigenen Reißleine.
Es gibt einen kräftigen Ruck und es tut der Maus kräftig in den Schultern weh, als der Fallschirm aufgeht. Daneben macht es Flupp und auch der Fallschirm der Fee geht auf.
»Was zur Hölle?«, stöhnt die Maus, als der Fall sich endlich deutlich verlangsamt und sie vom Fallschirm getragen wird. »Was zur Hölle ist hier los?«
»Ich dachte mir«, sagt die Fee, »wir genießen unseren Morgenkaffee heute in hoher Luft.«
»Wir machen was?«, sagt die Maus. »Wir genießen unseren Morgenkaffee in der hohen Luft? Ich meine, hier oben? Du hast Kaffee dabei?«, sagt die Maus.
»Ah«, sagt die Fee und zieht unter ihrem Kleid eine riesige Kanne und zwei Tassen hervor. Als sie den Kaffee eingießt, fliegt der Kaffee nach oben weg. »Ui«, sagt die Fee, sie fallen immer noch viel zu schnell. Die Fee hält die Tasse nach oben, dreht sie um und schüttet dann nochmal den Kaffee rein. Diesmal hält der Kaffee. »Wenn wir weiter fallen, kannst du die Tasse einfach verkehrt rum halten oder du kriegst es schon irgendwie hin.«
Die Maus nimmt die Tasse, hält sie immer noch verkehrt rum und der Kaffee fällt nicht raus, er bleibt drin.
»Was wird das?«, sagt die Maus und nimmt einen kleinen Schluck vom Kaffee. »Hm«, sagt die Maus, »du hast ja den guten Kaffee aufgesetzt.«
»Na klar«, sagt die Fee, »für mein kleines Mäuschen nur das Beste.«
»Was für ein kleines Mäuschen?«, sagt die Maus.
»Äh, äh, äh, für den langen Lulatsch nur den besten langen Lulatsch«, sagt die Fee.
»Was für ein langer Lulatsch?«
»Na, die Kaffeespezialität«, sagt die Fee.
»Ach so«, sagt die Maus. »Sag mal, wie funktioniert das eigentlich mit so einer Fallschirmlandung?«, fragt die Maus, leert ihre Kaffeetasse und schmeißt die Tasse in die Luft. Die Tasse fliegt durch die Gegend und kommt einfach nirgends an. Auch die Fee trinkt ihren Kaffee aus.
»Nun ja«, sagt die Fee, »bis eben hatten wir eine Geschwindigkeit von rund 200 Stundenkilometern.«
»Was?«
»Und jetzt haben wir nur noch eine Geschwindigkeit von ungefähr 40 bis 50 Stundenkilometern.«
»Wie bitte?«, sagt die Maus. »Wir nähern uns mit 40 Stundenkilometern der Erde?«
»Ungefähr«, sagt die Fee. »Also wenn du dir nicht die Beine brechen möchtest, dann musst du ein gutes Landemanöver hinlegen.«
»Was?«, sagt die Maus. »Die Beine brechen?«
»Na klar«, sagt die Fee. »Ist dir das nicht klar, dass man in einem Fallschirm ganz schön das Risiko eingeht? Könnte ja auch sein, dass der Fallschirm jetzt abreißt.« Die Fee deutet auf den Fallschirm der Maus. »Auf jeden Fall, mach das mal so: Du fliegst eher nach vorne und dann läufst du ein bisschen. Na ja, du wirst es schon hinkriegen«, sagt die Fee.
»Ich hab keine Ahnung, wovon du sprichst«, sagt die Maus.
»Vielleicht haben wir auch Glück und landen im Wasser«, sagt die Fee.
»Glück?«
»Na ja«, sagt die Fee und deutet auf die Beine der Maus. »Beine brechen oder im Wasser landen, kannst du dir aussuchen.«
»Ich weiß nicht«, sagt die Maus, »was besser ist. Ich würde das Wasser aussuchen.«
Die Maus und die Fee pendeln mit ihren Fallschirmen über eine Wiesenlandschaft und einen Wald.
»Oje, oje«, sagt die Maus. »Was ist, wenn wir in einem Baum hängen bleiben und gar nicht am Boden ankommen, sondern 5 Meter über der Erde hängen bleiben?«
»Weiß ich auch nicht«, sagt die Fee. »Hab ich noch nicht drüber nachgedacht.«
»Was ist eigentlich passiert?«, sagt die Maus.
»Na ja«, sagt die Fee, »heute wollte ich dich mit was Besonderem wecken. Da hab ich uns einen Flug gebucht und wir sind während des Fluges aus dem Flugzeug gesprungen.«
»Um mich zu wecken?«, sagt die Maus.
»Genau genommen bin nur ich gesprungen«, sagt die Fee. »Du wurdest geschubst.«
»Ich wurde geschubst?«, sagt die Maus.
»Na klar«, sagt die Fee. »Wie sollst du denn sonst im Schlaf aus einem Flugzeug rauskommen?«
»Wie wär's mit gar nicht?«, sagt die Maus. »Wie wär's mit gar nicht?!«
»Na gut«, sagt die Fee. »Aber es war doch ein tolles Erlebnis.«
»Bisher schon«, sagt die Maus und guckt ängstlich zum Boden. »Komm, wir fliegen in den Tümpel da.«
Die beiden steuern einen kleinen Weiher an, in dem ein paar Frösche sitzen und ein paar Eichhörnchen um den Weiher herumlaufen.
»Herrjemine, was machen wir hier«, sagt die Maus und zuckelt an ihrem Fallschirm rum, sodass sie auf den Tümpel zusteuern.
Flatsch, macht es, und die Maus landet im Wasser.
»Aua, aua, aua!«, schreit die Maus vorsorglich, falls was passiert ist.
Flatsch, macht es, und die Fee landet halbwegs elegant im Wasser und macht es der Maus nach.
»Aua, aua, aua!«, wiederholt die Fee, ohne dass irgendetwas passiert ist. »Hm«, sagt die Fee und reibt sich ihre Haare zurück. »Jetzt sind meine Haare nass.«
»Du hast gut reden«, sagt die Maus, »du hast kein Fell, das ist ja gar kein Problem.« Die Maus klinkt ihren Fallschirm aus. Die Fee klinkt auch ihren Fallschirm aus. »Und jetzt?«, sagt die Maus. »Sag mir bitte nicht, dass wir jetzt zu Fuß zum Käseladen laufen müssen.«
»Ach iwo«, sagt die Fee. »So ein Unfug. Obwohl, wo ich es mir recht überlege«, sagt die Fee, »doch, ich habe mir gar nichts überlegt.«
»Du hast dir gar nichts überlegt und wir sind hier an einem Tümpel, völlig klitschnass, am frühen Morgen!«
»Nun ja«, sagt die Fee, »genau genommen ist es auch *sehr* früh am Morgen. Ja, es ist jetzt 5:30 Uhr.«
»Was?«, sagt die Maus. »5:30 Uhr ist ja viel zu früh zum Aufstehen.«
»Na ja«, sagt die Fee. »Also wir könnten jetzt auch noch zum Käseladen laufen, oder wir lassen uns abholen. Vom Geheimen Elchservice. Und dann gehen wir noch bei Sabine kurz ein Croissant essen, bevor wir zur Arbeit gehen.«
»Ich weiß nicht, wovon du sprichst«, sagt die Maus, »aber Geheimer Elchservice klingt fantastisch.«
»In Ordnung«, sagt die Fee und holt ein Mobiltelefon unter ihrem Kleid hervor.
»Du hast ein Mobiltelefon?«, sagt die Maus. »Woher das denn?«
»Geheimsache«, sagt die Fee und tuschelt etwas in das Telefon. »Hallo, hallo, Elchservice? Ja, ja, ich gebe Ihnen die Koordinaten durch. X 23 12 22 18 4 31. Ja, ja, am großen Tümpel, ich meine kleinen Tümpel, der mit den vielen Fröschen. Kommen Sie schnell.«
»Was redest du da?«, sagt die Maus.
»Sieben Minuten«, sagt die Fee.
Sieben Minuten später kommt eine schwarze Limousine mit einem Elch am Steuer.
»Was zur Hölle?«, sagt die Maus.
»Ich sag's doch, der Geheime Elchservice.«
»Sie haben gerufen?«, sagt der Elch am Steuer.
»Wir haben gerufen«, sagt die Fee selbstsicher. »Und die Fallschirme hier nehmen wir auch mit. Wäre ja sonst eine Umweltverschmutzung, nicht wahr?«
»Sehr richtig«, sagt der Elch. »Gut kombiniert.« Er drückt einen Knopf und der Kofferraum der Limousine geht auf.
»Einsteigen bitte«, kommandiert die Fee die Maus in die Limousine.
»Aber dann werden die Sitze nass.«
»Pappalapapp«, sagt der Elch. »Gar kein Problem. Wir haben hier noch ganz andere Fahrgäste. Das bisschen Wasser macht gar nichts.«
»In Ordnung«, sagt die Maus und setzt sich auf die teuren Ledersitze, die sofort von dem Wasser durchtränkt sind. »Oje, oje«, sagt die Maus.
»Anschnallen bitte«, sagt der Elch und drückt auf die Tube des Elektrofahrzeugs. Das Auto beschleunigt auf 200 Stundenkilometer und zack, sind sie bei Sabine im Café.
»Oh meine Güte«, sagt die Maus. »Wie ist denn das passiert?«
»Wir sind der Elchservice«, sagt der Elch.
»Ich weiß«, sagt die Maus. »Aber wie ist das passiert?«
»Wir sind schnell«, sagt der Elch. »Wir sind schnell und streng geheim übrigens. Uns dürfen nur Wunschfeen rufen.«
»Ich verstehe überhaupt nichts mehr«, sagt die Maus. »Ich brauche erstmal ein Croissant mit Aprikosenfüllung.«
»Und ich nehme eins mit Vanille«, sagt die Fee zu der Kellnerin, die schon neben ihnen steht. »Tschüss, Herr Elch. Wir wünschen Ihnen einen angenehmen weiteren Arbeitstag.«
»Keine Ursache«, sagt der Elch und braust in der schwarzen Limousine davon.
»Meine Güte«, sagt die Maus. »Wie spät ist es?«
»6:30 Uhr«, sagt die Fee. »Wir haben noch genug Zeit. Wir haben noch genug Zeit, um noch ein Croissant zu essen. Ich nehme noch eins mit Pistaziencreme-Füllung.«
»Pistaziencreme-Füllung?«, sagt die Maus.
»Und eins mit Käse«, sagt die Fee, nur um die Maus zu ärgern.
»Pfui Deibel!«, ruft die Maus. »Ich esse doch kein Croissant mit Käse!« Die Maus tippt sich an den Kopf. »Ich glaube, du hast einen Elch.«
»Ich habe einen Elch gerufen«, flötet die Fee.
»Sag mal, Fee«, sagt die Maus erschöpft und lehnt sich im Stuhl zurück. »Warum musst du mich eigentlich immer auf so besonders kreative Weise wecken?«
»Nun ja«, sagt die Fee, »sonst wäre das Leben doch ein bisschen langweilig, oder? So als Käseverkäuferin.«
»Ich bin keine Käseverkäuferin«, sagt die Maus. »Ich bin eine Käseunternehmerin! Und zwar eine exzellente.«
»Ach ja«, sagt die Fee. »Und wie begründest du dann, dass ich mit den Kleidern in den letzten Monaten fünfmal so viel Umsatz gemacht habe, wie wir mit unserem Käse?«
»Was für Kleider?«, sagt die Maus.
»Die vielen Kleider«, sagt die Fee, »schon vergessen?«
»Ach ja, stimmt«, sagt die Maus, »unser volles Lager.«
Die Maus und die Fee plaudern noch eine Weile über private und geschäftliche Sachen, über den geheimen Elchservice und über ihre komischen Kunden, die sie haben.
Um fünf vor acht ruft die Maus plötzlich: »Fünf vor acht, wir müssen rübergehen zum Käseladen!«
Die Maus und die Fee bauen den Käseladen in Windeseile auf. Mittlerweile sind sie ein eingespieltes Team. Jetzt haben sie auch einen neuen Walnusskäse im Angebot. Also rollt die Fee den brandneuen Walnusskäse ganz nach vorne in die Käsetheke.
»Vielleicht finden wir heute einen Kunden ab«, sagt die Fee.
»Oder eine Kundin«, sagt die Maus.
»Na, meine ich doch«, sagt die Fee. »Nun stell dich doch nicht so an.«
»Mache ich ja gar nicht«, sagt die Maus. »Ich hab's doch nur gesagt.«
»Auf geht's«, sagt die Fee. »Die Kunden können kommen.«
Da kommt Bruno in den Laden gewackelt.
»Flup, flup, flup«, ruft die Maus. Sie nimmt drei Käsekugeln und wirft sie flup, flup, flup hintereinander zu Bruno.
Bruno schnappt die drei Käsekugeln, wirft eine Münze auf den Tisch und bedankt sich. »Ciao, ciao!«, ruft der Hund. »Bis die Tage. Ich muss doch schnell zum Bahnhof.«
»Warum musst du eigentlich immer zum Bahnhof?«, sagt die Fee.
»Ist eine Geheimsache«, sagt der Hund.
»Hat nichts mit dem Elchservice zu tun?«, fragt die Maus.
»Wie bitte? Na ja«, sagt der Hund. »Ist ja auch egal.«
»Mysteriös«, sagt die Fee.
»Mysteriös und egal«, ruft Bruno. »Bis die Tage.«
Da entdeckt die Maus durch die Scheibe des Käseladens in den Wolken einen komischen Punkt.
»Was ist denn das?«, sagt die Maus.
»Sieht aus wie ein kleiner Sportflieger«, sagt die Fee.
Sagt die Maus: »Ist aber ungewöhnlich um diese Tageszeit. Und hier fliegen doch gar keine kleinen Sportflieger auf dem Saturn. Sonst fliegen doch hier nur Raketen. Vielleicht mal ein Helikopter, vielleicht mal ein verkleideter Elch.«
»Ein verkleideter Elch, der fliegt?«, sagt die Fee.
»Na klar«, sagt die Maus. »Noch nie gesehen?«
»Nee, ist mir noch nie aufgefallen«, sagt die Fee. »Auf jeden Fall kommt der Sportflieger näher. Der will wohl hier in die Gegend.«
»Ja«, sagt die Maus. »Er kommt irgendwie näher.«
Das Flugzeug ist ein kleines, rotes Flugzeug. Und in dem Flugzeug sitzt ein dicker Goldhamster mit einer goldenen Sonnenbrille. Der Flieger kommt immer näher. Die Fee und die Maus beobachten das Flugzeug und stellen fest, dass es tatsächlich ziemlich genau auf den Käseladen zusteuert. Jetzt hören sie es auch.
»Oh là là«, sagt die Maus. »Ich hoffe, dieses Flugzeug versteht was von Landemanövern.«
»Das hoffe ich auch«, sagt die Fee. »Und irgendwie steuert das Flugzeug ganz direkt auf unseren Laden zu.«
»Hm«, sagt die Maus. »Ja, könnte gut sein. Aber der dreht sicher noch ab.«
Rrrrrrummmmm, macht der Motor.
»Ich weiß nicht, ob der noch abdreht«, sagt die Fee. »Und wenn der nicht mehr abdreht, dann sollten wir von dieser Glasscheibe weggehen. Denn wenn der hier durchkracht, dann sind wir auch Matsch.«
»Was meinst du mit 'dann sind wir auch Matsch'?«, ruft die Maus, deren Stimme jetzt kaum noch zu hören ist, weil das Propellerflugzeug zu laut ist.
Die Fee springt nach rechts, die Maus springt nach links. Das Flugzeug kracht durch die Käseladenscheibe.
»Oh nein!«, ruft die Maus. »Nicht schon wieder!«
Die Maus stürmt in den Laden, rüttelt wütend am Flugzeug, schlägt auf das Flugzeug ein, bum, bum, bum, bum, bum, und zerrt den Piloten aus der Kabine heraus.
»Sie verrückter kleiner Goldhamster!« Die Maus schüttelt den Hamster.
Hum, hum, dum, dum, dum, dum, sagt der Hamster.
»Sie haben doch wohl nicht mehr alle Latten am Zaun!«, ruft die Maus und versucht den Goldhamster in sein goldiges Fell zu boxen. Der guckt sich verwirrt um, sein Fell schützt ihn bestens. Die Fäuste der Maus versinken immer wieder im Fell des dicken Hamsters.
»Sie haben ja wohl den Schuss nicht gehört!«, sagt die Maus. »Das ist mein Käseladen!«
»Ich weiß«, sagt der Hamster gelassen, der immer noch Faustschläge in sein Fell bekommt. »Übrigens ist das ein Spezialfell«, sagt der Hamster. »Ich spüre dadurch gar nichts. Sie können sich ruhig verausgaben mit Ihrer Boxtechnik. Übrigens boxen Sie miserabel, wenn ich das so sagen darf.«
»Besser oder wie?«
»Na klar«, sagt der Hamster, holt lässig mit der Faust aus und gibt der Maus einen kleinen Knuff auf die Wange – für seine Verhältnisse.
Die Maus kriegt einen starken Schlag ab und taumelt nach hinten. »Aua, aua, aua«, sagt die Maus. »Sie haben mich geschlagen!«
»Na und?«, sagt der dicke Hamster. »Sie haben mich die ganze Zeit geschlagen.«
»Ja, aber Sie haben davon nichts gemerkt!«, sagt die Maus.
»Sag ich doch!«, sagt der Hamster.
»Wie, 'sagen Sie doch'?«
»Na, hab ich doch gerade versucht, Ihnen zu erklären. Nun hören Sie auf, bevor Sie mich hier in einen Boxkampf verwickeln.«
»Ich Sie in einen Boxkampf verwickeln?!«, sagt die Maus aufgebracht und boxt nun in Richtung des Gesichtes des Hamsters. Der Hamster wehrt jeden der Schläge mit einer lässigen Handbewegung ab, bewegt seinen Kopf nach links und rechts und kriegt keinen einzigen der Mausschläge ab.
»Hören Sie auf damit«, sagt der Hamster. »Hören Sie bitte, bitte auf damit, sonst gibt es hier noch Streit.«
»Ich geb Ihnen gleich Streit«, sagt die Maus. »Sie haben meine Käseladenscheibe zertrümmert!«
»Gut«, sagt der Hamster, »ich entschuldige mich in aller Form.«
Die Maus boxt weiter auf den Hamster ein.
»Nun hör doch auf«, sagt die Fee, »es bringt doch nichts. Kennst du denn nicht Checki Chackimani?«
»Wie bitte?«
»Hör auf«, sagt die Maus und macht eine Verschnaufpause. Die Maus ist völlig außer Atem.
»Checki Chackimani«, sagt die Fee, »der größte Boxmeister des Saturn! Hast du ihn noch nie gesehen?«
»Nee«, sagt die Maus und guckt zum dicken Hamster.
»Vielen Dank«, sagt der Hamster, »dass Sie aufgehört haben, auf mich einzudreschen.«
»Sie sind ein arroganter Hamster!«, ruft die Maus.
»Checki Chackimani. Nun mal nicht so aufgebracht. Ich bin Profisportler. Da darf man ruhig ein bisschen mehr Selbstbewusstsein haben.«
»Mehr Selbstbewusstsein!«, ruft die Maus. »Sie haben meine Käseladenscheibe zertrümmert, und wenn Sie nicht augenblicklich ...«
Die Maus versucht dem Hamster noch einen letzten Schlag auf die Nase zu geben. Der kontert mit einer lockeren flachen Hand und haut der Maus gegen den Hinterkopf. Die Maus fliegt durch den halben Raum, purzelt über den Boden und kracht unsanft gegen die nächste Wand.
»Au!«, ruft die Maus.
»Oh, Entschuldigung«, sagt Checki Chackimani. »War nicht so gemeint. Ich wollte Ihnen ja nur einen kleinen Klaps verpassen.«
»Einen kleinen Klaps verpassen«, sagt die Maus.
»Ja, ich will mich doch nicht mit Ihnen streiten. Schauen Sie, wenn wir anfangen, uns zu streiten, sind Sie ganz schnell Mäuse-Matsch.«
»Wie bitte? Ich muss doch sehr bitten!«, sagt die Maus.
»Nun hör endlich auf«, sagt die Fee. »Er ist Profiboxer und hat ein super Fell. Du bist eine Käseverkaufsmaus.«
»Ich bin Unternehmerin!«, ruft die Maus. »Ich bin eine Unternehmerin und nicht die Schlechteste!«
»Na gut«, sagt die Fee. »Von uns beiden bist du die Zweitbeste im Raum. Also nach den Kleidern läuft's mit deinem Käse auch ganz gut.«
»Ich muss doch sehr bitten!«
»Ich hab gehört«, sagt Checki Chackimani, um vom Thema abzulenken. »Hab gehört, Sie haben einen neuen Käse im Programm.«
»Ja«, sagt die Maus. »Ganz genau.«
»Sie haben einen neuen Johannisbeerkäse im Programm, hab ich gehört«, sagt der dicke Goldhamster und guckt unter seiner Sonnenbrille hervor.
»Nein, nein, nein«, sagt die Fee. »Walnüsse, Walnüsse. Ja, Herr Chackimani.«
»Walnüsse?«, sagt Checki Chackimani.
»Ja, Walnüsse, sonst regt sie sich noch mehr auf.«
»Also ich hab von einem Johannisbeerkäse gehört«, sagt Checki Chackimani.
Die Maus überlegt wild hin und her. Ein Käse, ein Käse mit Johannisbeeren. »Äh, äh, äh«, sagt die Maus. »Äh, äh, äh. Ich glaube, ich schätze, damit kann ich nicht dienen«, sagt die Maus. »Aber schauen Sie. Sie sind doch Hamster. Was hamstern Sie am liebsten?«
»Na ja«, sagt der Hamster. »Also außer den ausgeschlagenen Zähnen meiner Boxgegner ...«
»Igitt«, sagt die Maus. »Das ist ja fürchterlich.«
»Außer diesen Zähnen«, korrigiert die Fee.
»Außer diesen Zähnen«, sagt Checki Chackimani, »sammle ich natürlich Nüsse, so wie jeder gesunde Hamster.«
»Nüsse sammeln und Körner«, sagt der Hamster.
»Dann habe ich etwas ganz Besonderes«, sagt die Maus und beginnt, sich ihr zunächst nass gewordenes, jetzt völlig struppiges Fell ein bisschen glatter zu ziehen. »Ich habe etwas Fantastisches für Sie. Ich vermute, Herr Chackimani, Sie sind ein Gourmet des Käsegenusses.«
Die Fee knufft Herrn Chackimani in sein Fell, durch das er sowieso nichts spürt. »Sie sind ein Gourmet«, raunt die Fee dem Hamster zu.
»Na klar«, sagt Checki Chackimani völlig verwirrt. »Ich bin ein Gourmet der Käsekunst.«
»Sehr gut«, sagt die Fee. »Sehr gut haben Sie das gesagt.«
»Danke«, sagt Checki Chackimani zur Fee, sodass die Maus davon nichts mitbekommt.
»Ich habe«, die Maus hebt beide Hände feierlich in die Luft, als wollte sie einen religiösen Akt feiern. »Ich habe«, sagt die Maus, »einen Walnusskäse! Was sagen Sie jetzt? Also Käse mit Walnüssen.«
»Super«, sagt Checki Chackimani. »Davon nehme ich acht Laibe.«
»Ich habe aber nur drei«, sagt die Maus.
»Wir haben nur drei«, sagt die Fee. »Nehmen Sie drei und nehmen Sie noch irgendwelche acht ... fünf anderen, wenn Sie wollen. Sie wissen doch, drei plus fünf ergibt doch acht, und fünf plus drei doch auch. Nun nehmen Sie schon die drei!«
»Wenn drei da sind«, sagt Checki Chackimani, »nehme ich natürlich drei und dann nehme ich noch fünf beliebige Ihrer Wahl. Hauptsache, es passt alles in meinen Sportflieger, und Ihre Scheibe werde ich selbstverständlich ersetzen. Und außerdem«, Checki Chackimani hebt feierlich zwei Papierkarten in die Luft, »und außerdem habe ich Ihnen Tickets zu meinem neuen Fight besorgt.«
»Ihrem neuen Fight?«, sagt die Fee. »Was ist das denn?«
»Mein nächster Kampf gegen den dicken Otter.«
»Wie bitte?«, sagt die Maus. »Wir können ihn doch nicht den dicken Otter nennen.«
»Warum denn nicht? Ich bin ein dicker Hamster, er ist ein dicker Otter. Wir boxen gegeneinander. Wir sind Profis. Wir verstehen uns bestens, wir sind wunderbare Freunde, aber im Ring, da kenne ich keine Gnade.«
»Was für ein Ring?«, sagt die Maus.
»Na, der Boxring«, sagt Herr Chackimani. »Und jetzt verzeihen Sie mich, ich muss weiter. Könnten Sie bitte die Käselaibe einpacken und kann ich hier mit Karte zahlen?«
»Na klar«, sagt die Maus, »können Sie gerne.«
Herr Chackimani holt eine goldene Kreditkarte raus, auf der ein großer Boxhandschuh abgebildet ist. Er nimmt die Karte, legt sie auf das Kassensystem und boxt einmal mit der Faust hinterher.
»Uh!«, macht das Kassensystem.
»Hey«, sagt die Maus, »ich denke, ich habe die Sprache stummgeschaltet?«
»Hast du auch«, sagt das Kassensystem. »Aber bei so einem dollen Schlag, was soll ich da machen?«
»Momentchen mal«, sagt die Maus, »wenn ich dich stummschalte, musst du doch stumm sein.«
»Die einen sagen so, die anderen sagen so«, sagt das Kassensystem.
»Wie bitte?«, sagt die Maus.
»Ich bin jetzt wieder still«, sagt das Kassensystem.
Die Fee guckt irritiert zum Kassensystem rüber. »Also«, sagt sie, »liebe Maus, mit deinem Kassensystem, da sollten wir vielleicht nochmal mit dem Hersteller sprechen.«
»Sie meinen, mit meiner Mutter?«, sagt das Kassensystem.
»Ruhe da hinten!«, ruft die Maus. »Du hast keine Mutter, du hast einen Hersteller!«
»Die einen sagen so, die anderen ...«
Die Maus haut mit der Faust auf das Kassensystem drauf. »Ruhe jetzt!«
»Uh!«, ruft das Kassensystem erneut. »Kannst mich irgendwo hinlegen, aber bitte nicht hierhin.«
»Oh«, sagt Herr Chackimani. »Na, endlich jemand, mit dem Sie boxen können. Jemand, der keine Arme und keine Beine hat, sondern nur ein plattes Gesicht.«
»Ich muss doch sehr bitten!«, sagt das Kassensystem.
»Verzeihung«, sagt Herr Chackimani. »Ein Gesicht ist es natürlich auch nicht. Ein Display, sagen wir mal.«
»Ich muss doch sehr bitten!«, sagt das Kassensystem.
»Also«, sagt Herr Chackimani und schmeißt seinen Sportflieger wieder an. »Ich muss dann mal los. Wir sehen uns die Tage. Ich danke Ihnen herzlich für den Walnusskäse. Es war mir ein Hochgenuss mit Ihnen. Und die Tickets, die sind für die erste Reihe. Ich freue mich auf Sie beim Kampf mit dem dicken Otter. Vielleicht kommt der ja auch mal vorbei und kauft ein bisschen Käse bei Ihnen. Ich habe nur Gutes über Sie gehört.«
»Ich auch über Sie«, sagt die Fee. »Und kriege ich noch ein Autogramm von Ihnen?«
»Hm?«, sagt Herr Chackimani.
»Wie bitte? Ich bin großer Box-Fan«, sagt die Fee.
»Du bist was?«, sagt die Maus.
»Auf jeden Fall«, sagt die Fee, »hätte ich gern ein Autogramm von Ihnen.« Die Fee hält ihr Feenkleidchen hin und bittet Herrn Chackimani, darauf zu unterschreiben.
»Herrjemine«, sagt Herr Chackimani, »ich schreibe doch nicht auf Ihr Kleid drauf. Na, dann nehmen Sie diesen Zettel hier.«
Die Fee holt einen Zettel von hinter der Käsetheke. Und Herr Chackimani schreibt seine Unterschrift darauf.
»Ich habe ein Autogramm bekommen, ich habe ein Autogramm bekommen!«, sagt die Wunschfee.
»Also«, sagt Herr Chackimani verrückt, »hätte nicht gedacht, dass ich hier noch einen Fan treffe.«
»Und wie«, sagt die Fee, »ich bewundere Sie, seit ich ein kleines Feenkind bin.«
»Okay«, sagt Herr Chackimani, »ich fliege mal wieder los. Bis die Tage.«
Herr Chackimani setzt sich in seinen Sportflieger und fliegt aus dem Käseladen heraus.
»Na toll«, sagt die Maus. »Jetzt brauchen wir schon wieder Handwerker hier, die die Scheibe reparieren. Ich hoffe, das ist bis morgen erledigt.«
#9 Checki Chackimani Teil 2 – Dicker Otter
Der galaktische Käseladen mit der kleinen galaktischen Käsemaus. Heute: Checki Chackimani Teil 2.
Die Maus träumt. Sie steht in einem Boxring und die rosafarbene Flamingo-Ballettdame ist die Schiedsrichterin. Die Schiedsrichterin hinterlässt bei jedem Schritt einen kleinen roten Tapser, einen rosaroten Tapser im Boxring, der sieht aus wie Wackelpudding in rosa, und überall, wo die Schiedsrichterin hintritt, bleibt ein kleiner Fleck Wackelpudding liegen. Die Maus tänzelt um die Flecken herum. Sie schwingt ihre Boxhandschuhe.
Die Schiedsrichterin ruft: »Und in der einen Ecke haben wir die kleine Käsemaus!«
»Ich bin der lange Lulatsch!«, beschwert sich die Käsemaus.
»In der einen Ecke haben wir den langen Lulatsch mit einem Körpergewicht von 225 Gramm!«
»226, wenn ich bitten darf«, ruft die Käsemaus. »226, wenn ich bitten darf«, korrigiert die Käsemaus mit nochmal ernsterer und tieferer Stimme, um ihrer Aussage Nachdruck zu verleihen.
»Na gut, na gut«, sagt die Ballett-Flamingo-Dame. »Also 200 was-auch-immer Gramm. Auf jeden Fall deutlich weniger als ein Kilo.«
Die Maus guckt irritiert und, in einer traumhaften Szene, auf die Wackelpuddingflecken, die die Flamingo-Frau bei jedem Schritt immer noch hinterlässt. Es wird immer schwieriger, um den Wackelpudding herumzutänzeln. Die Maus macht weiterhin Boxschritte.
Die Schiedsrichterin ruft: »Und in der anderen Ecke haben wir den Großmeister, den einzigartigen, den boxenden Goldhamster des Saturn: Checki Chackimani!«
Wusch, wusch, macht Checki Chackimani und schwingt seine Boxhandschuhe. Die Schiedsrichterin geht in Deckung.
»Huiuiuiuiuiui, das wird ein Kampf«, kommentiert die Schiedsrichterin. »Ein kurzer Kampf«, ergänzt die Schiedsrichterin.
»Das werden wir noch sehen«, ruft der lange Lulatsch. »Ich bin der Fighter Number One.«
»Sie sind was?«, sagt die Schiedsrichterin.
»Na, ich bin die beste Kämpferin hier.«
»Na, das werden wir noch sehen«, sagt der Ballett-Flamingo etwas verunsichert.
Die Maus tritt das erste Mal in einen rosafarbenen Wackelpudding-Fleck. »Huiuiuiui«, ruft die Maus. »Wackelpudding am Fuß!«
Checki Chackimani nähert sich mit einer lässigen Bewegung und schüttelt locker sein Handgelenk aus. Dabei erwischt er versehentlich die Maus, die einen harten Schlag abbekommt. Sie purzelt in die Ecke des Boxrings und der Wackelpudding fliegt durch die Gegend.
»Huiuiuiui«, kommentiert die Schiedsrichterin. »Das war ein harter Schlag.«
»Moment mal«, ruft die Käsemaus. »Ich denke, Sie sind die Unparteiische?«
»Huiuiui, langer Lulatsch, langer Lulatsch!«, ruft die Fee aus dem Publikum.
Im Traum ist die Fee die einzige Person im Publikum. Die Halle ist gähnend leer. Im Traum lichtet sich in der Halle plötzlich ein Nebel. Der Nebel verschwindet und hinter dem Nebel kommt ein johlendes Publikum zum Vorschein. Das Publikum besteht ebenfalls aus rosafarbenem Wackelpudding. Zumindest in der Ecke von der kleinen Käsemaus. In der Ecke von Checki Chackimani ist die andere Hälfte der Halle waldmeistergrün.
»Huiuiui«, denkt sich die Käsemaus. »Diesen Kampf kann ich niemals gewinnen.« Sie blickt rüber zu Checki Chackimani, der locker seine Schultern durch die Gegend schwingt und ein bisschen hin und her tänzelt.
Mit schockiertem Blick beobachtet die Maus, wie Checki Chackimani sich plötzlich verdoppelt.
Plopp! Zwei Checki Chackimanis.
»Ah!«, kreischt die Maus. »Um Himmels willen. Ich kann diesen Kampf niemals gewinnen!«
Da verdoppelt sich auch die kleine Käsemaus.
»Huch«, ruft die Fee, »was ist denn jetzt passiert?«
Das Publikum beginnt zu johlen und zu schreien. Einige der rosafarbenen Waldmeisterfiguren gehen rüber zu den giftgrünen Waldmeisterfiguren und vermischen sich zu einem komischen Brei.
»Was ist denn hier nur los?«, denkt die Käsemaus.
Und beide Käsemäuse verdoppeln sich. Jetzt sind es schon vier.
»Um Himmels willen«, ruft die Fee. »Du wirst gewinnen, langer Lulatsch!«
Doch schon hat sich auch Checki Chackimani vervierfacht. Jetzt stehen schon acht Leute im Ring. Die Schiedsrichterin blickt um sich.
»Herrjemine«, sagt die Ballett-Flamingo-Dame. »Wie soll ich denn das hier noch beurteilen? Wer von Ihnen ist der echte Checki Chackimani?«
Alle vier Checki Chackimanis heben die Hand. »Ich!«
»Wer von Ihnen ist die echte Käsemaus?«
»Ich bin der lange Lulatsch«, sagen alle vier Käsemäuse zeitgleich. »Mein Kampfname ist langer Lulatsch!«
»Aber das geht so nicht«, sagt die Flamingo-Dame.
In dem Moment verdoppeln sich nochmal alle Käsemäuse und nochmal alle Checki Chackimanis. Jetzt gibt es acht Checki Chackimanis und acht Käsemäuse. Der Ring ist völlig voll. 16 Leute plus Schiedsrichterin stehen im Boxring und beginnen, wild umherzutänzeln.
»Also gut«, sagt die Ballett-Flamingo-Dame. »Was soll's?« Sie klingelt laut mit der Glocke. Und der Kampf beginnt.
Ding, ding, ding, ding, ding.
»Auf geht's!«, ruft die Fee.
Die Waldmeisterfiguren beginnen durcheinanderzulaufen. Es beginnt eine wilde Prügelei zwischen allen Käsemäusen und allen Checki Chackimanis, die sich im Ring befinden.
»Ich mach dich platt!«, rufen die Käsemäuse.
»Ich dich ebenfalls!«, rufen die Checki Chackimanis. »Ist gar kein Problem.«
Plötzlich wachsen die Käsemäuse alle und werden riesengroß. Checki Chackimani wird klein. Jetzt geht's wieder umgekehrt. Die Schiedsrichterin guckt völlig verwirrt um sich.
»Was ist denn hier los?«
Die Waldmeisterfiguren rasen durcheinander und laufen jetzt im Kreis in der Halle. Dabei bleiben aber immer wieder einige stehen, sodass sich der ganze Waldmeister zu einem riesigen Brei vermischt. Die Käsemaus stapft schon lange durch den Waldmeisterbrei der Schiedsrichterin. Und die Käsemaus schlägt nochmal die Hände über dem Kopf zusammen.
»Oje, oje, was ist hier nur los? Was ist hier nur los? Was ist hier nur los? Mh-mh. Ich geh mal kurz zur Toilette.«
Aus der Ferne hört sie eine Stimme. »Aufwachen! Aufwachen!«
Die Maus blickt rüber zu Checki Chackimani. Ist das Checki Chackimanis Stimme?
»Aufwachen!«, wiederholt die Stimme.
Sie blickt runter zur Fee im Publikum. Doch die Fee im Publikum ist verschwunden. »Fee, wo bist du hin?«, sagt die Maus im Traum.
Da schlägt sie die Augen auf und die Fee steht vor ihrem Bett.
»Aufwachen!«, wiederholt die Fee. »Aufwachen!«
»Herrjemine«, sagt die Maus, »du kannst dir nicht vorstellen, was ich gerade geträumt habe.«
»Ach nein?«, sagt die Fee. »Was hast du denn geträumt?«
»Ach, das würdest du mir eh nicht glauben. Wie hast du mich denn heute geweckt?«, fragt die Maus.
»Einfach so. Gesagt: Aufwachen.«
»Nun ja«, sagt die Fee und guckt auf die Uhr an der Wand, »weil es Viertel vor Acht ist.«
»Was?«, ruft die Käsemaus. »Viertel vor Acht? Wir müssen in den Käseladen!«
»Au contraire«, sagt die Fee.
»Was heißt das?«, sagt die Käsemaus.
»Ganz im Gegenteil. Au contraire. Ganz im Gegenteil.«
»Wir gehen heute nicht in den Käseladen?«
»Doch«, sagt die Fee. »Aber ich habe eine neue Erfindung gemacht. Ich habe jetzt Kaffeetassenhalter an unseren fliegenden Skateboards! Wir können frühstücken und Skateboard fliegen in einem. Und außerdem können wir heute aus deinem Fenster starten. Heute geht es los im Schlafanzug. Du kannst dich im Käseladen umziehen. Auf geht es, damit wir noch pünktlich sind.«
Die beiden fliegen mit ihren fliegenden Skateboards los, haben ihre Cappuccino-Tassen an den Skateboards dran und die Käsemaus ist noch in ihrem Schlafanzug. Die Käsemaus mit der Schlafmütze. Die beiden kommen zwei Minuten vor acht am Käseladen an.
[Anmerkung. Bitte erhalten lassen: Hier musste die Audioaufnahme neu gestartet werden. Es folgt der zweite Teil der neunten Folge.]
Und die Maus trägt eine Schlafmütze. Die beiden kommen zwei Minuten vor acht am Käseladen an.
»Schnell«, sagt die Fee. »Auf geht's. Runter vom Skateboard.«
»Mein Cappuccino ist noch gar nicht ausgetrunken! Das hab ich ganz vergessen«, sagt die Käsemaus. »Ich war so aufgeregt. Ich kann doch nicht während des Fliegens Cappuccino trinken.«
Die Fee schaut die Maus an. »Für mich gar kein Problem«, sagt die Fee.
Im ganzen Gesicht der Fee ist heißer Cappuccino verteilt. Die Fee ist ganz bräunlich im Gesicht.
»Äh«, sagt die Maus. »Wie auch immer. Auf geht's. Komm schnell. Wir müssen den Käseladen aufbauen. Die Käselaibe müssen in die Verkaufstheke gerollt werden.«
Die Maus schließt den Laden auf. Als sie gerade den Schlüssel umdreht, hört sie schon am Ende der Straße:
Watsch, watsch, watsch, watsch.
»Was ist denn hier los?«, sagt die Fee. »Hat jemand ein Walross freigelassen oder was? Komm, Maus, wir gehen in den Käseladen. Da hören wir das Geräusch nicht so laut.«
Watsch, watsch, watsch, watsch.
»Eigenartig«, sagt die Maus.
»Guten Morgen«, sagt der dicke Otter.
Sagt die Maus: »Wir haben noch nicht …«, die Maus guckt auf die Uhr. »Wir haben noch nicht …«
»Sie haben doch schon. Sie haben geöffnet. Nehme ich wohl an.«
»Äh«, sagt die Fee. Uhrenvergleich. »Ja, wir haben geöffnet. 8 Uhr. Was wünschen Sie?«, sagt die Fee automatisch. »Äh, Fee, wir haben noch gar nicht aufgebaut. Also ich sehe hier gar nichts, was man irgendwie bekommen könnte.«
»Haben Sie vielleicht ein kleines Käffchen für mich? Als kleine Erfrischung am Morgen?«
»Erfrischung am Morgen«, sagt die Maus. »Erfrischung am Morgen. Ich wünschte, ich hätte mal ... Na klar, haben wir einen Cappuccino für Sie.« Die Maus stellt ihren nicht getrunkenen Cappuccino auf die Käsetheke und bietet den Cappuccino dem Otter an.
»Na, das nenne ich einen Service«, sagt der dicke Otter.
»Sie, Sie, Sie sind ein ganz schön dicker Otter, wenn ich das so sagen darf«, sagt die Käsemaus.
»Sagen Sie mal«, sagt der dicke Otter von oben herab. »Was ist eigentlich mit Ihnen los? Verkaufen Sie hier immer im Schlafanzug Ihren Käse? Sie tragen eine Schlafmütze und Sie sehen ein bisschen aus wie eine Maus.«
»Äh, äh«, sagt die Maus.
In dem Moment kommt die Fee aus der Käsekammer. Der Otter schaut auf ihr Cappuccino-braunes Gesicht, das voller Flecken ist.
»Äh«, sagt der Otter. »Sie, und Sie arbeiten auch hier oder träume ich gerade?«
»Wieso sollten Sie träumen?«, sagt die Märchenfee.
»Na ja, Sie sehen aus wie eine kleine Fee mit Flügeln, wie eine Libelle. Aber Sie haben ein Cappuccino-verschmiertes Gesicht. Und wenn ich das hier richtig beurteile …«, der Otter guckt scharf in den Kaffee und guckt dann in das Gesicht der Wunschfee, »wenn ich das hier richtig beurteile, dann handelt es sich um den identischen Cappuccino. Ich meine, denselben Cappuccino. Ich meine den gleichen Cappuccino wie in dieser Tasse hier.« Er fühlt mit einer Hand an der Tasse. »Und diese Tasse hat 67 Grad, würde ich schätzen. Der Cappuccino ist nicht mehr ganz optimal heiß. Kann es sein, dass Sie den schon vor einiger Zeit gekocht haben?«
»Huiuiui«, sagt die Fee. »Na, Sie sind ja ganz schön auf Zack.«
»Na sicher bin ich auf Zack. Ich bin der dicke Otter.«
Die Fee guckt den Otter an. »Äh, Sie sehen aus wie ein dicker Otter.« Die Fee stupst die Maus an. »Er sagt, er ist der dicke Otter! Sind Sie *der* dicke Otter? Oder sind Sie einfach nur ein Otter, der ein bisschen dick geworden ist?«
»Ich muss doch sehr bitten«, sagt der dicke Otter. »Ich bin der Profiboxer! Ich bin der dicke Otter! Und ich werde Checki Chackimani in seine Schranken verweisen.«
»Wie bitte?«, sagt die Maus.
»Ich werde ihn in seine Schranken verweisen«, sagt der Otter erneut mit Nachdruck. »Ich werde schon ganz kribbelig, wenn ich nur an den Kampf denke«, sagt der dicke Otter.
»Oh ja«, sagt die Maus. »Ich auch. Wir werden ihn auf jeden Fall anschauen.«
»Sind Sie Boxfans?«, sagt der dicke Otter.
»Und wie«, sagt die Fee, »seit Jahren. Checki Chackimani ist mein heimliches ...«
Die Maus schnufft die Märchenfee an.
»Checki Chackimani«, korrigiert die Maus. »Checki Chackimani ist natürlich auch ein ganz guter Boxer«, sagt die Maus.
»Ein ganz guter Boxer? Ich höre wohl nicht richtig«, sagt der dicke Otter. »Es ist ein Lump, es handelt sich um einen Betrüger! Dieser Mann kann doch nicht boxen, er ist ja noch nicht mal ein Mann. Er ist ein Hamster!«
»Ja«, sagt die Maus, »und Sie sind ein Otter. Und Checki Chackimani, wenn ich das sagen darf, mit Verlaub, Euer Ehren, ist bisher laut Weltrangliste der unangefochtene ...«
»Ich muss doch sehr bitten!«, sagt der dicke Otter. »Unangefochtener Weltchampion! Alles nur mit Lug und Betrug.«
»Wie bitte?«, sagt die Märchenfee. »Mit Lug und Betrug?«
»Checki Chackimani hat keine Ahnung vom Boxen.« Der dicke Otter nimmt seine Fäuste in die Hand und boxt ein bisschen um sich. Er boxt gegen die Wände, sodass der Putz abfällt. Er setzt gerade an, um in die Glasscheibe der Käsetheke reinzuhauen.
»Nein!«, schreit die Fee. »Nicht schon wieder! Nicht schon wieder unseren Laden kaputt machen!«
»Wie bitte?«, sagt der dicke Otter. »Wer hat denn hier den Laden kaputt gemacht? Das gehört sich nicht«, sagt der dicke Otter.
»Ich weiß«, sagt die Maus und deutet vorsichtig auf die Wand, von der der dicke Otter gerade Putz abgeschlagen hat. »Ich weiß, dass sich das nicht gehört, fremdes Eigentum zu beschädigen.«
»Wer macht denn sowas?«, sagt der dicke Otter.
»Nun ja«, sagt die Fee, »äh, der Herr, der Herr Checki Chackimani? Der Herr Chackimani ist wohl mit seinem Segelflugzeug versehentlich, ein bisschen irrtümlich, vielleicht im Eifer des Gefechts ... ist er durch unsere Glasscheibe durch.«
Der Otter dreht sich um und sagt: »Was? Checki Chackimani war hier?« Er schnüffelt um sich. »Ich hab's gleich gewusst.«
»Sie haben's gewusst?«, sagt die Fee.
Der Otter ballt wieder seine Fäuste und beginnt, um sich zu boxen.
»Und ich habe gegen ihn geboxt«, sagt die Maus.
»Sie haben gegen Checki Chackimani geboxt?« Der dicke Otter schaut an der Maus herunter. »Das ist ja wohl ein Scherz.«
»Nein, nein«, sagt die Maus. »Ich habe nicht nur gegen einen Checki Chackimani geboxt, sondern gegen 16 Checki Chackimanis!«
»Wie meinen?«, sagt der Otter.
»Ich habe gegen 16 Checki Chackimanis geboxt. Und wie der Kampf ausgegangen ist, das weiß ich gar nicht mehr so genau. Denn in dem Moment bin ich wieder aufgestanden und bin einfach aus dem Ring rausgegangen, weil ich keine Lust mehr zu kämpfen hatte«, sagt die Maus.
Der Otter guckt die Maus verwirrt an. »Sie sind aufgestanden und aus dem Ring rausgegangen? Warum tragen Sie überhaupt einen Schlafanzug? Diese Geschichte stimmt doch von vorn bis hinten nicht.«
»Doch«, sagt die Maus, »und wie die stimmt!« Die Maus springt hinter der Käsetheke vor und beginnt, den dicken Otter in das Fell zu boxen.
»Hören Sie auf damit«, sagt der dicke Otter. »Sie machen sich lächerlich.«
»Ich bin der lange Lulatsch und ich mache mich überhaupt nicht lächerlich!« Die Maus versucht, dem dicken Otter einen Kinnhaken zu verpassen, aber sie ist so klein, dass sie nicht mal an das Kinn des dicken Otters rankommt.
»Och«, sagt der dicke Otter. Ich muss Ihnen ja schon sagen ...«, er hält immer noch seine Cappuccino-Tasse in der Hand, »ich muss Ihnen ja schon sagen, meine liebe Käsemaus, Sie in Ihrem Schlafanzug, Sie sehen wirklich putzig aus, und Ihre Schläge in mein Fell, das ist ja wirklich zu putzig. Sie meinen, Sie haben gegen Checki Chackimani geboxt?«
In dem Moment beugt sich der Otter zu der Maus runter und möchte sie ein bisschen an der Wange tätscheln. Die Maus erinnert sich an eine alte Folge, die sie mal von einer Kampfsport-Serie gesehen hat, und macht eine schnelle Bewegung, bei der ihr Fuß nach oben schnellt, über ihren Kopf hinaus, und trifft den dicken Otter direkt am Kinn.
Der dicke Otter guckt erstaunt. Die Maus setzt nach und gibt ihm noch einen erheblich kräftigeren Tritt mit dem zweiten Fuß.
»Hiya, Karate!«, ruft die Maus und trifft den Otter zweimal heftig am Kinn.
Der streckt sich daraufhin lang hin, lässt seine Cappuccino-Tasse fallen und fällt bewusstlos auf den Rücken. Er bleibt liegen, ohne ein weiteres Wort zu sagen.
»Um Himmels willen«, sagt die Fee, »was hast du gemacht?«
»Ay caramba«, sagt die Maus, »ich weiß auch nicht. Ich habe damals immer diese Karate-Filme gesehen, und als der dicke Otter gerade seinen Kopf so runterbeugte, da dachte ich mir, das ist vielleicht meine Chance.«
»Sieht so aus«, sagt die Fee, »sieht so aus, als wäre es deine Chance gewesen. Was macht man eigentlich mit einem bewusstlosen Boxer?«
»Keine Ahnung«, sagt die Maus, »siehst du hier eine Boxerin?«
Die Fee mustert die Maus aufmerksam von unten nach oben und von oben nach unten. »Nun ja«, sagt die Fee, »also du hast offenbar gerade versehentlich den zweitbesten Boxer des Saturns niedergestreckt und in unserem Laden bewusstlos geschlagen. Ay-ay-ay-ay-ay«, sagt die Wunschfee. »Ich weiß nicht, wie wir das jemals erklären sollen.«
In dem Moment geht Checki Chackimani am Käseladen vorbei.
»Oje«, sagt die Maus, »der darf bloß nicht reingucken.«
In dem Moment guckt Checki Chackimani in das Fenster rein, steckt seinen Kopf in die Tür, übersieht den Otter, weil der ja am Boden liegt, und guckt die Käsemaus und die Fee an.
»Was ist denn mit Ihnen passiert?«, sagt Checki Chackimani. Er guckt hinter seiner Sonnenbrille hervor. »Sie tragen einen Schlafanzug, und Sie? Haben ein ganz schön verschmiertes Gesicht. Sind Sie in den Matsch gefallen?«, sagt Herr Chackimani zur Märchenfee.
»Äh, äh«, sagt die Fee, »da oben an der Decke!« Sie deutet nach oben, damit Checki Chackimani nach oben guckt und bloß nicht auf den Boden.
»Da oben? Auf jeden Fall, haben Sie noch was von dem Walnusskäse?«, sagt Checki Chackimani. »Der war so lecker, ich dachte, da ich hier gerade vorbeigehe, gucke ich nochmal rein bei Ihnen und besorg mir noch einen Käselaib von diesem.«
»Äh, äh«, sagt die Maus, »wir haben gerade gar nicht so richtig Zeit.«
»Sagen Sie, sagen Sie mal«, sagt die Fee. »Nur mal angenommen«, sagt die Fee, »jemand geht bei einem Boxkampf K.O.?«
Checki Chackimani greift sofort seine Fäuste und hält sie hoch. »Bei einem Boxkampf, haben Sie gesagt, geht jemand K.O.?«
»Ja, ja«, sagt die Fee, »ich meine ja nur, rein hypothetisch. Was tut man dann mit dem?«
»Was tut man dann mit dem? Keine Ahnung, da läutet die Glocke, der Boxkampf ist gewonnen, es ist ein K.O. Ich weiß nicht, was dann passiert. Vielleicht … äh, der Kampf ist auf jeden Fall gewonnen. Wen interessiert der Rest?«
»Ja«, sagt die Maus, »war nur so eine Frage am Rande.«
»Na gut«, sagt Herr Chackimani, »dann werde ich mal weitergehen. Falls Sie noch mehr über Boxkämpfe wissen wollen, dann können Sie sich immer gerne an mich wenden, und fragen Sie bloß nicht diesen dicken Otter, der hat wirklich keine Ahnung vom Boxen.«
In dem Moment entdeckt Checki Chackimani den bewusstlosen Otter auf dem Boden.
»Um Himmels willen«, sagt Checki Chackimani, »was ist denn hier passiert? Wir brauchen sofort einen Krankenwagen!«
Checki Chackimani holt sein Handy aus der Tasche, wählt 112 und sagt: »Hallo, Checki Chackimani hier im Käseladen auf dem Saturn. Ja, wir brauchen einen Krankenwagen, ein Verletzter, ein dicker Otter braucht sofort Hilfe. Vielen Dank, bis dann, tschüss.« Klickt auf. »Um Himmels willen«, sagt er, »ich bin doch ein fairer Sportsmann.«
In diesem Moment schlägt der dicke Otter zufällig seine Augen auf. »Ich glaube, ich muss träumen«, sagt der dicke Otter.
»Ein Glück, er lebt«, sagt die Fee, »er lebt! Du hast ihn nicht versehentlich totgeschlagen.«
»Versehentlich totgeschlagen?«, sagt Checki Chackimani und blickt sich um. »Wie kam es überhaupt dazu, dass der dicke Otter bewusstlos wurde?«
»Nun ja«, sagt die Maus, »das war so.« Und sie erzählt ihm die wahre Geschichte.
Checki Chackimani blickt sie fassungslos an. »Sie haben … Sie haben was?«, sagt Herr Chackimani. »Sie haben was? Sie haben den dicken Otter K.O. geschlagen?« Checki Chackimani macht zwei Schritte zurück von der Maus.
»Äh«, sagt die Maus, »es war ein Glückstreffer.«
»Genau genommen waren es zwei«, sagt die Fee.
»Sie haben ihm zwei Treffer hintereinander verpasst?«, sagt Checki Chackimani bewundernd. »Wie sind Sie denn durch sein dickes Fell durchgekommen? Ihre Fäuste sind doch viel zu klein dafür. Sie haben doch neulich auch gegen mich geboxt. Davon habe ich nicht mal was gemerkt, außer ein bisschen Kitzeln.«
»Nun ja«, sagt die Maus, »das war so. Es war ein kleiner Spezialtrick dabei.«
»Ein kleiner Spezialtrick«, sagt Checki Chackimani. »Wie lautet der Spezialtrick? Den könnte ich ja vielleicht für den Kampf gebrauchen. Vielleicht haben Sie ihn ja gerade schon erzählt?«
»Wie meinen Sie das?«
»Na, ich habe Ihnen doch gerade schon alles erzählt«, sagt die Maus. »Wie der dicke Otter seine Cappuccino-Tasse hielt. Und dann wollte er mich kurz knuddeln. Dabei hat er sein Kinn runtergehalten. In etwa so.« Die Maus macht die Bewegung vor und hält ihr Kinn nach unten.
»Ja«, sagt Checki Chackimani. »Aber es ist doch total üblich, dass Boxer auch mal am Kinn getroffen werden.«
»Nun ja«, sagt die Maus.
Sagt Herr Chackimani: »Sie meinen, Sie haben ihn nicht mit der Hand geschlagen?« Er macht noch zwei Schritte zurück und guckt ein bisschen abfällig.
»Nein«, sagt die Maus, »warum sollte ich ihn denn mit der Hand? Meine Hände hatten keinen Effekt.«
»Aber in einem Boxkampf«, sagt Checki Chackimani, »da können Sie doch nicht einfach Ihre Füße benutzen! Sie haben gegen die Regeln verstoßen.«
Sagt die Maus: »Ich bin in einem Schlafanzug, ich trage eine Schlafmütze. Ich bin eine Maus in einem Käseladen. Hier ist gar kein Boxring, es gibt gar keine Regeln, Herr Chackimani. Ich war einfach nur etwas nervös. Und dann habe ich wohl den dicken Otter ...«
Der dicke Otter berappelt sich langsam. »Wenn ich diesen Chackimani zwischen die Finger kriege«, redet der dicke Otter in Gedanken vor sich hin und bemerkt nicht, dass Herr Chackimani noch im Raum ist.
»Auf jeden Fall«, sagt Herr Chackimani, »war es nett mit Ihnen. Danke für die Boxtipps«, sagt Checki Chackimani zur Maus. »Und ich muss jetzt auch mal weiter. Das ist ja eine fantastische Geschichte. Der dicke Otter wurde von einer Maus K.O. geschlagen! Das muss ich gleich in der ganzen Stadt herumerzählen. Ich glaube, ich erzähle das gleich mal der Presse«, sagt Checki Chackimani und verlässt den Laden.
»Wer war das?«, sagt der dicke Otter, der Checki Chackimani immer noch nicht gesehen hat, weil er ja eben bewusstlos war und gar nicht so genau weiß, was passiert ist.
Sagt die Maus: »Das war mein Großvater.«
Die Fee stupst die Maus an. »Du sollst nicht lügen«, sagt die Fee zur Maus.
Sagt die Maus: »Manchmal muss es sein, das war eine Notlüge.«
Sagt die Fee: »Pass bloß auf, dass der Kampf zwischen dem dicken Otter und Checki Chackimani nicht direkt auf der Straße vor unserem Käseladen beginnt!«
»Nein, nein, das will ich natürlich nicht«, sagt die Fee. »Aber wir sollten uns den Kampf auf jeden Fall ansehen. Woher kriegen wir überhaupt Karten?«
»Nur von mir«, sagt der dicke Otter. »Ich habe immer welche dabei, für den Fall, dass ich Fans treffe. Und Sie sind Box-Fans, wenn ich Sie richtig verstanden habe.« Der dicke Otter berappelt sich langsam. »Was ist eigentlich passiert?«, sagt der dicke Otter.
»Was passiert ist?«, sagt die Käsemaus. »Sie meinen, Sie erinnern sich an gar nichts?«
»Ich erinnere mich an gar nichts. Warum habe ich hier auf dem Fußboden gelegen? Ich wollte doch gerade noch etwas fischigen Käse kaufen.«
»Fischiger Käse kommt sofort!«, sagt die Fee, um von der Situation abzulenken.
»Nun ja«, sagt die Maus, »es ist so.«
»Was haben Sie gesagt?«, sagt der dicke Otter.
»Äh, nichts«, sagt die Maus. »Also, die Geschichte ging so: Sie standen da im Käseladen, und dann haben Sie gesagt, Sie hätten gern etwas fischigen Käse. Und in dem Moment ist versehentlich unser großer Kronleuchter, den wir kürzlich erst anbringen lassen haben, der ist versehentlich von der Decke runtergerauscht. Und der wiegt 150 Kilo! Der ist Ihnen auf den Kopf gefallen. Na ja, und dabei sind Sie bewusstlos geworden. Wer wäre denn da nicht bewusstlos geworden? Das sage ich Ihnen aber. Das ist ja kein Vergleich zu einem Boxkampf, sondern Sie haben einen 150 Kilo schweren Kronleuchter ...«
»Ja, ja«, sagt der dicke Otter, »habe ich verstanden. Warum betonen Sie das so?«
»Also, etwas anderes ist Ihnen auf gar keinen Fall zugestoßen«, sagt die Maus.
»Ich erinnere mich noch daran, dass ich eine Cappuccino-Tasse in der Hand hatte«, sagt der dicke Otter.
»Die hatten Sie tatsächlich in der Hand, und die ist auch dabei heruntergefallen. Die Cappuccino-Tasse liegt noch auf dem Boden und ist zerscheppert.«
»Und wo ist der Kronleuchter?«, sagt der dicke Otter, der sich jetzt fragend umschaut. »150 Kilo aus Glas und Metall?«
»Das«, sagt die Maus, »das haben wir schon weggefegt, denn zufällig kam unser Freund, zufällig kam unser Freund Herr Chuck Bumm vorbei, ein berühmter Schlagzeuger vom Saturn, und der hatte gerade Handfeger und Schaufel dabei, und da er die gerade dabei hatte ...«
»Sie erzählen mir doch einen vom Pferd«, sagt der dicke Otter.
»Das ist wahr«, sagt die Maus. »Auf keinen Fall wurden Sie von einem kleinen Nagetier geschlagen und von einem Miniaturnagetier besiegt. Sie müssen sich gar keine Sorgen um den Ausgang Ihres Boxkampfes machen«, sagt die Maus zu dem dicken Otter.
»Keine Sorgen machen?«, sagt der dicke Otter. »Wie meinen Sie das?« Er hebt die Fäuste und boxt testweise um sich.
»Wie eine Maus, sozusagen, nicht wahr?«
»Wie eine Maus, das sehen Sie ganz genau richtig«, sagt der dicke Otter.
»Hier ist doch schon der Fischkäse!«, ruft die Fee und kommt aus dem Käselager hervor. »Wie viele Laibe dürfen es denn sein?«
»Kann ich den vielleicht erstmal probieren?«, sagt der dicke Otter.
»Aber klar«, sagt die Maus, um vom Thema abzulenken, das zwischen ihr und dem dicken Otter steht. Sie schneidet ihm ein riesiges Stück ab und pfeffert es dem dicken Otter genauso in den Mund wie Checki Chackimani.
»Ist sehr saftig«, schiebt die Maus hinterher, und der dicke Otter guckt sie verwirrt mit einem dicken Stück Käse im Mund an. Er beginnt zu kauen, was ihm sichtlich schwerfällt, da das Stück viel zu groß für seinen Mund ist.
»Ich schätze, genau das Richtige für Sie«, behauptet die Maus.
Der Otter kaut den Käse. »Könnte es sein«, sagt der Otter, »dass es sich hierbei nicht um Käse mit Fischgeschmack, sondern um Käse mit Wildfleischgeschmack handelt?«
Die Maus guckt über die Schulter zur Fee. Die Fee guckt auf das Etikett des Käses. »Oh«, sagt die Fee und läuft rot an.
»Ich bin allergisch gegen Wildfleisch«, sagt der dicke Otter.
»Wie meinen Sie das?«, fragt die Maus.
Der dicke Otter fällt ohne einen weiteren Kommentar bewusstlos auf den Rücken.
»Oh mein Gott«, sagt die Fee. »Was würde Checki Chackimani tun?« Die Fee holt ein kleines Handy unter ihrem Kleid hervor.
In dem Moment kommen zwei Reiher mit einer Krankentrage in den Laden reingehechtet.
»Wo ist der Ohnmächtige?«, rufen die beiden Reiher. »Wir sind Sanitäter!«
»Das trifft sich gut«, sagt die Maus. »Der Ohnmächtige ist dort.«
»Warum ist der Ohnmächtige ohnmächtig?«
»Er hat zwei Schläge von einer Käsemaus bekommen. Jetzt ist er ohnmächtig, weil er allergisch gegen Wildfleisch ist.«
Die beiden Reiher gucken sich im Laden um. »Hier wird Käse verkauft, kein Wildfleisch.«
»Nun ja«, sagt die Fee. »Schauen Sie, wir haben spezielle Käsesorten.«
»Sie haben Käse mit Wildfleisch?«, sagt der zweite Reiher.
»Wollen Sie einen Ohnmächtigen retten?«, sagt die Maus.
»Natürlich«, sagt der Reiher. »Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.«
»Glaub ich aber auch. Auf jeden Fall ist damit nicht zu spaßen. Was hat er denn nun? Wurde er von einer kleinen Maus geschlagen und liegt deswegen auf dem Boden, oder hat er ein Stück Käse mit Wildfleisch gegessen und ist allergisch gegen Wildfleisch?«
»Gut«, sagt der Reiher. »Das haben wir mehrmals pro Monat, ist gar kein Problem. Wir setzen ihm kurz eine Infusion, behalten ihn eine Viertelstunde im Wagen, und ich schätze, dann kann er schon weiterlaufen. So machen wir das hier auf dem Saturn. Das klappt eigentlich immer, zumindest bei so dicken Ottern.«
»In Ordnung«, sagt die Maus.
»Gute Idee«, sagt der Reiher, nimmt dem Otter den Käse aus dem Mund und steckt ihn in seinen eigenen Mund. »Lecker«, sagt der Reiher. »Zum Glück bin ich nicht allergisch dagegen. Jetzt hätten wir noch gern den Fischkäse.«
»Fischkäse haben Sie auch?«, sagt der zweite Reiher.
»Ja, haben wir. Aber ein Kunde hat den bereits vorbestellt.«
»Aber der Kunde ist K.O., so wie das aussieht«, sagt der Reiher.
»Na gut, dann können Sie den natürlich haben. Haben Sie noch einen Moment Zeit?«
»Klar«, sagt der zweite Reiher. »Wir haben alle Zeit der Welt.«
»Ich denke, Sie sind Sanitäter?«, sagt die Maus.
»Nun ja, die Infusion ist ja schon gelegt.«
»Wer weiß denn das schon so genau? Der wird es auf jeden Fall schaffen«, sagt die Maus. »Dass er diesen Vorfall *nicht* überlebt.«
»Überlebt? Selbstverständlich«, sagt der Reiher kauend. »Sehr leckerer Käse«, betont er.
»Selbstverständlich«, sagt die Maus und fasst sich mit den Händen an den Kopf. »Wir hätten fast den dicken Otter umgebracht.«
Die Fee kommt mit zwei Laiben von dem fischigen Käse zurück. Der Reiher hält eine kleine fischige Kreditkarte hin, zahlt den fischigen Käse und bedankt sich herzlich. Jetzt hat er den Käse vom dicken Otter gekauft.
»Ich hoffe, dass das gutgeht und dass der Otter das nicht mitbekommt.«
»Ach so«, sagt der Reiher. »Sie meinen, ich sollte den vorne im Rettungswagen verstauen?«
»Ja, das sollten Sie wohl«, sagt die Maus. »Richten Sie ihm schöne Grüße aus von Herrn Chuck Bumm, unserem Freund, der hier ja kürzlich vorbeikam, und sagen Sie ihm, er mag gerne morgen wiederkommen, um sich einen neuen fischigen Käse abzuholen. Also, bis die Tage«, sagt die Maus. »Wir sehen uns dann vielleicht beim Boxkampf.«
»Bei welchem Boxkampf?«, sagt der Reiher.
»Checki Chackimani gegen den dicken Otter«, sagt die Maus.
»Oh ja«, sagt der Reiher. »Sie meinen ... Sie meinen, das ist der dicke Otter?«
»Na klar«, sagt die Maus. »Was glauben Sie denn?«
»Um Himmels willen!«, rufen die beiden Reiher, greifen den Otter, legen ihn auf eine Trage und rennen hinaus, nehmen auch noch ihren fischigen Käse mit. »Der Mann muss sofort gerettet werden!«, rufen sie und gehen in ihren Rettungswagen.
»Meine Güte«, sagt die Maus. »Und das alles vor dem eigentlichen Arbeitsbeginn.« Die Maus guckt an ihrem Schlafanzug runter. »Ich habe es nicht mal geschafft, mich umzuziehen. Und ich weiß auch nicht, ob ich das jetzt noch machen möchte.«
»Vielleicht bleiben wir heute einfach so«, sagt die Fee. »Meine Güte, meine Güte. Ich glaube, wir machen den Laden zu.«
Da kommt Bruno durch die Tür. Ein kleiner Hund, der immer drei Käsekugeln bekommt.
»Ah, schwupp, schwupp, schwupp«, ruft die kleine Fee. »Heute mache ich das mal.« Die Fee nimmt sich drei der Käsekugeln und wirft sie Bruno hin, der sie schnappen soll. Aber die Fee wirft so schlecht, dass die Käsekugeln durch den Laden purzeln.
Bruno guckt sich irritiert um.
»Du musst meine Mitarbeiterin entschuldigen«, sagt die Maus. »Die hat heute schon viel Aufregendes erlebt.«
Bruno guckt auf seine Uhr an der rechten vorderen Pfote. »Es ist gerade mal 27 Minuten nach acht. Was soll denn da schon so Aufregendes passiert sein?«
Sagt die Maus: »Ist ein Betriebsgeheimnis.«
»Wie meinst du das, Betriebsgeheimnis? Nun ja, es gibt doch immer auch was Wichtiges am Bahnhof zu erledigen, nicht wahr?«
»Na klar«, sagt Bruno. Er schnappt sich die drei Käsekugeln. »Alles Gute, ich muss mal los bis zum Bahnhof. Will nicht zu neugierig sein. Ich lese aber regelmäßig die Zeitung«, sagt Bruno und wirft einen geheimnisvollen Blick auf die Käsemaus und auf die Wunschfee. »Dann bis die Tage!«, ruft Bruno.
»Bis die Tage«, ruft die Fee und setzt sich erschöpft auf einen Stuhl. »Meine Güte, wenn das heute so weitergeht, dann passiert noch eine ganze Menge im Käseladen.«
»Das kann wohl sein«, sagt die Maus. »Und nächste Woche ist ja auch schon der Boxkampf.«
»Ich glaube, der ist morgen«, sagt die Fee.
»Der Boxkampf ist morgen?«, sagt die Maus.
»Ich glaube schon.«
#10 Checki Chackimani – Dicker Otter, Der Kampf
Der galaktische Käseladen mit der kleinen galaktischen Käsemaus.
Flatsch! Flatsch! Flatsch!
Die Maus öffnet ein Auge, aber sie sieht kaum etwas. Durch eine grüne, glibberige Masse hindurch erkennt sie die Fee. Sie grinst.
Flatsch!, macht es erneut, denn die Maus kneift die Augen zu.
»Mmpf!«, macht die Maus.
»Wie bitte?«, ruft die Fee. »Ich verstehe dich nicht!« Sie grinst und hält einen Eimer in der Hand.
Die Maus fährt sich mit der Hand über den Mund. »Was machst du da?«, ruft die Maus.
»Ich hab dir Wackelpeter ins Gesicht geschmissen!«
»Wie bitte?«, sagt die Maus.
»Götterspeise! Wackelpudding! Waldmeistergeschmack!«
»Was soll der Quatsch?«, sagt die Maus verschlafen und wischt sich über die Augen. Sie sieht durch den grünen Wackelpudding hindurch die Fee, die in ihrem Zimmer steht. Die Fee trägt Boxershorts, ein Kampf-T-Shirt und Boxhandschuhe.
»Was ist mit dir los?«, sagt die Maus. »Wo ist dein Kleid hin?«
»Heute ist der große Kampf!«, ruft die Fee. »Aufwachen!«
»Warum kippst du mich mit Wackelpudding zu?«, sagt die Maus.
»Na, dein Traum! Erinnerst du dich nicht? Du hast mir doch von deinem Traum erzählt, wo die Flamingo-Schiedsrichterin immer diese rosaroten Wackelpudding-Reste hinterlassen hat. Und da dachte ich mir, heute wäre es passend.«
Die Maus guckt sich um. Ihr ganzes Bett ist voller grünem Wackelpudding. »Was ist hier passiert? Was fällt dir eigentlich ein?«, sagt die Maus. »Was fällt dir eigentlich ein?«
»Nun ja«, sagt die Fee. »Hier sind deine Sachen. Auf geht's. Wir fahren in den Käseladen.«
»Du fährst in den Boxhandschuhen in den Käseladen?«
»Selbstverständlich. Und heute machen wir zur Feier des Tages eine Stunde früher auf.«
»Wir machen was?«, sagt die Maus verschlafen und wischt sich den Wackelpudding aus dem Fell. »Ich muss erstmal duschen. Guck mich doch an!«, sagt die Maus.
»Pappalapapp duschen«, sagt die Fee und zieht den vorbereiteten Gartenschlauch um die Ecke. »Wir werden hier duschen!« Die Fee fängt an, die Maus mit dem Gartenschlauch abzuspritzen. Das Wasser ist eiskalt. Der Wackelpudding fliegt an die Wände des Schlafzimmers. Die Maus schüttelt sich vor dem kalten Wasser.
»Brrr!«, ruft die Maus.
»Na, wenigstens bist du jetzt wieder sauber«, ruft die Fee und schmeißt den Schlauch in die Ecke.
»Mein ganzes Zimmer ist nass! Bist du wahnsinnig?«
»Ist doch nicht wahnsinnig«, sagt die Fee. »Wozu haben wir unseren kleinen Wischroboter?«
»Wischroboter?«, sagt die Maus.
»Na, du weißt doch. Unser kleiner Wischroboter, das Superputzgerät, das es hier auf dem Saturn gibt.« Die Fee drückt auf einen kleinen Knopf auf ihrem Telefon, und ein kleiner Roboter beginnt, das ganze Wasser aufzuwischen, und fängt dann an, den Lappen in einem kleinen Waschbecken auszuwringen, sodass der Boden Stück für Stück wieder sauber wird.
»Aber der Roboter ist noch lange nicht fertig.«
»Wir können schon mal los«, sagt die Fee. »Der macht hier alleine weiter. Auf geht's, hier sind deine Handschuhe.«
»Handschuhe?« Die Maus guckt raus. Es ist ein wunderschöner Sommertag.
»Na, deine Boxhandschuhe natürlich!«
»Aber damit kann ich doch keine … mit den Boxhandschuhen kann ich doch keine Tasse Cappuccino auf einem fliegenden Skateboard trinken!«
»Na, das werden wir sehen«, sagt die Fee. »Auf geht's!«
Die Fee und die Maus fliegen aus dem Fenster. Aus dem Fenster des Schlafzimmers der Maus fliegen sie mit ihren fliegenden Skateboards raus und trinken auf den Skateboards ihre Cappuccino-Tassen – mit ihren Boxhandschuhen.
»Um Himmels willen«, sagt die Maus, »so stürmisch hatte ich mir den Tag nicht vorgestellt. Hast du eigentlich die Tickets dabei?«
Die Fee hält zwei Pappkarten vor das Gesicht der Maus. »Selbstverständlich«, sagt die Fee. »Ich hab die ganze Nacht lang an nichts anderes gedacht.«
»Sag mal«, sagt die Maus, »hast du heute Nacht auch geschlafen, oder warst du die ganze Nacht wach?«
Die Fee boxt mit ihren Boxhandschuhen in die Luft. »Geschlafen?«, sagt die Fee. »Warum sollte ich schlafen? Heute ist der große Kampf!«
»Ja, ja, ich weiß«, sagt die Maus. »Wie spät ist es überhaupt?«
»Wir machen den Laden heute schon um sechs auf«, sagt die Fee.
»Was?«, sagt die Maus. »Um sechs? Ich dachte, wir öffnen eine Stunde vorher.«
»Na ja, eine Stunde, zwei Stunden, was macht das schon«, sagt die Fee. »Hauptsache, wir können früh Feierabend machen.«
»Meinetwegen«, sagt die Maus. »Ich bin auf jeden Fall schon gespannt auf den Kampf.«
Um Punkt 6 Uhr kommen die Maus und die Fee beim Käseladen an.
»Meine Güte«, sagt die Maus, »woher sollen denn die Kunden das wissen? Wir machen doch immer erst um acht auf.«
»Ich hab sie alle informiert«, sagt die Fee.
»Was?«, sagt die Maus.
»Ich hab sie alle informiert«, sagt die Fee und zeigt auf ihr Telefon.
»Woher hast du die Telefonnummern unserer Kunden? Die lassen doch ihre Nummern gar nicht da!«
»Das nicht«, sagt die Fee. »Aber die meisten zahlen mit Karte.«
»Bitte wie?«, sagt die Maus. »Aber du kannst doch nicht einfach die Telefonnummern über die Karten der Kunden bekommen?«
»Ja«, sagt die Fee, »was so eine richtige Wunschfee ist …«
»Sag mal«, sagt die Maus, »hast du noch nie was von Datenschutz gehört?«
»Datenschmutz?«, sagt die Fee.
»Nein, Datenschutz«, sagt die Maus. »Wenn man die Daten schützt und Leute freundlich behandelt!«
»Ich behandle die Leute doch freundlich«, sagt die Fee. »Ich sag denen, wann unser Käseladen offen ist. Und schließlich waren die ja schon mal bei uns.«
»Ja«, sagt die Maus. »Aber nur, weil die mal bei uns waren, heißt das doch nicht, dass die von dir Anrufe bekommen wollen.«
»Sie haben auch keinen Anruf bekommen.«
»Haben keinen Anruf bekommen? Du hast doch gerade gesagt, dass du sie informiert hast!«
»Ich habe ihnen eine kurze Nachricht geschickt. Hier«, sagt die Fee und hält eine kleine Nachricht mit einem Foto vor das Gesicht der Maus. Auf dem Foto sieht man den Käseladen im allerbesten Fotolicht. Die Fee und die Maus stehen grinsend hinter der Theke und halten jeweils ein Stück Käse hoch. »Spezialöffnungszeiten am großen Kampftag Checki Chackimani gegen den dicken Otter! An diesem Tag öffnen wir schon um sechs«, steht in der Nachricht.
»Na wunderbar«, sagt die Maus. »Okay, gut. Also ich weiß nicht, ob das mit rechten Dingen zuging.«
»Weiß ich auch nicht«, sagt die Fee. »Was macht das schon? Ich bin eine Märchenfee, du bist eine Käsemaus.«
»Na gut«, sagt die Käsemaus in dem Fall.
»Und wir sind auf dem Saturn«, sagt die Fee.
»Ach ja, stimmt«, sagt die Maus. »Wir sind ja zum Glück nicht auf der Erde.«
»Warum nicht auf der Erde?«, sagt die Fee. »Warst du schon mal dort?«
»Ich bin da aufgewachsen!«, sagt die Maus empört. »Das habe ich dir schon tausendmal erzählt!«
»Ach ja«, sagt die Fee, »jetzt fällt es mir wieder ein. Du wolltest ja damals den Mond fressen, weil du dachtest, er wäre aus Käse.«
»Das ist nicht witzig«, sagt die Maus. »Da war ich eben noch sehr unerfahren.«
Die Maus und die Fee rollen die Käselaibe in den Laden rein und bauen die Verkaufstheke auf. In dem Moment kommt schon eine feine Waschbärendame rein.
»Guten Morgen, die Damen«, sagt die Waschbärendame. »Mein Name ist Liselotte.«
»Guten Morgen«, sagt die Maus. »Es ist nicht so üblich, dass sich die Kunden hier mit Namen vorstellen, aber mein Name ist Käsemaus. Ich bin die galaktische Käsemaus.«
»Ich habe schon viel von Ihnen gehört«, sagt Liselotte.
»Ach, wirklich?«, sagt die Käsemaus.
»Ach, wirklich«, sagt Liselotte. »Ich bin nämlich Eventmanagerin und bin immer auf der Suche nach dem besten Catering.«
»Nach dem besten was?«, sagt die Maus. »Catering? Essen? Eine Speise für die Künstler?«
»Sie wissen schon, wenn man auf Reisen ist, man macht ein Event …«
»Was ist denn ein Event?«, sagt die Maus.
»Eine Party! Wissen Sie, was eine Party ist?«, sagt Liselotte.
»Na klar weiß ich, was eine Party ist. Also eine Party, und dort gibt es was zu essen?«
»Man kann auch sagen, es ist ein Event, und dort gibt es Catering.«
»Ach so«, sagt die Maus, »und beim Catering, da gibt es also so eine Art Buffet oder wie?«
»Ganz genau, Sie haben es erfasst.«
»Ach so, ja, ja, na gut. Ja, stimmt«, sagt die Maus. »Das ist ja eins unserer Spezialgebiete.«
»Spezialgebiete?«, sagt Liselotte erstaunt. »Was haben Sie denn für Spezialgebiete?«
»Nun«, sagt die Maus, »eigentlich nur Käse. Und noch mehr Käse. Noch viel mehr Käse. Wir sind hier die Käseexpertinnen auf dem Saturn.«
»Und wir können auch Cappuccino machen!«, ruft die Fee aus dem Lager.
»Da ist noch jemand«, sagt Liselotte.
Da kommt die Fee hinter die Käsetheke geschwirrt. »Wollen Sie Cappuccino?«, sagt die Fee.
»Wer sind Sie denn?«, sagt Liselotte. »Sie sehen ja entzückend aus. Obwohl, was tragen Sie denn da für ein komisches Outfit?«, sagt Liselotte. »Wollen Sie heute auch einen Boxkampf machen?«
»Ganz genau«, sagt die Märchenfee und schlägt einige Male mit ihren kleinen Fäusten um sich. »Ich würde gerne, aber ich schätze, ich habe keine Chance gegen Checki Chackimani!«, ruft die Fee.
»Und auch nicht gegen den dicken Otter«, sagt Liselotte.
»Nun ja«, sagt die Fee. »Also über den habe ich ja spezielle Sachen gehört.«
»Ach, haben Sie spezielle Sachen gehört?«
»Nun ja, meine Kollegin hier drüben, die kleine Käsemaus …«
Die Maus knufft die Fee in die Seite. »Das dürfen wir doch niemandem erzählen! Nun hol endlich drei Cappuccino für uns.«
»Drei Cappuccini«, sagt die Fee. »Im Italienischen wird die Mehrzahl manchmal mit i gebildet. Cappuccino, Cappuccini. Ein Cappuccino, mehrere Cappuccini.«
»Ja, ist ja gut«, sagt die Maus. »Dann hol uns halt ein paar Getränke. Was machen Sie denn in der Stadt?«, sagt die Maus neugierig.
»Sie tragen ja auch Boxkleidung«, sagt Liselotte. »Sie sind wohl große Boxfans?«
»Oh ja«, sagt die Maus. »Und wir hoffen, dass Checki Chackimani heute den Kampf gewinnt!«
»Dazu kann ich leider keine Position einnehmen«, sagt die feine Waschbärendame.
»Wie meinen Sie das?«, sagt die Maus.
»Nun, ich bin die Eventmanagerin. Ich veranstalte das Box-Event heute.«
Die Fee kommt in den Raum geschwirrt. »Sie machen was?«
»Nun ja, jemand muss diesen Boxkampf ja veranstalten. Und die große Party, die es danach gibt.«
»Die große Party, die es danach gibt?«, sagt die Fee neugierig.
»Ja, selbstverständlich. Haben Sie schon Karten für die Aftershow-Party?«
»Natürlich nicht«, sagt die Maus. »Woher sollten wir die bekommen? Wir haben nur Karten für den Kampf.«
»Ja«, sagt die Fee und holt die beiden Karten aus der Tasche.
»Oh, Sie sind ja wirklich richtige Fans«, sagt die feine Waschbärendame. »Auf jeden Fall wollte ich noch etwas besonderen Käse für das Catering besorgen. Ich habe gehört, Sie können kleine Schnitzfiguren aus Käse machen?«
»Selbstverständlich können wir das«, sagt die Maus.
»Nun, dann hätte ich gern eine Figur von Checki Chackimani und eine Figur vom dicken Otter«, sagt die feine Waschbärendame. »Und zwar bis heute um 11 Uhr. Das heißt, Sie haben jetzt noch knapp fünf Stunden, dann brauche ich die Figuren, und dann geht es auch bald los.«
»Ich weiß nicht, ob wir das schaffen«, sagt die Maus.
»Doch«, sagt die Fee. »Ich habe schon eine Idee.«
»Sie werden das schon hinbekommen«, sagt die Waschbärendame. »Wenn Sie es bis Viertel vor elf schaffen, dann kriegen Sie Karten für die große Party danach. Wir sehen uns später.«
»Bis später«, sagt die Maus. »Und sind Sie wirklich die echte Eventmanagerin?«
»Darauf können Sie Ihre Boxerschuhe verwetten«, sagt Liselotte und verlässt den Laden.
In dem Moment kommt Bruno rein.
»Bruno, wir haben keine Zeit für dich!«, ruft die Käsemaus ihm entgegen.
»Aber einen Cappuccino haben wir für dich übrig«, sagt die Fee.
»Liselotte hat gerade unvermittelt den Laden verlassen. Wer ist Liselotte?«, sagt Bruno.
»Die Eventmanagerin des großen Boxkampfes heute Abend! Checki Chackimani gegen den dicken Otter!«
»Gegen den dicken was?«, sagt Bruno.
»Du bist wohl kein Boxfan«, sagt die Fee.
»Nee, sehe ich aus wie ein Boxer?«, sagt Bruno.
»Nee«, sagt die Maus. »Du bist kein Boxer, das sehe ich auch so. Aber du bist ein Hund.«
»Und ich habe wirklich überhaupt keine Ahnung vom Boxen«, sagt Bruno. »Ich bin nur auf dem Weg zum Bahnhof und ich bräuchte noch meine ...«
In dem Moment wirft die Maus mit voller Wucht drei Käsekugeln. Heute wirft sie nicht im hohen Bogen, sondern direkt in den Mund von Bruno, sodass der sie kaum noch stoppen kann.
Flup, flup, flup, fliegen die drei Käsekugeln in seinen Mund.
Haps, macht Bruno.
»Und hier ist noch der Cappuccino«, sagt die Fee. »Geht aufs Haus.«
»Was sie damit meint«, sagt die Maus, »sie meint damit, der Cappuccino ist für dich kostenlos, du musst ihn nicht bezahlen. Man sagt auch, geht aufs Haus.«
»Geht aufs Haus«, sagt Bruno.
»Wiederholt«, sagt die Maus, »und wir müssen jetzt Käsefiguren schnitzen. Ich weiß nur noch nicht, wie wir das so schnell schaffen wollen.«
Bruno setzt sich kurz hin, was für ihn sehr ungewöhnlich ist, und trinkt genüsslich seinen Cappuccino, während die Fee bereits ihr kleines Telefon rausgeholt hat und beginnt, in Hamstersprache zu sprechen.
»Vorbeikommen! Es ist ein Notfall! Ja, ja, und der dicke Otter! Sie müssen knabbern, knabbern!«
»Mit wem redest du da?«, sagt die Maus.
»Sie haben fünf Minuten!«
»Mit wem redest du da?«, sagt die Maus.
Die Fee legt das Telefon auf, guckt die Maus an und sieht ihr tief in beide Augen. »Ich habe die Hamster gerufen«, sagt die Fee.
»Du hast was?«, sagt die Maus. »Aber die sabbern doch schon wieder den Käse an, und außerdem verlieren die ständig Haare!«
»Wir haben keine andere Wahl«, sagt die Fee, »wenn wir diese Figuren bis Viertel vor 11 fertig haben wollen. Und das wollen wir doch, liebe Maus, oder?«
»Das wollen wir selbstverständlich«, sagt die Maus. »Dann müssen das die Hamster erledigen. Anders kriegen wir es nicht hin.«
In dem Moment hören sie schon das Trappeln, und 27 Hamster kommen nagefreudig in den Laden.
»Wo ist der Käse?«, ruft der Anführer.
»Da hinten! Und wir brauchen die Figuren bis 10:30 Uhr! 10:45 Uhr würde reichen«, sagt die Maus.
»Ja, aber wir brauchen auch einen kleinen Zeitpuffer«, sagt die Fee. »Und wir gehen jetzt eine Runde spazieren, gehen zu Sabine, trinken noch einen Cappuccino. Hier kommen eh keine Kunden mehr, außerdem bin ich viel zu aufgeregt, um heute noch irgendjemandem Käse zu verkaufen. Wir kriegen Karten für die Backstage-Party! Kannst du dir das vorstellen?«
»Was für eine Backstage? Was bedeutet das?«
»Na, eine Party hinter der Bühne.«
»Ach so. Die Party nach dem Boxkampf.«
»Ganz genau.«
Viertel vor 11. Die Hamster liegen verschwitzt in allen Ecken des Käseladens und sind völlig fertig. In dem Moment kommt die feine Waschbärendame rein. In der Mitte des Raumes stehen zwei hochglänzende Käsefiguren. Die eine sieht genau aus wie Checki Chackimani, der gerade seine Fäuste zum Kampf hebt, die andere sieht aus wie der dicke Otter.
»Fantastisch!«, sagt die Eventmanagerin, reicht den beiden zwei Karten für die Party am Nachmittag, zahlt mit einer goldenen Kreditkarte und ist weg.
Die Maus und die Fee sind überglücklich. Kurz darauf schließen sie den Laden. Die Maus schließt die Tür doppelt ab, und sie gehen zum Boxkampf.
Einige Zeit später beginnt der Kampf. Die Kampfglocke läutet. Die Flamingo-Dame ist tatsächlich die Schiedsrichterin – nur dass sie im echten Kampf keine Wackelpudding-Spuren hinterlässt. Die Flamingo-Dame steht in der Mitte, und aus dem Hintergrund brüllt ein brauner Bären-Sprecher die Namen der Kämpfer.
»Und in dieser Ecke«, brüllt der Braunbär, »mit 255 Kilogramm … der Großmeister des Boxens! Der boxende Goldhamster des Saturns! Der ungeschlagene Champion: Checki Chackimani!«
Das Publikum johlt.
Der Sprecher wiederholt: »Checki!«
Und das Publikum ruft: »Chackimani!«
»Checki!«
Das Publikum schreit: »Chackimani!«
»Und in dieser Ecke des Ringes …«
Der dicke Otter kommt aus seiner Ecke gerannt und beginnt, mit den Fäusten wild um sich zu fuchteln.
»Der selten geschlagene Vize-Champion! Der unvergleichliche, der dickste Otter des Saturns, der jemals das Boxen gelernt hat! Der unvergleichliche, der superdicke: Dicke Otter!«
Der dicke Otter fuchtelt mit den Fäusten durch die Luft, und das Publikum johlt ebenfalls.
»Der dicke!«
Und das Publikum ruft: »Otter!«
»Der dicke!«
Das Publikum ruft: »Otter!«
Einige Buhrufe mischen sich dazwischen. Einige im Publikum mögen den dicken Otter nicht.
»Möge der Bessere gewinnen!«, ruft der Braunbär noch, und die Flamingo-Dame hält schützend ihre Hände zwischen die beiden Kämpfer.
»Ich will einen fairen Kampf sehen! Keine Fouls, keine Tiefschläge, keine unerlaubten Aktionen«, sagt die Flamingo-Dame. »Der Kampf möge beginnen!«, ruft sie und tänzelt zurück.
Checki Chackimani und der dicke Otter beginnen, sich zu umrunden, und hüpfen auf ihren Beinen wie die Weltmeister.
»Dir werde ich's zeigen!«, ruft der dicke Otter.
»Du hast überhaupt keine Chance!«, ruft Checki Chackimani.
»Das werden wir noch sehen!«, ruft der dicke Otter.
»Auf jeden Fall«, sagt Checki Chackimani. »Schauen Sie mal dort!«, ruft er zur Schiedsrichterin und deutet auf die eine Seite der Halle.
Die Schiedsrichterin guckt kurz an die Hallenwand. In dem Moment fliegt ein Sack Kohle von der Decke der Sporthalle und kracht auf den dicken Otter nieder, der daraufhin voller Kohlestaub ist, und die Kohlekugeln purzeln durch den Boxring.
»Was ist da?«, sagt die Schiedsrichterin, die vor lauter grölendem Publikum nicht gehört hat, dass der Sack Kohle auf den Otter eingeschlagen und dabei zerplatzt ist.
»Nichts, hab mich geirrt«, sagt Checki Chackimani.
Und die Ringrichterin blickt sich wieder zu den Kämpfern um. »Was ist denn hier passiert?«, ruft die Ringrichterin.
»Gar nichts!«, ruft Checki Chackimani und verpasst dem dicken Otter eine fiese Linke und danach eine rechte Faust mit den Boxhandschuhen mitten ins Gesicht. Der dicke Otter taumelt, und das Publikum beginnt zu buhen. Einige johlen auch dazwischen.
»Was war denn das?«, sagt die Fee zur Maus.
»Ich weiß auch nicht, das ist doch kein Boxkampf hier«, sagt die Maus. »Warum flog da ein Sack Kohle runter?«
»Keine Ahnung.«
Checki Chackimani beginnt weiter, mit dem dicken Otter zu boxen, der sich jetzt allerdings wieder orientieren kann. Er tänzelt einmal um Checki Chackimani herum, zieht ihm den leeren Kohlesack über den Kopf und beginnt ebenfalls, Checki Chackimani einige Schläge zu verpassen.
Ding, ding, ding, ding, ding, macht da die Schiedsrichterin. »Das ist das Ende der ersten Runde! Die Kämpfer kommen auseinander. Los, in eure Ecken!«
Beide Boxer setzen sich in ihre Ecken und warten einen Moment. Der dicke Otter ist verwirrt, und sein Fell ist voller schwarzer Kohle.
»Was war denn da passiert?«, sagt der Otter zu seiner Trainerin.
»Ich weiß nicht, ich glaube, Checki Chackimani hat einen fiesen Trick versucht.«
Checki Chackimani sitzt ebenfalls in seiner Ecke und spricht mit seiner Trainerin.
»Na, wie war ich?«, sagt Checki Chackimani.
»Du warst großartig, Großmeister«, sagt die Trainerin zu Checki Chackimani. »Insbesondere dieser kohlenartige Superschlag!«
»Aber meinst du nicht«, sagt Checki Chackimani zur Trainerin, »meinst du nicht, dass das ein bisschen zu unfair war?«
»Ach was«, sagt die Trainerin, »so ein Quatsch. Boxen ist ein harter Sport, da kann schon mal ein Sack Kohle von der Decke fliegen.«
»Na, ich weiß nicht«, sagt Checki Chackimani. »Bisher war ich immer ein sehr fairer Sportsmann, aber heute weiß ich nicht so genau, ob das so eine gute Idee war. Ob das so eine gute Idee war …«
Ding, ding, ding, ding, ding
»Runde zwei! Auf geht's!«
Die beiden Boxer beginnen wieder, umeinander herumzutänzeln, und Checki Chackimani kriegt einen harten Schlag ins Gesicht, sodass er zurücktaumelt und in die Seile des Boxrings fällt. Aber er federt sofort zurück und startet eine Gegenattacke gegen den dicken Otter.
Der dicke Otter beginnt auf einmal, wie ein Verrückter im Kreis zu laufen. Er rennt einfach im Boxring, als würde er einen Sprint im Kreis laufen. Und plötzlich ruft er zur Schiedsrichterin: »Schauen Sie mal dort drüben!«
Die Schiedsrichterin ist schon völlig verwirrt, warum er so häufig im Kreis gelaufen ist. Da sie ihm immer hinterhergeguckt hat, ist ihr auch ein bisschen schwindelig. Plötzlich zeigt er in diese Richtung, in die sie prompt schaut und starrt an die andere Seite der Halle, zu der Checki Chackimani nicht gezeigt hat. Aber der dicke Otter zeigt jetzt dort hin.
In dem Moment prasseln einige Säcke altes Brot auf Checki Chackimani nieder! Es sind so viele Brote in den Säcken drin, es sind ungefähr 15 Säcke, die hintereinander auf Checki Chackimani runterkrachen. Das Brot purzelt in alle möglichen Richtungen und mischt sich mit der Kohle. Der ganze Boxring ist völlig dreckig.
Als sich die Ringrichterin umdreht, guckt sie verwirrt und sagt: »Was ist denn hier passiert?«
»Ich weiß auch nicht«, sagt der dicke Otter und verpasst Checki Chackimani links und rechts ein paar Schläge.
»Das geht so nicht weiter!«, ruft Checki Chackimani. »Das muss hier endlich Schluss sein!« Checki Chackimani versucht einige wilde Attacken auf den dicken Otter und trifft ihn einige Male, sodass der dicke Otter beginnt zu taumeln.
»Und jetzt«, sagt die Wunschfee, »jetzt werden wir dafür sorgen, dass Checki Chackimani diesen Kampf gewinnt.«
»Bitte was?«, sagt die Maus. »Wir werden wofür sorgen?«
Es öffnet sich eine riesige Luke in der Hallendecke. Die Fee schaut nach oben. Keiner aus dem Publikum schaut nach oben. Es kommt eine riesige Schlammlawine runter und klatscht auf den ganzen Boxring, der auf einmal völlig mit Baggermatsch zugeklatscht ist!
»Iih!«, ruft die Schiedsrichterin.
»Exzellent!«, ruft die Märchenfee.
»Was hast du gemacht?«, sagt die Maus.
»Na, ich will, dass Herr Chackimani gewinnt«, sagt die Märchenfee.
»Aber ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist«, sagt die Maus.
»Ich auch nicht.«
Der dicke Otter hat es geschafft, sich aus dem Schlamm zu befreien, und hüpft in den Schlammpfützen herum wie ein kleines Kind. Nun schafft es auch Checki Chackimani und hüpft aus dem Schlamm heraus. Die Ringrichterin ist ebenfalls wieder dort. Alle sind voller Schlamm.
Die Jury guckt sich an: »Müssen wir den Kampf abbrechen?«
»Ach iwo, das wird schon gehen, es hat halt ein bisschen komisch geregnet«, sagen die anderen Jurymitglieder. »Also geht der Kampf weiter.«
»Der Kampf geht weiter!«, sagt die Ringrichterin.
»Der Kampf geht weiter!«, betont die Jury.
In dem Moment holt der dicke Otter zu einer Superattacke aus und verpasst Checki Chackimani einige kräftige Schläge. Das Publikum beginnt zu buhen.
»Nix da, nix da!«, rufen einige Leute aus dem Publikum.
Checki Chackimani schafft es tatsächlich, sich zu berappeln, federt einige Male in den Seilen des Boxrings hin und her und schafft es dann, dem dicken Otter einige solche Schläge zu verpassen, dass dieser zu Boden geht.
Er wird von der Schiedsrichterin angezählt: »... acht, neun, zehn!«
Ding, ding, ding, ding, ding
»Der Kampf ist aus! Checki Chackimani ist der Großmeister des Saturn!«
Checki Chackimani hebt seine beiden Fäuste in die Höhe. »Ich habe gewonnen! Ich habe gewonnen!«
»Er hat gewonnen!«, ruft die Märchenfee. Die Käsemaus und die Märchenfee flippen aus vor Freude. Das Publikum johlt und schreit. Die Waschbärendame ist überglücklich.
»Ich muss Ihnen was sagen«, sagt Liselotte zur Wunschfee.
»Ja, was denn?«, sagt die Wunschfee.
»Ich muss Ihnen gestehen: Ich bin zwar die Eventmanagerin, aber auch ich war die ganze Zeit für Herrn Chackimani! Ich durfte es Ihnen vor dem Kampf nicht sagen. Kommen Sie, wir gehen zur größten Party des Saturns!«
»Wir gehen zur größten Party des Saturns!«, ruft die Fee. Und die Boxveranstaltung endet in einem riesigen Fest.
»Wo ist denn die große Party?«
»Hier drüben, da drüben, am anderen Ende der Stadt«, sagt die feine Waschbärendame. »In Sabines Café! Kommen Sie, wir nehmen meinen Helikopter«, sagt die Waschbärendame.
Und die Maus und die Fee und die Waschbärendame fliegen gemeinsam zur Aftershow-Party des Boxkampfes in Sabines Café.
#11 Checki Chackimani, Aftershow-Party
Der galaktische Käseladen mit der kleinen galaktischen Käsemaus.
Die Party ist in vollem Gange. Checki Chackimani und der dicke Otter tanzen auf der Tanzfläche, und der Kampf ist vergessen. Checki Chackimani trinkt von der geheimen Erdbeerbowle, die die Wunschfee herbeigezaubert hat. Die Erdbeerbowle beinhaltet versehentlich einige schlecht gewordene Erdbeeren, die die Wunschfee aus Versehen reingewünscht hat. Und Checki Chackimani ist bester Laune.
»La la lai«, singt er laut. »La la la la la la la lai, la la lai!«
Und der dicke Otter stimmt mit ein: »La la lai, la la la la la lai, la la la la la lai!«
»Mann, Checki, mein Lieber, das war ein Kampf! Ich sag's dir.« Er schlägt dem dicken Otter kumpelhaft auf die Schulter.
»Wenn du nicht im Ring bist«, sagt der dicke Otter, »wenn du nicht im Ring bist, dann bist du ein echt guter Kumpel, Checki.«
»Du aber auch«, sagt Checki Chackimani. »Wenn du nur nicht so ein verdammter Boxgegner wärst, aber außerhalb des Rings bist du echt in Ordnung.«
Die beiden knuddeln sich versehentlich ein bisschen. Dann gucken sie sich an.
»Hey, stopp!«, ruft Checki Chackimani. »Das geht jetzt aber zu weit.«
»Hier ist ja megastimmung«, sagt die Fee. »Was für eine Party.«
Die Party ist überall mit rosaroten kleinen Pappflamingos geschmückt. Und auf den Servietten sind Waschbären zu sehen.
»Na«, sagt die Käsemaus, »hier haben sich aber auch die Veranstalterinnen selbst verewigt.« Sie deutet auf die Servietten und auf die vielen kleinen Pappflamingos. »Warum sind hier eigentlich überall Pappflamingos?«, sagt die Maus. »Ich denke, die Schiedsrichterin ist nur eine Schiedsrichterin?«
Da sehen sie die feine Waschbärendame und die Ballett-Flamingo-Dame gemeinsam in einer Ecke sitzen und tuscheln. Die beiden essen ein riesiges Stück Torte, das sie sich gerade teilen. Es scheint eine Schwarzwälder Kirschtorte zu sein, mit einer riesigen Kirsche drauf.
»Das sind Spezialkirschen«, sagt die Wunschfee. »Erzählt man sich zumindest. Wer eine dieser Kirschen isst, kommt danach auf ganz komische Ideen. Kennst du Alice im Wunderland?«
»Nie gehört«, sagt die Käsemaus. »Wer ist Alice im Wunderland?«
»Ach, ist so eine Geschichte«, sagt die Fee. »Hat sich jemand ausgedacht. Und da geht es dann immer drum: Möchtest du die grüne Pille oder die rote? Oder ... nee, ich weiß es auch nicht mehr so genau. Auf jeden Fall nimmt sie da immer irgendwelche Bonbons in den Mund und dann kommt sie auf ganz komische Ideen, glaube ich. Ach, weiß ich auch nicht mehr so genau.«
Checki Chackimani dreht noch eine wilde Runde über die Tanzfläche. In der Mitte der Tanzfläche sind die heldenhaften Figuren aus Käse aufgebaut. Checki Chackimanis Popo flitzt einige Male dicht an der Figur des dicken Otters vorbei. Die Fee beobachtet die Szene mit Sorgen in den Augen.
»Ojeje, hast du das gesehen?«, sagt die Fee.
»Nö, was denn?«, sagt die Maus und trinkt noch was von der Erdbeerbowle.
»Na, der Checki Chackimani ist gerade mit seinem Popo ganz schön dicht an unserer Käsefigur vorbeigeschlittert.«
»Streng genommen«, sagt die Maus und kaut noch ein Stück Kuchen, »streng genommen ist es gar nicht mehr unsere Käsefigur. Wir haben sie ja an die feine Waschbärendame verkauft.«
»Und wie!«, sagt die Wunschfee und denkt an den heroischen Preis, den die beiden dafür bekommen haben. »Meine Güte«, sagt die Wunschfee, »ich muss schon sagen, dein kleiner Käseladen ...«
»Das ist *kein* kleiner Käseladen«, sagt die Käsemaus.
»Na ja, dein saturnartiges Käseimperium hat meine kleine Klamottenproduktion wieder ganz schön eingeholt.«
»Was denn für eine Klamottenproduktion?«
»Ach«, sagt die Wunschfee, »habe ich schon wieder eingestellt. Erinnerst du dich an den Kleiderbestellservice? Kleider für jedermann?«
In dem Moment flutscht der Popo des dicken Otters an der Checki-Chackimani-Figur vorbei. Der dicke Otter ruft über die Tanzfläche: »Checki Chackimani!«
»Wie bitte?«, sagt die Maus.
»Checki Chackimani!«, sagt der dicke Otter. »Schorki-Chaka-Chuka-Chaka«, singt der dicke Otter und tanzt immer wilder um die Käsefiguren herum.
»Ojojo, ich weiß nicht, ob das gutgeht«, sagt die Käsemaus.
»Ich hab 'ne Idee!«, sagt der dicke Otter. Er rennt zur Wirtin, die hinter der Theke steht, und nimmt sich noch ein großes Glas Erdbeerbowle. »Du auch noch eins, Checki-Chaka-Munster?«
»Wie bitte?«, ruft Checki Chackimani aus der anderen Ecke.
»Chuka-Chaka-Munster, lalalala, atemlos!«, ruft der dicke Otter.
»Was singt der da?«, sagt die Käsemaus.
»Ach, das ist so ein Hit ...«
»Wer singt den da?«, sagt die Wunschfee.
»Ach«, sagt die Maus, »das ist so ein Hit von der Erde. Vielleicht hat er den irgendwo aufgeschnappt in irgendwelchen intergalaktischen Musikcharts oder sowas. Durch die Nacht!«, brüllt der dicke Otter.
»Gib mir mal ein paar Dartpfeile!«, ruft der Otter der Wirtin zu.
»Bitteschön«, sagt die Wirtin.
»Wie meinen?«
Genau verstanden. Sie ist es gewohnt, mit Leuten über den Tresen zu sprechen, die ein bisschen undeutlich sprechen und die auf jeden Fall Dartpfeile haben möchten. Sie knallt ihm eine Handvoll Dartpfeile auf den Tisch.
»Was ist denn das?«, sagt die Käsemaus.
»Dartpfeile«, sagt die Wunschfee besorgt. »Das sind so kleine Metalldrähte mit so kleinen ... das ist so ähnlich wie Pfeile. Mit einem Flitzebogen, nur ohne Flitzebogen. Man wirft die Pfeile mit der Hand.«
Der dicke Otter schnappt sich die Pfeile in die Hand, hält in einem Arm noch das Glas Erdbeerbowle und wirft die Pfeile alle nacheinander auf die Käsefigur von Checki Chackimani. Die Pfeile bleiben im Käse stecken.
Plötzlich dreht die DJ-Dame die Musik ab. Alles ist still und Checki Chackimani starrt entsetzt auf die Käsefigur.
»Sag mal, wer war das?«, ruft Checki Chackimani.
Niemand meldet sich.
»Was ist hier passiert? Versucht hier jemand, mich zu beleidigen?«, sagt Checki Chackimani und blickt auf die Dartpfeile, die in seiner Käsefigur drinstecken. »Ich hoffe, hier fliegen nicht noch mehr Pfeile durch die Gegend. Wer verdammt nochmal war das?«
»Reg dich ab«, sagt der dicke Otter. »Ich war es. Und ich dachte, es ist vielleicht ganz witzig.«
»Findest du das?«, sagt Checki Chackimani.
»Na klar«, sagt der dicke Otter. »Komm, du kriegst auch ein paar. Haben Sie ein paar Dartpfeile?«, sagt der dicke Otter. »Und die Musik kann wieder losgehen, und regt euch doch mal alle ab«, sagt der dicke Otter.
Der dicke Otter drückt Checki Chackimani doppelt so viele Dartpfeile in die Hand, wie er auf die Käsefigur von Checki Chackimani geworfen hat.
Checki Chackimani schaut sich fragend um. Soll er wirklich Dartpfeile auf die Käsefigur des dicken Otters werfen? Ist das nicht ein bisschen ein komisches Symbol? Könnte das vielleicht funktionieren wie die Voodoo-Puppe, die die Fee kürzlich hatte? Wenn er sich jetzt vorstellt, dass die Käsefigur eine Voodoo-Puppe ist, und er wirft dem dicken Otter einen Dartpfeil in den Popo ... spürt er dann das Pieken wirklich?
»Hey«, sagt er zum dicken Otter, »komm mal rüber! Weißt du, was eine Voodoo-Puppe ist?«
»Wie bitte?«, sagt der dicke Otter. »Ich bin ein Boxer, ich hab keine Ahnung von so einem Schnickschnack. Ich bin doch kein Heilpraktiker.«
»Das hat mit Heilpraktikerei nichts zu tun«, sagt Checki Chackimani. »Das ist eher ein südamerikanischer Brauch bzw. aus den Urwäldern oder so. Ich weiß auch nicht so genau, woher das kommt. Kannst du dir vorstellen, dass diese Käsefigur da drüben eine Voodoo-Puppe von dir wäre?«
»Nee«, sagt der dicke Otter. »Na ja«, sagt der dicke Otter. »Vielleicht ein bisschen.«
»Dann probieren wir das.« Checki Chackimani wirft einen Dartpfeil und trifft den Popo der Käsepuppe.
»Autschi«, sagt der dicke Otter.
»Wirklich? Hast du was gespürt?«, sagt Checki Chackimani.
»Kein Stück«, sagt der dicke Otter. »Ich glaub doch nicht an Voodoo-Puppen.«
»Worüber redet ihr hier?«, sagt die Voodoo-Fee.
»Wir reden über Voodoo-Figuren.«
»Wer bist denn du?«, sagt Checki Chackimani.
»Ich bin die Käseverkäuferin«, sagt die Voodoo-Fee.
»Du bist die Käseverkäuferin?«, sagt Checki Chackimani. »Aber ich war doch neulich in einem Laden, da guckte mich eine Maus an. Von einer Fee hab ich da nichts gesehen.«
»Ich muss doch sehr bitten«, sagt die Fee. »Ich bin auch Käseverkäuferin. Außerdem«, sagt die Voodoo-Fee, »bin ich eine Voodoo-Fee! Und ich hab gerade das Stichwort Voodoo-Puppen aufgeschnappt. Ich interessiere mich sehr für Voodoo-Puppen.«
»Ach, wirklich«, sagt Checki Chackimani. »Und kannst du aus dieser Käsefigur da eine Voodoo-Puppe machen? Sodass der dicke Kollege hier ein bisschen Pieksen im Popo spürt?«
»Bitte wie?«, sagt die Voodoo-Fee. »Wie meinen?«
»Na pass auf«, sagt Checki Chackimani und nimmt einen Dartpfeil in die Hand und hält ihn hoch. »Ich werf diesen Dartpfeil auf die Puppe da drüben. Und für eine Sekunde muss es doch vielleicht möglich sein, dass der Kollege hier was spürt in seinem Popöchen.«
»Aber«, sagt die Fee, »das ist unmoralisch.«
»Was heißt denn unmoralisch?«, sagt Checki Chackimani.
»Ach ja, Sie sind ja Boxer. Woher sollen Sie das wissen?«, sagt die Wunschfee.
»Ich muss doch sehr bitten«, sagt Checki Chackimani. »Sie glauben wohl, ich hätte keinen Anstand im Leib.«
»Nun ja«, sagt die Wunschfee. »Ich muss schon sagen, mit dieser Erdbeerbowle und mit diesem Dartpfeil in der Hand ... Nun ja, auf jeden Fall wollte ich Ihnen sagen, ich bin der größte Fan von Ihnen, den Sie je hatten!«, platzt es aus der Wunschfee auf einmal heraus.
»Oh«, sagt Checki Chackimani. »Vielen Dank.«
»Oh«, wiederholt der dicke Otter. »Vielen, vielen Dank.«
»Ich habe genug Fans«, sagt Checki Chackimani.
»Ich habe genug Fans«, sagt der dicke Otter.
»Ach ja«, sagt Checki Chackimani, »aber hier sind die offenbar nicht. Also, steht's mit der Ein-Sekunden-Voodoo-Puppe?«, sagt Checki Chackimani zur Wunschfee.
»Ah«, sagt die Wunschfee, »das darf ich eigentlich nicht. Das ist streng unmoralisch. Aber für eine Sekunde ... na ja, was soll's. Also: Schnicke, schnacke Hühnersuppe, du bist eine Voodoo-Puppe!«, sagt die Wunschfee unentschlossen und deutet auf die Käsefigur.
Sofort wirft Checki Chackimani den Dartpfeil.
»Autsch!«, schreit der dicke Otter.
Und die Käsemaus hält sich ihren Popo. »Autsch!«, schreit auch die Käsemaus. »Was ist denn hier los?«
»Oh«, sagt die Wunschfee, »ich glaube, da ist was schiefgelaufen.«
Und die Käsemaus kommt zur Wunschfee. »Ich habe gerade ein starkes Stechen in meinem Popöchen, in meinem Alabaster-Popöchen verspürt«, sagt die Käsemaus zur Wunschfee. »Und ich hab irgendwie den Eindruck, dass du damit was zu tun hast. Hier war doch gerade die Rede von Voodoo-Puppen, nicht wahr?«
Sagt Checki Chackimani: »Das Thema kam nicht von mir.«
»Ich glaub, das kam sehr wohl von Ihnen«, sagt die Käsemaus.
»Äh«, sagt Checki Chackimani, »also, ich hab das nicht aufgebracht.«
»Wissen Sie überhaupt schon, kennen Sie überhaupt schon die große Geschichte?«, sagt die Wunschfee, die mittlerweile auch ein bisschen was von der Erdbeerbowle getrunken hat und sehr gesprächig geworden ist. »Kennen Sie eigentlich schon die große Geschichte, wie diese kleine Käsemaus den dicken Otter K.O. ...«
Sagt die Käsemaus, haut ihr auf den Mund: »Psst! Ruhe! Wunschfee, das ist ein Geheimnis! Das darf niemals erzählt werden.«
»Was ist ein Geheimnis?«, mischt sich der dicke Otter ein.
»Warum Sie neulich bei uns bewusstlos im Laden lagen.«
»Bewusstlos im Laden lagen?«, sagt der dicke Otter. »Ich lag doch bei Ihnen nicht bewusstlos im Laden?«
»Ach nein?«, sagt die Käsemaus. »Na, dann ist ja gut, dann ist ja nix passiert.«
Da hebt die Wunschfee wieder an: »... hat dieser kleine Nager es irgendwie geschafft, den dicken Otter K.O. ... sehen Sie das da drüben?«, sagt die Wunschfee.
»Was hat diese kleine Käsemaus geschafft?«, sagt Checki Chackimani. »Übrigens, vielen Dank für die tollen Käsefiguren«, sagt Checki Chackimani zur Käsemaus und ignoriert dabei die Fee. »Ach wirklich«, sagt Checki Chackimani. »Haben Sie die Figuren etwa eigenhändig geschnitzt? Wie macht man sowas eigentlich?«
»Äh, Betriebsgeheimnis«, sagt die Fee und mustert die Figuren aufmerksam. Kontrolliert noch einmal, ob dort möglicherweise Hamsterhaare drin sind.
»Betriebsgeheimnis«, wiederholt die Käsemaus. »Auf jeden Fall sind wir riesengroße Fans von Ihrer Boxkunst«, sagt die Käsemaus zu Checki Chackimani. Sie wendet sich zum dicken Otter. »Und von Ihrer natürlich auch. Wir sind sehr beeindruckt von Ihren starken Fähigkeiten«, sagt die Käsemaus, die sich gerade daran erinnert, wie sie den dicken Otter versehentlich K.O. geschlagen hat.
»Danke, danke«, sagt der dicke Otter. »Aber lassen Sie uns von was anderem sprechen. Der Kampf ist vorüber und wer gewonnen hat ...«
»Ja, weiß ich doch«, sagt der dicke Otter. »Du bist ja der Allerbeste.«
»Ich bin der Allerbeste!«, sagt Checki Chackimani aus Reflex und rennt triumphierend durch den Raum.
»Der Kampf ist vorbei«, beruhigt ihn der Otter.
Da tänzelt Checki Chackimani bedrohlich nahe an der Käsefigur des dicken Otters vorbei und berührt sie am Arm. Die Käsefigur kommt ins Wackeln.
Dann ruft die Wunschfee: »Achtung, die Käsefigur wackelt hin und her! Die darf nicht umkippen, dann geht sie kaputt! Sie zersplittert in tausend Teile!«
»Käse zersplittert doch nicht«, ruft der dicke Otter. Da sieht er seine Figur schon fallen. Sie kippt langsam um.
Die Käsemaus rennt zur Käsefigur und stützt sie mühsam ab. Checki Chackimani macht einen Sprung um die Figur herum, hält locker seine Hand darunter und stellt die Figur wieder hin.
»Ist ja nichts passiert«, sagt Checki Chackimani in die Runde. »Kommen Sie, wir tanzen noch ein bisschen!«
Und die vier tanzen gemeinsam auf der Party.
»Wie eröffnet man eigentlich so einen Käseladen?«, sagt Checki Chackimani.
»Nun ja«, sagt die Käsemaus, »das war so. Das ist so ein Planet, weit weg von hier, aber auch in diesem Sonnensystem ...«
»Welches Sonnensystem?«, sagt Checki Chackimani.
»Ah, ich hatte vergessen, dass Sie Boxer sind«, sagt die Käsemaus. »Auf jeden Fall war ich mal woanders und dann wollte ich zum Mond fliegen.«
»Was ist der Mond?«, sagt Checki Chackimani.
»Ich dachte, es wäre eine große Käsekugel. Dann habe ich eine Rakete gebaut und wollte den Mond aufessen, aber das hat nicht geklappt. Da bin ich weiter zum Saturn geflogen und habe eine riesige Käsescheibe aus der Saturnscheibe herausgeschnitten. Wie das dann so ist, war ich auf einem Jahrmarkt und dort habe ich dann wohl die Fee kennengelernt, und wir hatten einen Käseladen zusammen.«
»Ach ja, stimmt«, sagt die Fee.
»Na ja, ist auch schon eine Weile her, auf jeden Fall läuft es bombig. Und bei Ihnen so, wie kommt man auf die Idee, Boxer zu werden?«
»Nun ja«, sagt Checki Chackimani und wedelt ein bisschen unbedacht mit den Händen herum. »Schauen Sie, eines Tages stellte ich fest, dass meine Hände gewisse Kräfte haben.« Er gestikuliert wild mit den Händen und trifft dabei versehentlich die Käsemaus an der Schulter. »Oh, Entschuldigung!«, ruft Checki Chackimani, der sie nur ganz kurz gestreift hat. »Also, Sie merken schon, tut mir leid, meine Werteste. Meine Edelste. Ich merkte auf jeden Fall, dass meine Hände zu einigem fähig sind. Und na ja, dieses Fell, das haben Sie ja neulich schon kennengelernt, als Sie versucht haben, Ihren heroischen Boxkampf gegen mich zu starten.«
»Gegen mich wollten Sie auch einen Boxkampf starten?«, erinnert sich der dicke Otter.
»Äh, ja«, sagt die Käsemaus. »Und beim Herrn Chackimani lief das auch gar nicht so gut.«
»Bei mir ja wohl auch nicht«, sagt der dicke Otter.
»Nee, nee. Zu Anfang ... zu Anfang nicht«, sagt die Käsemaus, die sich stark in Bedrängnis fühlt und auf einmal gar nicht mehr lügen kann.
»Na, da bin ich aber froh«, sagt der dicke Otter.
»Später allerdings«, sagt die Käsemaus, »haben Sie dann Ihren Kopf runtergeneigt, und dann konnte ich versehentlich doch ein paar gute Treffer landen.«
»Hohohohoho, hohohohoho«, lacht der dicke Otter. »Sie sind amüsant, Sie gefallen mir.«
Checki Chackimani stimmt mit ein. »Oh ja.« Er fuchtelt mit den Fäusten in der Luft herum und gestikuliert zur Käsemaus rüber. »Genau, Sie haben den Otter K.O. geschlagen! Wollten Sie das damit andeuten?«
»Äh, äh«, sagt die Käsemaus, die ein bisschen vorsichtig zurückweicht.
»Hat den Otter kaputtgehauen, hat den Otter K.O. geschlagen«, wiederholt der dicke Otter und beginnt auch herumzutänzeln und mit seinen Fäusten durch die Luft zu wirbeln.
»Nun ja, genau genommen«, sagt die Käsemaus, »vergessen Sie die ganze Geschichte. Das ist eigentlich nur Glück, ein bisschen Anfängerinnenglück, verstehen Sie?«
»Anfängerinnenglück«, wiederholt der dicke Otter. »Sie sind herrlich amüsant, fantastisch! Darf ich Ihnen noch ein Getränk bringen?«, sagt der dicke Otter.
»Ja, selbstverständlich«, sagt die Käsemaus, um endlich vom Thema abzulenken.
Nach wenigen Sekunden kommt der dicke Otter wieder.
»Ich hab Ihnen hier«, sagt der dicke Otter, »noch ein paar von diesen fantastischen Tortenkirschen von der Schwarzwälder Kirschtorte reingepackt. Ich glaube, es sind acht Stück«, sagt der dicke Otter. »Sie sollen besonders lecker sein, hab ich gehört.«
»Danke«, sagt die Maus. »Vielen Dank, das ist sehr aufmerksam von Ihnen.«
»Und ich hab gehört«, sagt die Wunschfee, »diese Kirschen sind irgendwie komisch, und wenn man nur eine von ihnen isst, kommt man auf sehr eigenartige Gedanken.«
»Mhm«, sagt die Käsemaus, die sich nur noch mäßig wohl zwischen den beiden Boxern fühlt, weil sie Angst hat, das große Geheimnis zu verraten, dass sie den dicken Otter in ihrem Käseladen K.O. geschlagen hat. Mit zwei Kung-Fu-Tritten.
»Also«, sagt die Käsemaus vor Aufregung und trinkt einen Schluck Erdbeerbowle, in der noch die halben Kirschtortenkirschen drin sind. »Auf jeden Fall waren wir gerade dabei: Wie kam Herr Chackimani dazu ...«
»Sie nennt dich Herrn Chackimani, ist das nicht süß?«, sagt der dicke Otter.
»Also, wie Checki dazu kam«, sagt die Maus. »Sind wir jetzt Freunde?«, sagt die Käsemaus.
»Du hast dich mit den beiden angefreundet?«, sagt die Fee.
»Ich weiß nicht«, sagt die Käsemaus, »ich glaube schon. Also, sind wir Freunde?«
»Freunde für immer«, sagt der dicke Otter.
»Freunde für immer«, sagt Checki Chackimani, und die drei schlagen ihre Fäuste zusammen. Schnell kommt die Wunschfee und schlägt auch ihre Faust in die Mitte der drei Fäuste. Und die vier berühren sich zu viert an den Fäusten, als wären sie schon immer ein großartiges Team gewesen.
»Auf jeden Fall waren wir gerade dabei«, fängt die Käsemaus neu an, »zu klären, wie Sie eigentlich Boxer wurden.« Sie deutet jetzt auf den dicken Otter. »Und jetzt würde ich gern Ihre Geschichte hören.«
»Äh«, sagt der dicke Otter, der plötzlich sehr traurig wird. »Es ist so. Damals ...«
»Oh, oh«, sagt Checki Chackimani, »jetzt kommt die Geschichte.«
Die Maus trinkt schnell noch einen Schluck aus ihrer Erdbeerbowle, trinkt noch zwei der Kirschen und isst auch noch gleich eine dazu, weil sie sich denkt: *Na ja, so schlimm kann es schon nicht werden.*
»Es war so«, sagt der dicke Otter. »Damals auf dem Spielplatz und damals in der Krippe, da wollten schon immer keine Kinder mit mir spielen. Nun ja, was sollte ich machen? Vor Langeweile habe ich gegen ein paar Bäume geboxt, und eines Tages flog dabei ein bisschen Rinde ab. Na ja, ehe ich mich versah, war ich in einem Sportclub, in dem ich das Ringen gelernt habe, und dann habe ich später Tischtennis gespielt. Ich war schon immer eine ziemliche Sportskanone. Eines Tages stellte ich fest, dass meine Hände besonders kräftig sind. Und so fing ich an zu boxen und wurde zu einem der besten Profiboxer der Welt.«
»Hm«, sagt die Käsemaus, »sehr interessant. Und wie kam es dazu, dass eine Maus Sie in ihrem Käseladen K.O. geschlagen hat?«
Die Wunschfee guckt die Maus fassungslos an. »Bist du wahnsinnig?«, sagt die Wunschfee.
»Sind Sie wahnsinnig?«, wiederholt Checki Chackimani. »Wie kommen Sie denn auf solche komischen Ideen?«
»Ja«, sagt die Käsemaus. »Weil's die reine Wahrheit ist!«, schreit sie auf einmal herum. Die Maus beginnt, in lauten Tönen von ihrer heroischen Geschichte zu erzählen. »Ich stand in meinem Käseladen!« Die Maus hebt plötzlich beide Hände, als wäre sie die Siegerin eines Boxkampfes.
»Hör doch auf«, sagt die Wunschfee. »Hör doch auf, es waren zu viele von den Kirschen.«
»Und da kam so ein dicker Otter herein!«, triumphiert die Käsemaus. »Er wollte ein bisschen Käse kaufen, und ich forderte ihn zu einem Boxkampf raus! Er hatte keine Chance! Beziehungsweise nicht mehr, als er sich zu mir herunterbeugte und ich mit meiner speziellen, einzigartigen Kung-Fu-Technik, die ich an einem Wochenende gelernt habe, als ich in der Schweiz war ...«
»Hör doch auf!«, ruft die Wunschfee. »Das ist doch alles Riesenquatsch! Es war ein Unfall, es war ein Zufall. Es war Anfängerinnenglück.«
»... beugte sich zu mir herunter!«, triumphiert die Käsemaus. »Und er bekam zwei Tritte, einen so und einen so!« Die Maus gestikuliert wild mit ihren Händen und Füßen durch die Gegend. »Und dann plumpsste er auf den Boden!« Sie zeigt auf Checki Chackimani. »Sie kamen kurz danach in den Laden und haben den Bewusstlosen noch nicht mal gesehen!«
Triumphiert die Maus weiter und tänzelt durch den Raum hindurch. Dabei kommt sie beiden Käsefiguren bedrohlich nahe und tänzelt mit ihrem Popöchen so herum, dass die Käsefiguren beide anfangen zu wackeln.
»Achtung!«, ruft die Wunschfee. »Achtung, die Käsefiguren fallen um!«
»Nix da«, sagt Checki Chackimani und geht zu den Käsefiguren.
»Sie meinen«, sagt der dicke Otter, »wenn ich mich Ihnen etwas nähern würde ... in etwa so?« Der dicke Otter hält seinen Kopf runter, sodass die Käsemaus ihn erreichen kann.
In dem Moment reißt die Käsemaus ihren einen Fuß hoch, tritt ihn hart gegen das Kinn, reißt sofort den anderen Fuß hoch und tritt ihn noch mal gegen das Kinn, wie sie es im Käseladen schon einmal gemacht hat. Der dicke Otter fällt bewusstlos auf den Rücken.
Checki Chackimani hatte sich gerade in dem Moment umgedreht und hingeguckt, als er sah, wie der Otter seinen Kopf neigte und die Käsemaus mit ihren winzig kleinen Füßen gegen das Gesicht des Otters trat, der daraufhin rücklings zu Boden purzelte und dabei fast beide Käsefiguren umriss.
Jetzt liegt der dicke Otter vor der Theke und ist bewusstlos.
»Sie haben ihn K.O. geschlagen!«, sagt Checki Chackimani und geht in Deckung. »Sind Sie völlig verrückt?«, sagt Checki Chackimani zur Käsemaus. »Ihre Geschichte war von Anfang an wahr!«
Die Maus trinkt den Rest ihrer Erdbeerbowle auf ex und schluckt dabei auch alle anderen Kirschen. Sie hebt triumphierend ihre Fäuste und rennt als Siegerin durch den Raum.
»Das sag ich doch, das sag ich doch, das sag ich doch, das sag ich doch!«, ruft die Käsemaus, und die Fee versucht, sie zu beruhigen.
»Nun hör doch auf! Nur weil du einen Kung-Fu-Tritt kannst und du einmal das Glück hattest ...«
»Zweimal!«, ruft die Käsemaus. »Zweimal K.O.!«
»Trotzdem war es Glück«, sagt die Fee. »Du hast gegen diesen Otter keine Chance, wenn er auf den Beinen ist und wenn er eine Deckung hat, und wenn er nicht zufällig direkt sein Kinn vor deine Füße hält. Außerdem darf man beim Boxen gar nicht die Füße benutzen!«
»Ist mir völlig egal!«, ruft die Käsemaus. »Mir ist alles egal! Ich hab den dicken Otter besiegt! Ich bin in Wahrheit Checki Chackimani!«, ruft die Käsemaus. »Sie sind Versager-Checki-Chackimani! Ich bin Checki-Checki-Bumsler!«, ruft die Käsemaus und schnappt völlig über. »Ich bin Checki-Chumpy-Chump! Ich bin Chack-Chack-Chump! Ich boxe Sie auch K.O.!«, ruft die Käsemaus und rennt gegen Checki Chackimanis Bein. »Ich hau Sie platt!«, ruft die Käsemaus und boxt vergeblich gegen Checki Chackimanis Fell.
»Nun hören Sie doch auf«, sagt Checki Chackimani. »Sie machen sich ja völlig lächerlich.«
»Ich hau Sie um! Kommen Sie zu mir herunter, und dann hau ich Sie um!«, sagt die Käsemaus.
»Nun beruhigen Sie sich doch«, sagt Checki Chackimani und beugt provokativ sein Gesicht zur Käsemaus runter.
Die Käsemaus reißt einen Fuß hoch und gleich noch den zweiten hinterher. Checki Chackimani macht eine lockere Kopfbewegung nach links und eine blitzschnelle Kopfbewegung nach rechts, sodass keiner der Füße ihn trifft. Die Maus fällt unsanft auf ihren Po und weiß nicht, wie ihr geschieht, als sie auf den Boden kracht und Checki Chackimani nicht ein einziges Mal getroffen hat.
»Ich besiege Sie!«, ruft die Maus, die am Boden liegt.
»Nun hören Sie doch auf«, sagt Checki Chackimani. »Nur weil Sie den Otter besiegen, heißt das nicht, dass Sie mich, den Großmeister, besiegen.«
»Aber er ist doch Vize-Großmeister!«
»Vize-Großmeister, Hopse-Papayster, Erdbeerwaldmeister und Götterspeise!«, ruft Checki Chackimani.
»Was reden Sie da?«, sagt die Käsemaus und rennt zu einer letzten Attacke Richtung Checki Chackimani. »Ich hau Sie platt, ich hau Sie platt!«, ruft die Käsemaus und rennt auf Checki Chackimani zu.
Checki Chackimani macht eine Handbewegung, als wollte er eine kleine Fliege verscheuchen, und trifft dabei mit einem Finger die Käsemaus.
»Wusch! Argh!«, ruft die Käsemaus, die quer durch den Raum fliegt und gegen die Theke prallt. Die Käsemaus hat sich dabei stark ihre Schulter gestoßen.
»Nun hören Sie doch auf«, sagt Checki Chackimani, »und helfen Sie endlich dem am Boden Liegenden! Wir müssen diese Party ja auch bald beenden. Morgen ist ein neuer Tag. Morgen wird wieder geboxt, und ich nehme an, morgen wird auch wieder Käse verkauft.«
»Morgen wird wieder Käse verkauft«, sagt die Wunschfee. »Und ich muss mich doch sehr für das Verhalten meiner Kollegin entschuldigen«, ruft die Fee. »Wir müssen jetzt endlich einen Rettungswagen rufen, damit dem Otter nichts passiert.«
»Aber wem passiert nichts?«, sagt der dicke Otter. »Ich bin Boxer, ich gehe häufiger mal K.O.« Er schlägt die Augen auf. »Hey, Checki«, sagt der dicke Otter, »warum hast du mir so dermaßen eine reingezimmert?«
»Äh«, sagt Checki Chackimani. »Das war, weil ... das war, weil ... weil du die Käsefigur von mir umgestoßen hast und sie am Boden kaputtgegangen ist«, sagt Checki Chackimani zögerlich.
»Aber das stimmt doch gar nicht«, sagt die Wunschfee.
»Ist doch egal«, flüstert Checki Chackimani. »Wollen Sie ihm etwa erzählen, dass die Käsemaus ihn K.O. geschlagen hat? Wollen Sie ihm das wirklich erzählen?«
»Äh«, sagt die Wunschfee. »Richtig, die Käsefigur ging zu Boden, Sie haben sie kaputtgemacht, und wir haben sie jetzt schon wieder heil gemacht, weil wir nämlich unsere Käsefiguren noch von Hand schnitzen, und da haben wir gar niemand anderen, der uns dabei hilft.«
»Ach so«, sagt der dicke Otter. »Na, wenn das so ist. Also Checki, dass du mir das nicht noch mal machst. Wir sind doch hier auf einer Party und nicht in einem Boxring.«
»Äh, ja, tut mir leid«, sagt Checki Chackimani und guckt ein bisschen ängstlich zur Käsemaus rüber.
Die Käsemaus schaut irritiert zu Checki Chackimani. *Sie haben mir gerade mein kleines Mäusepopöchen gerettet.*
»Ja, nicht auszudenken«, sagt Checki Chackimani, »was er tun würde, wenn er die Wahrheit erfährt.«
»Wenn wer die Wahrheit erfährt?«, sagt der dicke Otter.
»Die Wahrheit«, sagt Checki Chackimani, »dass in dieser Erdbeerbowle gar keine Erdbeeren sind, sondern auch ein paar Himbeeren drin. Komm, wir trinken noch ein Gläschen davon und machen uns einen schönen Abend.«
»Das machen wir«, sagt der dicke Otter. »Und nichts für ungut.«
#12 Balance mit Ballons
Der galaktische Käseladen mit der kleinen galaktischen Käsemaus.
Tapp, tapp, sagt die Maus zu sich selber. Tapp, tapp, tapp. Latsch, macht die Maus. Flatsch.
»Hey, was ist das?«, sagt die Fee.
»Guten Morgen«, sagt die Maus. »Überraschung.«
»Was ist das?«, sagt die Fee. Sie beginnt, langsam ihre Arme zu bewegen.
»Ich habe dir zwei Vanilleeiskugeln aufs Gesicht gelegt. Guten Morgen«, wiederholt die Maus.
»Ihhh«, sagt die Fee.
»Ich denke, du magst Vanilleeis?«
»Ja, aber nicht auf meinen Augen«, sagt die Fee.
»Aber sonst wärst du ja nicht aufgewacht«, sagt die Maus.
»Aber doch nicht auf meinen Augen«, wiederholt die Fee.
Die Maus schnappt mit ihrer haarigen, dreckigen Pfote die Vanilleeiskugeln und stopft sie der Fee beide in den Mund. »Einen fröhlichen guten Morgen!«, ruft die Maus jetzt. »Ich hab schon Kaffee gemacht für uns beide. Eventuell auch in einer Kanne«, sagt die Maus. »Komm zum Frühstück, du bist herzlich willkommen«, flötet die Maus.
Die Fee kaut die Vanilleeiskugeln und wischt sich das Vanilleeis von den Augen. »Bäh«, sagt die Fee und taumelt durch ihr Schlafzimmer.
Die Fee kommt zum Frühstückstisch und kann immer noch ihre Augen kaum öffnen. Die sind immer noch verklebt vom geschmolzenen Vanilleeis.
»Ich brauch erstmal einen Kaffee«, sagt die Fee.
»Kein Problem«, flötet die Maus. »Hier ist schon Kaffee.«
»Pfft!«, ruft die Fee. »Was ist das denn für ein fürchterliches Gesöff?« Die Fee spuckt den Kaffee auf den Tisch.
»Nun ist aber mal gut«, sagt die Maus und wischt den Kaffee mit dem vorbereiteten Lappen vom Tisch. »Das hab ich mir schon gedacht, dass du den leckeren Kaffee wieder ausspucken möchtest.«
»Was hast du damit gemacht?«, sagt die Fee. »Das ist nicht der normale Kaffee, den wir trinken.«
»Das ist gar kein Kaffee«, sagt die Maus.
»Was heißt das, das ist gar kein Kaffee?«
»Ja«, sagt die Maus, »ich hab ein bisschen Blumenerde genommen und ein bisschen Wasser.«
»Igitt«, sagt die Fee. »Das ist ja ein fürchterlicher Morgen.«
»Wieso?«, sagt die Maus. »Du hast schon Eis bekommen, und dann auch noch Blumenerde. Das ist doch ein fantastischer Morgen.«
»Aber doch keine Blumenerde zum Trinken«, sagt die Fee.
»Na, wie auch immer«, sagt die Maus. »Komm, wir fliegen mal los.«
»Wir fliegen los?«, sagt die Fee. »Wo fliegen wir hin?«
Die Maus guckt die Fee verwirrt an. »Wo fliegen wir hin? Wo fliegen wir hin? Wir haben einen Käseladen!«
»Du hast einen Käseladen«, sagt die Fee. »Ich hab ein Klamottengeschäft. Das aber nicht mehr gut läuft, schon vergessen?«
»Äh«, sagt die Maus. »Schon vergessen?«
»Stimmt«, sagt die Fee und kratzt sich am Kopf. »Also auf jeden Fall muss ich erstmal duschen.«
»In Ordnung«, sagt die Maus. Setzt sich ins Wohnzimmer und wartet auf die Fee, bis sie fertig ist mit Duschen.
»Was riecht denn hier so?«, sagt die Maus.
»Ich hab mich heute parfümiert«, sagt die Fee.
»Na, was auch immer«, sagt die Maus. »Komm, wir fliegen los. Wir nehmen heute den Düsenjet.«
»Welchen Düsenjet?«, sagt die Fee.
Die Maus rempelt die Fee an der Schulter an. »Den Düsenjet, den ich mir wünsche«, sagt die Maus. »Und zwar jetzt!« Die Maus knufft die Fee so doll, dass die Fee einen Meter zur Seite fliegt.
Die Fee reibt sich den Arm, gegen den die Maus gerade geknufft hat. »Oh Mann«, sagt die Fee. »Wir haben doch schon einen Düsenjet. Den haben wir uns doch schon gewünscht. Der steht im Garten und rostet so langsam ein. Komm, wir nehmen den, ist doch kein Problem.«
Die Fee rennt zur Garderobe und holt die beiden Fliegerhelme. Von der Maus und von sich selber.
»Aber heute fliegst du«, sagt die Fee.
»Ich?«, sagt die Maus. »Ich kann gar nicht fliegen.«
»Das hast du beim letzten Mal auch gesagt«, sagt die Fee.
»Nein, du hast das gesagt«, sagt die Maus. »Ich weiß es auch nicht mehr.«
»Heute fliegst du.«
Die Maus setzt sich ans Steuer des Düsenjets und drückt den Knopf für den Flugzeugstart. Sie landen sicher vor dem Käseladen und rutschen an ihm vorbei. Sie rutschen die Straße hoch und rutschen die Straße hoch und rutschen weiter die Straße hoch und rutschen noch weiter die Straße hoch. Sie rutschen an Sabines Café vorbei und an der kleinen Bäckerei. Sie rutschen an der Parfümerie vorbei und an den ganzen anderen Geschäften, die in der Käseladenstraße sind. Ungefähr 800 Meter weiter kommt der Düsenjet zum Stehen.
»Was ist denn hier los?«, sagt die Maus. »Ich wollte doch vor dem Käseladen landen.« Sie guckt die Straße runter, hält sich eine Hand vor die Augen, um ihren Blick gegen die Morgensonne zu verbessern, und guckt zum Käseladen, der am anderen Ende der Straße ist.
»Äh, äh, äh«, sagt die Fee.
»Wir müssen hier erstmal aussteigen«, sagt die Maus, steigt aus dem Düsenjet aus und fällt auf die Nase. Unter ihr ist eine Eisfläche. Sie ist ausgerutscht.
»Was ist hier los?«, sagt die Fee, die auch gerade von der kleinen Leiter aus dem Düsenjet aussteigt und auch auf die Eisfläche drauftritt. Sie rutscht mit dem Fuß weg, und ihre Flügel setzen ein. Sie schwebt in der Luft. »Also, ich fall nicht hin«, sagt die Fee und guckt auf die Maus, die immer noch am Boden liegt.
»Schön für dich«, sagt die Maus.
»Wir nennen es Schwerkraft.«
»Wir nennen es, die Schwerkraft besiegen«, sagt die Fee gönnerhaft und fliegt mit ihren libellenartigen Flügeln einmal über den Düsenjet herum.
»Und wie kommen wir jetzt zum Laden?«, sagt die Maus. »Wir können doch den Düsenjet nicht für 800 Meter anwerfen. Nein, wir können doch den Motor nicht für 800 Meter anlassen. Komm, wir schieben den Düsenjet hier in eine Parklücke rein.«
Die Fee und die Maus schieben den Düsenjet in eine Parklücke rein.
»Und dann schliddern wir einfach zum Käseladen.« Die Maus macht ein paar ungeschickte Bewegungen auf dem Eis. Sie rutscht auf der Eisplatte hin und her, die über die ganze Straße geht. »Was ist hier eigentlich los?«, sagt die Maus. »Warum ist hier überall Eis?«
»Keine Ahnung«, sagt die Fee. »Es ist ein ganz normaler Morgen. Ungefähr 10 Grad. Vielleicht auch 15. Und auf der ganzen Straße und auf dem Fußweg ist Eis.«
»Ich weiß nicht, was hier passiert ist«, sagt die Maus und beginnt, langsam und vorsichtig in Richtung Käseladen zu rutschen.
Ungefähr nach 45 langen Minuten kommen sie an. Die Maus ist ungefähr 28 Mal auf die Nase gefallen.
»Meine Güte«, sagt die Fee. »So häufig, wie du hingefallen bist ... ich weiß nicht, ob das noch eine gute Idee ist, heute den Käseladen aufzumachen. Wie spät ist es denn überhaupt?«
Die Maus schaut auf die Uhr. »Zehn Minuten nach acht.«
Vor dem Käseladen steht schon Bruno und schaut die Tür an. »Ich dachte schon, ihr kommt gar nicht mehr«, sagt Bruno.
»Tut mir leid«, sagt die Käsemaus. »Ist mir noch nie passiert. Der Käseladen wurde noch nie verspätet eröffnet. Aber du siehst ja, die ganze Straße ist vereist.«
»Ist mir auch schon aufgefallen«, sagt Bruno, der vier Turnschuhe trägt, unter denen jeweils Spikes sind. Das heißt, der Hund kann problemlos auf dem Eis laufen, weil er Spikeschuhe an den Füßen hat.
»Wusstest du von dem Eis?«, sagt die Käsemaus.
»Nee, wusste ich nicht«, sagt Bruno. »Aber ich bin rausgegangen und glatt mal auf meine kleine Hundeschnauze gefallen. Und da bin ich zurückgegangen und habe mir meine Spikeschuhe angezogen.«
»Warum hast du Spikeschuhe?«, sagt die Maus.
»Nun ja, ich war mal im Eissport aktiv«, sagt der Hund. »Und deswegen habe ich immer noch diese wunderbaren Schuhe. Sag mal«, sagt Bruno und schaut auf seine Pfote, an der eine Uhr befestigt ist. »Sag mal, ich müsste ziemlich dringend zum Bahnhof. Wäre es dir vielleicht möglich, den Laden aufzuschließen und mir die drei Käsekugeln zu geben, damit ich weiter kann?«
»Selbstverständlich«, sagt die Maus und sucht die Schlüssel.
Die Fee holt die Schlüssel unter ihrem Kleid hervor und schließt den Laden auf. »Bitte schön«, sagt die Fee.
»Auf geht's.« Die Maus rennt ins Käselager, formt drei Käsekugeln und wirft sie Bruno zu. Flup, flup, flup. Eins, zwei, drei. Und Bruno wirft eine Münze zur Käsemaus.
»Ciao, ciao dann«, sagt Bruno. »Bis die Tage!«
Die Fee und die Maus bauen den Käseladen auf. Sie rollen die Käselaibe aus dem Käselager in die Verkaufsstätte und bauen den Laden auf.
»Oh, meine Güte«, sagt die Fee. »Immer machen wir hier das Gleiche. Immer machen wir hier das Gleiche. Wollen wir nicht doch lieber Klamotten verkaufen?«
»Hey«, sagt die Maus und deutet auf das Kassensystem. »Kassensystem«, sagt die Maus zum Kassensystem.
»Hm, hm, hm«, sagt das Kassensystem.
»Ach so, ich hab's ja stummgeschaltet«, sagt die Maus. Was ja nicht so richtig funktioniert hat. Es ließ sich nicht stumm schalten, es ließ sich nur auf 'Nuscheln' schalten. Also, Kassensystem ... sie schaltet die Sprachfunktion des Kassensystems wieder ein. »Kassensystem, wie viel Umsatz haben wir im letzten Monat mit Käse gemacht?«
»2.420.348 Euro«, sagt das Kassensystem.
»Hm. Kassensystem, wie viel Umsatz haben wir im letzten Monat mit Kleidern gemacht?«
»Keine Ahnung«, sagt das Kassensystem.
»Was soll das heißen?«, sagt die Maus. »Wieso keine Ahnung?«
»Nun ja«, sagt das Kassensystem. »Die Fee hat ihre eigene GmbH angemeldet.«
»Die Fee hat was?«, sagt die Maus. »Was ist denn eine GmbH?«
»Äh, das ist eine Firma«, sagt das Kassensystem.
Die Fee läuft rot an.
»Wieso hast du deine eigene Firma angemeldet?«, sagt die Maus. »Ich dachte, wir wohnen zusammen, wir zahlen die Miete zusammen.«
»Äh, äh, äh«, sagt die Fee. »Ich dachte, äh, diese Kleider, dachte ich, werden eine große Sache. Und da dachtest du, wäre es eine schöne Idee, ganz viel Geld zu verdienen? Und mir davon nichts abzugeben und keine Miete davon zu zahlen?«
»Äh, äh, doch! Die Miete, die wollte ich davon zahlen. Aber die neue Segelyacht und den Hubschrauber-Landeplatz und auch die neuen Pools ...«
»Die neuen Pools?«, wiederholt die Maus. »Was für neue Pools?«
»Na ja, Swimmingpools«, sagt die Fee.
»Was hast denn du für Ideen?«, sagt die Maus.
»Auf jeden Fall«, sagt die Fee, »auf jeden Fall dachte ich, es wäre irgendwie besser, eine eigene Firma zu machen für die Kleider.«
»Und wie viel Umsatz haben wir damit im letzten Monat gemacht?«, sagt die Maus.
»Äh, weiß ich noch nicht. Ich bin mit meiner Buchhaltung noch nicht so weit«, sagt die Fee. »Aber ich schätze ...«
»Was ist überhaupt Umsatz?«, sagt die Maus.
»Das bedeutet«, sagt die Fee, »wenn wir Umsatz gemacht haben, dann hat uns jemand Geld gegeben, dafür, dass wir etwas verkauft haben. Also, ich habe ein Kleid genäht. Und das verkaufe ich zum Beispiel an Bruno. Der gibt mir fünf Goldmünzen. Und die fünf Goldmünzen, die sind dann mein Umsatz bei diesem Kleid.«
»Ach so«, sagt die Maus. »So ist das also. Aber um das Kleid herzustellen, hattest du doch auch irgendwelche Geldausgaben. Du musstest doch den Stoff kaufen.«
»Ja, ja, den Stoff musste ich für vier Goldmünzen kaufen. Und Bruno hat mir fünf gegeben. Also hatte ich einen Umsatz von fünf und Kosten von vier und einen Gewinn von eins. Ist ja auch egal«, sagt die Fee. »Auf jeden Fall haben wir einen Umsatz von ungefähr 28.000 Euro gemacht.«
»Oje«, sagt die Maus. »Also, das ist ja kein Vergleich zum Käse. Wir machen auf jeden Fall den Käse weiter, und du kannst deine GmbH, die kannst du mal unter Ulk verbuchen.«
»Bitte wie?«, sagt die Fee. »Was soll ich verbuchen?«
»Ach, ist ja auch egal.«
In dem Moment betritt ein Bär den Käseladen. »Morgen«, sagt der Bär. »Könnte ich hier vielleicht ein bisschen Käse bekommen, wenn es keine Umstände macht?«
»Äh, äh, äh«, sagt die Fee. Die Maus rennt umher.
»Wollen Sie vielleicht zuerst einen Cappuccino?«, sagt die Fee, um von der Situation abzulenken, weil sie noch gar nicht darauf eingestellt ist, jetzt Käse zu verkaufen. »Was ist eigentlich mit Ihrem Bein passiert?«, sagt die Fee zum Bären.
Die Maus guckt die Fee an. »Du bist aber auch immer neugierig! Oje, der Herr ist ein Kunde. Er kann doch hier reinkommen, wie er möchte.«
Der Bär hat nur ein Bein. Das linke Bein fehlt ihm. Und in seiner linken Hand hält er einige Ballons, die mit Helium gefüllt sind. Die Luftballons fliegen also nach oben und helfen dem Bär dabei, auf einem Bein zu stehen.
»Äh«, sagt der Bär. »Nun ja, das war so. Ich wollte eigentlich ... könnte ich vielleicht doch einen Cappuccino bekommen?«
Die Fee kommt sofort angeflogen und bringt dem Bären einen Cappuccino. Der setzt sich hin.
»Oh, dankeschön«, sagt der Bär.
»Vielleicht trinken wir zusammen was.«
»Na klar«, sagt die Maus. »Ich glaube, ich trinke heute einen Kakao.«
Die drei setzen sich zusammen an einen Tisch.
»Also«, sagt die Fee, »was ist denn nun mit Ihrem Bein passiert?«
»Das war so«, sagt der Bär. »Ich bin ja ein Bär. Und ich fische gerne im Fluss, und da fresse ich immer Lachse. Also, wenn ich die mal kriege, dann hole ich die aus dem Wasser und dann verspeise ich die. Lachse sind total lecker. Ich esse die immer. Aber an diesem einen Tag bin ich irgendwie ungünstig vom Felsen abgesprungen, und da bin ich im Wasser auf einen Stein draufgeknallt und irgendwie wurde mein Bein dabei so stark verletzt. Ich habe mir den Oberschenkel so sehr gebrochen und die Haut dabei so sehr zerrissen. Mein ganzes Kniegelenk war zerschmettert. Ich hatte großes Glück. Auf jeden Fall kamen dann ein paar Bärinnen, Chirurginnen, und die haben mein Bein fachfraulich amputiert.«
»Was bedeutet das?«, sagt die Maus.
»Na ja, das heißt«, sagt der Bär ein bisschen traurig, »die haben mein Bein abgenommen. Also mein Bein ist jetzt nicht mehr da. Aber na ja, dafür habe ich ja die Ballons. Ich meine, die Balance. Also ich meine ...«
Die Fee guckt auf die Luftballons, die der Bär immer noch in der Hand hält bzw. die er gerade an die Garderobe gehängt hat, weil er sich ja hingesetzt hat. Der Bär guckt auf die Luftballons und sagt: »Ich halte die Ballons, um die Balance zu halten.«
»Was heißt Balance?«, sagt die Käsemaus.
»Balance heißt, dass der Bär nicht umfällt, weil er ja auf einem Bein steht.«
»Ach, und der hat Luftballons, um die Balance zu halten?«
»Genau«, sagt der Bär. »Ich halte die Ballons, um die Balance zu halten.«
»Er hält die Ballons, um die Balance zu halten«, sagt die Fee. »Das ist ja eine lustige Geschichte.«
»Na ja, geht so«, sagt der Bär. »Ist gar nicht so leicht, mit einem Bein als Bär noch durch die Welt zu ziehen. Aber nun ja, so ist mein Leben etwas ruhiger geworden, und ich kann Ihnen versichern, so schlimm ist es auch nicht. Schlimmer, als wenn ich meinen Kopf verloren hätte.«
»Wie meinen Sie das?«, sagt die Maus. »Das geht doch gar nicht.«
»Hmm«, sagt der Bär. »Die einen sagen so, die anderen sagen so.«
»Auf jeden Fall«, sagt die Fee, »wie viele Ballons haben Sie denn da?«
»Vierzehn«, sagt der Bär. »Das ist genau austariert von einer Bären-Orthopädin. Die hat empfohlen, dass ich einfach vierzehn Ballons in der Hand trage, und dann kann ich so auf einem Bein hüpfen. Das funktioniert ganz wunderbar. Und so helfen mir die Ballons, um meine Balance zu halten.«
»Meine Güte«, sagt die Käsemaus. »Das ist ja eine aufregende Geschichte. Und haben Sie denn an dem Tag den Lachs noch gefangen?«
»Den Lachs habe ich schon gefangen«, sagt der Bär. »Aber na ja, mein Bein wurde halt stark verletzt an dem Tag. Und so kam es, dass das leider ab musste. Aber wem erzähle ich das? Zumindest bin ich ein Bär und nicht etwa eine kleine, wehrlose Maus.«
»Ich muss doch sehr bitten«, sagt die Käsemaus. »Ich bin doch nicht wehrlos! Ich habe immerhin den dicken Otter ...«
Die Fee schlägt der Käsemaus mit der flachen Hand auf den Mund. »Du hast gar nichts mit dem dicken Otter! Du hast gar nichts ...«
»Sie meinen den großartigen Boxer?«, sagt der Bär.
»Ich meine den großartigen Boxer«, trumpft die Käsemaus auf. »Und dieser großartige Boxer ... er war unterlegen! Er war unterlegen!«
Die Wunschfee haut der Maus noch einmal kräftig mit der flachen Hand auf den Mund und bringt sie zum Schweigen.
»Mmpf!«, sagt die Maus und versucht, weiter zu triumphieren.
»Er war unterlegen«, sagt die Fee beruhigend zum Bären, »im Kampf gegen Checki Chackimani.«
»Ja«, sagt der Bär, »das war doch Glück von dem Herrn Chackimani. Der dicke Otter hat den Sieg verdient. Ich bin ein großer Fan.«
»Sie sind ein großer Fan von dem dicken Otter?«, sagt die Fee.
Die Käsemaus kann sich kaum noch halten. »Sie sind ein Fan von wem?!«, ruft die Käsemaus.
»Vom dicken Otter«, sagt der Bär. »Ein großartiger Boxer, ein ganz fantastischer Boxer. Und ich denke, er hätte den Kampf gewinnen müssen. Ich glaube, Checki Chackimani ist eigentlich ...«
»Das kann doch nicht wahr sein«, sagt die Maus. »Was machen Sie überhaupt in meinem Käseladen? Sie sind Fan vom dicken Otter?«
»Ja«, sagt der Bär, »was ist denn daran so schlimm?«
»Hey«, sagt die Fee, »liebe, liebe Käsemaus, erinnerst du dich an die Aftershow-Party, auf der wir waren?«
»Selbstverständlich erinnere ich mich«, sagt die Maus und triumphiert.
»Sie waren auf der Aftershow-Party?«, fragt der Bär. »Sie meinen, Sie waren auf der Party nach dem Kampf?«
»Ja«, sagt die Maus, »selbstverständlich.«
»Und«, sagt der Bär, »haben Checki Chackimani und der dicke Otter sich dort auch so sehr bekämpft? Sind sie wirklich Feinde?«
»Ach, Quitschquatsch«, sagt die Maus, die auf einmal merkt, dass sie einen ganz anderen Trumpf in der Tasche hat. »Die sind überhaupt keine Feinde, die sind die besten Freunde, wenn sie nicht gerade zusammen im Ring stehen. Die beiden waren exzellente Sportsleute«, sagt die Maus. »Und wir kennen sie beide persönlich, denn die beiden sind Kunden bei uns!«, sagt die Käsemaus triumphierend.
»Puh«, sagt die Fee. »Und die andere Geschichte?«
»Die andere Geschichte«, sagt die Maus, »ist ja auch völlig egal. Wir kennen die beiden!«
»Puh«, sagt die Fee. »Und mit dem dicken Otter?«
»Der dicke Otter war auch schon hier, und mit dem dicken Otter ist gar nichts passiert.«
»Oh«, sagt der Bär. »Wissen Sie was, ist ja schön, mit Ihnen hier zu plaudern, aber ich brauche eigentlich Käse. Und zwar ziemlich dringend, ich muss nämlich weiter.«
»Oh ja«, sagt die Maus. »Mensch, wir haben uns hier völlig verquatscht, es ist ja schon Viertel vor neun. Was für Käse brauchen Sie denn?«
»Schauen Sie mich mal an«, sagt der Bär und hebt beide Pfoten zur Seite. »Was mag ich wohl am liebsten?«
»Lachs«, sagt die Maus.
»Guter Versuch«, sagt der Bär. »Aber typischerweise essen Bären, zumindest im Volksmund, Honig. Ich hätte gerne einen Käse mit Honig.«
»Einen Käse mit Honig«, sagt die Maus. »Also, da muss ich nochmal im Lager gucken, den haben wir normalerweise nicht in der Glasvitrine. Aber ich kann Ihnen einen Käse mit Thunfisch anbieten.«
»Pfui, Thunfisch«, sagt der Bär. »Ich glaube nicht, dass ich den mag. Darf ich vielleicht mit ins Lager kommen und an dem Käse schnüffeln?«
»Äh«, sagt die Fee. »Also eigentlich geht das nicht, das Gesundheitsamt ist dagegen.«
»Kommen Sie mit«, sagt die Maus.
Der Bär kommt mit ins Käselager und schnüffelt an den Käselaiben.
»Mh«, sagt der Bär, »der riecht lecker. Ich glaube, ich kannte die Bienen, die diesen Käse gemacht haben.«
»Bienen machen doch keinen Käse«, sagt die Käsemaus. »Kühe machen Käse! Und sogar nicht immer. Wir haben jetzt veganen Käse im Angebot.«
Der Bär guckt die Käsemaus an. »Was zur Hölle ist denn veganer Käse? Was soll denn das bedeuten? Vegan? Was heißt das?«
»Das heißt«, sagt die Maus, »dass man Produkte isst, Nahrungsmittel, die überhaupt nicht von Tieren gemacht wurden. Auch nicht mit der Hilfe von Tieren. Zum Beispiel keinen Honig, zum Beispiel keine Milch.«
Der Bär guckt die Maus völlig entgeistert an. »Hä? Und was soll ich denn essen?«
»Ach«, sagt die Maus, »für Sie gilt das natürlich nicht. Sie fangen weiter Ihre Lachse, Sie essen weiter Ihren Honig, selbstverständlich. Hier ist der Honigkäse.«
»Hmm«, sagt der Bär, »Akazienhonig ist ja fantastisch. Und hier drüben gibt es noch andere Sorten?«, fragt der Bär. »Wie viele Laibe haben Sie denn davon?«
»Ungefähr 28. Sie bräuchten, glaube ich, einen großen Bollerwagen, um alles zu transportieren.«
»Das trifft sich gut«, sagt der Bär. »Ich habe zufällig meinen Bollerwagen aus Holz dabei. Also, ich hätte gern 28 Käselaibe.«
»Katsching«, sagt die Maus.
»Was haben Sie gesagt?«, sagt der Bär.
»Äh, äh, äh«, sagt die Maus. »Auf jeden Fall ... auf jeden Fall können Sie selbstverständlich 28 Stück davon bekommen.«
Die Fee schlürft ihren Cappuccino aus. »Schöner Bollerwagen, den Sie da haben. Wo haben Sie denn den her?«, sagt die Fee.
»Ach«, sagt der Bär, »ich war da mal so auf einem Planeten. Da war ich mal im Urlaub. Der hieß Erde.«
»Ich war auch mal auf der Erde«, sagt die Käsemaus heute etwas wehmütig. »Und von dort aus habe ich den Mond gesehen.«
»Was ist ein Mond?«, sagt der Bär.
»Äh, ich habe ein Stück Käse am Himmel gesehen.«
»Ach so«, sagt der Bär. »Haben ein Stück Käse gesehen.«
»Und das wollte ich dann essen«, sagt die Maus. »Hat nicht so geklappt. Ich bin weitergeflogen zum Saturn. Na ja, jetzt bin ich hier. Fantastisches Leben, kann ich Ihnen sagen. Ich kenne die größten Boxer der Welt!«
»Sagen Sie«, sagt der Bär. »Wie läuft es denn eigentlich in Ihrem Käseladen?«
»Na ja«, sagt die Maus. »Es läuft fantastisch, muss ich Ihnen sagen. Aber manchmal ist es ein bisschen zu viel Arbeit.«
»Zu viel Arbeit?«, sagt der Bär. »Schauen Sie, ich könnte Ihnen doch ab und zu aushelfen. Und möglicherweise bin ich auch ein guter Käseverkäufer.«
»Äh«, sagt die Maus, »ich weiß nicht. Eigentlich sind die Fee und ich ...«
»Doch, doch«, sagt die Fee. »Das wäre doch eine fantastische Idee! Wir könnten häufiger zu Sabine gehen und könnten uns ein bisschen entspannen. Vielleicht können wir morgens länger schlafen. Dann wäre ab und zu der Bär hier und könnte ein bisschen Käse verkaufen.«
»Das muss ich mir noch überlegen«, sagt die Käsemaus. »Aber Sie können mir ja mal Ihre Nummer hierlassen«, sagt die Maus zum Bären. »Und wir können uns ja mal ein paar Nachrichten hin- und herschreiben.«
»In Ordnung«, sagt der Bär. »Was muss man denn so können, um Käse zu verkaufen?«
»Also«, sagt die Maus, »Sie müssen saubere Pfoten haben. Sie müssen gut mit Boxern umgehen können. Ab und zu wäre es auch geschickt, wenn Sie jemanden K.O. schlagen könnten. Und auf jeden Fall müssen Sie immer pünktlich sein, damit der Käseladen pünktlich öffnet.«
»In Ordnung«, sagt der Bär. »Was meinen Sie mit jemanden K.O. schlagen? Alle, die ich bisher K.O. geschlagen habe, waren Lachse.«
»Wie auch immer. Ich hoffe, es war kein Otter dabei«, sagt die Maus.
»So, Herr Bär«, sagt die Fee, »ist aber genug geplaudert. Machen Sie es mal gut. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag. Und grüßen Sie die Bienen von mir.«
»Das mache ich«, sagt der Bär.
»Ach so, hey«, sagt die Käsemaus. »Wollen Sie vielleicht den Käse noch bezahlen?«
»Selbstverständlich«, sagt der Bär. »Kann ich hier in Honig bezahlen?«
Die Maus zuckt mit den Schultern. »Kann er in Honig bezahlen?«
»Nee«, sagt die Fee.
»Kann ich mit Lachsen bezahlen?«
»Lachse?«, sagt die Maus. »Lachse sind lecker. Wie viele würden Sie denn tauschen?«
»20 Stück.«
»Warum nicht«, sagt die Maus. »Können Sie die gefroren liefern, sodass wir die immer in der Tiefkühlung haben können? Dann essen wir morgens immer Toast mit Lachs drauf. Mh, lecker«, sagt die Maus.
»Kann ich machen«, sagt der Bär. »Passen Sie auf, ich lasse Ihnen einfach meine Karte hier und wir tauschen Lachs gegen Käse.«
»Das ist ungewöhnlich«, sagt die Fee. »Normalerweise zahlen die Leute hier mit Goldmünzen oder so etwas. Aber gut, wenn es denn Lachse sind, ist ja fantastisch«, sagt die Fee. »Gerne Lachse.«
»Dann bis die Tage, und ich freue mich auf Sie als Aushilfe!«
»Ich muss mir das noch überlegen«, sagt die Maus. »Und ich bin immerhin hier die Chefin.«
»Na gut«, sagt die Fee. »Na klar bist du die Chefin. Und wir überlegen uns das noch, ob wir den Bären hier haben wollen.«
Und in dem Moment kommt ein Wiesel in die Käsehandlung.
»Morgen, morgen«, sagt das Wiesel.
»Morgen, morgen«, sagt die Käsemaus. »Was können wir für Sie tun?«
Sagt das Wiesel: »Bei uns gibt es eine Riesen-Wieselparty.«
»Was zur Hölle ist eine Wieselparty?«, sagt die Maus.
»Na, Sie haben ja eine Sprache drauf«, sagt das Wiesel. »Können Sie sich nicht höflich ausdrücken?«
»Ich kann mich sehr höflich ausdrücken«, sagt die Käsemaus. »Hab ich was Böses gesagt?«
»Ja, haben Sie gerade. Haben Sie wohl gar nicht mehr bemerkt.«
»Hat sie nicht bemerkt«, sagt die Wunschfee. »Aber ich kann Ihnen versichern, ich bin eine friedliche Wunschfee und meine Sprache ist hochgradig ausgeprägt. Ich bin eine sehr eloquente und friedliche Person.«
»Sie sind was?«, sagt das Wiesel.
»Das heißt, ich kann gut reden, und ich möchte Frieden.«
»Ich will auch Frieden«, sagt das Wiesel. »Aber trotzdem machen wir eine Wieselparty. Wir haben den DJ Bum Bum eingeladen und alles Mögliche, aber was uns noch fehlt, ist ein großes Käsebuffet. Sagen Sie«, sagt das Wiesel, »wäre es Ihnen vielleicht möglich, eine kleine Wieselarmee aus Käse herzustellen?«
»Wie bitte?«, sagen die Fee und die Maus. »Sie wollen was haben?«
»Nun ja«, sagt das Wiesel. »Ich hatte da so einen Traum. Ich habe mir vorgestellt, dass kleine Käsefiguren – alles Wiesel, versteht sich –, dass die aus Käse ein paar Schritte marschieren auf ihrer Buffetplatte und hin und her gehen. Nun ja, Sie wissen schon, als Show-Effekt, sodass die Party ein bisschen ... Sie wissen schon, ein bisschen spannender wird.«
Sagt die Käsemaus: »Käsefiguren, die sich bewegen können? Wie soll denn das funktionieren? Käse bewegt sich doch nicht.«
»Na, denken Sie sich was aus«, sagt das Wiesel. »Ich komme morgen wieder und dann sprechen wir über die Käsefiguren und vielleicht kriegen Sie das ja irgendwie hin.«
»Schauen Sie«, sagt das Wiesel, »ich habe hier einen Kontakt. Ich gebe Ihnen mal die Karte vom schlauen Fuchs, und der schlaue Fuchs, der ist Ingenieur. Der kann Ihnen vielleicht was darüber erzählen, wie Sie die Käsefiguren dazu kriegen, sich zu bewegen, und wie man die dann auch noch essen kann und wie das alles dann noch ...«
»Das ist wirklich eine sehr ungewöhnliche Anfrage«, sagt die Maus. »Aber was tut man nicht alles für die größte Wieselparty des Saturns?«
»Größte Wieselparty des Saturns?«, sagt das Wiesel. »Das weiß ich gar nicht. Es kommen ungefähr 2000 Exemplare unserer Art.«
»2000?«, sagt die Maus. »Wie viele Käsefiguren brauchen Sie denn?«
»Na ja, so 50 bis 100 würden es schon tun. Das genügt schon völlig. Es soll ja nur der Effekt da sein. Dann spielt noch die große Wieselband, und Sie wissen schon, dann ist die Wieselparty auch schon wieder beendet.«
»Und sind wir auch eingeladen?«, sagt die Maus. »Ich war noch nie auf einer Wieselparty.«
»Sie? Sie sind selbstverständlich eingeladen«, sagt das Wiesel. »Natürlich sind Sie das. Sie sind ja eine stadtbekannte ...«
»Planetenweit bekannte!«, betont die Maus.
»Sie sind eine planetenweit bekannte Käseverkäuferin. Na ja, natürlich haben wir dort auch Stargäste. Alle bekannten Boxer.«
»Natürlich haben wir dort auch Stargäste ...« In dem Moment kommt ein Streifenhörnchen in den Laden. »Zum Beispiel dieses wunderbare Streifenhörnchen«, sagt das Wiesel. »Und die berühmtesten Boxer des Planeten kommen auch noch.«
»Die berühmtesten Boxer«, sagt die Fee. »Also, wir denken uns was aus. Wir rufen den Fuchs an. Dann werden wir dafür sorgen, dass wir eine Wieselarmee aus Käse bauen. Und dann geht es los zur großen Wieselparty mit Checki Chackimani, mit dem dicken Otter und auch mit dem Streifenhörnchen, das ich noch gar nicht näher kenne. Auf jeden Fall müssen wir den Laden für heute schließen. Wir haben nämlich noch einiges zu tun und noch Planungen zu machen, wie wir das alles hinbekommen sollen.«
»Wir sehen uns dann morgen«, sagt das Wiesel. »Bis die Tage. Ach so, und ich hoffe, dass Sie hier um Viertel vor acht öffnen. Auf der Matte stehen.«
»Eigentlich öffnen wir erst um acht«, sagt die Fee.
»Ach so«, sagt das Wiesel. »Na ja, dann schauen wir mal, sonst warte ich auf Sie, wenn es denn sein muss. Aber ich würde mich freuen, wenn Sie morgen ein bisschen früher da sind.«
»In Ordnung«, sagt die Wunschfee. »Ihr Wunsch sei mir Befehl.«
Sie denkt nochmal an den Bären zurück. »Meine Güte, der Bär vorhin. Der hielt doch tatsächlich die Ballons, um die Balance zu halten! Ich meine, der hielt doch die Ballons, um die Balance zu halten! Komm Maus, wir fahren demnächst mal nach Hause.«
»Ciao Wiesel, tschüss Streifenhörnchen. Wir sehen uns, bis die Tage.«
»Tschüss.«
#13 Die Wieselarmee aus Käse
Der galaktische Käseladen mit der kleinen galaktischen Käsemaus und der Wunschfee.
Die Fee marschiert durch das Schlafzimmer der Maus. Vor ihrem Bauch hat sich die Fee eine kleine Trommel umgehängt und trommelt mit zwei Sticks auf dieser Trommel herum. Die Maus liegt in ihrem Bett und fängt automatisch an zu marschieren. Ihre Füße bewegen sich hin und her, als würde die Maus laufen, aber die Maus läuft nicht, sondern sie liegt da und bewegt nur ihre Füße.
»Achtung, stillgestanden!«, ruft die Fee.
Die Maus schreckt in ihrem Bett hoch. »Bitte was?«, ruft die Maus. »Was machst du hier?«
»Ich marschiere!«, ruft die Fee.
»Du machst was? Wir sind in meinem Schlafzimmer, hier gibt es nichts zu marschieren! Außerdem dachte ich, bist du eine friedliche und eloquente kleine Märchenfee?«
»Ich bin keine Märchenfee, ich bin eine Wunschfee! Und wie du siehst, bin ich zu den Militärmusikern übergewechselt.«
»Du bist was?«
»Ich bin Militärmusikerin geworden. Hier, hör mal!« Die Fee schlägt wie eine kleine Verrückte auf ihrer Trommel herum.
»Ja, ja, ja, ist sehr gut!«, schreit die Maus und hält sich die Ohren zu. »Ich habe schon verstanden, es ist eine laute Trommel. Warum hast du dir die um den Hals gehängt?«
»Die habe ich mir so vor den Bauch geschnallt, wie man das macht in einem richtigen Spielmannszug. Na ja, und das Militär, das marschiert doch beim Musikmachen.«
»Das marschiert beim Musikmachen? Was hat das alles mit mir zu tun?«, sagt die Maus.
»Wir werden heute«, ruft die Fee in einem militärischen Tonfall, »wir werden heute eine Armee aus Wieseln bauen! Ich meine, eine Wieselarmee aus Käse!«
»Eine Wieselarmee aus Käse?«, sagt die Maus. »Was ist denn das für ein verrückter Plan?«
»Erinnerst du dich denn überhaupt nicht? Unser letzter Kunde war doch ein Wiesel. Ein Wiesel, Wiesel, Wiesel! Und das möchte eine große Militärparade als Käseplatte haben.«
»Möchte eine Militärparade als Käseplatte haben? Was ist denn das für eine Geschichte?«, sagt die Maus. »Hast du überhaupt schon Kaffee gekocht?«
»Natürlich habe ich schon Kaffee gekocht! Ganze Kompanie in die Küche!«, sagt die Fee und marschiert voraus.
»Ich glaube, du hast nicht mehr alle Tassen im Schrank.«
»Das hast du nicht gehört«, sagt die Fee. »Und du hast recht, zwei Tassen stehen auf dem Tisch. Ansonsten keine Scherze beim Militär.«
»Aber wir sind überhaupt nicht beim Militär«, sagt die Maus.
»Ruhe da hinten!«, ruft die Fee. »Ruhe, ihr Maden, kommt zum Frühstück!«
»Ich bin doch keine Made«, sagt die Maus.
»So spricht man beim Militär, glaube ich«, sagt die Fee.
»So spricht man überhaupt nicht beim Militär«, sagt die Maus. »Du hast überhaupt keine Ahnung. Das ist eine professionelle Truppe. Und da wird niemand mehr als Made beschimpft. Das war vielleicht vor 500 Jahren mal so.«
»Oder vor fünfzig!«, schreit die Fee. »Keine Ahnung. Also, kommen wir mal zum Kaffee zurück.«
»Hast du den in einer oder in zwei Kannen gekocht?«
Die Fee guckt die Maus an. »Wir beim Militär, wir sind eine Einheit. Wir trinken aus einer Kanne unseren Kaffee. Das ist doch klar.«
»Ja, ist klar«, sagt die Maus. »Nur so klar war das nicht immer. Wir waren ja auch noch nicht immer beim Militär.«
»Wir sind überhaupt nicht beim Militär«, sagt die Maus. »Auf jeden Fall bin ich jetzt gehörig wach.«
»Ach na, dann ist ja gut«, sagt die Fee und schmeißt die Trommel in die Ecke. Die Trommel poltert in die Ecke.
»Hey«, sagt die Maus, »ist das nicht ein Musikinstrument?«
»Ja, ich glaube, es war ein Musikinstrument«, sagt die Fee. »Also, auf jeden Fall bist du ja jetzt wach.« Und sie schmeißt die Sticks hinterher. »Und aufräumen können wir später. Wir müssen erstmal einen Telefonanruf auslösen.«
»Wir müssen was? Wir müssen erstmal einen Kaffee trinken«, sagt die Maus. »Oder einen morgendlichen Kakao. Wie wär's denn damit? Ich muss mich erstmal sammeln.«
»Nix musst du«, sagt die Fee und drückt auf ihrem Telefon herum.
»Hier ist der Fuchs. Guten Morgen.«
»Guten Morgen, Herr Fuchs«, sagt die Fee. »Die Maus hat eine Frage an Sie.« Die Fee drückt der Maus das Telefon in die Hand. Die Maus verdreht die Augen.
»Guten Morgen, Herr Fuchs. Schauen Sie, ich bin eine Käseverkäuferin ...«
»Sie sind falsch verbunden«, sagt der Fuchs. »Ich bin Ingenieur, ich hab mit Käseverkäuferinnen nichts zu tun.«
»Sie verstehen nicht«, sagt die Maus. »Wir haben einen Spezialauftrag.«
»Sie haben was? Sie verkaufen Käse? Vergessen Sie's.«
»Nein, nein«, sagt die Maus. »Ich rufe Sie an, weil Sie Ingenieur sind. Weil Sie Maschinen bauen können. Sie können doch etwas konstruieren, oder? Schauen Sie, ich bräuchte ein kleines Wiesel aus Metall oder aus Kunststoff. Und eigentlich, genau genommen, bräuchte ich nicht eins, sondern 50 bis 100 würden es tun. Wobei, jetzt, wo ich drüber nachdenke ... eine Armee mit weniger als 400 Wieseln? Was soll denn das schon werden? Also, ich bräuchte bitte 400 Wieselroboter, und darüber würde ich dann eine Käsehülle bauen.«
Der Fuchs schweigt. »Bitte wie?«, sagt der Fuchs. »Können Sie das noch mal langsam sagen?«
»Ja«, sagt die Maus.
»Nein, nein, nein, ich hab Sie schon verstanden«, sagt der Fuchs. »Aber sagen Sie mal, sind Sie noch bei Verstand? Oder rufen Sie mich aus einer ärztlichen Institution an und kommen mit Ihrem Geist nicht mehr so ganz klar?«
»Doch, doch«, sagt die Maus. »Ich komm mit meinem Geist sehr klar. Wir haben den größten Käseladen des Saturns, ich meine, den besten Käseladen des Saturns, und wir haben Spezialaufträge. Bei uns kam ein Wiesel rein und wünscht sich eine Armee aus Käse-Wieseln.«
»Eine Armee aus Käse-Wieseln«, sagt der Fuchs. »Das ist völlig verrückt.«
»Ja, ich weiß«, sagt die Maus, »aber das ist nun mal unser Tagesgeschäft. Also auf jeden Fall brauchen wir jetzt 400 Roboter, die sich bewegen wie Wiesel. Die marschieren.«
»Ich glaub, Sie spinnen ein bisschen«, sagt der Fuchs. »Hören Sie mal, ich bin ein ernstzunehmender Ingenieur.«
»Wir zahlen Ihnen 50.000 Euro«, sagt die Maus.
»Sie zahlen was?«, sagt der Fuchs. »Sie sind ja völlig gestört!«
»Ich bin überhaupt nicht gestört«, sagt die Maus. »Ich bin eine große Geschäftsfrau. Sie kennen mich wohl nicht.«
»Psst, psst, psst«, sagt die Fee. »Psst, du bist keine große Geschäftsfrau. Du hast einen kleinen Käseladen auf dem Saturn.«
»Aber der läuft gut!«, ruft die Maus.
»Ja, der läuft ganz nett«, sagt die Fee. »Aber trotzdem.«
»Sie sind immer herzlich willkommen!«, sagt der Fuchs an der Leitung. »Einen so großen Auftrag hatte ich ja seit Monaten nicht.«
»Na bitte«, sagt die Maus. »Also, wir wollen aber erst noch unseren Kaffee austrinken.«
»Sie sind eine Maus und trinken Kaffee? Sie müssen vielleicht mal aufpassen, dass ich Ihnen nicht in den Nacken beiße«, sagt der Fuchs.
»Sie wollen was?«, sagt die Maus.
»Na, was glauben Sie denn«, sagt der Fuchs. »Ich bin ein Fuchs. Sie sind ja wohl eine Maus, haben Sie gesagt?«
»Ja.«
»Nee, nee, nee«, sagt die Maus, »Sie haben da was falsch verstanden. Ich bin noch nicht Ihr Frühstück!«
»Noch nicht«, sagt der Fuchs. »Noch nicht. Aber Sie könnte ich mir gut vorstellen, in einer kleinen Müslischüssel mit ein bisschen Milch über dem Kopf ...«
Die Fee nimmt das kleine Milchkännchen vom Tisch und schüttet es der Maus über den Kopf.
»Ah!«, kreischt die Maus. »Ah, ich will nicht zum Fuchs in die Müslischüssel!«
Die Fee kichert. »Du musst auch nicht zum Fuchs in die Müslischüssel.«
»Das ist Ihre Meinung!«, ruft der Fuchs durch die Telefonleitung.
»Ah«, sagt die Maus. »Ich weiß nicht, ob wir später noch rumkommen können.«
»Wir kommen rum!«, ruft die Fee. »Wir kommen rum. Es war sehr lustig mit Ihnen!«, sagt die Fee. Die Fee legt das Telefon auf.
»Meine Güte«, sagt die Maus. »Daran hatte ich gar nicht gedacht, dass das ja ein echter Fuchs ist.«
»Aber meinst du, er kann uns helfen?«, sagt die Fee. »Und ich glaube, er hat nur ein bisschen Spaß gemacht.« Die Fee holt einen Lappen und wischt über den Kopf der Maus. »Ich wollte dir ja keine Milch über den Kopf gießen. Aber es war einfach zu lustig, sich vorzustellen, wie du in einer Müslischüssel landest«, sagt die Fee.
»Sehr witzig«, sagt die Maus. »Wirklich sehr witzig.« Sie trinkt ihren viel zu heißen Kaffee in einem Schluck. »Ah«, sagt die Maus. »Ich glaube, wir müssen los. Heute nehmen wir den Bagger.«
»Den was?«, sagt die Fee.
»Wir nehmen den Bagger«, sagt die Maus. »Auf geht's. Wenn wir zu einem Ingenieur fahren, der versteht doch sicherlich auch was von Baumaschinen. Da wollen wir doch ein bisschen Eindruck machen. Wir fahren mit dem Bagger vor.«
»Aber da brauchen wir fünf Minuten länger«, sagt die Fee.
»Die Zeit muss sein«, sagt die Maus. »Wir nehmen den Bagger.«
Die beiden setzen sich Bauarbeiterinnen-Helme auf und fahren mit dem Bagger zum Fuchs. Die Maus behält ihren Helm gleich auf, als sie zum Fuchs reingeht.
»Morgen!«, ruft die Maus.
»Morgen, morgen«, sagt der Fuchs. »Oh, wie ich sehe, haben Sie vorgesorgt. Sie haben einen Helm auf dem Kopf.« Der Fuchs klopft mit seiner Pfote auf den Helm und prüft, ob der Helm auch wirklich den Kopf der Maus schützen würde. Er fletscht kurz seine Zähne und berührt mit einem Eckzahn den Helm.
»Ah!«, ruft die Maus. »Geht das nicht nochmal? Sie sind unser Ingenieur, und Sie sollen Wiesel bauen, die wir dann mit Käse überziehen können. Weiter sollen Sie nichts tun, und ich bin nicht Ihr Frühstück!«, sagt die Maus.
»Ja, ja, ist ja schon gut«, sagt der Fuchs. »Also, nun schauen wir mal. Ich habe hier schon mal was vorbereitet.«
Der Fuchs geht in sein Labor, wo diverse Roboter herumstehen und wo überall kleine Maschinen aus Metall und aus festen Kunststoffen verschraubt sind. Er ist ein richtiger Erfinder-Fuchs.
»Also«, sagt der Fuchs, »das hier sollte eigentlich mal ein Eichhörnchen werden, aber nun ja, ich habe es kurzerhand etwas umgebaut, kurz nachdem Sie angerufen haben. Ich würde mal vermuten, das geht als Wiesel durch.«
»Und wie funktioniert das?«, sagt die Maus.
»Nun ja, ganz einfach. Sie müssen die Maschine einfach kurz anbrüllen, und dann fängt sie an zu marschieren.«
»Ich muss sie was?«, sagt die Maus.
»Marsch!«, sagt die Maus.
»Marsch!«, ruft der Fuchs.
Die Fee schreckt zurück, und das kleine Eichhörnchen-Wiesel beginnt, drei Schritte vorzumarschieren, und geht dann drei Schritte zurück, sodass es wieder da steht, wo es war.
»Das ist ja fantastisch!«, ruft die Maus. »Genau das brauchen wir! Die Armee soll hinmarschieren und auch wieder zurück. Perfekt! Sie haben eine Maschine davon?«
»Ja«, sagt der Fuchs. »Und die Maschine kann ich Ihnen auch gerne verkaufen. Sie sagten doch, Sie zahlen 50.000 Euro.«
»Nein, nein, nein«, sagt die Maus. »Aber nicht für ein Wiesel! Wir brauchen 400 Wiesel.«
»Sie brauchen ... Sie brauchen was?«, sagt der Fuchs.
»Wir brauchen 400 Wiesel«, sagt die Maus.
»Ich dachte, es wäre ein Spaß gewesen«, sagt der Fuchs. »Wissen Sie, wie lange es dauert, so eine Maschine zu bauen? Ich habe daran sechs Monate gearbeitet, und jetzt habe ich sie in 45 Minuten umgebaut. Aber das war nur eine kleine Änderung, und ich kann das also unmöglich schaffen.«
»Wir brauchen die bis 14 Uhr«, sagt die Maus.
»Aber«, sagt der Fuchs, »das geht nicht.«
»Das geht!«, ruft die Fee und drückt auf ihrem Handy herum. »Na, hallo?«, ruft die Fee.
»Oh, nein«, sagt die Maus. »Sie spricht schon wieder die Hamstersprache.«
»Können Sie rumkommen?«, ruft die Fee.
»Haben Sie eine Wieselarmee?«, hört sie auf der anderen Leitung. Es ist offenbar ein Hamster dran.
»Ganz genau!«, ruft die Fee. »Ich meine, ganz genau!«
»Was macht sie da?«, sagt der Fuchs.
»Sie ruft die Spezialhamster, fürchte ich«, sagt die Maus.
»Wieso fürchten Sie das?«
»Ach«, sagt die Maus. »Wie viel Metall haben Sie hier?«
Der Fuchs deutet aus dem Fenster und zeigt auf einen Schrottplatz. Auf dem Schrottplatz ist tonnenweise altes Metall.
»Ach«, sagt die Maus. »Na dann haben wir es ja gerade noch mal gerettet. Schauen Sie, ich wäre gerne in meinem kleinen beschaulichen Käseladen, bevor die Armee aus Hamstern hier eintrifft. Sag mal, liebe Fee, wie viele Hamster hast du denn heute bestellt, damit diese Wieselarmee bis 14 Uhr zustande kommt?«
»Das verrate ich dir auf dem Weg zum Käseladen«, sagt die Fee. »Wir müssen jetzt weg, meine Liebste.«
»Oje«, sagt die Maus. »Wenn sie sagt 'meine Liebste', machen Sie sich auf einen interessanten Tag gefasst, Herr Fuchs! Wir sehen uns später. Wir erwarten Sie 14 Uhr mit der Wieselarmee in unserem Laden.«
»Aber das ist völlig unmöglich«, sagt der Fuchs. »Sie werden bis 14 Uhr ...« Da hört er in der Ferne das Rattern und das Trampeln von zigtausenden kleinen Füßen. Es ist ein Rumoren, und es kommt näher.
Der Fuchs nimmt ein Fernglas und guckt in die Ferne. »Da hinten kommen Hamster«, sagt der Fuchs. »Da hinten ... es müssen Zehntausende sein!«
»Äh«, sagt die Fee. »Wir müssen jetzt los. Wir nehmen unseren Bagger, fahren in den Käseladen. Wir sehen uns später wieder.«
»Äh, ziehen Sie sich doch lieber eine Jacke an, nicht, dass Ihrem Fell noch was passiert.«
»Dass meinem Fell was passiert?«, sagt der Fuchs.
»Hören Sie lieber auf die Fee«, sagt die Maus. »Sie ist eine Wunschfee, sie macht keinen Spaß.«
»Sie macht keinen Spaß, sie ist eine Wunschfee? Ich glaube, Sie spinnen beide völlig!«, sagt der Fuchs.
»Nein, nein«, sagt die Fee. »Wir müssen nur in den Käseladen. Viel Spaß! Ich werde mich hier solange mit den Hamstern aufhalten«, sagt der Fuchs und guckt verwirrt in die Gegend.
»Puh, das hat ja gerade noch mal geklappt. Mh-mh«, sagt die Maus. »Jetzt müssen wir aber los. Es ist schon halb acht durch.«
Viertel vor acht stehen sie endlich vor dem Käseladen. Und das Wiesel wartet schon vor der Tür.
»Morgen, morgen, morgen«, sagt das Wiesel.
»Morgen, morgen«, sagt die Maus. »Meine Güte, Sie sind aber überpünktlich.« Sie schließt den Käseladen auf. »Wir müssen erstmal die Laibe hier aufbauen.«
»Und haben Sie es geschafft?«, sagt das Wiesel.
»Haben wir was geschafft?«, sagt die Maus.
»Na ja, ist die Käsearmee fertig?«, sagt die Fee. »Die Armee aus Käse werden wir heute um 17 Uhr ...«
»Bitte?«, sagt das Wiesel. »Aber um 17:30 Uhr beginnt die Party!«
»Na ja«, sagt die Fee, »also schneller ... Schauen Sie mal. Mögen Sie eigentlich Erdbeer-Cappuccino mit etwas Kakaopulver drin?«
»Mh«, sagt das Wiesel.
»Das ist ja mein Lieblingsgetränk«, sagt die Fee. »Also, auf jeden Fall nehmen Sie doch erst mal so einen kleinen Erdbeer-Cappuccino mit ein bisschen Kakaopulver drauf. Und dann reden wir noch mal über alles.«
»Mh«, sagt das Wiesel.
Die Fee geht in das Käselager rein und sagt: »Hey Maus, du hattest doch neulich so starkes Fieber, ne?«
»Ja«, sagt die Maus.
»Na und? Und da warst du doch auch immer so aufgeregt.«
»Ja«, sagt die Maus. »Aber da war ich krank.«
»Und da hast du doch so ein Spezialmedikament aus dem Krankenhaus?«
»Wie bitte?«, sagt die Maus. »Aber das ist nicht mehr hier, glaube ich.«
»Also«, sagt die Fee. »Genau genommen ist es noch hier.«
»Was meinst du damit, genau genommen ist es noch hier?«
»Nun ja, und wir mixen ja gerade einen wunderbaren Erdbeer-Himbeer-Frappuccino-Cappuccino-Schlappuccino mit Kakaopulver, Genau-Pulver und noch ein bisschen Kakaopulver. Und ein bisschen kleine Wieselmedizin rein, damit das Wiesel sich nicht so aufregen muss.«
»Na ja, wo ist sie denn nun genau, und wie viel wollen wir da eigentlich reintun?«
»Wie bitte?«, sagt die Maus. »Wir werden überhaupt keine Medizin in den Frappuccino-Cappuccino mit Kakaogeschmack tun! Wir werden doch das Wiesel nicht mit einer Medizin versorgen, wenn es gar nicht krank ist.«
»Nun ja«, sagt die Fee. »Aber das Wiesel könnte sich sehr aufregen, wenn wir nicht in zwei Stunden hier eine Wieselarmee aus Käse stehen haben. Und die wird nicht in zwei Stunden stehen. Sondern, pass auf, mein Plan ist folgender: Wir füttern dieses Wiesel einfach mit einem Erdbeer-Cappuccino nach dem nächsten und plaudern den ganzen Tag mit dem Wiesel über Gott und die Welt.«
»Was sollen wir denn so lange plaudern?«, sagt die Maus.
»Ja, eben, das schaffen wir nicht. Und das Wiesel darf sich nicht aufregen. Und diese Medizin, die beruhigt doch ungemein.«
»Vielleicht solltest du die Medizin nehmen«, sagt die Maus. »Also, ist auf jeden Fall hier.« Die Maus hält die Medizin in der Hand.
»Nein«, sagt die Fee.
»Nichts da«, sagt die Maus. »Wir werden überhaupt nichts machen.«
Das Wiesel steckt seinen Kopf durch die Tür. »Ist alles in Ordnung bei Ihnen?«, sagt das Wiesel.
»Sie dürfen hier nicht ins Lager!«, ruft die Fee. »Wir haben noch was Wichtiges zu besprechen.«
»In Ordnung«, sagt das Wiesel. »Dann muss ich wieder zurückgehen.«
»Das müssen Sie«, sagt die Maus. »Also, mein Vorschlag ist folgender«, sagt die Maus. »Du nimmst die Hälfte, das Wiesel nimmt die Hälfte, und ich regle den Rest.«
»Ich weiß nicht«, sagt die Fee, »ob das eine gute Idee ist.«
»Die Medizin war ziemlich stark«, sagt die Maus. »Warte mal, ich glaube, ich habe hier noch eine zweite Packung Medizin.«
»Also«, sagt die Maus. »Der Plan ist folgender. Du hattest die Idee mit der Medizin, und du wirst sie auch ausbaden.«
»Ich werde was ausbaden?«
Die Maus mixt in Windeseile zwei Himbeer-Heidelbeer-Erdbeer-Frappuccino-Cappuccinos mit Ananas-Geschmack. Mixt noch etwas Himbeerbrausepulver unter, damit man die Medizin nicht so schmeckt. Nimmt zwei riesengroße Becher, die viel zu groß sind für einen normalen Kakao, und kippt jeweils eine Packung von der lustigen Medizin rein. Es ist ein rosafarbener Saft, der sehr lecker schmeckt und den man eigentlich nur nehmen sollte, wenn man krank ist. Aber die Maus ist eine Fantasiefigur, also macht sie sich darüber keine Gedanken.
»Hier, trink das«, sagt die Maus.
»Nein, nein, nein«, sagt die Fee. »Wir müssen es zusammen trinken.« Sie geht mit den beiden riesigen Bechern raus zum Wiesel.
»Guten Morgen!«, ruft sie noch einmal.
»Wir hatten uns doch schon guten Morgen gesagt«, sagt das Wiesel.
»Aber es ist ein wunderbarer Morgen!«, sagt die Fee mit einem breiten Grinsen im Gesicht. »Ihr Erdbeer-Frappuccino-Schlappuccino mit super Himbeerpulver oben drauf, und Kakaopulver ist auch noch drin! Sie können sich nichts Besseres vorstellen als dieses Getränk!«, sagt die Fee. Stößt mit dem Becher an den anderen. »Prösterchen!«, ruft die Fee und kippt den halben Becher in einem Zug herunter.
»Prösterchen«, murmelt die Maus und hält sich die Hand vor die Augen. Sie baut erstmal die Käselaibe auf, sodass der Käseladen eröffnen kann. Da kommen auch schon die ersten Kunden.
»... und dann hat meine Großmutter die Hühner aus dem Stall gejagt«, hört sie die Fee in der Ferne erzählen. Die Fee erzählt dem Wiesel eine Geschichte nach der nächsten. Und das Wiesel erzählt fleißig zurück.
»Trinken Sie gern weiter«, sagt die Fee.
Das Wiesel hat schon mehr als die Hälfte von seinem Super-Frappuccino ausgetrunken. Und das Wiesel beginnt auch, immer mehr zu reden.
»Und dann sind uns eines Tages alle Haare ausgefallen. Meiner Großmutter auch. Und auch meinen Nachbarn. Wir haben uns gewundert, woran es liegt. Und dann haben wir festgestellt, dass das Abwasser nicht so ganz stimmte. Wir haben das immer getrunken. Und später haben wir dann eine Kalktablette reingelegt. Eine Chlortablette. Also das hat auch überhaupt nichts geholfen. Das Einzige, was geholfen hat, war ein starker Sturzregen, der dann den Boden gereinigt hat. Und dann war auch das Wasser wieder sauber.«
»Bitte?«, sagt die Fee. »Was erzählen Sie denn da?«
»Ich dachte, ich erzähle Ihnen eine Geschichte«, sagt das Wiesel geschäftig, als hätte es in seinem Leben noch nie etwas anderes gemacht, außer der Fee Geschichten zu erzählen. »Ich habe da auch noch was zu erzählen. Ich habe da auch noch was zu erzählen.«
Sagt die Fee. Und so geht der ganze Tag dahin. Bis die Fee plötzlich ruft: »15:55 Uhr! Wir haben es fast geschafft!«
»Was haben wir geschafft?«, sagt das Wiesel.
»Nichts haben wir geschafft«, sagt die Fee. »Ich meine: Halbzeit, Halbzeit!«, sagt die Fee beschwichtigend. »Nehmen Sie noch so einen Super-Frappuccino.«
Die Maus winkt ab und zeigt eine Stoppgeste zur Fee. »Nein, nein, nein«, sagt die Maus. »Nein, nein, nein.«
»Oh doch!«, sagt die Fee und drückt auf ihrem Handy herum.
Drei Minuten später fährt ein kleines weißes Auto vor dem Käseladen vor.
»Sie haben den Apothekennotdienst bestellt?«
»Oh nein«, sagt die Maus. »Nein, nein, nein. Wir haben keinen Apothekennotdienst ...«
»Doch, haben wir!«, ruft die Fee begeistert.
»Nein«, sagt die Maus. »Wir können dem Wiesel doch nicht noch mehr Medizin geben.«
»Aber das ist unsere einzige Chance, wie wir diese Käsearmee ausliefern können, ohne dass wir Riesenärger bekommen.«
»Ich weiß nicht«, sagt die Maus. »Ist denn das überhaupt notwendig?«
In dem Moment steht der Fuchs in einem schwarzen Mantel vor der Tür. »Ich kann es nicht glauben«, sagt der Fuchs.
»Der Fuchs ist da!«, ruft die Fee.
»Der Fuchs ist da«, sagt die Maus etwas ängstlich.
Das Wiesel guckt sich zur Tür um. »Wer ist der Fuchs?«, sagt das Wiesel.
»Na, der Fuchs«, sagt die Maus, »der die Wiesel erfunden hat, die sich bewegen können ... für die Käseplatte.«
»Die Käseplatte?«, sagt das Wiesel. »Ich dachte, die ist längst fertig. Ich glaube, ich muss los«, sagt das Wiesel und guckt auf seinen Arm. Aber es stellt fest, dass es gar keine Uhr mehr umhat. »Wo ist denn meine Uhr hin?«, sagt das Wiesel.
Sagt die Fee: »Weiß ich auch nicht.«
Die Fee sitzt auf der Uhr und verdeckt sie mit ihrem Popo. Die Fee hat in einem kleinen Zaubertrick die Uhr abgemacht, sodass das Wiesel das gar nicht bemerkt hat.
»Kommen Sie, wir trinken noch einen Super-Frappuccino«, sagt die Fee begeistert. »Und diesen Fuchs hier, den lassen wir mal machen.«
»Auf jeden Fall«, sagt der Fuchs, »haben die Hamster es tatsächlich geschafft.«
»Welche Hamster?«, sagt das Wiesel.
»Ich hatte auch mal einen Hamster«, fängt die Fee an zu erzählen. »Und der wollte Boxer werden.«
»Oh, Sie meinen Checki Chackimani?«, sagt das Wiesel.
»Nein, nein, nein. Ich erzähle Ihnen jetzt mal eine völlig andere Geschichte. Wir waren mal auf einem Hüpfburgenfest ...«, sagt die Fee.
Und die beiden erzählen fröhlich weiter.
Die Hamster tragen eine Figur nach der nächsten in den Käseladen und direkt ins Lager. Das Wiesel bekommt kaum mit, dass etwas passiert, weil immer ein Hamster schnell eine Figur durchträgt, und die 400 Figuren landen im Käselager.
»Wunderbar«, sagt die Maus zum Fuchs, der ein bisschen aussieht wie ein Geheimagent. »Sie müssen schnell wieder verschwinden«, sagt die Maus. »Ich danke Ihnen vielmals, dass Sie das ausgehalten haben mit den Hamstern.«
»War nicht ganz leicht«, sagt der Fuchs und zeigt auf sein völlig zerzaustes Fell. »Die sind vielleicht aufgeregt, und die haben in einer Mordsgeschwindigkeit gearbeitet«, sagt der Fuchs. »So etwas habe ich noch nie gesehen. Ich habe noch nie gesehen, wie irgendjemand 400 Maschinen an einem Tag gebaut hat.«
»Auf jeden Fall, kann ich bei Ihnen mit Karte zahlen?«, sagt die Maus.
»Sie wollen was?«, sagt der Fuchs. »Nein, nein, nein, ich bin doch kein Käseladen. Ich schicke Ihnen eine Rechnung ... oder ich meine, ich schicke Ihnen hier ... schauen Sie.« Der Fuchs holt sein Mobilgerät raus, verfasst kurz eine Rechnung und schickt die Rechnung an die Maus.
»Vielen Dank«, sagt die Maus. »Zahlbar innerhalb von drei Tagen, das kriegen wir hin. Gut, ich danke Ihnen vielmals. Jetzt muss ich nur sehen, wie ich den Käse da drauf kriege.«
»Welchen Käse?«, ruft das Wiesel aus der Ferne.
»Ich meinte«, sagt die Maus, »wollen Sie noch Käsebrot haben?«
»Käsebrot? Immer gern. Das ist ein gutes Brot«, sagt das Wiesel.
»Ja«, sagt die Fee, »Käsebrot ist ein gutes Brot.«
Die Maus winkt die Fee zu sich heran und winkt dem Fuchs nochmal zum Abschied. »Tschüss, Herr Fuchs! Vielen Dank für die 400 super Figuren. Den Rest werden wir schon hinbekommen.« Die Maus winkt die Fee noch einmal zu sich. »Fee, komm mal rüber!«
Endlich ist die Fee beim Käselager, und das Wiesel erzählt weiter in Richtung Fee, obwohl die Fee dort gar nicht mehr sitzt.
»... und dann hat meine Nachbarin gesagt«, sagt das Wiesel, »die Blumen können da nicht stehen bleiben, ich solle sie auf die andere Fensterbank stellen, und einen Spezialdünger würde sie mir auch empfehlen.«
»In Ordnung!«, ruft die Fee von weitem. »Das ist eine wunderbare Geschichte. Was ist denn nun, Maus?«, sagt die Fee zur Maus.
»Wie sollen wir das überhaupt hinbekommen?«, sagt die Maus.
»Keine Ahnung, denk dir was aus«, sagt die Fee. »Wie sollen wir 400 Metallfiguren mit Käse überziehen?«
»Schau mal«, sagt die Fee. »Wir hatten doch immer so einen kleinen Flammenwerfer rumstehen.«
»Ja«, sagt die Maus. »Aber wir können ja nicht ... ich weiß nicht.«
»Oder wir machen es einfach so.« Die Fee buddelt mit den Händen in einem Käselaib und holt etwas Käse aus dem Käselaib heraus. Sie beginnt, ihn zu matschen und zu formen, und drückt den Käse um eine der Figuren herum.
»Nee«, sagt die Maus. »So klappt das nicht, das ist doch völliger Käse.«
»Was?«, sagt die Fee. »Du meinst, das ist völliger Käse?«
»Ja, die Idee ist doch völliger Käse.«
»Natürlich ist das völliger Käse. Und jetzt pass mal auf«, sagt die Fee. Sie holt Käse aus dem Käselaib und holt aus der Ecke einen kleinen Flammenwerfer und flambiert die Figur, sodass der Käse an der Oberfläche schmilzt. »Und jetzt«, sagt die Fee und holt einen Ventilator, »muss das schnell getrocknet werden.«
Die Fee schaltet den Ventilator an, und der Käse wird fest. Die Figur sieht zwar etwas unförmig aus, aber im Wesentlichen sieht sie aus wie ein Wiesel. Und die Fee guckt die Figur prüfend an.
»Jetzt müssen wir nur noch herausfinden, ob es überhaupt noch funktioniert«, sagt die Fee.
»Ob was funktioniert?«
Die Fee knallt die Tür zum Lager zu. »Marsch!«, ruft die Fee.
Das Wiesel aus Metall macht drei Schritte nach vorne und drei Schritte nach hinten. Der Käse reißt dabei zum Glück nicht ein. Er ist biegsam genug und hält es aus.
»Meine Güte«, sagt die Fee. »Aber das war ja erst eine Figur. Was soll ich mir denn noch alles für Geschichten ausdenken?«
»Das kriegst du schon hin«, sagt die Maus. »Vielleicht behalte ich auch einfach fünf, sechs Hamster hier.«
»Oder fünfzig Hamster«, sagt die Fee.
»Aber so viele passen hier gar nicht rein«, sagt die Maus. »Na ja, vielleicht fünfzehn.«
Die Maus rennt raus. Die Hamster wollen gerade abhauen. Sie ruft den Hamstern hinterher. »Hey!«, ruft sie. »Hey! Könnten fünfzehn von euch nochmal zurückkommen? Ich brauch hier Hilfe im Lager!«
»Ja, selbstverständlich!«, rufen die Hamster und kommen zurück zur Maus.
Sie helfen der Maus beim Käseformen, beim Flambieren und beim Erkalten der Figuren. Und die Fee erzählt dem Wiesel eine Geschichte nach der nächsten. Um 16:55 Uhr fängt die Fee eine mitreißende weitere Geschichte an.
»Und dann?«, sagt die Fee mit schwacher Stimme. »Dann war ich in Südengland auf einer verlassenen Ritterburg. Dort habe ich eine alte Dame getroffen, und die wollte sich eine Auszeit in einem Kloster nehmen. Und plötzlich hat sie die Liebe ihres Lebens gefunden. Ja, ja, es war der Pfarrer im Dorf. Und die beiden wollten heiraten auf einem weißen Märchenschloss. Und dann kam aber etwas dazwischen. Und aus der großen Liebesgeschichte ...« Die Fee guckt auf die Uhr. »17 Uhr!«, sagt sie erleichtert.
»Wie geht die Geschichte aus?«, sagt das Wiesel.
»Ist doch völlig egal«, sagt die Fee. »Sie wollten doch Ihre Käsearmee haben.«
»Herrjemine!«, ruft das Wiesel. »Die Käsearmee! Wie spät ist es?«
Die Fee zieht die Uhr des Wiesels unter ihrem Popo hervor. »Nanu«, sagt die Fee gespielt überrascht. »Hier ist ja Ihre Uhr. Wie kommt denn die dahin?«
»Ja, wie kommt sie dahin?«, sagt das Wiesel.
»Keine Ahnung«, sagt die Fee.
»Wie spät ist es überhaupt? 17 Uhr? Die Party geht in einer halben Stunde los! Haben Sie denn die Wieselarmee jetzt fertig?«
Die Maus kommt triumphierend aus dem Käselager. Auf ihren Händen balanciert sie ein riesiges Tablett, das sie kaum halten kann. Mit dem Tablett kommt sie kaum durch die Tür, doch das Tablett ist ewig lang, und auf dem Tablett stehen 400 Wieselfiguren aus Metall, die mit Käse überzogen sind. Und die Maus weiß, dass die Figuren funktionieren.
»Würden Sie mir mal einen Gefallen tun?«, sagt die Käsemaus zum Wiesel.
Das Wiesel guckt die Figuren an. »Meine Güte«, sagt das Wiesel. »Aber wir hatten doch über 50 Figuren gesprochen?«
»Eine Armee mit weniger als 400 Soldaten? Was wollen Sie denn damit?«, sagt die Fee.
»Nun gut«, sagt das Wiesel, »da haben Sie allerdings auch recht. Aber sagen Sie, die Käsefiguren, die stehen ja völlig still. Die Armee sollte sich bewegen! Es funktioniert alles nicht. Wie soll denn die Party jetzt steigen? Wir haben nur noch eine halbe Stunde Zeit!«
»Marsch!«, ruft die Fee.
Die Käsefiguren marschieren im Gleichschritt. Drei Schritte nach vorne. Die ersten Figuren fallen dabei vom Tablett.
»Oje«, sagt die Maus. »Das hatte ich nicht bedacht. Die Figuren, die drei Schritte nach vorne gehen, fallen vorne runter, wenn sie keine drei Schritte vom Rand entfernt sind.« Und purzeln zu Boden. Und die restlichen Figuren gehen alle wieder drei Schritte zurück.
»Wow, das ist ja fantastisch!«, sagt das Wiesel. »Das ist ja die schönste Käse-Wiesel-Käsearmee-Festtagsplatte, die ich jemals gesehen habe!«
»Und die einzige, die ich jemals gesehen habe«, sagt die Fee.
»Wie viel bin ich Ihnen schuldig?«, ruft das Wiesel.
»Ah«, sagt die Käsemaus. »Das war ein super Spezialauftrag. Ich weiß nicht«, sagt die Maus, »was wir dafür berechnen sollen. Wir haben dafür keinen regulären Preis. Aber ich würde mal sagen ...« Die Maus stupst das Kassensystem an.
»Mpf, mpf«, sagt das Kassensystem.
»Ach so, du bist ja noch auf stummgeschaltet«, sagt die Maus. »Kannst du es mir ins Ohr flüstern?«
»Na klar«, flüstert das Kassensystem. »Wie wäre es mit 150.000 Euro? Denn 50.000 musstet ihr ja schon bezahlen an den Fuchs. Und na ja, das ist ein wirklich riesiger Auftrag. Außerdem sollten die Hamster auch mal was abbekommen.«
»So machen wir es!«, ruft die Maus.
»Hast du schon wieder Marsch gerufen?«
»Nein, habe ich nicht«, sagt die Maus. »Also«, sagt die Maus, »ich sehe schon, Sie sind sehr begeistert. Die Medizin geht aufs Haus.«
»Welche Medizin?«, sagt das Wiesel.
»Gar nix, gar nix!«, ruft die Fee. »Sie meint, die Frappuccinos gehen aufs Haus! Mit den Himbeeren drin.«
»Ich denke, da waren Erdbeeren drin?«
»Da war alles Mögliche drin«, sagt die Fee. »Aber auch Erdbeeren und Himbeeren und so einige andere Dinge, was man so gebrauchen kann an einem gesprächigen Tag.«
»Was für ein gesprächiger Tag«, sagt das Wiesel. »Ich war den ganzen Tag nicht hier.«
»Äh«, sagt die Fee. »Genau genommen waren Sie hier.«
»Ja«, sagt das Wiesel. »Ich weiß nicht. Diese Armee ist fantastisch. Was bin ich Ihnen schuldig?«
»150.000!«, ruft die Maus in begeistertem Tonfall.
»Kein Problem!«, ruft das Wiesel.
»Oje, Wahnsinn«, sagt die Maus.
»Das ist echt viel Geld«, sagt die Fee.
»Kann ich hier mit meiner goldenen Kreditkarte zahlen?«, sagt das Wiesel. »Und Sie beide ... Sie sind natürlich eingeladen zur größten Wieselparty des Saturns!«, ruft das Wiesel und nimmt endlich die Käseplatte entgegen.
In dem Moment betritt ein Bär den Käseladen.
»Schönen guten Abend, die Damen«, sagt der Bär. »Ich hätte da einen Großauftrag für Sie. Können wir den möglicherweise heute noch abwickeln?«
»Ah«, sagt die Maus. »Heute kann ich gar nichts mehr abwickeln.« Die Maus guckt auf ihre Hände, die völlig angestrengt sind von der ganzen Käseformerei. Und ein bisschen hat sie sich mit dem Flammenwerfer auch ihr Fell angesenkt. Außerdem hat sie sich einen kleinen Schnupfen geholt von dem ständigen Ventilatorenwind. Und sie ist überall voller Hamsterhaare, weil die Hamster wieder ein paar Haare verloren haben. Einige sind sogar im Käse gelandet. Aber da man die Hamsterhaare sowieso kaum von Wieselhaaren unterscheiden kann, dürfte das wahrscheinlich nicht weiter auffallen auf der großen Wieselparty.
»Auf jeden Fall«, wiederholt der Bär, »habe ich einen Spezialauftrag.«
»Dann müssen Sie wohl morgen wiederkommen.«
»Dann müssen Sie wohl morgen wiederkommen«, sagt die Fee. »Also, heute war hier wirklich genug los.«
»Und ich sage Ihnen«, sagt das Wiesel, »diese beiden Damen hier, die liefern ab! Das ist nicht schlecht. Marsch!«, ruft das Wiesel, und die Käsefiguren marschieren drei Schritte hin, drei Schritte zurück.
»Nicht schlecht«, sagt der Bär und guckt auf die ewig lange Käseplatte mit fast 400 marschierenden Wieseln.
#14 Honigparmesan
Der galaktische Käseladen mit der kleinen galaktischen Käsemaus.
Wuuuuuuuusch! Pliiiitsch!
Die Fee hüpft und tanzt durch den Garten. Sie gackert und hüpft weiter durch den Garten. Die Maus ist immer noch unter Wasser. Jetzt kommt sie mit dem Kopf aus dem Wasser raus.
»Pfffft!«, macht die Maus.
»Hahaha!«, kreischt die Fee und reicht der Maus eine viel zu heiße Tasse Kaffee in die Hand.
»Au!«, sagt die Maus. »Was soll der Quatsch? Warum bin ich in einem Wasserbottich?« Die Maus guckt sich verwirrt um und kann kaum sehen, weil ihr immer noch Wasser über die Augen läuft.
Die Fee hat aus alten Holzresten eine kleine Wasserbahn, eine Wasserrutsche im Garten gebaut und hat die Maus schlafend 10 Meter runterrutschen lassen, bis sie in einem riesigen Wasserbottich gelandet ist, wo sie dann schließlich aufgewacht ist.
»Coole Idee, oder?«, sagt die Fee.
»Hä?«, sagt die Maus. »Was ist eine coole Idee? Aua, der Kaffee ist viel zu heiß.« Die Maus stellt den Kaffee auf dem Rand des Wasserbottichs ab. »Sag mal, spinnst du?«, sagt die Maus. »Wer soll denn da bis ganz nach oben kommen?« Die Maus guckt sich die wackelige Holzkonstruktion an, die die Fee schnell zusammengezimmert hat.
»Wieso nach oben kommen?«, sagt die Fee. »Du warst gerade schon oben!«
»Ich war was?«, sagt die Maus. »Das ist doch viel zu hoch! Das ist völlig ungesichert!«
»Tja, hat aber geklappt«, sagt die Fee.
»Aber es hätte auch schiefgehen können«, sagt die Maus. »Und dann?«
»Äh«, sagt die Fee. »Ich bin eine Wunschfee. Bei mir geht nichts schief.«
»Ach so«, sagt die Maus. »Na gut, das ist natürlich ein Argument. Meine Güte.« Die Maus guckt nochmal hoch. Dann guckt sie die Fee entsetzt an. »Sag mal, Fee. Kann es sein, dass uns auch Kinder zuhören?«
»Kinder zuhören? Was fantasierst du denn da?«, sagt die Fee.
»Don't try this at home«, sagt die Maus.
»Was?«, sagt die Fee. »Was redest du denn da?«
»Das war Englisch und das heißt: Versucht das nicht zu Hause! Es wird keine 10 Meter hohe Wasserbahn gebaut, nur um die Mitbewohnerin aufzuwecken!«
»Aber warum denn nicht?«, sagt die Wunschfee. »Das ist doch völlig in Ordnung.«
»Ja, aber nur, wenn man eine Wunschfee ist!«
»Okay, dann brauchen wir eine Ausnahmeregel«, sagt die Fee. »Die Ausnahmeregel lautet: Wenn du eine Wunschfee bist und Flügel wie eine Libelle hast und ein schickes Kleidchen trägst, durch den Raum fliegen kannst und Wünsche erfüllen kannst, und wenn du 15 Zentimeter groß bist und keinen Zentimeter größer, dann darfst du eine 10 Meter hohe Wasserrutsche bauen und deine Mitbewohnerin dort runterrutschen lassen, wenn sie eine Maus ist und verlottertes, verzotteltes Fell hat!«
»Ich hab kein verlottertes, verzotteltes Fell«, sagt die Maus.
»War ja nur Quatsch«, sagt die Fee. »Wolltest du auch mal was sagen?« Die Fee schlürft ihren Kaffee aus, der viel zu heiß ist. »Weißt du eigentlich, wie spät es ist?«, sagt die Fee.
»Keine Ahnung«, sagt die Maus. »Ich weiß noch nicht mal, wo ich hier bin.«
»Du bist in unserem Garten«, sagt die Fee. »Und es ist fünf Minuten vor acht.«
»Was?«, sagt die Maus und hüpft nass aus dem Wasser raus. »Ich muss mich anziehen!«
»Schon vergessen, Maus?«
»Was denn?«, sagt die Maus.
»Du bist eine Maus, du trägst keine Klamotten.«
»Ach ja«, sagt die Maus, »ich trag ja gar keine Klamotten. Ich hab ja nur mein pitschenasses Fell. Morgens um acht. Und einen zu heißen Kaffee.« Die Maus trinkt den zu heißen Kaffee. »Oh«, sagt die Maus. »Viel zu heiß, meine Güte. Aber was soll's? Wir müssen los in den Käseladen. Die Kundschaft wartet schon.«
Die beiden nehmen den Düsenjet, um extra schnell beim Käseladen zu sein. Sie brettern mit ihrem elektrobetriebenen Düsenjet über den Wald durch die Straßen und landen unsanft vor dem Käseladen.
Die Maus sieht schon von weitem, dass vor dem Käseladen ein zotteliger Bär steht.
»Meine Güte«, sagt die Maus. »Das lässt einem aber auch keine Ruhe.«
»Morgen«, sagt die Maus im Vorbeigehen. »Was können wir für Sie tun?«
»Ich habe einen Großauftrag«, sagt der Bär.
»Sie haben was? Sie haben Brotbelag?«, sagt die Maus. »Kommen Sie rein mit Ihrem Brotbelag.«
»Großauftrag!«, sagt der Bär.
»Ja, ja, ja«, sagt die Maus. »Das erzählen Sie alle, und am Ende bestellen Sie doch nur zwei Stück Käse.«
»Sag mal«, sagt die Fee. »So behandelt man doch keine Kundschaft! Vielleicht hat der Bär wirklich einen Großauftrag. Das weißt du doch gar nicht.«
»Nee, weiß ich natürlich nicht. Aber wenn man so miserabel geweckt wurde wie ich heute Morgen, dann weiß man so einiges nicht und denkt so einiges und sagt so einiges zu einigen Leuten, die dann gar nichts mehr sagen wollen.«
»Außer vielleicht: Hey«, sagt die Fee, »möchten Sie vielleicht einen Cappuccino trinken, und dann reden wir in aller gemütlichen Ruhe über Ihren Großauftrag?«
»Sehr gern«, sagt der Bär. »Nichts für ungut. Aber könnten wir vielleicht miteinander sprechen? Ihre Kollegin, die scheint mir heute ein bisschen mit dem falschen Fuß aufgestanden zu sein.«
»Ich wünschte«, sagt die Maus, »ich wünschte, ich wäre mit *irgendeinem* Fuß aufgestanden! Stattdessen bin ich kopfüber in einem Wasserbassin gelandet.«
»Tatsächlich?«, sagt der Bär. »Es ist ja genau das Gleiche, was mir heute Morgen passiert ist.«
»Wirklich?«, sagt die Maus.
»Ja«, sagt der Bär. »Meine Mitbewohnerin, die Elly, die ist auch eine Bärin und manchmal macht sie ein bisschen Quatsch und denkt sich verrückte Sachen aus. Neulich ist sie sogar mit einer Trommel und einem Schlagbecken durch die Wohnung stolziert und hat gerufen: ›Heißa, hussa, der Herbst ist da!‹ oder so etwas, und hat darauf rumgedroschen wie eine Verrückte. Und heute Morgen, wie gesagt, da bin ich über eine kleine Plastikrutsche – so ein Kinderding – in ein Waschbecken ... ich meine, Entschuldigung, in ein Planschbecken hineinbefördert worden, und mein Fell war pitsche-pitsche-nass«, sagt der Bär. »Ich musste mich viereinhalb Stunden lang föhnen.«
»Viereinhalb Stunden lang föhnen«, sagt die Maus und schüttelt sich. Wasser fliegt durch die Gegend.
»Ih«, sagt der Bär, »Sie sind ja immer noch ganz nass!«
»Ja«, sagt die Maus, »ich hätte nicht gedacht, dass ich mal einen Leidensgenossen treffe und dass der sogar ein Bär ist.«
»Ja«, sagt der Bär, »aber eigentlich habe ich hier gar keinen Wurstbelag, sondern tatsächlich einen Großauftrag. Und ich habe es auch ein kleines bisschen eilig.«
»Ach«, sagt die Maus, »das sagen sie alle.«
»Das sagen sie alle«, sagt die Fee. »Das stimmt aber auch immer bei unseren Kunden! Unsere Kunden sind nämlich die allerbesten Kunden des ganzen Saturns«, sagt die Fee und schmachtet den Bären an.
»Sag mal, was ist denn mit dir los?«, sagt die Maus.
»Ich versuche, deine schlechte Laune auszugleichen.«
»Bitte«, sagt der Bär, »was reden Sie denn so böse mit der Maus? Das ist doch ein ganz liebes Geschöpf.«
»Ja, ja«, sagt die Fee. »Lieb zu Ihnen vielleicht, weil Sie Leidensgenossen sind. Aber in Wahrheit ...«
»Ja, bitte?«, sagt der Bär. »Was ist in Wahrheit?«
»Wurden Sie auch schon mal unsanft geweckt?«
»Oh ja«, sagt die Fee. »Andauernd.«
»Andauernd?«, sagt die Maus. »So ein Quatsch! Nun trinken Sie erstmal Ihren Cappuccino-Frappuccino mit geeisten Himbeeren und so weiter«, sagt die Maus, »und was für einen Großauftrag haben Sie denn?«
»Nun ja«, sagt der Bär. »Also, wir haben da so eine Großveranstaltung mit unserem Bärenverein. Wir sind nämlich die ›bärenstarken Jungs und Mädchen‹. Also, die ›bärenstarken Mädchen und Jungs‹ genauer genommen, wir haben uns gerade umbenannt. Und wir veranstalten ein Fest zu Ehren des Waldes, in dem wir wohnen. Na ja, und dazu dachte ich, besorgen wir mal etwas Besonderes.«
»Etwas Besonderes«, sagt die Maus.
»Nun ja, Sie wissen ja, wir Bären, wir essen typischerweise nicht zu viel Käse. Aber wenn in dem Käse vielleicht etwas drin wäre, was wir Bären besonders gerne mögen ...«
»Oh«, sagt die Maus, »ich habe hier zufällig einen Käse mit Thunfisch.«
Sagt der Bär: »Käse mit Thunfisch, ich weiß nicht. Hätten Sie nicht vielleicht auch ein Angebot mit Lachs? Oder vielleicht sogar einen Käse mit Honig drin?« Der Bär schleckt sich über die Lefzen.
»Muss mal im Lager gucken«, sagt die Maus.
»Nun sei doch mal ein bisschen netter«, sagt die Fee. »Das ist so ein schnuckliger Bär.«
»Ich bin nicht schnucklig«, sagt der Bär, »ich fresse dich gleich auf.«
»Wie bitte?«, sagt die Fee. »Ich wüsste nicht, dass wir schon beim Du waren, dass ich Sie gleich auffresse.«
»Meinen Sie die Maus?«
»Nein, Sie! Sie kleine Fee!«, sagt der Bär und knuddelt die Fee an der Wange.
»Hey«, sagt die Fee. »Ich werde doch wohl nicht an der Wange geknuddelt!«
»Das ist ein schnuckliger Bär«, sagt der Bär und zeigt seine Reißzähne.
»Uiuiuiui«, sagt die Fee, »die sind aber gut geputzt.«
»Selbstverständlich«, sagt der Bär, »und sie sind messerscharf. Also, wenn ich nicht bald meinen Honigkäse kriege ...«
»Honigkäse«, wiederholt die Fee, »na, Sie haben Ideen.«
»Ich hab tatsächlich was gefunden«, sagt die Maus. »Es geht ein bisschen in die Richtung.« Die Maus rollt einen Käselaib aus dem Lager hervor. »Der ist aber schon ein bisschen älter.«
»Uiuiui, der hat aber einen kräftigen Duft«, sagt der Bär.
»Ja, das ist ein Hartkäse«, sagt die Maus. »Aber es ist tatsächlich alter, vertrockneter ... ich meine, getrockneter Honig drin. Hier, probieren Sie mal eine Ecke.«
Die Maus versucht mit einem Messer, den Käselaib zu zerschneiden. Sie kommt keinen Millimeter in den harten Käse rein. »Äh...«, sagt die Maus. »Es ist ein... äh... besonderes Exemplar. Und da muss ich eventuell... ähm... hm...« Die Maus rennt ins Lager, setzt sich eine Schutzbrille auf und kommt mit einer kleinen Kettensäge zurück. Sie sägt ein Stück Käse mit der Kettensäge aus dem Käselaib.
»Meine Güte«, sagt der Bär, »Sie sind aber solide ausgerüstet.«
»Selbstverständlich«, sagt die Maus und reicht dem Bären ein Stück Käse. Sie klopft vorher darauf. Der Käse ist steinhart.
Der Bär zerkaut den Käse locker zwischen seinen riesigen Zähnen, und die Fee guckt ehrfürchtig zu.
»Uiuiui, da will man aber nicht zwischen landen«, sagt die Fee. »Na gut, dass wir hier noch den richtigen Käse gefunden haben, nicht wahr?«
»Oh ja«, sagt der Bär, »der ist fantastisch. Wie viele Käselaibe können Sie denn davon liefern?«
»Äh«, sagt die Maus. »Das ist der Einzige. Da müssten wir uns wohl was Neues ausdenken.«
»Hm«, sagt der Bär, »also den nehme ich auf jeden Fall schon mal. Das ist ja eine Delikatesse. Vielleicht müssen wir den in noch dünnere Scheiben schneiden.«
»Ja, das wäre auch möglich«, sagt die Maus. »Und schauen Sie mal, da ich den sowieso mit einer Kettensäge schneiden muss, schlage ich Ihnen zwei Sachen vor: Sie kriegen ultradünne Scheiben von diesem Käse, der ist ja sowieso so hart, dass er wunderbar hält. Und den Rest der Späne, die da so rausfliegen, wenn ich mit der Kettensäge durchsäge, den nehmen Sie einfach als so eine Art Parmesan. Honigparmesan! Und dann kochen Sie sich zum Beispiel Nudeln mit Lachs. Wie wäre es denn damit?«
»Nudeln mit Lachs«, sagt der Bär, »das klingt ja verführerisch.«
»Nicht wahr?«, sagt die Maus. »Nudeln mit Lachs und Honigparmesan-Käse.«
»Hm«, sagt der Bär. »Sie sind ja eine richtige Gourmetköchin!«
»Ich? Ich kann überhaupt nicht kochen«, sagt die Maus.
»Sie sind engagiert!«, sagt der Bär.
»Was?«, sagt die Maus.
»Sie werden meine Köchin«, sagt der Bär.
»Aber nicht doch«, sagt die Maus. »Ich kann das überhaupt nicht.«
»Sie kann überhaupt nicht kochen«, sagt die Fee. »Ich bin die Köchin von uns beiden.«
»Sie?«, sagt der Bär. »Sie können doch nicht mal einen Kochlöffel halten.«
Der Bär zaubert unter seinem Fell einen Kochlöffel hervor und wirft ihn der Fee zu. Die Fee ächzt unter dem Gewicht. »Uh!«, ruft die Fee, als sie den Kochlöffel fangen möchte. Sie fällt fast zu Boden, fängt sich dann aber doch wieder und kann den Löffel in der Hand halten. »Schauen Sie hier, schauen Sie hier!«, sagt die Fee und wankt hin und her, weil der Löffel so schwer ist. Es ist natürlich ein Bärenlöffel. Er ist einen Meter groß, und die kleine Fee ist ja nur 15 cm groß. So groß wie eine Hand. Der Löffel ist so groß wie ein Kinderfahrrad.
»Ich koche für Sie, was Sie wollen!«, sagt die Fee.
»Haben Sie nichtaufgepasst?«, sagt der Bär. »Ich will ...«
»Ich weiß, ich weiß«, sagt die Fee. »Sie wünschen sich Nudeln mit Lachs, mit Parmesan-Honigkäse. Hex, hex!«, ruft die Fee.
In der Ecke erscheint ein kleiner bronzefarbener Topf, der auf dem Cappuccino-Tisch steht. Und darin befindet sich eine Portion von den Nudeln mit dem Lachs und dem Honigparmesan.
»Bitte was?«, sagt der Bär. »Woher kommt dieser Topf?«
»Äh«, sagt die Fee. »Weiß ich auch nicht.«
»Der muss wohl vom Himmel gefallen sein«, sagt die Maus. »Sie ist eine Wunschfee, sie macht sowas häufiger. Kann mal passieren, tut mir leid.«
»Bitte wie?«, sagt der Bär. »Aber Sie können doch wohl nicht zaubern?«
»Äh«, sagt die Fee. »Nun ja, genau genommen schon. Aber ich tue es sehr ungern.«
»Wie, Sie tun es sehr ungern?«, sagt der Bär. »Sie gehen hier noch arbeiten in diesem Käseladen mit dieser kleinen verrückten Maus? Entschuldigen Sie, ich wollte nicht unhöflich sein, aber Sie sind doch nicht ganz beisammen, so wie Sie mich hier heute Morgen angefahren haben.«
»Ich muss doch sehr bitten«, sagt die Maus. »Ich hab Sie doch nicht angefahren.«
»Auf jeden Fall«, sagt der Bär, »hilft mir das überhaupt nicht weiter. Ich hab doch hier nur einen Käselaib und eine kleine Portion Nudeln. Haben Sie überhaupt Besteck dazu?«
»Hex, hex«, murmelt die Fee.
»Was haben Sie gesagt?«
»Hex, hex«, sagt die Fee, und zweimal Besteck fällt neben die Nudeln. »Jetzt haben wir es zweimal«, sagt die Fee.
»Was haben wir zweimal?«
»Na, das Besteck, das da gerade runtergefallen ist.«
Die kleine Fee und der große Bär teilen sich den Topf Nudeln.
»Fantastisch«, schwärmt der Bär. »Wie viel können Sie davon hexen?«
»Gar nichts mehr«, sagt die Fee. »So ist das nicht gedacht. Ich möchte für Sie kochen.«
»Und ich möchte auf keinen Fall für Sie kochen!«, ruft die Maus.
»Und ich möchte«, sagt der Bär, »dass Sie beide meine Köchinnen werden. Sie werden die Chefköchin« – er zeigt auf die Fee – »und Sie werden die Assistentin!« Er zeigt auf die Maus.
»Ich bin doch nicht die Kochassistentin«, sagt die Maus. »Ich bin eine ernstzunehmende Geschäftsfrau.«
»Geschäftsfrau, wow, wow«, sagt der Bär. »Was auch immer. Auf jeden Fall brauche ich auf meiner Party genau diese Nudeln mit genau dieser Lachssauce und dem Käse. Wissen Sie was? Ich habe eine viel bessere Idee. Wir nehmen den Käselaib, wir zerraspeln den zu Parmesankäse, und den Rest besorgen Sie und kochen für mich. Wir sehen uns um 14 Uhr.«
»Um 14 Uhr?«, sagt die Maus. »Das schaffen wir niemals!«
»Das schaffen wir«, sagt die Fee. »Ist überhaupt kein Problem. Wir schließen den Käseladen für heute. Wie viele Bären kommen denn da überhaupt?«
»Wie viele Bären da kommen? 70 Stück«, sagt der Bär. »Aber ich muss Sie vorwarnen: Wir sind keine kleinen Wiesel oder so etwas.«
»Wie kommen Sie denn auf Wiesel?«, sagt die Maus.
»Nur so eine Ahnung«, sagt der Bär. »Wir haben auf jeden Fall einen Bärenhunger, das kann ich Ihnen versprechen.«
»Bärenhunger«, notiert die Fee und schreibt einen kleinen Einkaufszettel. »Nudeln kaufen, Lachs kaufen, Bio-Lachs ... möglichst vegan, wenn es geht.«
»Sie wollen veganen Lachs kaufen? Für Bären?«, sagt der Bär mit einer abfälligen Mundbewegung.
»Halten Sie sich da raus, ich bin die Chefköchin.«
»Oh ja, sehr wohl«, sagt der Bär. »Sie sind die Chefköchin.«
»Und Honig-Parmesankäse. Dazu brauchen wir noch kleine Tellerchen mit Bären drauf.«
»Wie wäre es mit Teddybären, das wäre doch witzig?«, sagt der Bär. »Die Bären essen alle aus Tellern mit Teddybären drauf! Das ist eine lustige Idee, Sie gefallen mir.«
»Wunderbar«, sagt die Fee. »Wir haben einen Deal. Catering-Service mit zwei Köchinnen dabei, dann noch die Schürzen dazu ... Sie können mit Karte zahlen, macht 125.000 Euro.«
»Wie bitte?«, sagt der Bär. »Das ist ja ein Wucherpreis!«
»Na klar«, sagt die Fee. »Wir sind auch der beste Käseladen des Saturns.«
»Na ja«, sagt der Bär, »also so viel Geld wollte ich dafür nun wirklich nicht ausgeben.«
»Na gut«, sagt die Fee. »Dann kochen wir eben heute Abend bei uns zu Hause Nudeln und machen uns ein bisschen Pesto drauf.«
»Nee, war ja nicht so gemeint«, sagt der Bär. »Also, Sie gefallen mir. Natürlich buche ich Ihren wunderbaren Service.«
»Wir sehen uns um 14 Uhr!«, ruft die Fee. »Bis die Tage!«
Der Bär zahlt noch schnell mit seiner kleinen braunen Kreditkarte, die er aus dem Wald mitgebracht hat, und bedankt sich herzlich.
Um 14 Uhr geht die große Bärenparty los. Die Maus und die Fee haben die Nudeln schon vorgekocht und haben etliche kleine Tonnen voller Lachsfleisch dabei. Genau wie die Fee es wollte, alles streng vegan.
»Hier auf dem Saturn«, sagt die Fee, »ist das heutzutage schon möglich, gar kein Problem. Hier, den Unterschied schmecken sie gar nicht!«
Die kleine Fee pfeffert dem Bären ein Stück echten Lachs in den Mund, den sie auch noch besorgt hat, um den Vergleich zu verkosten. Der Bär schmatzt den Lachs weg. Sagt der Bär: »Lachs, lecker, fantastisch!«
Die Fee pfeffert ein Stück veganen Lachs hinterher. Der Bär wiederholt: »Lachs, lecker, gibt es noch mehr davon?«
»Siehst du«, sagt die Fee zur Maus, »hier funktioniert das. Na wunderbar, ab in den Topf, ordentlich Pfeffer dran für die Bären, und auf geht's!«
Die beiden kochen in Windeseile das Gericht, und die kleine Käsemaus nimmt ihre Kettensäge und raspelt den ganzen Parmesan-Honigkäse. Die Bären setzen sich in einen großen Bärenkreis. Die Maus und die Fee füllen die Teller auf. Jeder Bär kriegt einen Teddybären-Teller und isst davon die Nudeln mit dem Lachs und mit dem Honigparmesan drauf. Dazu gibt es noch eine leichte Kräutersoße, die die Fee sich schnell ausgedacht hat. Und die beiden verköstigen sie bei ihrem ersten Catering-Auftrag.
Nach der Bärenparty im Wald sagt der Bär: »Männer, das war das beste Essen, das ich jemals bei einer Bärenparty gegessen habe! Und auch mit meinem Bärenhunger ist es jetzt vorbei. Ist ja fantastisch! Kommen Sie noch mit uns? Hier spielt noch eine kleine Bären-Liveband, und wir würden Sie gerne einladen, mit uns zu den Honigbienen zu gehen und noch etwas Honig zum Nachtisch zu naschen.«
»Ich weiß nicht«, sagt die Maus. »Bienen sind sehr große Tiere.«
Der Bär guckt an der Maus herunter. »Oder auch sehr kleine Tiere. Ich helfe Ihnen beim Honigsammeln.«
»Na dann, gern«, sagt die Maus. »Und beim nächsten Mal sprechen wir vielleicht noch ein bisschen über unsere Leidensgenossenschaft, wegen der Weckmethoden unserer Mitbewohnerinnen. Vielleicht lernen die sich ja auch mal kennen.«
»Wäre mir eine Ehre«, sagt die Fee. »Ich würde gern mal Ihre Mitbewohnerin kennenlernen. Vielleicht hat sie noch ein paar neue Aufweck-Ideen.«
»Das hat sie ganz bestimmt«, sagt der Bär. »Also vielen Dank für Ihren tollen Service. Ich komme gerne wieder und ich empfehle Sie auch weiter. Ich glaube, Sie sind wirklich der beste Käseladen des Saturns.«
»Das sind wir«, sagt die Maus. »Gute Nacht!«
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